Kombilöhne in Deutschland - Schafft die Etablierung eines Niedriglohnsektors mehr Arbeitsplätze in Deutschland?


Seminararbeit, 2005

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Niedriglohnsektor in Deutschland
2.1. Struktur des Niedriglohnsektor
2.2 Mobilität im Niedriglohnsektor

3. Segmentationsansätze

4. Kombilöhne
4.1. Wirksamkeit von Kombilöhnen
4.1.1. Pro Kombilöhne
4.1.2. Contra Kombilöhne

5. Blick in die USA

6. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Entwicklung Niedriglohnsektor

Abb. 2: Aufstiegswahrscheinlichkeit von Niedrigverdienern

1. Einleitung

Die Zahl der Arbeitslosen beträgt im November 2005 nicht saisonbereinigt 4.531.000. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 10,9 Prozent (Vgl. Bundesagentur für Arbeit: 2005). Der Arbeitsmarkt bleibt somit weiter angespannt. Auch die Einführung von Hartz IV, der Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe, konnte nicht für Belebung sorgen. Zudem nimmt die Zahl der Insolvenzen stetig zu. Massenentlassungen bei der Deutschen Bank, Daimler-Chrysler und AEG beherrschen die Medien im Herbst 2005. Angela Merkel, die neue Bundeskanzlerin, sieht als das „größte Problem, mit dem unser Land zu kämpfen hat - die Arbeitslosigkeit -, (...)“ (Merkel 2005).

Gründe für die hohe Arbeitslosigkeit gibt es viele. Generelle und strukturelle Wachstumsschwächen, die Lohnnebenkosten, Regulierung des Arbeitsmarktes und diverse weitere (Vgl. Schmid 2002: S. 27ff). Bis jetzt konnte jedoch noch kein Allheilmittel zur Bewältigung der Probleme gefunden werden.

In letzter Zeit wird wieder verstärkt über die Etablierung des Niedriglohnsektors in Deutschland diskutiert. Wobei die Meinungen darüber auseinander gehen, ob es einen Niedriglohnsektor in Deutschland bereits gibt oder dieser erst geschaffen werden muss (Vgl. Bach/Schupp 2003: S. 1). Im gleichen Kontext wird über die Einführung von Kombilöhnen beratschlagt. Bereits im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD ist eine Prüfung der Möglichkeiten in 2006 vorgesehen (Vgl. Koalitionsvertrag 2005). Die CDU forciert dabei das Tempo. Nach ihr sollen Kombilöhne bereits zum 01.01.2007 für Langzeitarbeitslose eingeführt werden (Vgl. Spiegel Online 02.01.2006).

Die vorliegende Arbeit wird zeigen, dass es in Deutschland bereits einen bedeutenden Niedriglohnsektor gibt. Je nach Bemessungsgrundlage umfasst er zwischen 17,4% und etwas mehr als einem Viertel aller Vollzeitbeschäftigten. Im Hauptteil der Arbeit werden verschiedene Kombilohnmodelle diskutiert. Es werden die Stärken und Schwächen herausgearbeitet und dabei Lehren für die Einführung einer bundesweiten Einführung gezogen.

Im ersten Teil wird der Niedriglohnsektor näher untersucht. Zugleich wird er vom restlichen Arbeitsmarkt abgegrenzt. Als Grundlage werden hierfür zwei Studien herangezogen. Im nächsten Abschnitt wird das theoretische Konzept der Segmentationstheorie dargestellt. Die Kernthese dieser Theorie geht davon aus, dass der Arbeitsmarkt in mehrere Sektoren aufgeteilt ist. Darauf aufbauend wird eine Verquickung mit dem Niedriglohnsektor hergestellt. Daran anschließend werden verschiedene Arten von Kombilöhnen vorgestellt. Mit Hilfe von zwei Studien werden die bisher evaluierten Vor- und Nachteile aufbereitet. Im vorletzten Abschnitt wird der amerikanische Earned Income Tax Credit (EITC) diskutiert. Das EITC ist ebenfalls eine Art Kombimodell und wird auf seine Anwendbarkeit auf das deutsche System hin überprüft. Abgeschlossen wird diese Arbeit mit einer Zusammenfassung der herausgearbeiteten Ergebnisse und einem Ausblick, wie Kombilöhne ausgestaltet sein sollten, um erkennenswerte Impulse auf dem deutschen Arbeitsmarkt erkennen zu lassen.

