Diese Arbeit soll einen Überblick über das Vorgehen der Wettbewerbsbehörden bei der Marktmachtbestimmung geben. Sie soll die Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen den einzelnen Konzepten der Marktmachtbestimmung aufzeigen, und diese Konzepte kritisch einschätzen. Dabei soll beantwortet werden, welche Methoden der Marktmachtbestimmung existieren, und
welche davon in der Praxis angewandt werden. Diese Ansätze sollen im Anschluss miteinander verglichen werden. Weiterhin wird diese Arbeit diskutieren, ob es nicht womöglich bessere Methoden als die in der Praxis üblichen gibt, um Marktmacht von Unternehmen zu bestimmen.
Insbesondere große und internationale Übernahmegeschäfte wie die Übernahme des amerikanischen Saatgutriesen Monsanto durch das Pharma- und Agrar-Chemieunternehmen Bayer im Jahr 2018, mit einem Transaktionspreis von ca. 60 Milliarden Euro, sind in den letzten Jahren immer wieder Gegenstand politischer Debatten und ziehen mediale Aufmerksamkeit auf sich. Was für Aufwand hinter solch großen Fusionen steht ist für den Laien oft nicht vorstellbar. So wurde die genannte Fusion von verschiedenen Kartellbehörden in den USA, der EU, China, Südafrika, Brasilien, Kanada, Mexiko, und vielen weiteren Staaten geprüft, was viele Millionen kostete.
Zu Beginn dieser Arbeit wird dargestellt, was unter dem Marktmachtbegriff zu verstehen ist, und Fusionen im Allgemeinen sowie der Fusionskontrollprozess näher erläutert. Im Anschluss werden die deutsche sowie die europäische Fusionskontrollpraxis vorgestellt. Dabei wird auch ein kurzer Ausblick in die US-amerikanische Fusionskontrolle gegeben. Um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen, wird der Fokus vermehrt auf die deutsche und europäische Fusionskontrolle gelegt. Die vorliegende Arbeit berücksichtigt dabei sowohl die juristische als auch die ökonomische Perspektive, denn beide
spielen im Fusionskontrollprozess eine wichtige Rolle.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen
2.1 Der Marktmachtbegriff
2.2 Die Fusionskontrolle
2.2.1 Der Fusionsbegriff
2.2.2 Der Fusionskontrollprozess
2.3 Die Wettbewerbsbehörden und Zuständigkeitsbereiche
2.4 Zwischenfazit und weiteres Vorgehen
3 Die Abgrenzung des relevanten Marktes
3.1 Die Notwendigkeit der Marktabgrenzung
3.2 Der sachlich relevante Markt
3.2.1 Das Bedarfsmarktkonzept
3.2.2 Das Konzept der Kreuzpreiselastizitäten
3.2.3 Der SSNIP-Test
3.3 Der räumlich relevante Markt
4 Methoden der Marktmachtbestimmung
4.1 Der Grundgedanke ökonometrischer Analysen
4.2 Die Messung von struktureller indirekter Marktmacht
4.3 Die Messung von tatsächlicher direkter Marktmacht
4.4 Ein alternativer Ansatz der Marktmachtmessung
4.5 Diskussion
5 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert kritisch die bestehenden und diskutierten Konzepte zur Bestimmung von Marktmacht im globalen Fusionskontrollprozess, um Methoden zu identifizieren, die eine präzise Wettbewerbsprüfung ermöglichen.
- Grundlagen der Fusionskontrolle und des Marktmachtbegriffs
- Methodik der Abgrenzung sachlich und räumlich relevanter Märkte
- Strukturelle und direkte Methoden der Marktmachtmessung
- Vergleich zwischen deutschen, europäischen und US-amerikanischen Ansätzen
- Diskussion über die praktische Anwendbarkeit ökonometrischer Modelle
Auszug aus dem Buch
3.2.3 Der SSNIP-Test
Der SSNIP-Test („small but significant and non-transitory increase in price“), auch Hypothetischer Monopolisten-Test genannt, ist eine häufig in der Rechtspraxis verwendete Alternative zum Bedarfsmarktkonzept, und hat auch in die Entscheidungspraxis der EU-Kommission Eingang gefunden. Bei diesem Test wird die Frage gestellt, ob es für einen Monopolisten im Hinblick auf die Profitabilität lohnenswert wäre, die Preise zu erhöhen. Allerdings können die Kunden auch so reagieren, dass sie das Produkt nicht mehr kaufen, oder auf ein ähnliches Produkt ausweichen, welches die gleichen Bedürfnisse befriedigt (Nachfragesubstitution). Auch können Produzenten in benachbarten Märkten die Kunden günstiger bedienen, indem diese die Produktionsanlagen oder Distributionskanäle umstellen (vgl. Friederiszick 2006, S. 3 f.).
Um solche Substitutionsbeziehungen zu bestimmen, werden Kunden von der Kommission im Rahmen der Bedarfsmarkt-Analyse befragt, ob sie bei einer Preiserhöhung zwischen 5 und 10 % auf ein anderes Produkt ausweichen würden (Nachfragesubstituierbarkeit) (vgl. Kommission 1997, S. 3 Rn 17). Ist ein sofortiges Ausweichen auf andere Produkte der Fall, so würde sich eine Preiserhöhung für das jeweilige Unternehmen nicht lohnen, und der Markt wird auf weitere Produkte ausgeweitet (vgl. Örtel 2005, S. 90 f.). Der Markt wird solange erweitert, bis eine Preiserhöhung profitabel wird (vgl. Kommission 1997, S. 3 Rn. 17). Der SSNIP-Test wurde zuerst im US-amerikanischen Kartellrecht angewandt. Allerdings wird hier untersucht, ob ein hypothetischer Monopolist eine (kleine) dauerhafte Preiserhöhung vornehmen würde, um den Gewinn zu maximieren (vgl. Wingerter 2016, S. 41). Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der SSNIP-Test ein zweistufiges Verfahren ist, das im ersten Schritt die Nachfragereaktion auf eine Preiserhöhung analysiert, um dann im zweiten Schritt zu beantworten, ob sich diese Preiserhöhung für den (hypothetischen) Monopolisten lohnt (vgl. Müller 2007, S. 117).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Stellt das Forschungsziel vor, die Notwendigkeit der Marktmachtbestimmung bei globalen Fusionen zu untersuchen und bestehende Konzepte kritisch zu vergleichen.
2 Grundlagen: Definiert Marktmacht und Marktbeherrschung und erläutert den rechtlichen und administrativen Ablauf der Fusionskontrolle in Deutschland, Europa und den USA.
3 Die Abgrenzung des relevanten Marktes: Analysiert die theoretischen und praktischen Methoden zur Definition sachlicher und räumlicher Märkte als notwendige Vorstufe der Marktmachtanalyse.
4 Methoden der Marktmachtbestimmung: Vergleicht verschiedene ökonometrische Modelle zur Messung struktureller und direkter Marktmacht sowie alternative, neuere Ansätze.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet die zukünftigen Anforderungen an die Wettbewerbsbehörden hinsichtlich verbesserter Analysemethoden.
Schlüsselwörter
Fusionskontrolle, Marktmacht, Marktbeherrschung, Marktabgrenzung, Wettbewerbspolitik, SSNIP-Test, Herfindahl-Hirschman-Index, Konzentrationsraten, Lerner Index, ökonomische Analyse, Unternehmenszusammenschluss, Kartellrecht, Preiselastizität, Wettbewerbsbehörden, allokative Ineffizienz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und dem Vergleich verschiedener Methoden zur Bestimmung von Marktmacht im Rahmen internationaler Fusionskontrollverfahren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit deckt die theoretischen Grundlagen der Marktmacht, Methoden der Marktabgrenzung sowie sowohl indirekte als auch direkte Indikatoren der Marktmachtmessung ab.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Überblick über das Vorgehen der Wettbewerbsbehörden zu geben, die verschiedenen Konzepte kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, ob es überlegene Methoden für die Praxis gibt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rechts- und wirtschaftswissenschaftliche Literaturanalyse sowie den kritischen Vergleich ökonometrischer Modelle wie HHI, SSNIP-Test und Lerner Index.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Marktabgrenzung und die detaillierte Vorstellung sowie Diskussion verschiedener Messmethoden für Marktmacht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Fusionskontrolle, Marktmacht, Marktabgrenzung, Wettbewerbsrecht und verschiedene Indizes zur Konzentrationsmessung.
Warum ist die Marktabgrenzung so entscheidend?
Die Marktabgrenzung dient als Vorentscheidung; eine zu enge oder zu weite Abgrenzung beeinflusst das Ergebnis der Marktanteilsberechnung und somit die Bewertung einer Fusion maßgeblich.
Was ist das Hauptproblem der bisherigen Messmethoden?
Die meisten traditionellen Modelle erfordern eine sehr hohe Datenmenge, die in der Praxis oft nur schwer zu beschaffen ist, und bilden zudem nicht immer die Realität ab.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2019, Konzepte der Marktmachtbestimmung im Fusionskontrollprozess. Eine kritische Analyse bestehender und diskutierter Ansätze im globalen Vergleich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539312