Die Christenverfolgung im Imperium Romanum war kein linearer Prozess, der von allen Kaisern gleichermaßen verfolgt wurde. In dieser Arbeit wird eine Zeitspanne von knapp drei Jahrhunderten behandelt, in denen die Römer zunächst lokal und später reichsweit Christen verfolgten.
Grob lassen sich die Verfolgungen in drei Phasen unterteilen: Die erste Phase bildet die Frühzeit der Entstehung des Christentums (circa 30-100 nach Christus), in der es noch nicht als eine vom Judentum gesondert zu betrachtende Religion unterschieden wurde. Erst unter Kaiser Nero kam es im Jahr 64 zu einer gezielten Verfolgung und Hinrichtung der Christen. Die zweite Phase umfasst den Zeitraum von ca. 100-250, in dem das bloße Christsein zu einem rechtlichen Strafbestand erklärt wurde, es zwar noch keine aktive Verfolgung der Behörden gab, jedoch schon einzelne Pogrome und Prozesse gegen Christen aufkamen. In der dritten Phase (250-311) kam es durch ein Opferedikt zu ersten reichsweiten und gezielten Verfolgungen und Verurteilungen von Christen, welche erst unter dem Toleranzedikt von Kaiser Galerius ein Ende fanden.
Um die Beweggründe der Christenverfolgungen durch die Römer besser nachvollziehen zu können, werden in einem ersten Schritt die Grundsätze des römischen Kults beschrieben, um in einem weiteren Schritt darauf einzugehen, wie die Religionspolitik der Römer gegenüber anderen Religionen und Kulten vor dem Auftreten des Christentums vertreten war. Im Anschluss wird darauf eingegangen wie der populus Romanus im Allgemeinen zu der christlichen Minderheit stand, da sich gezeigt hat, dass die Einstellung der paganen Bevölkerung Einfluss auf die religionspolitischen Stimmungen im Imperium haben konnte. Die religionspolitischen Hintergründe der Christenverfolgungen werden dann in ihren jeweiligen Phasen untersucht, welche dabei meist mit der Regierung eines einzelnen Kaisers in Verbindung gebracht werden können.
Dabei wurde versucht, solange die Quellenlage dies erlaubt, sowohl die römische als auch die christliche Sicht auf die Geschehnisse zu berücksichtigen. In den Unterkapiteln zu den einzelnen Kaisern wird dargelegt, was die jeweiligen Motive, Rechtfertigungen und Rechtsgrundlagen der Christenverfolgungen waren und inwiefern sich diese von der sonstigen Religionspolitik der Römer unterschieden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Der römische Kult
2.1 Kaiserkult
2.2 Römische Religionspolitik vor dem Aufkommen des Christentums
2.3 Die Wahrnehmung des Christentums vom populus Romanus
III. Die Christenverfolgungen
3.1 Nero als Auslöser und Ursprung der Christenverfolgungen?
3.2 Das Trajanreskript als juristische Grundlage
3.3 Vereinzelte lokale Christenprozesse zwischen 117 und 249
3.4 Das Opferedikt des Decius
3.4.1 Exkurs: Die Befreiung der Juden vom Opferedikt
3.5 Valerians Vorgehen gegen die Christen: Erst Freund dann Feind?
3.6 Die große Verfolgung unter den Kaisern der Tetrarchie
IV. Ausblick: Vom Toleranzedikt zur Staatsreligion
V. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die römische Religionspolitik und deren Einfluss auf die Christenverfolgungen im Imperium Romanum über einen Zeitraum von rund drei Jahrhunderten. Ziel ist es, die Motive, Rechtfertigungen und Rechtsgrundlagen der Verfolgungen zu analysieren sowie die Frage zu beantworten, ob eine zielgerichtete Systematik der römischen Politik gegenüber dem Christentum existierte.