2. Der Niedriglohnsektor in Deutschland

Die Debatte um den Niedriglohnsektor ist wie so oft von den USA nach Deutschland getragen worden. In den letzten Jahren wurde in diesem Bereich eine sehr hohe Anzahl neuer Beschäftigungsverhältnisse geschaffen. Der Niedriglohnsektor spielt in den USA allerdings eine sehr viel entscheidendere Rolle als hierzulande. Das liegt in erster Linie an den unterschiedlichen Sozialversicherungssystemen.

Die Löhne in Deutschland orientieren sich zumeist an den zwischen Arbeitgeberverbänden und den Gewerkschaften ausgehandelten Tarifverträgen. Löhne dürfen nicht unter dem tariflichen Mindestlohn angeboten werden. Doch unterliegen nicht alle Arbeitgeber den Tarifbestimmungen. In Westdeutschland sind ca. 70%, in Ostdeutschland ca. 55% der Arbeitnehmer im Tarifbereich beschäftigt (Vgl. Bispinck/Schäfer o. J.: S. 2). Diese sind in ihrer Lohnpolitik folglich frei von Bestimmungen und diktieren die Höhe des Lohns selbst. Der andere, den Niedriglohnsektor stützende Faktor, ist Beschäftigung in Teilzeit. Arbeitnehmer arbeiten nur eine bestimmte Anzahl von Stunden in der Woche. Durch die Reduzierung der Arbeitszeit ergibt sich ein geringeres Entgelt. Als dritter Punkt können strukturelle Ursachen verantwortlich gemacht werden. Oftmals fördern Wirtschaftszweige, die Betriebsgröße und bestimmte Berufe den Niedriglohn (Vgl. Schäfer 2003: S. 8).

In diesem Abschnitt soll der Sektor näher untersucht werden. Wie groß ist dieser Sektor, welche Gruppen sind hier beschäftigt und ab welcher Entgeltgrenze wird überhaupt von Niedriglohn gesprochen? Zunächst einmal soll der Niedriglohnsektor näher definiert werden. Eine mögliche Formulierung lautet, dass im Niedriglohnsektor diejenigen Arbeitnehmer beschäftigt sind, die eine Vergütung unterhalb des Tariflohnniveaus erhalten bzw. deren Entgelt das Existenzminimum nicht sichert.

In internationalen Studien wird der Niedriglohn folgendermaßen definiert: Die Niedriglohnschwelle beträgt Zweidrittel des nationalen Medianlohns. Grundlage sind hierbei nicht die gesetzlichen Tariflöhne, sondern die wirklich gezahlten Bruttolöhne (Vgl. Rhein et al. 2005: S. 2).

2.1. Struktur des Niedriglohnsektor

Abbildung 1 gibt einen ersten Überblick über den Niedriglohnsektor in Deutschland.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 : Entwicklung Niedriglohnsektor (Quelle: Rhein et al. 2005)

Die Daten stammen aus einer Beschäftigtenstichprobe des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB), das der Bundesagentur für Arbeit angegliedert ist, und sind Teil einer Studie über Aufstiegschancen für Geringverdiener (Vgl. Ebd.). Erfasst sind die sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten, exklusive Auszubildende. Teilzeitarbeit und geringfügige Beschäftigungsverhältnisse werden somit nicht berücksichtigt.

Die Grafik bildet den prozentualen Anteil der Geringverdiener in Westdeutschland sowie Gesamtdeutschland an allen Vollbeschäftigten ab. Man kann sehen, dass der relative Anteil seit 1994 in beiden Bereichen stetig angestiegen ist.

2001 waren 17,4% der Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor beschäftigt. Das entspricht einem absoluten Wert von 3,63 Millionen Beschäftigten. Dies ist ein Zuwachs um 200.000 im Vergleich zu 1996. Die Vollzeit-Niedriglohnschwelle betrug in 2001 in Gesamtdeutschland 1.630 Euro. Anteilig enthalten sind dabei Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld.

