E-Scooter Verleihe und ihre Geschäftsmodelle. Welche Möglichkeiten zu Weiterentwicklung gibt es?


Seminararbeit, 2020

43 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

Verzeichnis der Anhange

Gendererklarung

1. Einleitung
1.1 Motivation fur das Thema und Hypothesenformulierung
1.2 Vorgehensweise und Zielsetzung der Arbeit

2. Geschaftsmodellanalyse drei ausgewahlter E-Scooter Verleiher
2.1 Anbieterstruktur und Auswahl von drei Unternehmen fur die Analyse
2.2 Grundlagen Business Model Canvas
2.3 Vergleich der Geschaftsmodell von Voi, TIER und Lime

3 Weiterentwicklungsmoglichkeiten der aktuellen Geschaftsmodelle
3.1 Grundlagen Design Thinking
3.2 Nutzerzentrierte Analyse der Kundenbedurfnisse mittels Befragung
3.3 Ideengenerierung

4. Kritische Wurdigung der Untersuchung und Handlungsempfehlung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: E-Scooter des Anbieters Tier

Abbildung 2: Anzahl aufgestellter E-Scooter und Fahrten pro Tag in ausgewahlten deutschen Stadten

Abbildung 3: Grundungsjahr, Grundungsland und Aktivitatenbereich der untersuchten Anbieter

Abbildung 4: Business Model Canvas

Abbildung 5: Interaktive Deutschlandkarte des Anbieters TIER mit Verfugbarkeit und Anzahl von E-Scootern sowie Anzeige einzelner E-Scooter am Beispiel mittleres Nordrhein-Westfalen und Munster

Abbildung 6: Design Thinking Prozess und Vorgehensweise bei der Weiterentwicklung der Geschaftsmodelle

Abbildung 7: Zusammenhang von Divergenz und Konvergenz im Design Thinking Prozess

Abbildung 8: Vorgehensweise bei den Prozessschritten „Prototyp entwickeln“ und „testen“

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Haufigkeit der E-Scooter Nutzung

Tabelle 2 Erwartungshaltung an E-Scooter

Tabelle 3: Grunde fur die Nutzung von E-Scootern

Tabelle 4: Verbesserungsideen fur E-Scooter Angebote

Tabelle 5: Emotionen bei der ersten E-Scooter Fahrt

Abkurzungsverzeichnis

BMVI = Bundesministerium fur Verkehr und digitale Infrastruktur

eKFV = Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung

PKW = Personenkraftwagen

App = Applikation

FAQ = Frequently Asked Questions

km = Kilometer

ZOB = Zentraler Omnibusbahnhof

LED = light-emitting diodes

Verzeichnis der Anhange

Anhang I: Business Model Canvas E-Scooter Anbieter TIER, Voi und Lime

Anhang II: Befragungsleitfaden

Anhang III: Ergebnisse der Befragung

Anhang IV: Mindmap Ideen finden I

Anhang V: Mindmap Ideen finden II

Gendererklarung

Aus Grunden der besseren Lesbarkeit wird in dieser Seminararbeit die Sprachform des generischen Maskulinums angewendet, also beispielsweise "Burger" statt "BurgerInnen". Es wird an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die ausschlieRli- che Verwendung der mannlichen Form geschlechtsunabhangig verstanden werden soll. Dies bedeutet keinesfalls eine Geschlechterdiskriminierung oder eine Verlet- zung des Gleichheitsgrundsatzes.

1. Einleitung

1.1 Motivation fur das Thema und Hypothesenformulierung

Das Bundesministerium fur Verkehr und digitale Infrastruktur1 erlieft am 15. Juni 2019 die Verordnung uber die Teilnahme von Elektrokleinstfahrzeugen am Stra- ftenverkehr (Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung2 ). Das eKFV regelt die Straften- zulassung samtlicher selbstbalancierender Fahrzeuge mit oder ohne Sitz, „mit elektrischem Antrieb und einer bauartbedingten Hochstgeschwindigkeit von nicht weniger als 6 km/h und nicht mehr als 20 km/h“3 sowie einer „Lenk- oder Hal- testange von mindestens 500mm“4. Die Verordnung erlaubt seither unter anderem die Nutzung von Tretrollern5, die die oben genannten Kriterien erfullen, auf deut- schen Straften. Gesellschaftlich und medial wird das Thema E-Scooter seit Inkraft- treten der eKFV insbesondere vor der Fragestellung, welche unserer Mobilitatsher- ausforderungen E-Scooter losen konnen, heift diskutiert. Wirtschaftlich sehen eine ganze Reihe an E-Scooter Anbietern die neue Verordnung als Chance, Geschaftsmodelle zu entwickeln und den offentlichen Verleih von E-Scootern als Sharing Konzept in Deutschland zu etab- lieren6. Abbildung 2 zeigt, wie viele E­Scooter in ausgewahlten deutschen Stadten bis zum 30.09.2019 aufgestellt sind und wie haufig sie durchschnittlich pro Tag genutzt werden.

