Jugendkultur und Jugendarbeit in der DDR und in der Zeit der politischen Wende


Hausarbeit, 2005

27 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. JUGEND ALS EIGENSTÄNDIGE LEBENSPHASE
2.1. Jugendkultur, Identität, Peer - Groups, Szenen, Mode
2.2. Gesellschaft als Einflussfaktor
2.3. Bedeutung und Funktion der Jugendarbeit

3. LEBENSPHASE JUGEND IN DER DDR
3.1. Jugendarbeit in der DDR
3.2. Jugend und Szenen in der DDR am Beispiel der Punk - Szene

4. JUGEND UND JUGENDARBEIT IM SOZIALEN WANDEL
4.1. Veränderung grundlegender politischer Orientierungen der Jugend bis zur Wende
4.2. Jugend und Jugendarbeit im gesellschaftlichen Umbruch

5. SCHLUSSBEMERKUNG

6. LITERATURVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. EINLEITUNG

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema Jugendkultur und Jugendarbeit in Ostdeutschland sowie deren Entwicklungsgeschichte bis zum Zeitpunkt der politischen Wende[1] und der Phase nach der deutsch - deutschen Wiedervereinigung. Dabei soll die Frage nach den existierenden Formen von Jugendszenen in der DDR beantwortet werden. Probleme, die im Zusammenhang mit dem sozialistischen System standen, werden dabei anhand der Szene der Punks herausgearbeitet. Zu Beginn der Hausarbeit werden die Bedeutung von Kultur im Zusammenhang mit der Lebensphase Jugend sowie Funktionen, die Jugendkulturen für die Gesellschaft und für sich selbst erfüllen, erklärt.

Es wird außerdem erörtert, welche Wandlungsprozesse von ostdeutschen Jugendlichen durchlebt wurden und wie sich die Situation nach der gesellschaftlichen Umstrukturierung entwickelte.

Ein wichtiger und unmittelbarer Einflussfaktor für junge Heranwachsende ist die Jugendarbeit, deren Form und Relevanz im sozialistischen System herausgearbeitet werden soll. Die Veränderungen und die Neuorientierung, die sich nach der Wende auf vielen Gebieten auch in der Jugendarbeit ergaben, werden in den Mittelpunkt gestellt.

2. BEDEUTUNG UND FUNKTION VON JUGENDKULTUREN UND JUGENDARBEIT

2.1. JUGENDKULTUR, IDENTITÄT, PEER – GROUPS, SZENEN, MODE

Richard Münchmeier definiert Jugend[2] „ (…) als eigene Lebensphase zwischen Kindheit und Erwachsensein (…) mit eigenen Ordnungen und Aufgaben (…) und ein Produkt und (…) Projekt der europäischen Moderne seit dem Beginn des Industrialisierungsprozesses im 19. Jahrhundert (Münchmeier 2001, S. 816)“.

Daraus ergibt sich, dass die Phase der Jugend eigene Ziele, eigene Muster und Lebensarten beinhaltet, die von der Kindheit und dem Erwachsenenalter abzugrenzen und als eigenständig zu betrachten sind.

Der Psychoanalytiker Erik H. Erikson stellt die Herausbildung einer stabilen Persönlichkeit und einer integrierten Identität[3] in den Mittelpunkt des Lebensabschnittes Jugend. Als weitere elementare Aufgaben Heranwachsender nennt Robert J. Havighurst - welcher in seiner Tätigkeit als Professor das Konzept der Entwicklungsaufgaben in den verschiedenen Altersstufen herausarbeitete - die Adoleszenz, Peer - Groups, Individualisierung und körperlicher Reifung (vgl. Ludwig 1997, S. 15 – 16).

Peer - Groups[4], die in der Schule, Nachbarschaft und Institutionen entstehen, nehmen unterstützende Funktionen bezüglich der Ablösung vom Elternhaus ein und ermöglichen Interaktion, Auseinandersetzung, Solidarität, Erfahrungsaustausch und Autonomie – Faktoren, die die Herausbildung der Identität ermöglichen (vgl. Baacke 1993, S. 14).

Die erste offizielle Jugendgruppe „Wandervogel“[5] wurde 1901 zum Zweck des gemeinsamen Wanderns, für Kameradschaftlichkeit und nicht zuletzt als Protest gegen die materialistische Zivilisation[6] gegründet. Diese erste jugendliche Organisation besaß ein eigenes Lebensgefühl, das es durch Kleidung, Musik und Literatur ausdrückte (vgl. Bührer 2003, S. 55 – 57).

Die dem „Wandervogel“ und anderen Jugendverbänden folgenden jugendlichen Gruppierungen haben durch ihre eigenen Lebensphilosophien in der Geschichte immer mehr an Bedeutung gewonnen. Neben Cliquen und „Teenager-Kulturen“ bildeten sich auch politische Protestbewegungen heraus, die u. a. 1958 aus der Atomwaffen-Debatte sowie anderen Diskussionen hervorgingen. In den 50er Jahren entdeckte die Jugend ihr Ausdrucksmedium in der Popmusik, die aus den USA nach Deutschland drang (vgl. Baacke 1993, S. 45). Insbesondere durch die weltweite Hippie-Bewegung wurde klar, dass eine neue Jugend mit eigenen Vorstellungen, Werten und individuellem Aussehen entstanden ist.

Durch die Pluralisierung und Individualisierung von Lebensläufen und somit auch der Jugendkulturen hat sich bis in die heutige Zeit eine Vielzahl von Strömungen und Szenen mit eigenen Trends, Musik, Mode und Sprache herausgebildet. Derzeit existieren ca. 400 Jugendszenen in Deutschland.

Innerhalb einer Jugendgruppe, die als Gemeinschaft betrachtet wird, sind bestimmte Themen von zentraler Bedeutung; das können bestimmte Musikrichtungen, gemeinsame Freizeitinteressen oder die Vertretung politischer Interessen sein. Zumeist wird ein bestimmtes Lebensgefühl demonstriert. Provokationen, um sich von den alltäglichen Gegebenheiten und Zwängen oder auch von anderen Personengruppen abzugrenzen und die eigene Individualität bewusst zu verkörpern, sind dabei ein typisches Merkmal individueller Jugendgruppen.

Dies geschieht über Kleidung, Musik und Sprache, die die Verschiedenheit der Jugendszenen kennzeichnen und sie erkennen lassen. Jugendkulturen werden demnach von Jugendlichen selbst geschaffen.

Der Begriff Jugendkultur wird allgemein definiert als „(…) spezifische Gesellungs- und Umgangsform (Clique, Freundeskreis, Bande) der Jugend durch die sie sich der direkten Kontrolle der Erwachsenen entziehen kann und sich intensiv der für diese Altersphase wichtigen Peer – Group zuwenden können“ sowie als „(…) besonderes System von Einstellungen und Verhaltensweisen, die sich von denen der Erwachsenen unterscheiden und sich durch bestimmte Merkmale (Mode, Musik etc.) auszeichnet“ (Stimmer 1994, S. 272). Dennoch gibt es eine allumfassende Jugendkultur nicht, lediglich können Einflussfaktoren wie Bildungsstand und Orientierungsmuster jeweiligen Strömungen zugeordnet werden.

2.2. GESELLSCHAFT ALS EINFLUSSFAKTOR

Einige wichtige Funktionen wie Identitätsfindung, Ablösung vom Elternhaus etc., die von Peer - Groups ausgeübt werden, wurden bereits im vorhergehenden Abschnitt benannt. Jugendkulturen wirken unterstützend auf die zentralen Entwicklungsaufgaben des Jugendalters. Sie erleichtern den Schritt zur Autonomie, insbesondere im Bezug auf das Elternhaus. Die Adoleszenz, die Ablösung vom Elternhaus, ist eine wichtige Komponente für die Identitätsbildung. Innerhalb einer Peer - Group können Rollen übernommen werden, die die Jugendlichen auf das Erwachsenenleben vorbereiten. Dazu gehören der Erwerb von sozialen Kompetenzen innerhalb einer Gruppe, die Gruppendynamik sowie neue personale und soziale Orientierungen, die Aufnahme von Sexualität und das Gefühl von Sicherheit.

Gleichaltrigengruppen wirken für Jugendliche unterstützend, weil sie ein Zusammengehörigkeitsgefühl vermitteln und ein Verstehen untereinander ermöglichen, das durch die Eltern- auch durch Generationskonflikte - in der Jugendphase nicht immer gewährleistet werden kann.

Eine bedeutende Rolle in der Entwicklung junger Heranwachsender spielt die Gesellschaft, die in erster Linie als Orientierung dient. Jugendliche identifizieren sich mit ihr oder das Gegenteil ist der Fall. Insbesondere das gesellschaftliche System der DDR übte einen starken Einfluss auf junge Menschen aus. Heutige Beobachtungen zeigen, dass sich Jugendliche viel mehr mit der Gesellschaft identifizieren, soziale Sicherheiten anstreben und weniger revolutionären Gedanken und Zielen nachhängen als dies in der Geschichte der Fall war.

Sie nutzen die Ressourcen, die sie in der Gesellschaft finden und möchten ein Teil dieser sein.

Das Verhältnis der Gesellschaft zu Jugendkulturen ist insbesondere durch Gesetze[7], Bildung, Schule und Kommerz geprägt. Durch Regeln und Gesetze wird eine gewisse Erwartungshaltung an Jugendliche impliziert wie z. B. das Erbringen von Schulleistungen, Abschlüssen und Engagement. Jugendkulturen können dabei unterstützende Wirkung haben und demzufolge Instrument der Gesellschaft sein. Nicht zu vergessen ist die Bedeutung der vielfältigen Jugendkulturen für die Wirtschaft, denn jegliche Art von Jugendkultur wird in Form von Musik, Zeitschriften und Mode vermarktet. Beispielsweise haben sich „Szeneläden“, etabliert, die spezielle Mode für Anhänger von bestimmten Jugendszenen anbieten. Zu beobachten ist dabei, dass bereits das Einkaufen in den Läden Anerkennung in Jugendgruppen erzielen kann. Obwohl die freie Marktwirtschaft in der DDR nicht existierte, so fanden Ost - Jugendliche sich dennoch durch westliche Modeströmungen beeinflusst, die sie beispielsweise durch Informationen über inoffizielles „Westfernsehen“ und Mundpropaganda erlangten.

2.3. BEDEUTUNG UND FUNKTION DER JUGENDARBEIT

Aus den Anfang des 20. Jahrhunderts erstmalig entstandenen Jugendbewegungen entwickelte sich die staatliche Jugendpflege als „staatliche initiierte und subventionierte, freie Träger beteiligende, auf Freiwilligkeit und Ehrenamtlichkeit stützende außerschulische kommunale Jugendpflege (Münchmeier 1997, S. 282).

Diese beabsichtigte „(…) die Gefährdung von und die Gefahr durch die Jugend infolge der Urbanisierungs- und Industrialisierungsprozesse zu kontrollieren (Bock/Seelmeyer 2001,

S. 987)“. Hier wird deutlich, dass Jugend zwar als eigenständige Lebensphase anerkannt, jedoch als Gefahr beurteilt wurde, die es gilt, zu unterbinden. Jugendarbeit hat sich im frühen 19. Jahrhundert erstmals durch gesetzliche Festschreibung von Jugendschutzmaßnahmen ausgeprägt und mündete 1922 in der Verabschiedung des RJWG, in welchem organisatorische Aspekte der Jugendhilfe zusammengeführt wurden. In der BRD und der DDR arbeitete die Jugendhilfe sodann auf Grundlage verschiedener Gesetzlichkeiten und Zielstellungen, welche im Gliederungspunkt 2.3.1 näher erläutert werden sollen.

3. LEBENSPHASE JUGEND IN DER DDR

3.1. JUGENDARBEIT IN DER DDR

Jugendarbeit hatte in der DDR vorrangig die Aufgabe, Kinder und Jugendliche zu sozialistischen[8] Persönlichkeiten zu erziehen. Im Jugendgesetz der DDR wurde die Formung zu sozialistischen Menschen explizit formuliert: „ Aufgabe jeden jungen Bürgers ist es, auf sozialistische Art zu arbeiten, zu lernen, und zu leben, selbstlos und beharrlich zum Wohle seines sozialistischen Vaterlandes – der Deutschen Demokratischen Republik – zu handeln“ (Ministerrat der DDR 1974, S. 51).

[...]


[1] Der Begriff „Wende“ wird in der Hausarbeit für die Zeit der Veränderungen der DDR im SED - Staat zur Demokratie verwendet, wie sie sich vom Herbst 1989 bis zum Frühjahr 1990 vollzog

[2] Jugendlicher im juristischen Sinne gem. § 1 Abs. 1 JGG ist, „(…) wer (…) vierzehn, aber noch nicht achtzehn, Heranwachsender ist, wer (…) achtzehn, aber noch nicht einundzwanzig Jahre alt ist.“ (vgl. § 1 JGG)

[3] Identität: Die Herausbildung der Identität steht für Heranwachsende im Zentrum der Lebensphase. Vereinfacht nach Erikson ist Identität die Kontinuität des Selbsterlebens in verschiedenen Handlungssituationen, d.h. ein „sich selbst als gleich erleben“ (vgl. Hurrelmann 1998, S. 163). Für eine stabile Identitätsentwicklung und die Erprobung der eigenen Persönlichkeit sind Peer - Groups ein entscheidender Faktor.

[4] Peer - Group: Bezugsgruppe, Gleichaltrigengruppe; jene Primärgruppen von gleichaltrigen Jugendlichen, die den in der Familie eingeleiteten Sozialisationsprozess fortsetzen. Dieses geschieht durch die Vermittlung erweiterter Möglichkeiten sozialer Orientierung bei gleichzeitiger Auflösung des kindlichen Abhängigkeitsverhältnisses von der Familie (vgl. Stimmer 1994, S. 364)

[5] Durch die Verstädterung, die Folge der Industrialisierung nach der französischen Revolution 1789 war, kam das Lebensalter „Jugend“ erstmals als eigenständige Lebensphase in Betracht. Begründet wird dies mit der Herauslösung aus traditionellen sozialen Bindungen. Das städtische Leben konnte den Zusammenhalt im Mehr - Generationenhaus nicht mehr erfüllen. Die neuen Strukturen in den Großstädten, erzeugten immer mehr den Wunsch nach einer neuen Gemeinschaft ohne Aufsicht von Schule bzw. Elternhaus, in der man die Möglichkeit hat, ein eigenes Leben zu führen (vgl. Bock/Seelmeyer 2001, S. 987). Erst durch das Leben in der Stadt traf die Jugend als solche zusammen; herausgelöst aus alten Bindungen und Verpflichtungen.

[6] Materialismus wird umgangssprachlich kritisch im Sinne einer Lebenseinstellung verwendet, die hauptsächlich durch Streben nach materiellem Besitz und Wohlstand gekennzeichnet ist

[7] mit Gesetzen sind hier vor allem Jugendschutzgesetze und Bestimmung zur Schulpflicht und Berufsschulpflicht gemeint

[8] Sozialismus bezeichnet politische und ökonomische Theorien, die die Produktion und Verteilung von Leistungen unter gemeinschaftlicher oder staatlicher Lenkung befürworten.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Jugendkultur und Jugendarbeit in der DDR und in der Zeit der politischen Wende
Hochschule
Ernst-Abbe-Hochschule Jena, ehem. Fachhochschule Jena
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
27
Katalognummer
V55071
ISBN (eBook)
9783638501170
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendkultur, Jugendarbeit, Zeit, Wende
Arbeit zitieren
Katja Potrykus (Autor), 2005, Jugendkultur und Jugendarbeit in der DDR und in der Zeit der politischen Wende, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55071

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