- Römischer Staatskult und das religiöse Selbstverständnis der Römer
- Die Wahrnehmung des Christentums als "superstitio" und "Menschenhasser"
- Juristische Grundlagen und kaiserliche Mandate bei Christenprozessen
- Die Entwicklung von lokalen Repressionen hin zu reichsweiten, systematischen Verfolgungen
Auszug aus dem Buch
3.2 Das Trajanreskript als juristische Grundlage
Mit dem Adoptivkaiser Trajan brach für das Imperium Romanum eine Epoche von Glanz und Gloria an und das Reich erlangte seine größte Ausdehnung. Im 2. Jhdt. war die Lage der Christen folgende:
„Das Christentum als solches war zwar grundsätzlich verboten, wurde aber - wie das Judentum - de facto toleriert. Die Behörden griffen nur ein, wenn die öffentliche Ordnung auf dem Spiel stand - dann konnten sie allerdings die Christen die ganze grausame Macht eines Militärstaats spüren lassen.“
Wenn man sich mit den Christenverfolgungen unter Kaiser Trajan (98-117) auseinandersetzen will, muss man den Blick gen Osten richten. Hier in Syrien, Palästina und Kleinasien sind die ersten selbständigen christlichen Gemeinden entstanden, die so ausgeprägt waren, dass sie von der Bevölkerung deutlich als von den Juden unabhängige Religionsgemeinschaft wahrgenommen wurden. Dass die Lage der Christen im Osten nicht einfach war, lässt sich besonders aus den biblischen Quellen entnehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Ausgangslage ein, skizziert die drei Phasen der Christenverfolgungen und legt die methodische Herangehensweise dar.
II. Der römische Kult: Dieses Kapitel beschreibt das religiöse Fundament des Römischen Reiches, insbesondere die Bedeutung des Staatskults und die Unterscheidung zwischen öffentlichem und privatem Kult.
III. Die Christenverfolgungen: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Phasen der Verfolgung unter den Kaisern von Nero bis zur Tetrarchie.
IV. Ausblick: Vom Toleranzedikt zur Staatsreligion: Der Ausblick beleuchtet den Übergang vom Toleranzedikt des Galerius zur Erhebung des Christentums zur Staatsreligion unter Konstantin I. und seinen Nachfolgern.
V. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass es keine reichseinheitliche Systematik in den Christenverfolgungen gab, sondern diese meist Reaktionen auf Machtbedrohungen waren.
Schlüsselwörter
Römisches Reich, Christenverfolgungen, Religionspolitik, Staatskult, Trajanreskript, Opferedikt, Kaiserkult, Imperium Romanum, Apostasie, Märtyrer, Toleranzedikt, Diocletian, Decius, Valerian, populus Romanus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit behandelt das Verhältnis zwischen dem Römischen Reich und der christlichen Minderheit über drei Jahrhunderte, insbesondere die Ursachen und Hintergründe der Christenverfolgungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der römische Staatskult, die Wahrnehmung des Christentums in der paganen Gesellschaft, die Rolle der kaiserlichen Religionspolitik sowie die juristische Analyse der Verfolgungsedikte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, ob es hinter den Christenverfolgungen eine systematische, vom Staat gewollte Verfolgungspolitik gab oder ob diese eher situativ durch Krisen oder soziale Konflikte ausgelöst wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse, indem sie sowohl römische Geschichtsschreiber als auch christliche Märtyrerakten und Apologien vergleichend betrachtet und in den Kontext aktueller und klassischer Forschung stellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch nach Kaisern (Nero, Trajan, Decius, Valerian, Diocletian) und untersucht für jede Epoche die innen- und außenpolitischen Umstände sowie die konkreten rechtlichen Maßnahmen gegen Christen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Imperium Romanum, Christenverfolgungen, Staatskult, Trajanreskript, Opferedikt, Apostasie und religiöser Pluralismus.
Wie unterscheidet sich die Verfolgung unter Nero von späteren Wellen?
Die Verfolgung unter Nero wird primär als lokales Ereignis bewertet, bei dem der Kaiser die Christen als Sündenböcke für den Brand von Rom nutzte, während spätere Verfolgungen oft stärker an eine religiöse oder staatspolitische Krise gekoppelt waren.
Warum wird das Trajanreskript als entscheidend angesehen?
Es markiert den Übergang von informellen Vorgehen zu einem gewissen juristischen Verfahren, bei dem das bloße "Nomen Christianum" als todeswürdiges Vergehen galt, auch wenn eine aktive Verfolgung durch den Staat weiterhin vermieden wurde.
Welche Rolle spielte das Opferedikt des Decius?
Es war der erste systematische Versuch, durch die Verpflichtung aller Bürger zum Opfer an die römischen Götter die Loyalität zum Staat zu erzwingen, was die Christen in einen direkten Gewissenskonflikt brachte.
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- Leonie Schneider (Author), 2019, Römische Religionspolitik und die Christenverfolgungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539545