Anmerkung: Abbildung 1 aus redaktionellen Grunden entfernt.

Abbildung 1: E-Scooter des Anbieters Tier7

Auch der Verfasser dieser Arbeit hat seit Juni 2019 bereits mehrere Angebote von E-Scooter Verleihern genutzt. Aufgefallen ist dabei die anbieterubergreifende, ein- heitliche Customer Experience. Der Begriff Customer Experience wird in der Litera- tur weitestgehend einheitlich als Kundenerfahrung bzw. Kundenerlebnis „in Bezug auf ein Produkt oder eine Leistung uber einen langeren Zeitraum hinweg“8 9 definiert. Vor dem Hintergrund der eigenen Customer Experience stellt der Autor folgende Forschungshypothese auf:

Die heutigen Geschaftsmodelle der E-Scooter Verleiher in Deutschland sind im Wesentlichen identisch.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Anzahl aufgestellter E-Scooter und Fahrten pro Tag in ausgewahlten deutschen Stadten

1.2 Vorgehensweise und Zielsetzung der Arbeit

Das erste Ziel dieser Seminararbeit ist es die aufgestellte Hypothese zu uberpru- fen. Nach einem kurzen Uberblick zur aktuellen Anbieterstruktur sollen die heutigen Geschaftsmodelle von ausgewahlten Anbietern analysiert und damit die aufgestell- te Hypothese gepruft werden. Das von Osterwalder & Pigneur entwickelte Tool „Business Model Canvas“ eignet sich als Leitfaden, um die Geschaftsmodelle zu verstehen und vergleichen zu konnen10. Unabhangig vom Ergebnis der Hypothe- senprufung sollen als zweites Ziel dieser Arbeit Moglichkeiten zur Weiterentwick- lung heutiger Geschaftsmodelle identifiziert werden. Die Methode des Design Thin­kings ermoglicht es Unternehmen ihrem „Anspruch auf standige Innovationen“11 gerecht zu werden und stellt dabei die Bedurfnisse der Nutzer eines Produktes oder einer Technologie in den Mittelpunkt12. Angesichts aktueller Debatten und der Kontroversitat von E-Scootern ist Design Thinking fur dieses Thema eine sinnvolle Methode, um die Nutzer besser kennenzulernen, seine Bedurfnisse aufzudecken und daraufhin neue Ansatze fur Geschaftsmodelle zu entwickeln13. Zunachst wer- den die Grundlagen des Design Thinkings kurz erlautert, bevor die Nutzerbedurf- nisse ermittelt werden sollen. Daraufhin werden verschiedene Insights und Ideen fur neue Geschaftsmodelle abgeleitet, die in der abschlieftenden Handlungsemp- fehlung zusammengefasst werden.

Aufgrund eines aktuell sehr dynamischen Marktumfelds konnen Teile der in dieser Arbeit prasentierten Informationen schnell an Gultigkeit verlieren. Aus diesem Grund weist der Autor ausdrucklich darauf hin, dass das Datum der Quellen den jeweiligen Status Quo der Forschung fur diese Arbeit widerspiegelt.

