Chancen und Risiken der Enhancementtechnologie. Modeerscheinung oder Zukunftstechnologie?


Seminararbeit, 2008

11 Seiten, Note: N/A


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

Thesenzusammenstellung

Fazit

Quellenverzeichnis

Name: Nick Sander

Studiengang: Medizinische Ingenieurwissenschaften - Sommer-Semester 2008

Universität zu Lübeck - Institut für Medizin- und Wissenschaftsgeschichte (IMWG)

Einleitung

Dopingmittel, häufig bereits so weit entwickelt, dass man ihren Gebrauch nur schwer entdecken kann, zählen heutzutage im Sport als allgemeine Leistungssteigerungsmittel, ein Beispiel der heute angewendeten, wenn auch verbotenen Enhancementtechnologie. Nicht verboten sind hingegen die Schönheitsoperationen in der plastischen Chirurgie 12 und auch verschiedenste Psychopharmaka zur Verbesserung des Wohlbefindens 5. Hiermit soll nur einmal deutlich gemacht werden, dass Enhancementtechnologien uns in unserem Alltag bereits häufiger begegnen als wir überhaupt ahnen und dass die Diskussion nicht nur in der Politik, sondern auch in unserer Gesellschaft immer mehr an Bedeutung gewinnt. Sollten Dopingmittel nicht eventuell zum allgemeinen Gebrauch freigegeben werden, um eine Gerechtigkeit zwischen allen Sportlern herzustellen? Geht dabei nicht der eigentliche Sportgedanke, der Mensch soll mit seinem eigenen Körper Höchstleistungen vollbringen, verloren? Das sind moralische Fragen, die bei der Diskussion um Enhancementtechnologien oft eine bedeutende Rolle spielen.

Wenn man sich aber mit dem Begriff „Enhancement“ befasst, muss man sich vorerst über den Begriff „Gesundheit“ im Klaren sein. Verständlicherweise kann man einen Körper als gesund bezeichnen, wenn er abwesend von jeglichen Krankheiten ist und wenn er sich in einem Zustand vollkommenen körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens befindet.

Nun kann man aber sicherlich davon ausgehen, dass Krankheit ein Begriff ist, der je nach objektiver oder subjektiver Sichtweise unterschiedlich aufgefasst werden kann. Ist ein Mensch krank, wenn er sich in seinem Körper nicht wohl fühlt, weil er sich beispielsweise selbst als zu klein befindet? Kann man diesen Zustand als gesund bezeichnen?

„Enhancement“ bedeutet eine Leistungssteigerung in unterschiedlicher Form über das normale, gesunde Maß hinaus 2. Wie oben bereits angedeutet ist es aber äußerst schwierig eine möglichst präzise Trennung zwischen einem normalen, gesunden und einem krankhaften Zustand zu finden. Deshalb ist es auch schwierig herauszufinden, wann Gesundheit aufhört und Enhancement anfängt.

Nicht nur in dieser Hinsicht wird der Begriff „Enhancement“ in der heutigen Zeit kontrovers diskutiert, denn wir leben in einer Gesellschaft, die nach immer mehr Leistung und schöneren Erlebnissen strebt und dies ist auch die Ansicht der Enhancementbefürworter, die damit unser Leben lebenswerter machen wollen. Andererseits gibt es aber auch eine Gegenseite dazu, die verschiedenste Gegenargumente liefert, zu denen später detailliert eingegangen wird, sodass eine grundsätzliche Zulassung von Enhancementtechnologien in unserer heutigen Zeit unmöglich erscheint.

In naher Zukunft jedoch, so auch die Spekulation von „Nick Bostrom“, Philosoph und Leiter des Future of Humanity Instituts der Universität in Oxford, wird sich die Menschheit einer radikalen Veränderung unterziehen, dabei soll seiner Meinung nach eine Überwindung unserer jetzigen Lebensspanne und Psychologie stattfinden 3. Diese Äußerung ist aber nur spekulativ, denn der weitere Verlauf um die Zulassung von Enhancementtechnologien hängt von vielen Faktoren ab, so ist ein Bremsklotz in der Erforschung, Erprobung und anschließender Zulassung neuer Enhancementtechnologien definitiv die fehlende Finanzierung durch den Staat.

Denn eines steht sicherlich fest, mit Zunahme des Verständnisses unseres Gehirns und unseres Genoms wachsen auch die Möglichkeiten der Veränderung eines einzelnen Menschen 3.

Im weiteren Verlauf der Arbeit werden nun die Vor- und Nachteile der Enhancementtechnologie näher erläutert, um schließlich der Frage nachzukommen, ob wir die Enhancementtechnologie nur als eine Modeerscheinung oder eine Zukunftstechnologie, die uns auch in nächster Zeit noch verfolgen wird, bezeichnen können?

Thesenzusammenstellung

Enhancementtechnologien sind, wie bereits oben erwähnt, in unserem heutigen Leben schon sehr häufig auffindbar, auch wenn deren Benutzung zum Teil nicht toleriert wird. Dazu möchte ich ein weiteres Beispiel nennen, welches auch von höchster Relevanz ist. In einigen nordamerikanischen Colleges sollen bestimmte Substanzen zur Steigerung der Lern- und Arbeitsfähigkeit bereits seit den 80er- Jahren zum Alltag gehören. So sollen schätzungsweise 10-16% der Studenten hier schon einmal das Präparat „Methylphenidat (Ritalin®)“, das angeblich zu enormer Steigerung von Ergebnissen führen soll, zumindest ausprobiert haben 3.

Bild 1 zeigt das Ergebnis einer Studie, durchgeführt im Jahre 2005 unter Teilnahme von 11000 Studenten an über 100 US-Colleges. Es ist im Bild erkennbar, dass es zwar immerhin noch circa 21 Colleges in den USA gibt, an denen keine Stimulanzien eingenommen werden, jedoch auch bereits 1-2 Colleges, an denen rund ein Viertel der Studierenden bereits mit leistungssteigernden Stimulanzien in Berührung gekommen sind 17. Hier kann man sich sicherlich die Frage stellen, ob es nicht für die Studenten ungerecht ist, die sich dem Gebrauch dieser Stimulanzien entziehen? In Zukunft wäre es doch ratsam diese Stimulanzien, um eine gewisse Fairness herzustellen, allen Studenten zugänglich zu machen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 1: das Bild zeigt die Anzahl der Colleges in den USA, an denen jeweils eine bestimmte angegebene Prozentzahl an Schülern schon einmal Stimulanzien verwendet haben sollen (Studie im Jahr 2005, Quelle siehe 17)

Die Befürworter von Enhancementtechnologien sind außerdem der Meinung, dass es von Natur aus eine gewisse Ungerechtigkeit gibt, die es einigen Leuten undenkbar erscheint bestimmte Ziele im Leben zu verfolgen. So kommen einige Menschen beispielsweise mit zu kurzen Beinen auf die Welt und können so nicht ihr persönliches sportliches bzw. berufliches Ziel verfolgen. Enhancementbefürworter wollen hier Abhilfe schaffen, indem mit Hilfe von Gentechnik die Menschen von Geburt an auf eine Norm gebracht werden und somit Vorteile einzelner sich nicht im alltäglichen Kampf auswirken. Fraglich hingegen ist jedoch, ob so ein Leben realisierbar ist.

Ein weiteres Argument für die allgemeine Befürwortung von Enhancementtechnologien ist mit Sicherheit auch ein enormer Leistungszuwachs für die Gesellschaft. Durch gewisse stimulierende Techniken oder Substanzen kann die Gesellschaft sowohl wirtschaftlich, als auch fortschrittlich auf ein neues Level gebracht werden. Es ist bekannt, aber auch umstritten, dass das menschliche Gehirn dauerhaft nur etwa 10% seiner eigentlichen Leistung erbringt, Einstein selber meinte, dass er ein wenig mehr seiner Gehirnleistung nutzt als der Durchschnittsmensch 13. Man kann nur ahnen, was passieren könnte, wenn der Mensch sein Gehirn ständig zu Hundertprozent benutzen könnte, die Menschheit selber könnte auf ein unvorstellbares Level gehoben werden.

Nicht zu vernachlässigen ist auch die Tatsache, dass Enhancementtechnologien die Lebensqualität jedes einzelnen Menschen enorm steigern kann. Jeder Mensch strebt von Natur aus danach ein möglichst angenehmes und beschwerdefreies Leben zu führen. Cochlea-Implantate zum Beispiel werden heutzutage benutzt, um gehörschwachen Menschen wieder ein normales Hörvermögen zu ermöglichen 14. Diese Implantate könnten auch generell dazu benutzt werden das Hörvermögen eines normal hörenden Menschen zu verbessern, um so dessen Lebensqualität zu steigern. Diese Maßnahme würde über ein normales, gesundes Maß hinausgehen und wäre somit medizinisch nicht vereinbar, würde dem jeweiligen Menschen jedoch ein neues Lebensgefühl bringen.

Mit Enhancementtechnologien wäre es auch denkbar die Lebenszeit zu verlängern. Hier spielt die Bio- bzw. Nanotechnologie eine wesentliche Rolle, dessen Erforschung leider noch nicht soweit fortgeschritten ist, dass sie den Alterungsprozess besiegen kann. „Ray Kurzweil“, Erfinder und Zukunftsforscher, behauptet jedoch, dass bereits in circa 20 Jahren unser Körper so weit erforscht und die Technologien so weit entwickelt sind, dass es möglich sein wird eine unbegrenzte Zeit leben zu können 16. Die dazu erforderlichen Werkzeuge auf molekularer Ebene sind heutzutage leider noch nicht entwickelt, aber in naher Zukunft kann der Alterungsprozess so verhindert werden. Nicht nur Enhancementbefürworter sehen hier eindeutige Vorteile dieser Technologie, die meisten Menschen wollen ein verlängertes und insgesamt jüngeres Leben genießen, nicht außer Acht lassen sollte man jedoch auch vielerlei Nachteile, die Enhancementtechnologien zwangsweise mit sich bringen und auf die jetzt näher eingegangen wird.

Enhancement, also im wörtlichen Sinne Steigerung/Erweiterung, bedeutet auch immer einen Eingriff in den menschlichen Körper, sei es in Form von Pillen, in Form von Veränderung der Gene oder Einsetzen von Implantaten oder ähnlichem. Unabhängig davon wie viel nun erforscht wird, kann man niemals davon ausgehen, dass nicht ein gesundheitliches Risiko bleibt. Bei Genmanipulationen besteht die Gefahr, dass Mutanten entstehen können oder sich das menschliche Bild durch Unwissenheit verändern könnte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 2: Könnte sich das menschliche Leben durch Genmanipulationen zur Leistungssteigerung gravierend verändern? (Quelle siehe 18)

Auch die Gefahr von Psychopharmaka zur Steigerung des Wohlbefindens beispielsweise ist nicht unerheblich und auch nicht detailgenau bekannt, dauerhaftes Einnehmen dieser Substanzen kann zu schlimmen psychischen Krankheiten wie anhaltenden Depressionen oder einer Drogensucht führen 2. So fühlt man sich zwar im Zeitraum der Einnahme von Psychopharmaka eventuell besser als „gut“, aber nachher kommt es zu einer noch depressiveren Phase. Das ist auch ein Problem aller zu einer Sucht führenden Substanzen, so können auch Koffein und Alkohol, die stimulierende Wirkungen aufweisen, im entfernten Sinne zu so genannten „Neuroenhancern“ gezählt werden.

Ein weiteres Argument von Enhancementablehnern ist, dass der menschliche Organismus nicht mehr komplett aus eigenem Antrieb handelt, er ist im Grunde fremdbestimmt 2. So hat ein Implantat im Gehirn Einfluss auf die Prozesse im Gehirn und damit auch auf die Persönlichkeit des Menschen, kann man so einen fremdbestimmten Menschen z.B. für ein soziales Fehlverhalten strafbar machen? Ein rein selbstständiges Handeln des Mensches ist überhaupt nicht mehr feststellbar (Bild 2) und kann im alltäglichen Leben zu fatalen Folgen für den betroffenen Menschen führen.

Weiterhin wird sich nicht jeder Mensch Verfahren zur Enhancement leisten können, aktuelles umstrittenes Beispiel sind Schönheitsoperationen 5. Nur einer wohlhabenden Gesellschaftsgruppe sind diese Operationen zugänglich, da sie in keiner Weise von der Krankenkasse bezahlt werden, sondern privat finanziert werden müssen. Kommt es zu vermehrtem Einsatz von Enhancementtechnologien in unserer Gesellschaft, so kann man davon ausgehen, dass die soziale Kluft zunehmend größer wird. Damit nimmt auch eine soziale Ungerechtigkeit zu, die ungeahnte ethische und rechtliche Folgen mit sich bringt. Außerdem könnte es zu einer Verschärfung des Leistungsgedankens in unserer Gesellschaft kommen, da generell die Angst einzelner von Intelligenteren bzw. so genannten Transhumanisten in den Hintergrund gedrängt zu werden, zunehmen könnte 2.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Chancen und Risiken der Enhancementtechnologie. Modeerscheinung oder Zukunftstechnologie?
Hochschule
Universität zu Lübeck
Note
N/A
Autor
Jahr
2008
Seiten
11
Katalognummer
V541134
ISBN (eBook)
9783346149374
ISBN (Buch)
9783346149381
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Enhancement, Leistungssteigerungsmittel, Dopingmittel, Gesellschaft, Enhancementtechnologien, Sport, Doping, Wohlbefinden, Körper, Leistungssteigerung, Zukunftstechnologie, Modeerscheinung, Medizingeschichte, Medizin, Geschichte, Biomedizin, Medizintechnik, Zukunft, Wissenschaftsgeschichte, Politik, Gerechtigkeit, Gesundheit, Diskussion, krankhaften Zustand, Verbesserung, Vor- und Nachteile, Ritalin, Stimulanzien, Ungerechtigkeit, Gentechnik, Leistungszuwachs für die Gesellschaft, Leistungszuwachs, Implantate, Nanotechnologie, Technologien, Technologie, Technik, Steigerung, Ethik, gesundheitliches Risiko, Genmanipulationen, Mutanten, Mutation, Erweiterung, Veränderung der Gene, Gene, Steigerung des Wohlbefindens, Psychopharmaka, Schönheitsoperationen, Schönheitsoperation, Operationen, Leistungsgedanke, Transhumanisten, soziale Spannungen, Sozial, Öffentlichkeit, Arzt, Dopingkontrollen, Dopingkontrolle, Spitzenpositionen, Schönheitswahn, Transplantationen, Transplantation, gesundheitliche Risiken
Arbeit zitieren
Nick Sander (Autor), 2008, Chancen und Risiken der Enhancementtechnologie. Modeerscheinung oder Zukunftstechnologie?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/541134

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Chancen und Risiken der Enhancementtechnologie. Modeerscheinung oder Zukunftstechnologie?



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden