Veränderungen der Da Capo-Arie in der "Opera Buffa". Am Beispiel der Oper "Le nozze di Figaro" von Wolfgang Amadeus Mozart


Hausarbeit, 2017

10 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II.1. Die Da Capo-Arie in der Opera seria
II.2. Mozarts Auffassung von Arien
II.3. Analyse des Werkes Cavatina No.3 aus der Oper Le nozze di Figaro

III. Fazit

IV. Quellenverzeichnis:

I. Einleitung

Die Arie gehört mit dem Rezitativ (Secco und Accompagnato) und der Ouvertüre wohl zu den Hauptformen in der Oper. Sie kann sowohl als Sologesang mit Orchesterbegleitung als auch als mehrstimmiges Vokalstück ohne Orchester auftreten in einer größeren Form oder auch als Einzelstück.1 Die Form der Da Capo-Arie entstand am Ende des 17. Jahrhunderts und entwickelt sich von ihrem Ursprung in der Opera seria, der ernsten Oper aus durchaus verschieden in der Opera buffa, der komischen Oper weiter. Wie sie sich entwickelt, welche Form sie annimmt und wie sie gebraucht wird ist Gegenstand dieser Hausarbeit. Diese Frage soll mit Hilfe der Arie Cavatina No. 3. aus der Oper (Opera Buffa) Le nozze di Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart beantwortet werden. Dabei werde ich sowohl auf die musikalischen Parameter als auch vor allen Dingen auf die Form dieser Arien und die Eingliederung der Arien generell im Werk Le nozze di Figaro eingehen. Zunächst wird es eine kurze Betrachtung zu der Da Capo-Arie in der Opera seria geben, bevor sich dann ein Abschnitt über Mozarts Arientyp anschließt und dann die Analyse des Werkes von Mozart folgt. Zu den Hauptwerken, die in dieser Hausarbeit benutzt werden, gehört der Artikel: „Arie“ in der Encyklopädie: Die Musik in Geschichte und Gegenwart2 und den Artikel von Thomas Seedorf im Werk: Mozarts Opern.3

II.1. Die Da Capo-Arie in der Opera seria

Um zu verstehen wie die Da Capo-Arie sich verändert hat ist eine Klärung des Ursprungs dieser Form von Nöten. Zunächst einmal sollte der Begriff Da Capo geklärt werden, welcher „von vorne“ oder auch „vom Anfang an noch einmal“, bedeutet.4 Leicht abgewandelt kann sie auch als Dal segno- Arie bezeichnet werden, dann wird von einem bestimmten Zeichen („§“) aus wiederholt.5 Arien treten in der Gattung Opera seria hauptsächlich am Ende einer Szene als Abgangsarie auf. Dabei dient die Arie der Oper zur Affektäußerung und zur Schilderung von Situationen, sodass die Handlung in diesem Zeitraum nicht voranschreitet.6 Während im Rezitativ, welches klar getrennt ist von der Arie, die Handlung stattfindet.7 Der Da Capo-Arie liegt in ihrer ursprünglichen Verfassung eine Dreiteiligkeit mit den Formteilen A. und B. (ersterer wird als Reprise wiederholt) zu Grunde.8

Teil A. soll den Grundgedanken oder Affekt liefern, während Teil B. diesen variiert.9 Teil A. ist es auch, der als Reprise für Koloraturen der virtuosen Sänger gebraucht wird und oft nur mit da capo angegeben wird (also nicht ausgeschrieben wird).10 Durch die vielen Möglichkeiten, die in der Reprisenanlage möglich sind: Teilung der Strophen, übermäßige Dehnung, Hervorhebung und Verschleierung, verliert der Mittelteil also Teil B. immer mehr an Bedeutung, sodass sich aus der bereits fünfteiligen Da Capo-Arie in der jeweils eine Variante des A-Teils gespielt wird (A, A’,B,A,A’), die Dal Segno-Arie entwickelt.11 Man kritisierte nämlich an der Da Capo-Arie, die zahllosen Textwiederholung und die langen Koloraturen, da das Libretti eigentlich nur zweistrophig war.12

