Strategien der medialen Darstellung und Aufmerksamkeitserregung der "Fridays For Future"-Bewegung


Hausarbeit, 2019

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Das Vorgehen

„Fridays For Future”
Ziele und Forderungen
Unabhängiger Politischer Akteur
In der Bewegungsforschung

Die Medien
Diversifizierung von Massenmedien
Mediale Relevanz

Interview: Die mediale Strategie hinter „Fridays for Future“

Strategieanalyse
Eigene Kanäle
1. Organisation und Darstellung von Protest
2. Forderungen und Provokation
3. Präsentation von Influencern und Vorreitern
4. Sonderfall „Paid Content“
In den Medien
1. Gallionsfigur und Influencer
2. Menschenmengen
3. Forderungen und Provokation

Einfluss auf die Politik

Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

Seit Anfang des Jahres 2019 formieren sich in Deutschland und im Rest der Welt Proteste, die auf den Klimawandel und seine Folgen aufmerksam machen. Unter #FridaysForFuture vereinigen sich seither Klimaaktivist*innen und gehen für mehr Klimaschutz auf die Straßen.

Startpunk für diese Aktivitäten war ein Schulstreik der Schwedin Greta Thunberg. Anstatt zur Schule ging sie vor das schwedische Parlament und demonstrierte die erste Zeit lang täglich dafür, dass Politiker*innen mehr für das Klima tun sollten. Seitdem wuchs ihre Popularität stark und sie wurde zur Repräsentantin der internationalen Klimaschutzbewegung.

Beim ersten globalen Klimastreik am 15. März 2019 beteiligten sich 300.000 Menschen, beim zweiten am 24. Mai waren es bereits 350.000 (tagesschau.de, 2019) und am 20. September sind allein in Deutschland 1,4 Millionen Menschen auf die Straßen gegangen (n-tv.de, 2019). Ein Trend, der es durchaus legitimiert, von einer erfolgreichen außerparlamentarischen Bewegung zu sprechen, auch wenn die geforderten Ziele (noch) nicht erreicht wurden. Diese Entwicklung zeigt darüber hinaus auch deutlich eine zunehmende Relevanz des Themas Klimaschutz und der Bewegung „Fridays for Future“. Eine zunehmende Relevanz, die nicht alleine nur aus der Wichtigkeit des Themas heraus resultiert, sondern auch durch mediale Berichterstattung generiert wird.

In dieser Hausarbeit möchte ich analysieren, wie die „Fridays For Future“-Bewegung Strategien der medialen Darstellung und Aufmerksamkeitserregung für sich nutzt, um ins Gespräch zu kommen, oder auch um im Gespräch zu bleiben. Darüber hinaus möchte ich die mediale Einflussnahme auf die Politik anschauen und untersuchen, wie die Medien mit ihrer Berichterstattung Politiker auch in Zugzwang bringen können.

Randbemerkung: Selbstverständlich ist das Phänomen „Fridays For Future“ ein globales Thema mit Teilnehmer*innen in diversen Ländern. Diese Arbeit fokussiert sich der Einfachheit wegen aber auf die deutsche „Fridays For Future“-Bewegung und die deutsche Berichterstattung darüber. Es wird also ein Blick auf das Zusammenspiel von Politik, Bewegungen und Medien in Deutschland geworfen.

Das Vorgehen

Diese Hausarbeit beschäftigt sich zunächst mit der „Fridays For Future“-Bewegung an sich, umreißt die Ziele und Absichten der Bewegung und analysiert daraufhin die Bedeutung und Position der Bewegung innerhalb der Bewegungsforschung. In einem kleinen Exkurs wird dann beleuchtet, wie mediale Relevanz zustande kommen kann und wie diese auch (künstlich) generiert werden kann.

Im Rahmen eines Interviews kommt dann in einem weiteren Abschnitt Lucas Pohl zu Wort. Er ist auf Bundesebene aktiv für „Fridays For Future“, betreut die Social-Media-Kanäle und ist unter anderem verantwortlich für die organisationsinterne Pressearbeit. Das Interview beleuchtet Fragen zur Strategie der medialen Selbstdarstellung und Aufmerksamkeitserregung. Anhand der Antworten analysiere ich daraufhin exemplarisch die eigenen Social-Media-Kanäle der Bewegung sowie die Berichterstattung von ausgewählten Massenmedien hinsichtlich der zuvor herausgearbeiteten Strategie.

