Die Lebensgeschichte der Mourning Dove aus dem Colville-Stamm. Versuche der Vermittlung zwischen den Eingeborenen und den "Weißen"


Hausarbeit, 2003

16 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Sprachfamilie der Salish

3. Das Kulturareal des Plateau

4. Die Colville Confederated Tribes

5. Mourning Dove
5. 1. Der Wahrheitsgehalt der Autobiographie
5. 2. Beeinflussungen und Veränderungen
5. 3. Mourning Doves Ambitionen
5. 4. Mourning Doves Abstammung
5. 5. Mourning Doves Kindheit
5. 6. Mourning Doves Jugendzeit
5. 7. Mourning Dove als Ehefrau, Schriftstellerin und politische Aktivistin

6. Schluss

7. Anmerkungen

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mourning Dove ist als die erste eingeborene Frau, die einen Roman veröffentlichte, bekannt geworden. Auf der Grundlage ihrer Lebensgeschichte, soll im Folgenden die Geschichte und Kultur der Binnenland-Salish und besonders des Colville-Stammes, dem Mourning Dove angehörte, im Kulturareal des Plateaus in Nordamerika vorgestellt werden.

Vorab wird allgemein die Sprachfamilie der Salish und das Kulturareal des Plateaus besprochen, um einen ersten Überblick, über die enorme Vielfalt der vorhandenen Sprachen und Stämme zu bekommen, inmitten derer Mourning Dove aufgewachsen ist.

Darauf wird ein historischer Abriss der Colville Confederated Tribes gegeben, um Mourning Doves kulturellen und historischen Hintergrund zu verdeutlichen. Und nach einer kurzen Literaturkritischenbetrachtung ihrer Autobiographie, wird explizit auf Mourning Doves Lebensgeschichte angefangen bei ihrer Kindheit über ihre Jugendzeit bis hin zu ihrer Entwicklung als Schriftstellerin und politischen Aktivistin eingegangen.

Abschließend werden die Probleme, die Mourning Doves Ziele mit sich brachten und ihre daraus resultierende Resignation, sowie die Besonderheiten einer erlebten Geschichte, als Mitglied einer zu untersuchenden Gesellschaft, im Vergleich zur Geschichtsschreibung durch Außenseiter, herausgearbeitet.

2. Die Sprachfamilie der Salish

Übersetzt bedeutet Salish soviel wie „Vergessenes Volk“. (Heyden Hg. 1997: 308) Die Sprachfamilie der Salish beinhaltet 23 Sprachen und breitet sich über zwei Kulturareale aus: dem Plateau und der Nordwestküste. (Czaykowska-Higgins 1998: 1) Ein Großteil der im Plateau lebenden Völker zählt sprachlich zu den Interior- oder Binnenland-Salish im Norden und den Sahaptin 1 im Süden. (Beck Kehoe 1981: 358) Daneben finden sich Athapaskan (Nicola), Chinook (Wasco, Wishram) und sprachlich isolierte Gruppen wie die Kutenai, Cayuse und die wahrscheinlich entfernt mit den Sahaptin verwandten Molala und Klamath (Plateau-Penuti). (Feest 2000: 241f)

Das Binnenland-Salish kann entlang des Columbia River in zwei sich durch unterschiedliche Vokabeln und Flexionen auszeichnende Dialekte, dem Colville-Okanogan Dialekt, der im Norden mit den Lakes beginnt und sich bis in den Süden zu den Colvilles, Sanpoilis, Nespelems und Okanogans zieht, und dem Columbian Dialekt, der weiter südlich von den Chelans, Entiats, Peskwaws (Wenatchis) und Moses Columbians gesprochen wird, unterteilt werden. Die Grenze zwischen den beiden Dialekten wird von den Methows gebildet. (Miller Hg. 1990b: 219ff)

3. Das Kulturareal des Plateau

Zur Einteilung der Stämme, deren Angehörige einer Sprachfamilie meist weit voneinander entfernt lebten und deren Wirtschaftssysteme zu undifferenziert für eine Unterteilung waren, blieb lediglich die Erfindung der Kulturareale um 1920: „Kulturareale sind geographische Großregionen mit vergleichbaren Umweltbedingungen.“ (Rochard Hg. 1993: 29) Neuerdings haben sich die Experten der Smithsonian Institution in Washington auf zehn Areale geeinigt: Arktis, Subarktis, Nordwestküste, Kalifornien, Südwesten, Großes Becken, Prärie und Plains, Südosten sowie Nordosten und das Plateau. (ebd.)

Das Kulturgebiet des Columbia Plateaus umfasst Teile der heutigen US-Staaten Washington, Oregon und Idaho, den Südosten der kanadischen Provinz British Columbia sowie einen kleinen Abschnitt des westlichen Montana und Nordkaliforniens. (Bode-Pfaffenholz 1997: 303) Im Plateau finden sich üppige Grasländer und Gebirge mit Nadelwäldern, aber auch trockene unwirtliche Landstriche. (Bolz 1999: 147)

4. Die Colville Confederated Tribes

Ursprünglich verband der Columbia River viele Stämme, auch die heute als Binnenland-Salish bekannten. Das tiefer gelegene Columbia wurde von Chinookan Gemeinschaften 2 und weiter flussabwärts von den Sahaptian 3 bewohnt. (Miller Hg. 1990b: xxvi)