II.2. Mozarts Auffassung von Arien

Wolfgang Amadeus Mozart wuchs mit der Tradition der Da Capo-Arie in der Opera seria.13 Ihm war also auch der Brauch von Verzierungen und Koloraturen in der Reprisenanlage nicht fremd.14 Trotzdem ist sein Verhältnis zu dieser Form von Arie durchaus ambivalent. Auf der einen Seite suchte er immer nach dem rechten Maß der Verzierungen15, auf der anderen Seite war er aber auch gezwungen dem Wunsch des Publikums nach einer Reprise nachzukommen, denn schon als 9-jähriger erkannte er, dass das Einhalten der Normen Anerkennung beim Publikum bringt.16 So schrieb er also die Ornamentik in der Reprisenanlage fest, sodass sie nicht mehr frei vom Sänger improvisiert werden konnte.17 Des Weiteren finden sich in seinen Werken hauptsächlich Dal-segno Arien also verkürzte Da Capo-Arien. Auch lassen sich Fermaten bei diesen am Ende jedes Formteils feststellen.18 Verzierungen bestehen bei Mozart hauptsächlich aus Durchgangsnoten, kleineren Ornamenten, Veränderungen der Rhythmik und Einführung schnellerer Notenwerte/Synkopen.19 Außerdem musste die Da Capo-Arie in der Komödienoper gar nicht unbedingt vorkommen und auch ihre Form war durchaus variierbar.20

Im Gegensatz zur Opera seria, welche hauptsächlich Charaktere, ihre Schicksale und Affekte in den Vordergrund hebt, geht es bei der Opera buffa um Situationen und Beziehungen von Personen.21 Wahrscheinlich ist deswegen auch die starre Form der Da Capo-Arie und die vielen und langen Koloraturen die, die Affekte darstellen sollen, für die Opera buffa und damit auch für Mozarts Oper Le nozze di Figaro nicht vereinbar.

Vielmehr wird der Einsatz einer Arie in der Opera buffa nicht als selbstverständlich angesehen und musste legitimiert werden.22 Mozart zeigt allerdings in der Oper Le nozze di Figaro besonders gut, wie sich Arien in die Dramaturgie einbeziehen lassen. So bieten sie längst nicht mehr den einzigen musikalischen Beitrag, sondern die Ensembles kommen hinzu. Trotzdem lassen sich unter den 28 Nummern des „Figaros“ genau die Hälfte als Arien ausmachen, darunter sind allerdings nur vier (Nr. 3,4,6 und mit Coda Nr.11) nach Wolfgang Ruf,23 als Da Capo-Arien zu bezeichnen (wenn man Dal-segno Arien zur Kategorie Da Capo hinzuzählt).

II.3. Analyse des Werkes Cavatina No.3 aus der Oper Le nozze di Figaro

Ob es sich bei der Cavatina No. 3 überhaupt um eine Da Capo-Arie handelt, da sie kurz und einstrophig ist, soll hier untersucht werden.

Figaro ist der Interpret/Sänger dieser Nummer und deckt seine Absichten, die er gegen den Graf hegt, auf.

Der ursprüngliche Sinn der Arie einen bestimmten Affekt auszudrücken ist hier nur noch zum Teil gegeben. Zwar ist der Text des Stückes von einer gewissen „Wut“ geprägt, auf der anderen Seite führt er aber auch die Handlung weiter, sodass die Position dieser Arie viel mehr Musik und Dramaturgie verbindet.24 Der Text steht also im Mittelpunkt und dieser ist weniger geprägt von „Bildern, Gleichnissen oder poetische Figuren.“25

Die Besetzung der Cavatina No.3 besteht aus einer Oboe, einem Fagott, einem Jagdhorn in F, zwei Violinen, einer Viola und einem Violoncello als Basso continuo.

Sie steht in F-Dur und wird im Allegretto also etwas schneller gespielt. Ihr liegt weder die normale Dreiteiligkeit noch die Fünfteiligkeit einer Da Capo-Arie zu Grunde. So lässt sie sich wie folgt eher als eine Variation dieser verstehen. Sie besteht aus Teil A. (T.1-63), Teil B. (T.64-103) und der Reprisenanlage (T.104-131). Also sind die Formteile A. und B. zwar vorhanden, allerdings unterschiedlich groß und unsymmetrisch. Sie sind durch die Fermaten am Ende jedes Formteils zu erkennen, die zur Improvisation der Sänger genutzt werden können.26 Dabei sollten eher auf gute Überleitungen zum nächsten Formteil als auf „künstliche Verzierungen“ geachtet werden.27 Formteil A. lässt sich weiterhin noch einmal in Untergruppen a (T.1-42 (1. Zählzeit)) und a’ (T. 42 (2. Zählzeit)-63) aufteilen. So könnte es sich erstmal um eine fünfteilige Da Capo- Arien handeln, allerdings wird in der Reprisenanlage nur der a-Teil wiederholt und dies auch noch unvollständig. Er ist nur bis T. 122 deckungsgleich mit dem normalen a-Teil ist. Danach folgt ein Abschnitt (T.123-131) der die Arie musikalisch abrundet und nur vom Orchester gespielt wird.

[...]


1 Ludwig Finscher (Hrsg.): Art. Arie, in MGG2, Sachteil Bd.1, neubearbeitete Ausgabe Bärenreiter Verlag Kassel [u.a.], 1994, Sp. 809.

2 s. Fußnote 1.

3 Thomas Seedorf: Notation und Aufführung, in Mozarts Opern, Das Handbuch, hrsg. Dieter Borchmeyer, Gernot Gruber, 2 Bde., Laaber-Verlag GmbH, Köthen 2007, hier Bd.1.

4 Ulrich Michels (Hrsg.): dtv-Atlas zur Musik, Tafeln und Texte, 2.Bde, 15. Auflage, Bärenreiter Verlag, Deutscher Taschenbuch Verlag, München [u.a.] 1994, hier Bd. 2. S.73.

5 vgl. ebd. S.73.

6 Michael Schneider (Hrsg.): Basiswissen Barockmusik, Didaktische Schriftenreihe des Instituts für Historische Interpretationspraxis der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt, ConBrio Verlagsgesellschaft Regensburg 2011, S.49.

7 vgl. im Detail Ludwig Finscher: MGG2, Sp.816.

8 Sergio Durante: Strukturen, in Mozarts Opern, Das Handbuch, hrsg. Dieter Borchmeyer, Gernot Gruber, 2 Bde., Laaber-Verlag GmbH, Köthen 2007, hier Bd.1. S.167.

9 vgl. ebd. S.167.

10 vgl. ebd. S.167.

11 vgl. im Detail Ludwig Finscher: MGG2, Sp. 818.

12 vgl. im Detail Ludwig Finscher: MGG2, Sp. 819.

13 vgl. im Detail Thomas Seedorf: Mozarts Opern, S.139.

14 vgl. ebd. S.139

15 vgl. ebd. S.139

16 Christine Siegert: Mozarts frühe Studien, Konzert-Arien, Einlagen, hrsg. Dieter Borchmeyer, Gernot Gruber, 2 Bde., Laaber-Verlag GmbH, Köthen 2007, hier Bd.1. S.513.

17 vgl. im Detail Thomas Seedorf: Mozarts Opern, S.139.

18 vgl. ebd. S.140.

19 vgl. ebd. S.144.

20 Peter Sühring: Die frühesten Opern Mozarts, Untersuchungen im Anschluss an Jacobsthals Straßburger Vorlesungen, Bärenreiter Verlag, Kassel, 2006. zit. nach Jacobsthal, S.231.

21 Stefan Kunze: Mozarts Opern, Philipp Reclam jun., Stuttgart, 1984. S.245.

22 vgl. im Detail Ludwig Finscher: MGG2, Sp. 822.

23 Wolfgang Ruf: Beihefte zum Archiv für Musikwissenschaft: Die Rezeption von Mozarts „Le nozze di Figaro“ bei den Zeitgenossen, Franz Steiner Verlag Gmbh, Wiesbaden, 1977. S.62. 3

24 vgl. im Detail Ludwig Finscher: MGG2, Sp. 822.

25 vgl. ebd. Sp.822.

26 vgl. im Detail Thomas Seedorf: Mozarts Opern, S.138.

27 vgl. ebd. S.143. zit. nach Johann Adam Hiller: Anweisung zum musikalisch-zierlichen Gesange, Leipzig 1780, S.122f.

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Details

Titel
Veränderungen der Da Capo-Arie in der "Opera Buffa". Am Beispiel der Oper "Le nozze di Figaro" von Wolfgang Amadeus Mozart
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Institut für Musikwissenschaften und Musikpädagogik)
Veranstaltung
Formen der Oper im Spätbarock
Note
2,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
10
Katalognummer
V540218
ISBN (eBook)
9783346155283
Sprache
Deutsch
Schlagworte
amadeus, veränderungen, opera, oper, mozart, figaro, capo-arie, buffa, beispiel, wolfgang
Arbeit zitieren
Lukas Hüttemann (Autor), 2017, Veränderungen der Da Capo-Arie in der "Opera Buffa". Am Beispiel der Oper "Le nozze di Figaro" von Wolfgang Amadeus Mozart, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/540218

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