Erwerbstätigkeit und Mutterschaft


Hausarbeit (Hauptseminar), 2002

13 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Frau und Beruf in der sozialhistorischen Betrachtung

2. Erwerbstätigkeit und Mutterschaft
2.1. Frau im Beruf vor der Geburt eines Kindes
2.2. Unterbrechung der Erwerbstätigkeit aus familiären Gründen
2.3. Die Frage der Rückkehr in den Beruf
2.3.1. Soziale und familiale Rahmenbedingungen
2.3.2. Betriebliche Rahmenbedingungen

3. Probleme bei der Erwerbstätigkeit von Müttern aus persönlicher Sicht

4. Schlussbetrachtung: Sonderfall der Erwerbstätigkeit von Müttern behinderter Kinder

Bibliographie

1. Einleitung: Frau und Beruf in der sozialhistorischen Betrachtung

Betrachtet man das Phänomen Erwerbstätigkeit und Mutterschaft, so ist es auch immer interessant, zu beobachten, wie sich die Rolle und somit die Stellung der Frau in der Gesellschaft im Laufe der Geschichte verändert hat. Denn in dem komplexen Thema der Erwerbstätigkeit spielen immer auch das Rollenverständnis und die Erwartungen, die an die Frau gerichtet sind eine wichtige Rolle.

In der Zeit der großen Haushaltsfamilie oder auch des „ganzen Hauses“, spielte die Frau als Hausmutter neben ihrem Mann, dem Hausvater, eine große Rolle. Ihr war in dieser Zeit „als Hausherrin die Leitung der innerhäuslichen Geschäfte übertragen“ 1 . Und somit hatte sie neben ihrem Mann, der die Familie auch nach außen repräsentiert, eine gewisse Machtposition im Haus.

Doch als Folge der französischen Revolution und der Industrialisierung, verlor die Frau schließlich ihre Führungsrolle im Haus und somit auch in der Produktion. Denn die große Haushaltsfamilie war eine sogenannte Bedarfswirtschaft, in der alles was man zum Leben brauchte durch eigene Erzeugnisse befriedigt wurde.

Im Zuge der Industrialisierung nun werden die bürgerlichen Frauen ganz und gar zurückgedrängt auf die drei berühmt gewordenen K`s - Kirche, Küche, Kinder – was Ingeborg Weber – Kellermann in ihrem Werk deutlich macht durch den Satz „ Die Hände sollte sich die junge Hausfrau möglichst nicht schmutzig machen. Das waren andere Maximen, als die der „Hausmutter“ aus der vorhergegangenen Epoche.“ 2 Eine Frau aus adligen Kreisen durfte auf keinen Fall einen Beruf ergreifen, sie war für das Leben zu Hause bestimmt., und war für die hauptsächlich für die Kinder da. Daher kommt es auch, dass diese Zeit auch als Jahrhundert der Entdeckung des Kindes bezeichnet wird, denn nun gab es sogenannte Kinderstuben, Kindermoden und Kinderspielzeug.

Das Leben der Arbeiterfrauen in der gleichen Zeit hingegen war häufig, wie auch das ihrer Männer von der Arbeit in der Fabrik geprägt. Für die Arbeiterfrauen bedeutete jeder neue Tag besondere physische und psychische Belastungen. Einem Arbeitstag von 10-12 Stunden in der Fabrik, folgte am Abend die Sorge um ihre Kinder, die sich ansonsten den ganzen Nachmittag selbst überlassen waren. Das bürgerliche Familienidyll mit der nicht arbeitenden sorglosen Hausfrau konnte ihnen nur eine Wunschvorstellung sein.

Seitdem hat sich vor allem auch für die Frauen vieles verändert. Eine Berufsausbildung scheint heute auch für Mädchen eine Selbstverständlichkeit und junge Frauen suchen im Beruf immer mehr auch die eigene Selbstverwirklichung. Doch auch heute stellt sich immer wieder die Frage nach der Vereinbarkeit von Beruf und Mutterschaft. Junge Frauen wollen sich nicht länger zwischen Erwerbstätigkeit oder Mutterschaft entscheiden, sondern die Möglichkeit haben, beides zu vereinbaren. Die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann jedoch nur erfolgen, wenn Staat und Wirtschaft geeignete Maßnahmen hierfür ergreifen, wie z.B. flexiblere Arbeitszeiten, mehr Kindertagesstätten und vieles mehr.

Betrachtet man dies von der Beschreibung eines Lebenskonzeptes her, so wird deutlich, dass das Zwei-Phasen-Modell längst ausgedient zu haben scheint, und statt dessen das Drei-Phasen-Modell als Lebenskonzept der Frau aktuell wird. D.h. die Erwerbstätigkeit wird nach der Geburt eines Kindes zwar unterbrochen, aber danach erfolgt möglichst bald wieder die Rückkehr in den Beruf.

In der folgenden Arbeit soll nun genau dies - natürlich lediglich in aller Kürze, da es sonst den Rahmen einer solchen Arbeit sprengen würde - nachzuzeichnen versucht werden.

Während sich der erste Punkt mit der Erwerbstätigkeit der Frauen vor der Geburt, d.h. mit der ersten Phase befasst, geht es im zweiten Punkt um die Unterbrechung der Erwerbstätigkeit aus familiären Gründen. In dieser Punkt sollen auch kurz die verschiedenen Möglichkeiten angesprochen werden, sich zum Beispiel den Erziehungsurlaub mit dem Mann zu teilen und ähnliches.

Der dritte Punkt schließlich behandelt auch die dritte Phase, nämlich die Rückkehr in den Beruf, wobei hier vor allem auf die Rahmenbedingungen für den Wiedereinstieg der Frau eingegangen werden wird.

Anschließend werden dann noch kurz die Probleme von Erwerbstätigkeit und Mutterschaft angesprochen.

2. Erwerbstätigkeit und Mutterschaft

2.1. Frau im Beruf vor der Geburt eines Kindes

In einer Studie des deutschen Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung, sagten die meisten Frauen aus, dass sie mit ihrem Beruf und ihrer Tätigkeit vor der Geburt sehr zufrieden waren, und sie ihrer Arbeit einen hohen Stellenwert zumaßen.3

Dabei war für die Frauen besonders die „Möglichkeit, Selbstbewusstsein und Leistungsbestätigung aus der Arbeitssituation zu beziehen...“ 4 sehr wichtig.

Aus der Erfahrung in meinem persönlichen Umfeld, kann ich dies bestätigen. Immer wieder erzählen mir Mütter im Mutterschaftsurlaub, dass es ihnen vor allem so schwer falle zu Hause zu bleiben, weil sie hier für ihre Arbeit nicht die Anerkennung erhalten würden, die sie im Beruf für ihre Leistungen erhielten.

Daneben fehlen ihnen jedoch auch die sozialen Kontakte zu Kollegen, Vorgesetzten und anderen Menschen, da sie zu Hause eigentlich den ganzen Tag mehr oder weniger alleine mit dem Kind sind.

Aber es gibt durchaus auch negative Stimmen zur Arbeit vor der Unterbrechung durch ein Kind. So kritisieren vor allem Frauen, die im Einzelhandel tätig waren, den zunehmenden Stress durch immer steigende Personaleinsparungen. Eine 34 jährige Verkäuferin, die nun Mutter eines Kindes ist, äußert sich folgendermaßen über ihre Arbeit: „Der Grund (für die Arbeitsintensivierung) war, daß es eben zu wenig Personal gab und immer mehr Arbeit, immer mehr Streß und alles lief mit so einem Gesicht im Endeffekt herum. Man durfte nichts mehr sagen, das nahm der andere sofort krumm und so. Irgendwie war ich dann doch froh, daß das mit dem Kind da geklappt hatte. Ich habe eigentlich im Moment nur gedacht, Gott sei Dank, jetzt bist du schwanger und kannst erst einmal raus aus dem Beruf, wenn das Kind da ist. Du kannst den Abstand gewinnen, denn die Arbeit machte mir zu dem Zeitpunkt weniger Spaß.“ 5

Und auch Frauen in den verschiedensten Berufsfeldern, äußerten sich negativ, über Weiterbildungsangebote oder Aufstiegsmöglichkeiten, die ihnen zugunsten männlicher Kollegen vorenthalten wurden. Daher ist es trotz Gleichberechtigungsgesetz von Mann und Frau nicht verwunderlich, dass in der Praxis Frauen in Führungspositionen nach wie vor die Ausnahme sind. So ergab eine Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren., Frauen und Jugend, dass 3% der westdeutschen und 4% der ostdeutschen Frauen in Führungspositionen tätig sind. Dagegen jedoch immerhin 37% der westdeutschen und 26% der ostdeutschen Frauen sich als Bürokraft oder angelernte Arbeiterin in der niedrigsten Einstufung befinden. Doch trotz all dieser Kritik lässt sich eine Tendenz erkennen, dass Frauen langsam auch in sog. Führungspositionen respektiert werden. Denn der Anteil der Frauen in diesen Positionen hat sich seit 1985 immerhin um 5 Prozentpunkte erhöht. Ein kleiner, aber immerhin überhaupt ein Fortschritt.6

[...]


1 Ingeborg Weber – Kellermann, 1996, 73

2 Ingeborg Weber-Kellermann, 1996, 106

3 vgl. Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung, 1986, 342f

4 Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung, 1986, 344

5 Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung, 1986, 346

6 vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 1998, 60f

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Erwerbstätigkeit und Mutterschaft
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Hauptseminar: Haushalt und Konsum
Note
gut
Autor
Jahr
2002
Seiten
13
Katalognummer
V5455
ISBN (eBook)
9783638133210
ISBN (Buch)
9783638853750
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erwerbstätigkeit, Mutterschaft, Hauptseminar, Haushalt, Konsum
Arbeit zitieren
M.A. Simone Nuß (Autor), 2002, Erwerbstätigkeit und Mutterschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5455

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