2. Geschaftsmodellanalyse drei ausgewahlter E-Scooter Verleiher

2.1 Anbieterstruktur und Auswahl von drei Unternehmen fur die Analyse

Nach der Einfuhrung der eKFV haben sich mitlerweile die E-Scooter einer Vielzahl von Anbietern in deutschen Stadten etabliert. Das im Jahr 2018 gegrundete Berli­ner Start-Up TIER verleiht seine E-Scooter in 21 deutschen Stadten14. Das eben- falls im Jahre 2018 gegrundete, deutsche Unternehmen Circ, das inzwischen vom kalifornischen Verleiher Bird aufgekauft wurde, versorgt insgesamt zehn deutsche Stadte mit E-Scootern15. Voi, ein schwedischer Anbieter, ist in insgesamt 15 Stad- ten aktiv16, wahrend das im Jahr 2017 gegrundete, amerikanische Unternehmen Lime, einer der ersten Anbieter von E-Scootern weltweit, in 18 deutschen Stadten operiert17 18. Die Analyse der aufgestellten Forschungshypothese anhand der aktuell funf im Markt tatigen Unternehmen wurde den Umfang dieser Seminararbeit uber- steigen. Dementsprechend erachtet der Verfasser dieser Arbeit die Betrachtung von drei der funf Anbieter als reprasentativ und angemessen. Um einen moglichst breit gefacherten Marktuberblick zu erhalten, ist die Auswahl von Unternehmen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Strukturen fur die Durchfuhrung der Ge- schaftsmodellanalyse sinnvoll. Dementsprechend werden die Anbieter TIER, als deutsches Unternehmen, der schwedische Anbieter Voi, und Lime, das alteste Un- ternehmen aus der E-Scooter Branche, fur die weitere Analyse berucksichtigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Grundlagen Business Model Canvas

Die Geschaftsmodelle der drei vorgestellten E-Scooter Verleiher sollen im Folgen- den anhand des Business Model Canvas analysiert und dargestellt werden. Das Business Model Canvas wurde im Jahre 2008 von Osterwalder & Pigneur entwi- ckelt und eignet sich zur transparenten Darstellung von Geschaftsmodellen anhand von 9 Bausteinen. Laut Osterwalder erklaren Geschaftsmodelle, wie Unternehmen Werte schaffen, ubermitteln und erfassen19 20.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. ) Kundensegmente

Im Block Kundensegmente werden verschiedene Gruppen, Organisationen und Menschen dargestellt, die ein Unternehmen erreichen und ansprechen mochte. Dieser Baustein beantwortet dementsprechend die Fragen, fur wen eine Organisation (Mehr-)Werte schafft und wer die wichtigsten Kunden sind.

2. ) Wertversprechen

Der Baustein Wertversprechen umfasst das Sortiment an Produkten, Ser­vices und Dienstleistungen, die fur ein spezifisches Kundensegment Werte schaffen. Das oder die Wertversprechen sind die Basis dafur, dass Ziel- gruppen in den Kundensegmenten bereit sind, ein Produkt oder eine Dienst- leistung bei einem Unternehmen zu kaufen.

3. ) Kanale

Die Kanale sind diejenigen Bausteine eines Geschaftsmodells, uber die das Unternehmen die Kundensegmente erreicht und mit den Kunden kommuni- ziert, um das Wertversprechen zu ubermitteln. Dieser Baustein impliziert sowohl Kommunikations-, als auch Vertriebs- und Absatzkanale. Der Begriff Kanale umfasst dementsprechend alle Touchpoints des Kunden mit dem Unternehmen, die eine entscheidende Rolle bei der Customer Experience spielen.

4. ) Kundenbeziehungen

In diesem Block werden die verschiedenen Arten dargestellt, mit denen ein Unternehmen die Beziehung zu seinen Kunden aufbaut und erhalt. Dabei kann beispielsweise zwischen einer personlichen oder einer automatisierten Kundenbeziehung differenziert werden.

5. ) Einnahmequellen

Unter diesem Baustein werden alle Aspekte zusammengefasst, uber die ein Unternehmen Einnahmen durch die Kunden generiert. Die Modelle der Ein- nahmequellen konnen von einfachen Listenpreisen bis hin zu Flatrates un- terschiedlich ausgestaltet sein.

6. ) Schlusselressourcen

Dieser Baustein beschreibt die wichtigsten Ressourcen und Vermogenswer- te, die fur die Umsetzung und Ausfuhrung des Geschaftsmodells essenziell sind. Die fur das Unternehmen erforderlichen Ressourcen konnen physi- scher, finanzieller, menschlicher oder intellektueller Natur sein.

7. ) Schlusselaktivitaten

Fur die Ausfuhrung des Geschaftsmodells sind neben den Schlusselres- sourcen Aktivitaten erforderlich, ohne die das Geschaftsmodell den Mehr- wert nicht an die Kunden ubermitteln kann. Die Schlusselaktivitaten der ge- samten Wertschopfungskette werden unter diesem Baustein zusammenge- fasst.