Einige Personengruppen sind im Niedriglohnbereich überdurchschnittlich stark repräsentiert. Der Frauenanteil aller Vollzeitbeschäftigten beträgt im Jahr 2001 knapp 35%, im Niedriglohnsektor hingegen 57%. Geringqualifizierte sind ebenfalls übermäßig stark repräsentiert, ebenso jüngere Beschäftigte bis 24 Jahre. Zudem sind einige Branchen überdurchschnittlich häufig vertreten, besonders der Dienstleistungsbereich. In diesem Bereich ist auffällig signifikant der Einzel- und Versandhandel. Des Weiteren ist ein starker Anstieg im Bereich „sonstige Dienstleistungen“ zu verzeichnen. Der Anteil stieg von etwa 6% 1991 auf 14% im Jahre 2001 (Vgl. Gartner/Rhein 2005: S. 9). Besonders signifikant häufig sind Geringverdiener in Kleinbetrieben bis 20 Mitarbeiter beschäftigt. Der Anteil beträgt knapp 53%, der Anteil aller Vollbeschäftigten nur knapp 27%.

Eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung im Auftrag der Nordrhein-Westfälischen Landesregierung kommt zu ähnlichen Ergebnissen (Vgl. Schäfer 2003). Die Studie stellt einen Vergleich der Einkommensverteilungen in Westdeutschland, Ostdeutschland und Nordrhein-Westfalen an. Die Bemessungsgrundlage weicht in dieser Studie jedoch von der IAB-Studie ab. Basis bilden zwar ebenfalls Daten aus einer IAB-Erhebung, doch verwendet wird das arithmetische Mittel der Effektivlöhne. Das arithmetische Mittel wird aus allen ganzjährig Vollzeitbeschäftigten gebildet. Der hieraus gebildete Referenzlohn ist die Grundlage für die Ermittlung des Niedriglohnsektors. Arbeitnehmer mit weniger als 75% des Referenzlohns fallen nach dieser Studie in den Niedriglohnsektor. Verglichen werden die Daten von 1980 mit denen von 1997. Obwohl die Studien verschiedene Kriterien zur Messung des Niedriglohnsektors ansetzen, lassen sich doch ähnliche Tendenzen erkennen.[1] Der Niedriglohnsektor ist von knapp 25% im Jahre 1980 auf 28,4% im Jahre 1997 um gute 3,5% angestiegen und macht somit über ein Viertel aller Vollzeitbeschäftigten aus. Das entspricht einem absoluten Wert von 4,19 Millionen Arbeitnehmern. Interessant ist hierbei, dass im gleichen Zeitraum die Anzahl aller Erwerbstätigen von 15,33 Millionen auf 14,141 Millionen zurückgegangen ist.

Auch andere Merkmale, die die IAB-Studie bereits hervorgehoben hat, finden sich in der WSI-Studie wieder. So arbeiten auffällig viele Frauen in diesem Sektor, die Arbeit im Wirtschaftszweig Handel und Verkehr ist besonders signifikant, wie auch die Gruppe der Arbeitnehmer bis 25 Jahre, ebenso die Arbeit in Kleinstbetrieben bis 9 bzw. 20 Mitarbeiter.

[...]


[1] Alle Ausführungen beziehen sich auf Westdeutschland und auf die Gruppe der ganzjährig Beschäftigten.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Kombilöhne in Deutschland - Schafft die Etablierung eines Niedriglohnsektors mehr Arbeitsplätze in Deutschland?
Hochschule
Universität Hamburg  (Department für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Mittelseminar Arbeitsmarkttheorien
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
23
Katalognummer
V55236
ISBN (eBook)
9783638502467
ISBN (Buch)
9783638731850
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit ist empirisch angelegt und untersucht eine Viezahl von Studien.
Schlagworte
Kombilöhne, Deutschland, Schafft, Etablierung, Niedriglohnsektors, Arbeitsplätze, Deutschland, Mittelseminar, Arbeitsmarkttheorien
Arbeit zitieren
Florian Buntin (Autor), 2005, Kombilöhne in Deutschland - Schafft die Etablierung eines Niedriglohnsektors mehr Arbeitsplätze in Deutschland?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55236

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