Das abschließende Fazit wird dann die Strategien der medialen Darstellung und Aufmerksamkeitserregung bündelnd zusammenfassen, einen Überblick darüber gehen, wie „Fridays For Future“ sich in ihrer Öffentlichkeitsarbeit dieser bedient, und einen Ausblick auf mögliche zukünftige Forschungen geben.

„Fridays For Future”

„Fridays For Future” ist primär eine Bewegung von vielen eigenständigen Menschen, die das gleiche Ziel verfolgen: Mehr Klimaschutz. Diese Bewegung hat mit der Zeit eine gewisse Eigendynamik gewonnen und erlangte Größe und Strukturen (Ortsgruppen, etc.), die der von klassischen Nichtregierungsorganisationen stark ähneln. Man könnte die „Fridays For Future“-Bewegung also auch als NGO betrachten, auch wenn sie kein eingetragener Verein oder ähnliche Körperschaft ist.

Ziele und Forderungen

Die Zielsetzung von „Fridays For Future“ ist es, auf die Problematiken hinsichtlich des Klimaschutzes in Deutschland und auf der ganzen Welt aufmerksam zu machen. Sie stellen im Rahmen ihrer Proteste auch konkrete Forderungen an die Politik: das Pariser Klimaabkommen („Übereinkommen von Paris“) einzuhalten, welches die Begrenzung der globalen Erwärmung auf weit unter 2°C vorsieht (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, 2019) und das sogenannte „1,5°C‑Ziel“ zu erreichen.

Als explizite Ziele sind auf der bundesweiten Webseite von „Fridays For Future“ folgende benannt: “Nettonull [des Kohlendioxidausstoßes bis] 2035 erreichen; Kohleausstieg bis 2030; 100% erneuerbare Energieversorgung bis 2035“ (fridaysforfuture.de, 2019). Darüber hinaus sind „Das Ende der Subventionen für fossile Energieträger; 1/4 der Kohlekraft abschalten; Eine Steuer auf alle Treibhausgasemissionen“ Forderungen, die über die eigenen Kanäle der Bewegung zu lesen sind (fridaysforfuture.de, 2019).

Unabhängiger Politischer Akteur

Als Non-Profit- und Nichtregierungsbewegung wird „Fridays For Future“ weder von der Politik finanziert, noch gibt es andere Geldgeber abseits der Spendengelder. Aus diesem Grund ist die Bewegung finanziell auf Spenden und strategisch auf Manpower angewiesen. Hier gibt es Parallelen zu NGOs wie zum Beispiel Greenpeace. Diese wird von Christian Krüger als „eine pressure-group. die mit der Strategie der symbolischen öffentlichen Konfrontation arbeitet“ (Krüger, 2000, S. 19) beschrieben. Eine Eigenschaft die in dieser Form auch auf die „Fridays For Future“-Bewegung zutrifft. Die stattfindende öffentliche Konfrontation findet sich in den Schulstreiks wieder: Schülerinnen und Schüler, die eigentlich durch die Schulpflicht einer vom Staat auferlegten Pflicht nachkommen müssten, verweigern sich dieser und erregen somit die Aufmerksamkeit, die sie auch haben wollen.

Der Schulstreik ist neben einer intensiven Social-Media-Nutzung und dem Aufdecken von Missständen einer der zentralen Punkte der politischen Kommunikation der „Fridays For Future“-Bewegung. Christian Krüger schreibt weiter über NGOs: „Kommunikation ist […] also das A und O des Erfolges.“ (ebd.). Diese findet sich unter anderem in der bereits erwähnten Social-Media-Nutzung wieder, dort können die Aktivisten die Inhalte, die sie verbreiten selber direkt steuern.

Darüber hinaus wird auch über die journalistischen – oder zumindest redaktionell betreuten – Massenmedien kommuniziert. Die an den Demonstrationen teilnehmenden Menschenmengen und der Bruch mit gesellschaftlichen Konventionen schaffen eine Relevanz für die Medienhäuser. Hinzu kommt: Wir leben in einer mediatisierten Gesellschaft. Nahezu Jeder ist jederzeit konfrontiert mit Berichterstattung, Nachrichten und Information. Auf Jeden von uns prasseln tagtäglich etliche Mitteilungen und Nachrichten ein, freiwillig und unfreiwillig, sei es auf den Internetseiten der Medienhäuser, im Fernsehen, im Hörfunk, in den Printprodukten oder auch auf den digitalen Nachrichten-Anzeigen in den Innenstädten. Medien bestimmen die Lebenswelt der Gesellschaft. Aus genau diesem Grund müssen NGOs (und Bewegungen) und ihr Handeln in den Medien präsent sein, denn: „Nur wer in den Medien Gehör findet, ist politisch existent.“ (Seifert, 1997, S. 129). Das bedeutet im Umkehrschluss: Schafft man es nicht, sein Anliegen in den Medien zu platzieren, hat man es schwer Mitstreiter*innen zu finden und umso schwerer ist es auch, seine Ziele durchzusetzen.