8. ) Schlusselpartnerschaften

Das Netzwerk an Partnerschaften, das ein Unternehmen unter anderem mit Lieferanten oder Dienstleistern unterhalt, und welches fur die Ausfuhrung des Geschaftsmodells von Bedeutung ist, wird in diesem Baustein darge- stellt.

9. ) Kostenstruktur

Der Baustein Kostenstruktur definiert die bei der Ausfuhrung des Ge- schaftsmodells entstehenden Kosten. Die Kosten ergeben sich aus den zu- vor genannten Bausteinen; den Kosten fur Schlusselaktivitaten, Partner- schaften und Ressourcen, die entweder variabler oder fixer Art sind.

2.3 Vergleich der Geschaftsmodell von Voi, TIER und Lime

Im Folgenden werden die Geschaftsmodelle der drei ausgewahlten E-Scooter Ver- leiher auf Basis der neun Bausteine dargestellt und miteinander vergleichen. Ziel ist es einen transparenten Uberblick uber Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Geschaftsmodelle zu erhalten. Der Vergleich der Geschaftsmodelle ist die Basis fur die Beantwortung der aufgestellten Forschungshypothese. Das gesamte Business Model Canvas fur die drei E-Scooter Verleiher ist in Anhang I dargestellt.

1. ) Kundensegmente

In dem Baustein Kundensegmente sind anbieterunabhangig zunachst in- nerstadtische Burger zu nennen, die die Unternehmen Voi, TIER und Lime mit ihrem Wertversprechen adressieren21. Unternehmen und Gemeinden stellen eine weitere Zielgruppe aller drei Anbieter dar. Wahrend Voi daruber hinaus Logistikpartner anspricht, fokussiert sich Lime zusatzlich noch auf Grundstuckseigentumer.

Da in dieser Arbeit das Angebot fur die Nutzer der E-Scooter im Vorder- grund steht, werden die innerstadtischen Burger im Folgenden als relevan- tes Kundensegment berucksichtigt. Die Analyse der weiteren Bausteine ori- entiert sich dementsprechend an diesem Kundensegment.

2. ) Wertversprechen

Alle drei Anbieter bieten Burgern die Leihe von E-Scootern fur die innerstad- tische Fortbewegung an. Voi mochte seinen Kunden die Fahrten mit E- Scootern bis Ende 2020 CO2-neutral anbieten22. Zudem bezeichnet das Un- ternehmen sein Angebot als einfaches, spaftbereitendes und stressfreies Abenteuer und verspricht eine schnelle Fortbewegung23. Der deutsche An- bieter TIER wirbt damit, sich frei, flexibel und sicher in Stadten bewegen zu konnen, und bietet diese Form der Mobilitat ab Oktober 2020 CO2-neutral an24. Durch das Angebot von E-Scootern werden weniger PKW benotigt, sodass den Burgern in den Innenstadten mehr Platz zur Verfugung steht. Der E-Scooter Verleiher Lime mochte den Kunden ein schnelles und flexib­les Mobilitatsangebot zum Erlebnis machen und wirbt damit, dass die E­Scooter mit erneuerbarem Strom aufgeladen werden25. Zusatzlich liefert die Werbekampagne „Unlock Life“ einen emotionalen Charakter in der Kommu- nikation von Lime, bei der User Storys Werte wie Freiheit, Gemeinschaft und Stadtgestaltung vermitteln26.

3. ) Kanale

Voi, TIER und Lime nutzen eine App als interaktiven Kommunikationskanal zum Kunden, die den Kunden uber die gesamte Customer Experience be- gleitet27. AuRerdem betreibt jeder der drei Anbieter eine Website mit Infor- mationen zur Nutzung, Sicherheit und zum Angebot der E-Scooter. Voi und TIER haben auf ihren Websites E-Mail-Kontaktformulare als weiteren Touchpoint zum Kunden etabliert. Lime setzt auf Bilder und Erklarvideos zur Nutzung der E-Scooter und vertreibt sie unter anderem uber die Uber- Plattform28. TIER erreicht seine Kunden zusatzlich uber einen Blog, sowie Apps und Websites von Kooperationspartnern, wie beispielsweise der Munchner Verkehrsgesellschaft oder des Automobilvermieters Sixt29.