Von da aus flussabwärts lebten die verschiedenen Salish-Gruppen: die (Moses) Columbians, die Peskwaws (von den Sahaptians Wenatchis genannt), die Entiats, Chelans, Methows, die Okanogans 4, die Nespelems, Sanpoils, Colvilles und die (Arrow) Lakes. Die kanadischen Nachbarn waren die Kootenays und die Fraser River Salishans. Im Westen lebten die Salish-Stämme der Spokans, Kalispels, der Flatheads und Coeur d´Alenes. (ebd.: 145)

Auf dem Plateau wurde 1855 der erste Reservatsvertrag von den Nee-me-poo-Gruppen unterzeichnet, worauf „Jahre der Frustration und gebrochene Versprechen“ folgten, die im Nez Percé-Krieg von 1877 endeten. (Bode-Pfaffenholz 1997: 312f)

Die aufgrund von Verträgen und Abkommen eingerichteten Reservate unterstanden Indianeragenten, die als verlängerter Arm des Bureau of Indian Affairs (BIA) in Washington5 agierten. (Rochard Hg. 1993: 31)

1872 wurde der Columbia River zur Ostgrenze des Colville-Reservats gemacht.

Durch den General Allotment Act 1887 versuchte man die Indianer den Europäern anzupassen. ( Franz 1993: 72) 1892 wurde die Nordhälfte des Colville Reservats den Stämmen abgesprochen, was die kanadische Grenze zur Nordgrenze des Reservats machte. Durch Mineralvorkommen wurden auch von außen Besitzansprüche auf die Bergwerke im übriggebliebenen Reservatsgebiet erhoben, denen 1896 gesetzmäßig Folge geleistet wurde. Das nichtzugeteilte Land wurde 1900 für Siedler freigegeben. (Miller Hg. 1990b: xxx) Mourning Dove sah diese Reservatseröffnung kritisch: „The reservation was violated again at noon 10 October 1900 when it was opened for homesteading. The law to enable this was the result of a bill passed and approved by Congress through the efforts of the Indian Department and the secretary of the interior. The Colville tribes had no voice in the matter and only heard about it at last moment. People were fanatic and desperate, being content to always live separately from whites.“ (ebd.: 180)

1905 wurde dann jedem Colville-Mitglied innerhalb des verkleinerten Reservats als Folge des McLaughlin Agreement ein Stück Land von 80Acre zugeteilt. Der General Allotment Act beinhaltete praktisch die Auflösung der Reservate. Er schlug völlig fehl. (ebd.: xxx)

1934 wurde die Reformpolitik des Indian Reorganization Act eingeleitet, welche den Indianern die Selbstverwaltung in den Reservaten zugestand, Möglichkeiten einräumte, Land vom Staat und privaten Grundbesitzern zurückzukaufen, und nicht mehr benötigte Militär- und BIA-Einrichtungen kostenlos an Indianer abgab. (Rochard Hg. 1993: 32f) Wenn Indianern illegal Land genommen wurde, konnten sie ihre Landansprüche an die Indians Claims Commission richten. Es wurde aber weiterhin die Politik der Landzuteilung verfolgt. Und bald darauf konzentrierte sich die Regierung wieder auf eine Terminationspolitik, welche die indianische Landbasis aufs neue reduzierte. (Franz 1993: 73)

Erst als das BIA versuchte, mit der House Resolution 7190 im Jahr 1955 das Reservat aufzulösen, und ein Reporter aus Stanford 1960 auf die Zerstörung des Colville-Reservats drängte, taten sich die Mitglieder des Colville-Rates zusammen und wehrten sich gegen die Angriffe. Es wurde sich bemüht, effektive Lösungen für die wirtschaftlichen und politischen Probleme zu finden, in denen die traditionellen Werte flexibel beibehalten werden können. Beispielsweise wurden wirtschaftliche Programme entwickelt, um den Holzverkauf, Bergbau und die Industrie zu fördern. Mit der Zeit hat sich Colville zu einem Reservat mit einer effektiven Leitung und einer enormen Mannigfaltigkeit der Bewohner entwickelt. (Miller Hg. 1990b: xxxf)

5. Mourning Dove

Mourning Dove6 ist das Synonym für Christine Quintasket eine bemerkenswerte Frau, der eben vorgestellten Colville Confederated Tribes. Heute ist sie am besten bekannt, als die erste eingeborene amerikanische Frau, die einen Roman veröffentlichte.7 Zu Lebzeiten war sie regional im Inland des Nordwestens eine Berühmtheit. Als solche, lebte sie zwei Leben: ein öffentliches als Mourning Dove und ein privates als eine Frau, die versuchte im Leben weiterzukommen. (Miller Hg. 1990b: xi)

[...]

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Details

Titel
Die Lebensgeschichte der Mourning Dove aus dem Colville-Stamm. Versuche der Vermittlung zwischen den Eingeborenen und den "Weißen"
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Institut für Völkerkunde)
Veranstaltung
Lebensgeschichten nordamerikanischer Indianer/innen
Autor
Jahr
2003
Seiten
16
Katalognummer
V54061
ISBN (eBook)
9783638493437
ISBN (Buch)
9783640127511
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
"sehr gut"
Schlagworte
Mourning, Dove, Lebensgeschichten, Indianer/innen
Arbeit zitieren
Nicole Rosenthal (Autor), 2003, Die Lebensgeschichte der Mourning Dove aus dem Colville-Stamm. Versuche der Vermittlung zwischen den Eingeborenen und den "Weißen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54061

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