In der Bewegungsforschung

Systemtheoretiker Niklas Luhmann hat in seinem Buch „Die Politik der Gesellschaft“ bereits einige Eigenschaften von politischen Organisationen und Bewegungen definiert, die wir anhand der „Fridays For Future“-Bewegung auch wiedererkennen können. Darüber hinaus werden von ihm beschriebene Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Systemen deutlich. In diesem Fall fokussieren wir uns insbesondere auf die Systeme „Politik“ „‘Fridays For Future‘-Bewegung“ und „Massenmedien“ (vgl. Luhmann, 2000).

Nach Luhmanns Theorie existieren Organisationen und Politische Bewegungen immer am Rande der Politik, in der sogenannten „Peripherie“. Dort bilden sich aus Misständen oder Problematiken eine öffentliche Meinung zu ebendiesen. Ist ein Misstand oder eine Problematik schwerwigend genug, sodass sich viele Menschen davon betroffen fühlen, formieren sich aus dieser unorganisierten öffentlichen Meinung Organisationen oder Bewegungen, die etwas gegen den Misstand tun wollen. In diesem Fall hat Greta Thunberg eine Bewegung angestoßen, indem sie angefangen hat, darauf hinzuweisen, dass die Politik dem Thema Klimaschutz mehr beachtung schenken muss. Viele – insbesondere junge – Menschen konnten sich mit dieser Meinung identifizieren und haben die Bewegung wachsen lassen.

Durch politische Prozesse gelangen diese Bewegungen und Themen aus der Peripherie in den politischen Kern (vgl. Luhmann, 2000). Bei „Fridays For Future“ passiert dies insbesondere durch Proteste, die widersetzung gegen gesellschaftlichge Konventionen (Schulstreik), die Formierung von (Sub-)Organisationen, das Aufstellen von politischen Forderungen und die unterbreitung von Lösungsansätzen.

Durch diese politischen Prozesse und auch durch die Präsentation dieser in den Massenmedien, also einem Schaffen von medialer Aufmerksamkeit für die Themen der Organisation, erreichen die Bewegungsmitglieder den politischen Kern, also zum Beispiel die Politik im Bundestag, in den Landtagen und in den Kommunen.

Konkret kann das dann so aussehen, dass Forderungen und Lösungsansätze besprochen und Proteste wahrgenommen werden, hin und wieder kann das aber auch bedeuten, dass sich Bewegungsmitglieder selbst politisch engagieren und vielleicht selber im politischen Kern aktiv werden.

Zusammenfassend kann man hierzu also sagen: Es handelt sich um ein Zusammenspiel von öffentlicher Meinung, durch die sich Bewegungen bilden, der Politik und den Massenmedien. Die Massenmedien nehmen hierbei eine besondere Rolle ein: Sie spielen oft eine Vermittlerrolle und bieten den Themen die sich in der öffentlichen Meinung bilden eine Bühne, die auch vom politischen Kern wahrgenommen wird. So dringen Themen in die Politik vor. Gleichzeitig geben Massenmedien andersherum auch Reaktionen von Politikern auf Forderungen und Proteste an die Aktivisten wieder, sodass diese auch die Reaktionen und Antworten auf Forderungen verfolgen können. Es handelt sich also um einen wechselseitigen Austausch.

Die Medien

Wie bereits herausgearbeitet, spielen die Medien eine besondere Rolle im politischen System und im Austausch zwischen Bewegungen wie „Fridays For Future“ und den Politikern. Ein wichtiger zu beachtender Punkt ist in der heutigen Zeit, also zur Zeit der „Fridays For Future“-Bewegungen, die Diversifizierung von Massenmedien und Social Media.

