Die zentrale Fragestellung der vorliegenden Hausarbeit bezieht sich darauf, inwiefern sich die Adressatenorientierung als eine Eigenschaft der untersuchten Videospiel-Tutorials identifizieren lässt. Der Fokus auf die Tutorials und nicht auf die Videospiele als Ganzes lässt sich damit begründen, dass Tutorials in erster Linie grundlegende Spielmechaniken und Bedienelemente eines Spiels explizieren und in die Handlung desselben einführen. Dabei adressieren sie, auf welche Art und Weise auch immer, den Spieler, der ebendiese Spielmechaniken und Bedienelemente erlernen soll und somit gleichermaßen einen ersten Einblick in die Spielwelt erhält. Daher liegt die Vermutung nahe, dass die Eigenschaft der Adressatenorientierung in Videospiel-Tutorials besonders deutlich zutage tritt, weil sie sich mit einer deutlich umrissenen Absicht an den Spieler richten.
Das Konzept der Adressatenorientierung bzw. des Recipient Design stellt einen wichtigen Bestandteil schriftlicher Textproduktion und -produkte und Gespräche dar; in dieser Hausarbeit wird angestrebt, ebendieses Konzept der Adressatenorientierung auf den Untersuchungsgegenstand des Videospiels bzw. des Videospiel-Tutorials zu übertragen und in demselben als eine Eigenschaft zu identifizieren. Das Videospiel als ein ausgeprägt multimodales und interaktives Medienerzeugnis stellt dabei einen besonders interessanten Untersuchungsgegenstand dar, weil es eine Vielzahl von unterschiedlichen Modalitäten – Text, (bewegtes) Bild, Sound, Musik, usw. – in sich vereint und daher potenziell ein besonders breites Spektrum an Ausgestaltungsmöglichkeiten der Adressatenorientierung zur Verfügung hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Setzen des theoretischen Ausgangspunktes
2.1. Adressatenorientierung: Über ein wichtiges Konzept inner- und außerhalb von Text und Gespräch
2.2. Videospiel-Tutorials: Erläuterung unterschiedlicher Typen von Tutorials und der allgemeine Stellenwert derselben im Videospiel
3. Analyse ausgewählter Videospiel-Tutorials – Inhaltliche Vorbemerkungen
3.1. Deus Ex (2000)
3.2. Mirror’s Edge (2008)
4. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern sich das Konzept der Adressatenorientierung als eine Eigenschaft von Videospiel-Tutorials identifizieren lässt, wobei insbesondere die multimodale Gestaltung und die Vermittlung von Spielmechaniken im Fokus stehen.
- Übertragung der Adressatenorientierung auf multimodale Medientechnologien
- Analyse der Instruktionsstrategien in Videospiel-Tutorials
- Vergleich der Tutorial-Gestaltung in Deus Ex und Mirror’s Edge
- Rolle von Experten-Laien-Konstellationen in der Spielerführung
- Bedeutung von multimodalen Elementen (Text, Bild, Sound) für die Wissensvermittlung
Auszug aus dem Buch
3.1. Deus Ex (2000)
Im Hauptmenü des Videospiels Deus Ex kann der Spieler auf den Menüpunkt Training zugreifen, um das Tutorial des Spiels zu absolvieren. Möchte der Spieler sogleich ein neues Spiel starten, wird er zudem mittels eines Dialogfensters gefragt, ob er vorab das Tutorial durchspielen möchte; er hat die Möglichkeit, diese Frage entweder zu bejahen oder zu verneinen. Somit handelt es sich um ein optional angelegtes Tutorial, das als ein eigenständiges und vom eigentlichen Spielgeschehen isoliertes Level konzipiert ist. Es kann außerdem aufgrund dessen jederzeit absolviert werden. An dieser Stelle offenbart sich ein erstes Moment der Adressatenorientierung insofern, als der Einblick in ein mögliches Adressatenprofil gestattet wird: Ein erfahrener Spieler – oder ein Spieler, der das Spiel bereits mehrere Male durchgespielt hat – kann sogleich in das primäre Spielgeschehen einsteigen und auf eine signifikante Hilfestellung verzichten. Indes wird dem unerfahrenen Spieler – unerfahren bspw. insofern, als er mit den vorherrschenden Genrekonventionen nicht vertraut ist oder generell erst wenige Videospiele gespielt hat – die Möglichkeit geboten, sich eingehend mit den grundlegenden Spielmechaniken in einer sicheren Umgebung vertraut zu machen. Somit richtet sich Deus Ex in diesem Moment gleichermaßen an Neulinge und Genre- und/oder Spiel-Veteranen und berücksichtigt unterschiedliche Spielertypen, die entsprechend unterschiedliche Erfahrungswerte aufweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Konzept der Adressatenorientierung ein und erläutert die Zielsetzung, diese auf den Untersuchungsgegenstand der Videospiel-Tutorials zu übertragen.
2. Setzen des theoretischen Ausgangspunktes: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen zur Adressatenorientierung erörtert und die verschiedenen Typen sowie der Stellenwert von Videospiel-Tutorials definiert.
3. Analyse ausgewählter Videospiel-Tutorials – Inhaltliche Vorbemerkungen: Dieses Kapitel stellt die zu untersuchenden Videospiele Deus Ex und Mirror’s Edge vor und leitet zur konkreten Analyse über.
3.1. Deus Ex (2000): Die Analyse zeigt auf, wie in Deus Ex durch NPCs und multimodale Hilfsmittel eine gezielte Adressatenorientierung zur Vermittlung von Spielmechaniken erfolgt.
3.2. Mirror’s Edge (2008): Dieses Kapitel beleuchtet, wie Mirror’s Edge durch visuelle Markierungen und kontextabhängige Pop-Ups den Spieler durch ein obligatorisches Tutorial führt.
4. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass Adressatenorientierung als Eigenschaft von Videospiel-Tutorials sowohl explizit als auch implizit manifestiert werden kann.
Schlüsselwörter
Adressatenorientierung, Videospiel-Tutorial, Spielmechaniken, Multimodalität, Recipient Design, Instruktionscharakter, Deus Ex, Mirror’s Edge, Spielszenario, Textproduktion, Spielanleitung, Experten-Laien-Konstellation, Wissensvermittlung, Spieldesign, Spielerfahrung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das linguistische Konzept der Adressatenorientierung und wendet es auf die Gestaltung von Tutorials in Videospielen an.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Adressatenorientierung beim Schreiben, die Analyse von multimodalen Texten in Videospielen sowie didaktische Strategien im Spieldesign.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, nachzuweisen, dass Videospiel-Tutorials als interaktive Gebrauchstexte fungieren, die spezifische Prinzipien der Adressatenorientierung nutzen, um Spielern komplexe Spielmechaniken zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine qualitative Analyse ausgewählter Tutorials, basierend auf der theoretischen Grundlage von Kirsten Schindlers Arbeit zur Adressatenorientierung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden nach einer theoretischen Fundierung die Tutorials der Spiele Deus Ex und Mirror’s Edge analysiert, um die Anwendung der Adressatenorientierung in der Praxis zu belegen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Adressatenorientierung, Multimodalität, Spieldesign, Instruktionscharakter und Videospiel-Tutorial.
Wie unterscheidet sich die Tutorial-Struktur von Deus Ex im Vergleich zu Mirror's Edge?
Deus Ex bietet ein optionales Tutorial, das sich an verschiedene Spielertypen richtet, während Mirror's Edge ein obligatorisches, stark visuell geprägtes Tutorial nutzt, das keine Überspringmöglichkeit bietet.
Welche Rolle spielen NPCs bei der Vermittlung der Spielmechaniken in Deus Ex?
Die NPCs in Deus Ex fungieren als Mentoren, die dem Spieler direkt durch sprachliche und textliche Übertragungen Expertenwissen zur Steuerung und Interaktion mit der Spielwelt vermitteln.
- Arbeit zitieren
- Sarah Insacco (Autor:in), 2017, Wie sich Videospiel-Tutorials die Prinzipien der Adressatenorientierung zunutze machen. Eine Untersuchung an Deus Ex (2000) und Mirror’s Edge (2008), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539424