4. ) Kundenbeziehungen

Bei allen drei Verleihern mussen sich Kunden zunachst ein Kundenkonto in der App anlegen, um das E-Scooter Angebot nutzen zu konnen30. Eine digi­tale und interaktive Deutschlandkarte zeigt nach Freischaltung des Kontos, in welchen Stadten E-Scooter verfugbar sind. Mithilfe der Zoom-Funktion konnen die aktuellen Standorte von E-Scootern abgerufen und durch Klick auf den Scooter ausgewahlt und freigeschaltet werden. Voraussetzung fur die Leihe eines E-Scooters ist ein im Kundenkonto hinterlegtes, gultiges Zahlungsmittel, uber das die Umsatze abgebucht beziehungsweise einge- zogen werden. Zur Akquise von neuen Nutzern geben alle drei Anbieter Gutscheine fur Freifahrten aus. Voi halt die Kundenbeziehung uber Push- Benachrichtigungen auf das Smartphone der Nutzer aufrecht. In der App bietet Voi weiter einen Supportbereich mit FAQ und eine Rubrik uber Re- geln und Sicherheit. Zudem existiert eine Ubersicht zu historischen Fahrten und ein Menubereich fur die Bearbeitung des Kontos und hinterlegter Zah- lungsmittel. Der Anbieter TIER verlangt nach jeder Fahrt zunachst eine Be- wertung der Fahrt uber die App. Lime bietet als einziger der drei Anbieter eine Vorauszahlung fur zukunftige Fahrten an und fordert seine Kunden auf die Parkplatze von abgestellten E-Scootern anderer Nutzer zu fotografieren und zu bewerten. Ein Punktesystem befindet sich in der Entwicklung.

Anmerkung der Redaktion: Abbildung 5 wurde aus urheberrechtlichen Grunden entfernt.

Abbildung 5: Interaktive Deutschlandkarte des Anbieters TIER mit Verfug- barkeit und Anzahl von E-Scootern sowie Anzeige einzelner E-Scooter am Beispiel mittleres Nordrhein-Westfalen und Munster31

5. ) Einnahmequellen

Das Preismodell zur Generierung von Einnahmen durch Nutzer ist anbieter- ubergreifend identisch32. Die Nutzer zahlen bei jeder Freischaltung bzw. Ak- tivierung eines E-Scooters einmalig einen Fixbetrag und einen variablen Preis fur jede Nutzungsminute eines E-Scooters. Die Aktivierungsgebuhr betragt zum aktuellen Zeitpunkt bei alien Anbietern 1€ brutto. Die Nutzung eines E-Scooters bepreist TIER aktuell mit 0,15€ pro Minute, bei Voi variiert der Nutzungspreis „je nach Stadt, Tag und Uhrzeit"33 und auch bei Lime hangt der variable Preisbestandteil von der jeweiligen Stadt ab und liegt zwischen 0,20€ und 0,25€ pro Minute34.

6. ) Schlusselressourcen

Die E-Scooter sind angesichts einer durchschnittlichen Anzahl von ca. 1.900 Stuck pro Stadt und Anbieter35 einer der wichtigsten und werthaltigsten Schlusselressourcen der Unternehmen. Bei allen drei untersuchten Anbie- tern ist die Kunden-App ebenfalls von hoher Bedeutung, ohne die das Ge- schaftsmodell nicht ausfuhrbar ist. Daruber hinaus arbeiten alle drei Unter- nehmen mit Partnern zusammen, die fur den Ladeprozess der E-Scooter verantwortlich sind. Voi bezeichnet diese Partner als sogenannte „Voi Hun- ter“, bei dem Anbieter Lime werden sie „Juicer“ und beim deutschen Anbie- ter TIER „Battery Swapper“ genannt. Letzterwahnter Anbieter beschaftigt zurzeit ca. 240 eigene Mitarbeiter36, die unter anderem fur den Akku- Tausch, die Wartung und Reparatur der E-Scooter verantwortlich sind37.

7. ) Schlusselaktivitaten

Die wichtigsten Aktivitaten der Anbieter sind die Beschaffung und standige Bereitstellung der E-Scooter fur die Kunden. Konkret mussen die E-Scooter regelmaftig eingesammelt und aufgeladen werden. Die durchschnittliche Reichweite liegt je nach Belastung und Modell zwischen 25 und 30km38, so­dass alle drei Anbieter die E-Scooter taglich aufladen mussen. Wahrend Voi und Lime fur die Akkuladung den gesamten E-Scooter einsammeln, setzt TIER auf wechselbare Akkus39, sodass lediglich die Akkus und nicht der ge- samte E-Scooter eingesammelt werden mussen. Je nach VerschleiR und Abnutzung sind zudem weitere Reparaturarbeiten durchzufuhren40. AuRer- dem sind alle Aktivitaten rund um den Betrieb der App im Zusammenhang mit der Akquise und Aufrechterhaltung der Kundenbeziehung von wichtiger Bedeutung fur die Geschaftsmodelle.

