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Politische Lyrik im Mittelalter. Die Sangspruchdichtung Walthers von der Vogelweide

Titel: Politische Lyrik im Mittelalter. Die Sangspruchdichtung Walthers von der Vogelweide

Hausarbeit , 2020 , 12 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Lea Siekert (Autor:in)

Germanistik - Gattungen
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Es ist unerlässlich, Walthers Sprüche im historischen und gesellschaftlichen Kontext zu betrachten. Aufgrund dessen werde ich mich zunächst mit dem politischen Umfeld befassen, in welches Walther von der Vogelweide hineingeboren wurde. Daran anknüpfend wende ich mich der politischen Lyrik im Mittelalter zu, da die Vertrautheit mit diesem Sujet als Fundament zum Verständnis Walthers Sprüche dient. Innerhalb dessen widme ich mich einer der zentralen Fragestellungen, mit welchen Grenzen politische Dichter im Mittelalter konfrontiert wurden. Auch die Schnittmenge zwischen dem Dichter und der Politik lege ich kurz dar. Dies umfasst auch die Klärung der Frage, ob der Dichter seine subjektive Meinung kundtat oder im Auftrag arbeitete. Unter Berücksichtigung dieser Umstände lassen sich im Anschluss die Sangspruchstrophen analysieren. Im Herzstück dieser Hausarbeit widme ich mich den papst- und kirchenkritischen Äußerungen Walthers im Unmutston. Besonders hebt sich die Verwendung des Stilmittels Ironie ab. Dies spiegelt das Talent Walthers von der Vogelweide wider, Politik und Dichtung ästhetisch miteinander zu vereinen. Abschließend werde ich die wichtigsten Erkenntnisse prägnant darstellen, sodass eine Zusammenfassung der bearbeiteten Felder entsteht.

Walther von der Vogelweide, der als einer der wirksamsten und namhaftesten Lyriker des Mittelalters gilt, nahm sich als einer der Ersten der politischen Sangspruchdichtung an. In einer Vielzahl seiner Spruchdichtungen äußert er sich kritisch gegenüber der Reichspolitik. Darüber hinaus beanstandet er auch die Kirche stark, was ich anhand einiger Strophen des Unmutstons darstellen werde. Ein besonderes Augenmerk lege ich dabei auf die beiden Opferstockstrophen, da sie im hohen Maße von Kirchen- und Papstkritik geprägt sind. Ich legte mich auf diesen Ton fest, da er einer der bekanntesten im politischen Rahmen ist und er sich für die Untersuchung von kirchenpolitischen Äußerungen Walthers qualifiziert. Besonders Papst Innozenz der III. erntet in ihnen starke Kritik, da er mehrerer sündhafter Taten bezichtigt wurde.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Politik im deutschen Mittelalter

2.1 Politische Umstände zu Zeiten Walthers von der Vogelweide

2.2 Politische Lyrik

2.3 Ursprung Walthers politischer Dichtungen

3. Kirchenkritische Äußerungen im Unmutston

3.1 L 31,13 Gut und Ehre

3.2 L 33,21 Innozenz und Gebreht

3.3 L 34,4 Erste Opferstockstrophe

3.4 L 34,14 Zweite Opferstockstrophe

3.5 L 33,1 Verführte Christlichkeit

3.6 L 33,11 Der junge und der alte Judas

3.7 L 33,31 irregeleitete Christlichkeit

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die kirchenkritischen Sangspruchdichtungen von Walther von der Vogelweide im sogenannten „Unmutston“. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der kirchenpolitischen Positionierung des Autors, insbesondere hinsichtlich der Papstkritik gegenüber Innozenz III. und der Verwendung rhetorischer Mittel wie der Ironie.

  • Historischer Kontext der politischen Umstände im deutschen Mittelalter
  • Grundlagen und Funktion der politischen Sangspruchdichtung
  • Analyse der Opferstockstrophen und ihrer kirchenkritischen Intention
  • Untersuchung des Einsatzes von Stilmitteln zur Papst- und Geistlichkeitskritik
  • Reflexion über das Verhältnis von Dichtung, Propaganda und Macht

Auszug aus dem Buch

3.3 L 34,4 Erste Opferstockstrophe

In dieser Strophe fragt man sich, worauf die Anklage Walthers konkret anspielt. Papst Innozenz stellte ab Ostern 1213 Opferstöcke für einen geplanten Kreuzzug auf, mit dem er das heilige Land zurückgewinnen wollte. Mit seiner bulle quia major rief er zur Spende auf. Er begründete den Kreuzzug folgendermaßen: Es sei „die Möglichkeit für die Kreuzfahrer, das ewige Leben zu erwerben, ferner die Lehnspflicht der Gläubigen gegenüber Christus […] Sodann gewährt Papst Innocenz jedem, der […] persönlich am Kreuzzug teilnimmt oder anderen die Teilnahme ermöglicht, den vollen Kreuzablass“25 Rechtlich war die Aufstellung der Opferstöcke nicht anzufechten. Doch Walther übt Kritik, indem er dem Papst einige Schandtaten unterstellt. Dies löst er in der Strophe sehr geschickt, indem er den Gegner selbst auftreten und sich selbst entlarven lässt. Des Weiteren sieht Walther den Papst nicht als Deutschen an, sondern als „Welschen“. Anstatt der Papst seine Anhänger eine Tauglichkeitsprüfung unterziehen lässt, fordert er ein Geldopfer, sodass die Tauglichkeit keine Priorität mehr hat. Ihm wird „intrigante Einmischung in die Reichspolitik, Veruntreuung von Opfergeldern der deutschen Gläubigen, Prasserleben der Geistlichen“26 vorgeworfen. Diese Unterstellungen greift Walther später in der zweiten Opferstockstrophe nochmals auf. Weniger der Inhalt dieser Strophe, sondern viel mehr die Strategie Walthers, wie er die Formulierungen trifft, beeindrucken. Das Lachen des Papstes im ersten Vers gleicht schon seiner Selbstentlarvung:

„Er führt seine Zuhörer nach Rom und macht sie zu Zeugen, wie sich der Papst christlich ins Fäustchen lacht und vor den „Welschen“ seine eigentlichen Absichten enthüllt: den Thronstreit zwischen den beiden „Alemannen“ (Otto und Friedrich) zu schüren, die Ordnung des Reiches zu stören und dabei das deutsche Silber in die welsche Kasse zu lenken.“27

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsintention, Walther von der Vogelweide als kritischen Beobachter seiner Zeit zu beleuchten.

2. Politik im deutschen Mittelalter: Überblick über die historischen Machtkonflikte und die Entstehung der Sangspruchdichtung.

3. Kirchenkritische Äußerungen im Unmutston: Detaillierte Analyse einzelner Strophen, die das kritische Potenzial gegen den Papst und die Geistlichkeit entfalten.

4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung von Walthers Vorwürfen bezüglich der Veruntreuung von Geldern und der geistlichen Doppelmoral.

Schlüsselwörter

Walther von der Vogelweide, Sangspruchdichtung, Unmutston, Papstkritik, Innozenz III., Kirchenkritik, Opferstockstrophe, Simonie, Mittelalter, Politik, Lyrik, Ironie, Reichspolitik, Herrscherlob, Propaganda

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der politischen Dichtung des Mittelalters, speziell mit den kirchenkritischen Strophen Walthers von der Vogelweide, die im sogenannten „Unmutston“ verfasst wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Verflechtung von Politik und Dichtung, die Kritik am Papsttum und die moralische Integrität der Geistlichkeit im 13. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Walther von der Vogelweide mittels seiner Dichtkunst Missstände wie Korruption und kirchenpolitische Machtansprüche innerhalb des Reiches anprangerte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse gewählt, die die Strophen in den historischen und gesellschaftlichen Kontext der Zeit einbettet und rhetorische Mittel wie die Ironie herausarbeitet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert spezifische Strophen des „Unmutstons“, darunter die Opferstockstrophen, und untersucht die darin enthaltene Kritik an Simonie, Habgier und der Einmischung des Papstes in die Reichspolitik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Walther von der Vogelweide, Sangspruchdichtung, Papstkritik, Unmutston, Reichspolitik und rhetorische Ironie.

Wie bewertet der Autor das Lachen des Papstes in den Strophen?

Der Autor interpretiert das Lachen als ein strategisches Mittel Walthers zur Selbstentlarvung des Papstes, um dessen eigentliche, auf Macht und Geld gerichtete Absichten offenzulegen.

Welche Bedeutung kommt dem Begriff „Welsche“ in Walthers Dichtung zu?

„Welsche“ dient als Distanzierungsmittel, um den Papst als fremden Akteur zu markieren, der sich intrigenhaft in deutsche Angelegenheiten einmischt und finanziell vom deutschen Silber profitiert.

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Details

Titel
Politische Lyrik im Mittelalter. Die Sangspruchdichtung Walthers von der Vogelweide
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Deutsche Philologie)
Note
1,7
Autor
Lea Siekert (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
12
Katalognummer
V539808
ISBN (eBook)
9783346141927
ISBN (Buch)
9783346141934
Sprache
Deutsch
Schlagworte
politische lyrik mittelalter sangspruchdichtung walthers vogelweide
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Lea Siekert (Autor:in), 2020, Politische Lyrik im Mittelalter. Die Sangspruchdichtung Walthers von der Vogelweide, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/539808
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  12  Seiten
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