Diversifizierung von Massenmedien

Seit einigen Jahrzehnten erfahren Informationstechnologien durch Entwicklung einen großen Aufschwung. Konnte man seit dem Buchdruck zunächst für lange Zeit nur Zeitungen lesen, hat sich in den letzten Jahrzehnten einiges getan. Zunächst haben Hörfunk und Bewegtbild durch technische Neuerungen einen großen Aufschwung erlebt und waren schon bald in nahezu jedem Haushalt verfügbar. Seit den 1990er Jahren hält nun das Internet immer weiter Einzug in der Lebensrealität der Menschen. Informationen können nun auch über die Internetseiten der Medienanstalten abgerufen werden. Seit den 2010er Jahren ist der Austausch und Informationsabruf über Social Media bei einem Großteil der Menschen angekommen und wächst auch weiterhin durch die weitere Verbreitung von mobilen Technologien.

Es lässt sich erkennen: Waren früher Programme oder Informationen nur zu bestimmten Zeiten bei allen Empfängern parallel abrufbar (Rundfunk) hielt mit dem Internet auch ein Zeitalter der ständigen Informationsverfügbarkeit Einzug. Man konnte sich nun bereits informieren, wann man wollte. Die Inhalte waren aber noch bei allen Abrufenden Instanzen die gleichen, durch die Medienhäuser eingestellten.

Durch Social Media und neue mobile Medien hat aber nun jeder Mensch die Möglichkeit sich persönliche Nachrichtenfeeds und Filter einzurichten, sodass er primär das ausgespielt bekommt, was er auch wirklich sehen möchte. Das hat Vorteile, kann aber für politische Bewegungen auch kontraproduktiv sein, da es sich in gewisser Weise auch um ein Überangebot von Informationsverfügbarkeit handelt.

Beschäftigt sich eine Bewegung vielleicht mit einem Thema, das zwar wichtig ist, aber wovon viele Leute überhaupt nicht wissen, kriegen die Leute, die von dem Thema nichts wissen, die Bewegungstätigkeiten im Zweifelsfall also nicht ausgespielt. Eine Bewegung hat es dadurch schwerer neue Mitstreiter zu finden und zu akquirieren.

Damit also Bewegungsthemen nicht einfach im Überangebot der Medien verfließen, brauchen sie eine besondere Relevanz, um sich in vielen Medien und Angeboten wiederzufinden.

Mediale Relevanz

Die angesprochene Relevanz kann das Thema einer Bewegung entweder schon von Natur aus aufweisen, weil es ein Thema ist, mit dem sich tatsächlich bereits viele Menschen beschäftigen, sie kann aber auch künstlich hervorgerufen werden. Es benötigt hierfür Dinge, die ein besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dies können zum Beispiel besonders einprägsame Gallionsfiguren einer Bewegung sein: Ein*e Meinungsführer*in. „Meinungsführer übten ihren Einfluss […] vorwiegend in einem homogenen sozialen Milieu aus, d.h. nach soziodemografischen Gesichtspunkten horizontal geschichteten Gruppen und Netzwerken“ (Schenk M. , 1994, S. 144). Das spiegelt sich auch hier wider: Ausschlaggebende Persönlichkeit für die „Fridays For Future“-Bewegung war Greta Thunberg. Sie hat Gleichaltrige und Gleichgesinnte (insbesondere Schüler*innen und Zukunftsversierte) motiviert, mit ihr auf die Straße zu gehen und ihrem Protest beizuwohnen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Strategien der medialen Darstellung und Aufmerksamkeitserregung der "Fridays For Future"-Bewegung
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fakultät für Soziologie)
Veranstaltung
300080 Die Soziologie des politischen Systems
Note
2,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
20
Katalognummer
V539674
ISBN (eBook)
9783346141552
ISBN (Buch)
9783346141569
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fridays for Future, Soziologie, Bewegungen, Bewegungstheorie, soziale Bewegungen, Kommunikation, Medienkommunikation, Nachrichten, Social Media, Mediennutzung, Interview, Journalismus, mediale Darstellung, Aufmerksamkeitserregung, Bewegungsforschung, Massenmedien, Berichterstattung, Öffentlichkeitsarbeit, Klimaschutz, Klimaschützer, Diversifizierung von Massenmedien, Greta Thunberg, Gallionsfigur, Instagram, junge Mediennutzung, mediale Strategie, Lucas Pohl
Arbeit zitieren
Marco Zaremba (Autor:in), 2019, Strategien der medialen Darstellung und Aufmerksamkeitserregung der "Fridays For Future"-Bewegung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539674

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