[...]


1 Nachfolgend BMVI genannt

2 Nachfolgend eKFV genannt

3 Bundesministerium fur Verkehr und digitale Infrastruktur, 2019, §1 Abs. 1

4 Ebd. §1 Abs. 1, Punkt 2

5 Nachfolgend synonym „E-Scooter“ genannt

6 Vgl. BerlinOnline Stadtportal GmbH & Co. KG, 2019

7 Quelle: TIER Mobility GmbH, 2019

8 Bruhn, et al., 2012 S. 9

9 Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an civity Management Consultants GmbH & Co. KG, 2019; Stand: 30.09.2019

10 Vgl. Osterwalder, et al., 2009

11 Hoffmann, et al., 2016 S. 243

12 Vgl. ebd. S. 432

13 Vgl. Lewrick, et al., 2018 S. 14

14 Stand: 17.10.2019

15 Vgl. Ksienrzyk, 2020; Stand: Januar 2020

16 Vgl. Voi Technology AB, 2019; Stand: Februar 2020

17 Vgl. LimeBike Germany GmbH, 2019

18 Quelle: Eigene Darstellung; Stand: Oktober 2019

19 Vgl. zum gesamten Kapitel 2.2 Osterwalder, et al., 2009 S. 14

20 Quelle: Osterwalder, et al., 2009, S. 44

21 Vgl. Voi Technology Ab, 2019, Neutron Holdings, 2019, Voi Technology Ab, 2019

22 Vgl. Voi Technology AB, September 2019

23 Vgl. Voi Technology AB, 2019

24 Vgl. TIER Mobility GmbH, 2019

25 Vgl. LimeBike Germany GmbH, 2019

26 Vgl. Rondinella, 2019

27 Vgl. Voi Technology Ab, 2019, Neutron Holdings, 2019, Voi Technology Ab, 2019

28 Vgl. LimeBike Germany GmbH, 2019

29 Vgl. TIER Mobility GmbH, 2019

30 Vgl. zum Absatz: Voi Technology Ab, 2019, Neutron Holdings, 2019, Voi Technology Ab, 2019

31 Quelle: App von TIER Mobility GmbH, 2019; Stand: Oktober 2019

32 Vgl. Voi Technology Ab, 2019, Neutron Holdings, 2019, Voi Technology Ab, 2019

33 Vgl. Voi Technology AB

34 Vgl. Welling, 2019, Zugriff am 25.10.2019

35 Vgl. civity Management Consultants GmbH & Co. KG, 2019

36 Vgl. Stuber, 2019, Zugriff am 19.11.2019

37 Vgl. O'Hear, 2019, Zugriff am 11.11.2019

38 Vgl. Donath, 2019

39 Vgl. TIER Mobility GmbH, 20199

40 Vgl. O'Hear, 2019

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
E-Scooter Verleihe und ihre Geschäftsmodelle. Welche Möglichkeiten zu Weiterentwicklung gibt es?
Veranstaltung
Design Thinking & Business Model Innovation
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
43
Katalognummer
V540047
ISBN (eBook)
9783346166777
ISBN (Buch)
9783346166784
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der noch junge E-Scooter Markt hat sich seit der Einführung der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung im Juni 2019 schnell in Deutschland entwickelt. Doch welche Geschäftsmodelle bieten die heute aktiven Anbieter an? Wie unterscheiden sie sich voneinander und welche Möglichkeiten zur Weiterentwicklung gibt es? Diese und viele weitere Fragen beantwortet die Seminararbeit aus dem Februar 2020. Viel Spaß beim Lesen.
Schlagworte
E-Scooter, Trettroller, TIER, LIME, Mobilität, Shareconomy, Sharing Economy, Elektroroller, VOI
Arbeit zitieren
Julian Janocha (Autor), 2020, E-Scooter Verleihe und ihre Geschäftsmodelle. Welche Möglichkeiten zu Weiterentwicklung gibt es?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540047

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: E-Scooter Verleihe und ihre Geschäftsmodelle. Welche Möglichkeiten zu Weiterentwicklung gibt es?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden