Das Leben von Dichtern und Künstlern hat immer ein großes Interesse bei den Betrachtern ihrer Werke erweckt, weil man davon ausgeht, dass ein Genie ein besonders faszinierendes und sehr oft tragisches Leben führt.
Ted Hughes und Sylvia Plath haben diese Überzeugung ihrer Leser bestätigt, in dem sie ihr Privatleben von ihren literarischen Werk nicht getrennt haben. Der tragische Selbstmord von Silvia Plath und seine zahlreiche Folgen (das Herausgeben von ihren Briefen, das unerklärbare Schweigen von Ted Hughes, die umstrittenen Biographien u.a.) haben außerdem die Aufmerksamkeit der Leser und der Kritiker, bis zum letzten unerwarteten Ereignis: die Veröffentlichung der „Birthday Letters“, immer wach gehalten. Die letzte Produktion von Ted Hughes stellt sich wie ein liebevoller, gefühlreicher und ununterbrochener Dialog zwischen dem Schriftsteller und seiner verstorbenen Frau dar. Wenn man die Gedichte von Plath gelesen hat, findet man in den „Birthday Letters“ die Antworten oder manchmal die Erklärungen gewisser Ereignisse und Situationen, die vor mehr als dreißig Jahre geschehen sind. Es ist ein einzigartiges Gefühl, die Gedichte von Plath und von Hughes parallel zu lesen, vor allem, wenn man sich eine Meinung darüber gebildet hat, wer die Schuld und wer die Verantwortung für das Geschehene trägt. Diese Meinung verliert aber im Angesicht der Lyrik selbst an Bedeutung und die vielen mehr oder weniger objektive Biographien über die Protagonisten scheinen alle unvollständig und fehlerhaft zu sein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 „The Bee poems“
2.1 Die Bienen Gedichte in Plaths und in Hughes „Ariel“
2.2 Das Symbol der Bienen in der Literatur und in Plaths Gedichten
2.3 Sylvia Plath und die „confessional poetry“
2.4 „Wintering“
3 Ted Hughes „Birthday Letters“
3.1 „Birthday Letters“: Ted Hughes „confessional“ Gedichte
3.2 „The Bee God“
4 Schlussdiskussion
5 Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die symbolische Bedeutung der Bienen in der Lyrik von Sylvia Plath und Ted Hughes. Ziel ist es, die unterschiedlichen Funktionen dieser Metaphorik sowie die intertextuelle Korrespondenz zwischen Plaths „Ariel“-Gedichten und Hughes „Birthday Letters“ herauszuarbeiten, ohne dabei den Fokus zu stark auf biographische Spekulationen zu legen.
- Die Funktion der Bienen-Metaphorik als Ausdruck von Weiblichkeit und Wiedergeburt bei Sylvia Plath.
- Die literaturwissenschaftliche Einordnung der Autoren in den Kontext der „confessional poetry“.
- Die Rolle der Bienen als Symbol der väterlichen Figur und als Spiegel persönlicher Krisen.
- Die Analyse der Gegensymbolik in Ted Hughes „Birthday Letters“.
- Die Untersuchung der intertextuellen Dialogform zwischen den Werken beider Dichter.
Auszug aus dem Buch
2.4 „Wintering“
„Wintering“ wurde am 9. Oktober 1962 geschrieben und wäre das letzte Gedicht in Plaths originellen „Ariel“ gewesen.
In dem ersten Teil des Gedichts wird dem Leser ein graues, melancholisches Bild vorgestellt, in dem das lyrische Ich den Winter beschreibt. Erst in den letzten vier Stanzen ist die Atmosphäre anders. Der Schnee ist das Hauptelement dieser Verse und das Weiße dominiert die Szene. Man hat den Eindruck, durch den Winter zu gehen, um sich auf den Frühling vorzubereiten.
In dem ersten Vers definiert das lyrische Ich den Winter als „the easy time“ (S.1, Z.1), weil man von der Sommerarbeit leben kann. Das wichtigste Produkt für den Protagonist scheint der Honig zu sein („I have my honey“, S.1, Z.3), der sich in dem zentralen Ort der Wohnung befindet („at the heart of the house“, S.1, Z.7). In der nächsten Stanze erfährt der Leser aber, dass der Bewohner des Hauses diesen Ort gar nicht kennt („This is the room I have never been in“, S.2, Z.1), weil ihm das Zimmer unangenehm ist. Es wird als dunkel und bedrückend beschrieben, so dass man nicht atmen kann. In der dritten Stanze ist die Angst des Ichs nicht nur auf einen physischen Ort begrenzt, sondern auf bestimmte Gefühle, die das Zimmer erweckt: „Black asininity. Decay./ Possession“ (S.3, Z.2;3). Die Dominanz der schwarzen Farbe und die Substantive, die hintereinander folgen, geben dem Gedicht hier einen schnelleren Rhythmus, der die Angst und das Entsetzen des lyrischen Ichs ausdrücken.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Interesse am Leben von Dichtern und führt in die komplexe Beziehung zwischen Sylvia Plath und Ted Hughes sowie deren literarische Verarbeitung ein.
2 „The Bee poems“: Dieses Kapitel analysiert die Bienen-Gedichte als zentrales Symbol in Plaths Werk, setzt sie in den Kontext ihrer „confessional poetry“ und untersucht das Gedicht „Wintering“ detailliert.
3 Ted Hughes „Birthday Letters“: Hier wird untersucht, wie Ted Hughes in seiner Sammlung „Birthday Letters“ auf Plaths Lyrik antwortet und welche symbolische Bedeutung die Bienen im Gedicht „The Bee God“ für ihn einnehmen.
4 Schlussdiskussion: Das Fazit fasst die unterschiedlichen Interpretationsansätze der Bienen-Metaphorik zusammen und unterstreicht den intertextuellen Dialog zwischen Plath und Hughes.
5 Bibliographie: Ein Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Sylvia Plath, Ted Hughes, Ariel, Birthday Letters, Bienen Gedichte, confessional poetry, Symbolik, Lyrik, Metapher, Vaterfigur, Weiblichkeit, Wintering, The Bee God, Intertextualität, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einsatz der Bienen-Metaphorik in den Gedichten von Sylvia Plath und Ted Hughes und wie beide Autoren diese Symbole nutzen, um ihre private und literarische Beziehung zu verarbeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind der Symbolgehalt von Bienen, die Abgrenzung von Privatem und Literarischem in der „confessional poetry“ sowie der intertextuelle Dialog zwischen den Werken der beiden Dichter.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu erklären, wie und warum Bienen als zentrale Metaphern in der Lyrik von Plath und Hughes verwendet werden und inwiefern sich diese Deutungen voneinander unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die Gedichtinterpretationen mit biografischen Kontexten und literaturtheoretischen Begriffen wie „confessional poetry“ verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Plaths Bienen-Gedichten (unter anderem „Wintering“) und die Untersuchung von Hughes' Antwort durch seine Gedichtsammlung „Birthday Letters“, insbesondere das Gedicht „The Bee God“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Sylvia Plath, Ted Hughes, „Bee poems“, Metaphern, Symbolik, „confessional poetry“ und Intertextualität.
Inwiefern beeinflusste Ted Hughes die Interpretation von Plaths Werk?
Durch die Herausgabe von Plaths Band „Ariel“ veränderte Hughes die Reihenfolge der Gedichte, was laut der Autorin die Rezeption und die Bedeutung der Bienen-Gedichte als Zyklus beeinflusst hat.
Was unterscheidet Plaths Bienen-Symbolik von der Hughes'?
Während Plath Bienen als Symbole für Weiblichkeit, Wiedergeburt und das Verhältnis zum verstorbenen Vater nutzt, erscheinen sie bei Hughes als Ausdruck einer fremden, irrationellen Kraft und als Mittel zur Rache oder Konfrontation mit einem schwierigen Erbe.
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- M.A. Margherita Zelante (Autor:in), 2002, Die Bienen-Gedichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/54393