Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft – SECO – gehören rund 99 Prozent aller Schweizer Firmen zur Unternehmens-Kategorie der Familienunternehmen. Das bedeutet, dass es in der Schweiz 375'000 Familienbetriebe gibt, die 1,6 Millionen Mitarbeitende beschäftigen. Damit arbeiten 41 Prozent aller Erwerbstätigen in der Schweiz für einen solchen familiengeführten
Betrieb (Andric et al., 2016). Im Durchschnitt überdauert nur ein Drittel aller Familienunternehmen eine Nachfolgeplanung unbeschadet. Dies bedeutet, dass von 100 Familienunternehmen, es nur ein Unternehmen bis zur vierten Generation schafft (Binz Astrachan & Scherrer, 2017; Ward, 1987).
Diese Masterarbeit behandelt das Thema der Nachfolgeplanung von Familienunternehmen in der Schweiz. Dabei soll vor allem der mögliche Einfluss von zugezogenen Unternehmensberatern bei Nachfolgeplanungen betreffend der Konfliktbewältigung und der Kanalisierung von Emotionen und psychologischen Aspekten in diesem Prozess beleuchtet werden. Die Forschungsfrage zu dieser Master Thesis lautet:
„Wie kann ein Unternehmensberater relevante psychologische oder emotionale Problemstellungen im Prozess der Nachfolgeplanung eines Familienunternehmens erkennen und wie sollte er darauf reagieren?“
Ein intensives Theorie-Studium der für die Beantwortung der Forschungsfrage relevanten, deutschsprachigen Literatur bildete die Grundlage für den Forschungsprozess. Der oben genannte Forschungsgegenstand wurde dann anhand von qualitativer Feldforschung, in Form von leitfadengestützten Experteninterviews, untersucht. Um ein genaueres Bild zu erhalten,
wurden zwei Expertengruppen gebildet. Die der Unternehmensberatenden (UB) und die der Senior-Familienunternehmenden (SFU). Ein systematisches Vorgehen hat dabei sichergestellt, dass der Forschungsprozess und die beiden Interview-Leitfäden anhand der verifizierten Theorie hergeleitet wurden. Damit konnte die Grundlage für eine erfolgreiche Operationalisierung gelegt werden.
Für den empirischen Teil wurden somit je drei Interviews pro Expertengruppe durchgeführt. Vorgängig erfolgte jeweils ein Pretest-Interview, um die Leitfäden auf Funktion zu prüfen. Um eine grössere Datendichte zu erreichen, wurden die Pretest-Interviews ebenfalls in die Auswertung aufgenommen. Die Auswertung dieser Interviews erfolgte dann anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach (Mayring, 2016).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Ausgangslage
1.2 Forschungsproblem und -frage
1.3 Zielsetzungen, inhaltliche Abgrenzung
1.3.1 Zielsetzung
1.3.2 Abgrenzung
1.4 Aufbau der Arbeit
1.4.1 Kapitel 1: Einleitender Teil
1.4.2 Kapitel 2: Theoretischer Teil
1.4.3 Kapitel 3: Methodischer Teil
1.4.4 Kapitel 4: Empirisch konstruktiver Teil
1.4.5 Kapitel 5: Schlussfolgerung und Handlungsempfehlungen
2. Theoretischer Teil
2.1 Definition Familienunternehmen
2.1.1 Wirtschaftliche Bedeutung
2.1.2 Mittelstand
2.1.3 Kleinere und mittlere Unternehmen (KMU)
2.1.4 Das Familienunternehmen
2.2 Die Unternehmensfamilie
2.2.1 Die Familie als Konstrukt
2.2.2 Zusammenarbeit der Generationen
2.2.3 Werte und Einstellungen
2.2.4 Führung und Kommunikation in Familienunternehmen
2.3 Die Nachfolgeplanung in Familienunternehmen
2.3.1 Varianten der Nachfolgeplanung
2.3.2 Zeitpunkt und Dauer der Nachfolgeplanung
2.3.3 Motive
2.3.4 Übergebender Teil
2.3.5 Übernehmender Teil
2.3.6 Alternativen in der Nachfolgelösung
2.4 Psychologische Aspekte einer Unternehmensnachfolge (Systeme und Modelle)
2.4.1 Das Dreikreismodell nach Simon
2.4.2 Rollenepisode
2.4.3 Prinzipal-Agenten-Theorie
2.5 Konfliktpotenzial
2.5.1 Ambivalenz
2.5.2 Emotionalität
2.5.3 Spannungsfeld zwischen Unternehmer und Familie
2.5.4 Verhältnis zwischen Vorgänger und Nachfolger
2.5.5 Verhältnis zu den Mitarbeitenden
2.6 Unternehmensberatungen im Nachfolgeprozess
2.6.1 Notwendigkeit externer Unternehmensberater
2.6.2 Qualitative Aspekte
2.6.3 Der Beratungsprozess in der Nachfolgeplanung
2.6.4 Kommunikation und Informationen im Beratungsprozess
3. Methodische Vorgehensweise
3.1 Forschungsfrage
3.2 Forschungsprozess
3.3 Forschungsmethode
3.4 Begründung für das methodische Vorgehen
3.5 Fallauswahl
3.5.1 Unternehmende nach der Nachfolgeregelung
3.5.2 Unternehmensberater mit Erfahrung in der Nachfolgeregelung von Familienunternehmen
3.5.3 Konstruktion der beiden Interviewleitfäden
3.6 Datenerhebung
3.6.1 Fragebogendesign
3.6.2 Gütekriterien
3.6.3 Experteninterviews
3.6.4 Pretest
3.6.5 Datenauswertung Pretest
3.7 Datenauswertung
3.7.1 Methode der Analyse
3.7.2 Analyse der Interviews
3.7.3 Vergleich der Aussagen
3.7.4 Ergebnisse
3.7.5 Grenzen der Untersuchung
4. Praktischer empirischer konstruktiver Teil
4.1 Gegenüberstellung von der Theorie und der gesammelten Praxis der Experten
4.2 Themenblock I: Nachfolgeprozess
4.2.1 Theoretische Grundlagen
4.2.2 Praktische Erfahrung der Experten
4.2.3 Abgleich zwischen Theorie und Praxis
4.3 Themenblock II: Die Unternehmerfamilie
4.3.1 Theoretische Grundlagen
4.3.2 Praktische Erfahrung der Experten
4.3.3 Abgleich zwischen Theorie und Praxis
4.4 Themenblock III: Konfliktpotenzial
4.4.1 Theoretische Grundlagen
4.4.2 Praktische Erfahrung der Experten
4.4.3 Abgleich zwischen Theorie und Praxis
4.5 Themenblock IV: Rolle Unternehmensberater
4.5.1 Theoretische Grundlagen
4.5.2 Praktische Erfahrung der Experten
4.5.3 Abgleich zwischen Theorie und Praxis
4.6 Themenblock V: Psychologische und emotionale Aspekte
4.6.1 Theoretische Grundlagen
4.6.2 Praktische Erfahrung der Experten
4.6.3 Abgleich zwischen Theorie und Praxis
4.7 Vergleich der gemachten Aussagen der Expertengruppen
4.7.1 Synergismus
4.7.2 Abweichungen
4.7.3 Sonstiges
5. Schlussfolgerungen, Empfehlungen
5.1 Zusammenfassung
5.2 Abschliessende Beantwortung der Forschungsfrage und Subfragen
5.2.1 Forschungsfrage
5.2.2 Subfragen
5.3 Handlungsempfehlungen
5.3.1 Allgemeine Empfehlungen
5.3.2 Empfehlungen für Unternehmensberater
5.3.3 Empfehlungen für Familienunternehmer
5.4 Kritische Reflexion
5.5 Ausblick
5.5.1 Unternehmensberatung von Familienunternehmen in der Nachfolgeplanung
5.5.2 Weiterführende Fragestellungen
6. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Unternehmensberater psychologische und emotionale Probleme während des Nachfolgeprozesses in Schweizer Familienunternehmen identifizieren und adressieren können, um den Erfolg der Übergabe zu sichern.
- Psychologische Dynamiken in Familienunternehmen
- Einfluss von Emotionen auf den Nachfolgeprozess
- Rolle und methodisches Vorgehen von Unternehmensberatern
- Konfliktpotenziale zwischen Generationen
- Strategien zur Bewältigung emotionaler Hürden
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Das Dreikreismodell nach Simon
Ursprünglich stammt das Dreikreismodell von Tagiuri und Davis (Tagiuri & Davis, 1996) und wurde auf Grund des neuen theoretischen Ansatzes und der einfachen Verständlichkeit schnell verbreitet.
Die drei überschneidenden Kreise sollen gemäss Simon (2011, S. 10) die Besonderheiten von Familienunternehmen aufzeigen (Abbildung 9). Die drei Kreise widerspiegeln dabei die unterschiedlichen Systeme der Familie, des Familienunternehmens und die des Eigentums der Familie. Dabei ist jeder Kreis auch ein soziales System für sich. Je nach Rolle müssen die einzelnen Individuen in allen Systemen (teilweise auch gleichzeitig) agieren und auch Entscheidungen treffen. Es gibt aber keine Akteure, die eine Doppelrolle in dieser Systematik haben. Zusätzlich sind die einzelnen Systeme in einem ständigen Austausch. Doch die drei unterschiedlichen Systeme weisen auch abweichende Handlungslogiken auf.
So sind einerseits in der Familie erlebbare Beziehungen und die Emotionen der Mitglieder massgebend. Das eigene Familienunternehmen unterliegt jedoch ganz anderen formalen Regeln und ist gewinnorientiert und generationsübergreifend ausgerichtet. Das Eigentum wiederum unterliegt zum Beispiel steuerrechtlichen Vorgaben, vertraglichen Abmachungen und den zu tätigenden Investitionen.
Diese drei Systeme können sich somit unterschiedlich stark überschneiden oder gar überdecken. So lässt sich feststellen, dass die Familien- und Unternehmensdynamik, egal ob positiv oder negativ bewertet, immer aus dem Spannungsverhältnis dieser drei Systeme heraus erfolgt (Simon, 2011, S. 10). Durch die Koppelung dieser unterschiedlichen Systeme lassen sich viele Konflikte gerade in der Nachfolgeplanung erklären oder sogar sichtbar machen oder erklären.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Ausgangslage, die hohe Bedeutung von Familienunternehmen und die Forschungsfrage bezüglich der Identifikation emotionaler Probleme durch Berater.
2. Theoretischer Teil: Behandelt die Grundlagen des Familienunternehmens, die Unternehmensfamilie, Nachfolgeplanungsmodelle sowie psychologische Aspekte und Konfliktpotenziale.
3. Methodische Vorgehensweise: Erläutert das qualitative Forschungsdesign mit leitfadengestützten Experteninterviews bei Unternehmensberatern und Senior-Familienunternehmern.
4. Praktischer empirischer konstruktiver Teil: Vergleicht die theoretischen Erkenntnisse mit den Ergebnissen aus den Experteninterviews anhand von fünf definierten Themenblöcken.
5. Schlussfolgerungen, Empfehlungen: Fasst die Ergebnisse zusammen, beantwortet die Forschungsfrage und gibt konkrete Handlungsempfehlungen für Berater und Familienunternehmer.
Schlüsselwörter
Nachfolgeplanung, Familienunternehmen, Unternehmensberatung, Psychologische Aspekte, Emotionale Faktoren, Konfliktpotenzial, Familiendynamik, Generationswechsel, Senior-Unternehmer, KMU, Führung, Kommunikation, Vertrauen, Nachfolgeprozess, Strategische Planung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit?
Die Arbeit analysiert die psychologischen und emotionalen Herausforderungen bei der Nachfolgeplanung in Schweizer Familienunternehmen und die Rolle externer Berater.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen Familiendynamik, emotionale Belastungen beim Loslassen, Kommunikationsmuster und Strategien zur konfliktminimierten Unternehmensübergabe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Wie kann ein Unternehmensberater relevante psychologische oder emotionale Problemstellungen im Prozess der Nachfolgeplanung eines Familienunternehmens erkennen und wie sollte er darauf reagieren?“
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine qualitative Forschungsmethode gewählt, bestehend aus leitfadengestützten Experteninterviews mit Unternehmensberatern und Familienunternehmern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Analyse und einen praktischen empirischen Teil, der die Theorie mit Expertenwissen abgleicht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Nachfolgeplanung, Familienunternehmen, psychologische Aspekte, emotionale Faktoren, Konfliktpotenzial, Familiendynamik, Vertrauen und Unternehmensberatung.
Wie unterscheidet sich diese Arbeit von Standard-Nachfolge-Modellen?
Die Arbeit legt einen besonderen Fokus auf die psychologischen und emotionalen Dimensionen sowie die subtile systemische Rolle des Beraters, die über reine Finanzberatung hinausgeht.
Warum ist das "Dreikreismodell nach Simon" wichtig für die Arbeit?
Es verdeutlicht das komplexe Zusammenspiel von Familie, Unternehmen und Eigentum, welches die Basis für das Verständnis emotionaler Konflikte in Familienunternehmen bildet.
Welche Rolle spielt die "Familiendynamik" für den Erfolg der Nachfolge?
Eine funktionale Familiendynamik mit offener Kommunikation ist ein kritischer Erfolgsfaktor, während dysfunktionale Systeme den Nachfolgeprozess massiv erschweren oder scheitern lassen.
Was sind die zentralen Empfehlungen für Berater?
Berater sollten frühzeitig Vertrauen aufbauen, Ängste abbauen, beim "Loslassen" unterstützen und bei Bedarf Visualisierungstools wie Soziogramme nutzen, um verdeckte Konflikte zu identifizieren.
- Arbeit zitieren
- Dominic Brunner (Autor:in), 2020, Nachfolgeplanung in Familienunternehmen. Psychologische und emotionale Aspekte bei der Beratung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540150