Das Thema dieser Hausarbeit ist ein noch sehr junger Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung und hat besonders vor dem Hintergrund der vor wenigen Monaten durchgeführten PISA-Studien zusätzlich an Aktualität gewonnen. Bedingt durch die weltweiten
Bildungsvergleichstests, die auch Gebiete wie Lesefähigkeit und Textverständnis bei Schulkindern umfasste, hat man erkannt, dass es zunehmend notwendiger wird, sich mit diesen Themenfeldern auseinander zu setzen, wenn man etwas verändern will. Vor der der Interpretationsfolie dieser aktuellen Bereiche bewegt sich das Thema der Hausarbeit, „Textwirkungsforschung im Kontext allgemeiner Lese- und Textverständnisfähigkeiten“. Die Bedeutung des Begriffs Textwirkungsforschung setzt sich dabei als Komposition aus mehreren Komponenten einzelner
Forschungsbereiche zusammen. Textwirkung als solche beinhaltet demnach erstens die Kategorie des Textverständnisses, womit der reine Rezeptionsvorgang des Lesens gemeint ist. Man spricht dabei von der rezeptiven Phase.
Als zweite Komponente beschäftigt sich die Textwirkungsforschung mit der kognitiven Umsetzung des Gelesenen; der postrezeptiven Phase. Gemeint sind damit sämtliche psychischen Abläufe seitens des Rezipienten.
Um eine Verbesserung des Leseprozesses und der anschließenden kognitiven Umsetzung erreichen zu können, muss herausgearbeitet werden, an welchen Stellen sich Ansatzmöglichkeiten dafür bieten und wie diese genutzt werden können. Darauf soll der Fokus der Arbeit gelegt werden, indem Forschungsergebnisse zu diesem Kontext vorgestellt werden, die sowohl an der Text- als auch der Leserseite ansetzen. Was die textseitigen Ansätze betrifft muss
vorweggenommen werden, dass man hier nicht von einem Standardbegriff ausgehen darf, sondern mit literarischen Texten einerseits und pragmatischen Texten andererseits Kategorien gebildet wurden, die einzeln betrachtet werden sollen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Literarische Texte und deren Wirkung
3. Pragmatische Texte und deren Wirkung
3.1. Forschungsergebnisse zur Wirkung persuasiver Texte
3.2. Forschungsergebnisse zur Wirkung informationsvermittelnder Texte
3.2.1. Merkmale und Einflussmöglichkeiten der Leserseite
3.2.2. Merkmale und Einflussmöglichkeiten der Textseite
4. Rezeptionsstrategie-Modell
4.1. Primär- und Stützstrategie-Modell (Christmann / Groeben)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und Forschungsergebnisse der Textwirkungsforschung. Das primäre Ziel ist es, Ansatzpunkte für die Verbesserung des Leseprozesses und der kognitiven Textverarbeitung bei Schülern aufzuzeigen, wobei sowohl die Rolle des Lesers als auch die spezifischen Merkmale verschiedener Textsorten beleuchtet werden.
- Differenzierung zwischen literarischen und pragmatischen Texten.
- Analyse von Einflussfaktoren auf die Wirkung persuasiver Texte.
- Untersuchung der kognitiven Teilfähigkeiten beim Textverständnis.
- Bewertung von Textmerkmalen zur Steigerung der Verständlichkeit.
- Einführung in das Primär- und Stützstrategie-Modell nach Christmann und Groeben.
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Merkmale und Einflussmöglichkeiten der Leserseite
Die Textwirkungsforschung zu leserseitigen Variablen teilt sich in zwei unterschiedliche Ansätze. Der Erste ist ein induktiver Ansatz, der die einzelnen am Lese- und Verarbeitungsprozess beteiligten Teilfähigkeiten des Rezipienten als Basis nimmt.
Erste Forschungsergebnisse zu diesem Bereich brachte W.S. Gray hervor. Er stellte 1919 acht Teilfähigkeiten des Textverständnisses auf: 1) Am Zusammenhang orientiertes Lesen; 2) Feststellen zentraler Gedanken eines Textabschnittes; 3) Auswählen zusammenhängender Gesichtspunkte und dazu gehörender Details; 4) Auswählen von Informationen, die zur Lösung von Problemen bzw. zur Beantwortung von Fragen wichtig sind; 5) Schaffen eines klaren Bildes vom thematischen Problem; 6) Entdecken neuer Probleme; 7) Herausstellen des Argumentationsgangs; 8) Beurteilung der Gültigkeit von Aussagen.
Diese acht Teilfähigkeiten von Lesern galten lange als entscheidende Kriterien in der Textwirkungsforschung und wurden erst 1968 von F.B. Davis revolutioniert, der die acht Teilfertigkeiten zusammenfasste und auf fünf reduzierte, die anschließend durch die Reanalysen von Spearritt (1972) auf die bis heute gültigen vier gebracht wurden: 1) Kenntnis von Wortbedeutungen; 2) Schlussfolgerungen während des Lesens durch Sinnverständnis; 3) Nachvollzug der Textstruktur und dessen Gliederung; 4) Identifizierung der Intention von Text bzw. Autor/-in.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Textwirkungsforschung vor dem Hintergrund der PISA-Studien ein und definiert die zentralen Begriffe der rezeptiven und postrezeptiven Phase.
2. Literarische Texte und deren Wirkung: Hier werden die Erklärungsansätze von S.J. Schmidt zu den drei Grundfunktionen ästhetischer Kommunikation (kognitiv-reflexiv, moralisch-sozial, hedonistisch-individuell) diskutiert.
3. Pragmatische Texte und deren Wirkung: Dieses Kapitel unterscheidet zwischen informierenden und kommunikativen Textfunktionen und leitet die Untergliederung in persuasive und informationsvermittelnde Texte ab.
3.1. Forschungsergebnisse zur Wirkung persuasiver Texte: Es wird der Fokus auf das Kriterium der Einstellungsänderung gelegt und zentrale Modelle, wie das Modell der qualifizierten Verarbeitungswahrscheinlichkeit, vorgestellt.
3.2. Forschungsergebnisse zur Wirkung informationsvermittelnder Texte: Dieser Abschnitt beleuchtet die zwei Perspektiven der Forschung: die allgemeinpsychologische und die pädagogisch-instruktionspsychologische Sichtweise.
3.2.1. Merkmale und Einflussmöglichkeiten der Leserseite: Hier werden die historischen Entwicklungen der Definition von Lese-Teilfähigkeiten von Gray über Davis bis zu modernen Ansätzen dargelegt.
3.2.2. Merkmale und Einflussmöglichkeiten der Textseite: Dieses Kapitel analysiert verständlichkeitsfördernde Kriterien wie sprachliche Einfachheit, semantische Redundanz und kognitive Strukturierung.
4. Rezeptionsstrategie-Modell: Es wird die Anwendung von Lesestrategien erläutert, die dazu dienen, die Verarbeitung eines Textes aktiv zu unterstützen und zu optimieren.
4.1. Primär- und Stützstrategie-Modell (Christmann / Groeben): Abschließend wird das Modell vorgestellt, das zwischen aktiven kognitiven Verarbeitungstechniken und steuernden metakognitiven bzw. affektiven Stützstrategien unterscheidet.
Schlüsselwörter
Textwirkungsforschung, Textverständnis, Lesefähigkeit, Persuasion, Einstellungsänderung, Informationsvermittlung, kognitive Strukturierung, Rezeptionsstrategie, Primärstrategien, Stützstrategien, Metakognition, Lesertypen, Advance Organizer, Textverständlichkeit, PISA-Studie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Erforschung, wie Texte auf Leser wirken und welche Faktoren das Textverständnis beeinflussen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit gliedert sich in die Wirkung von literarischen versus pragmatischen Texten, die kognitiven Fähigkeiten des Lesers sowie die verständlichkeitsfördernden Merkmale von Texten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse zusammenzuführen, um Ansatzpunkte für eine effektivere Leseförderung im schulischen Kontext zu identifizieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Hausarbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Metaanalysen und psychologischer Modelle, wie sie beispielsweise von Groeben, Ausubel oder Petty und Cacioppo entwickelt wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Kategorien literarischer und pragmatischer Texte differenziert, die Rolle von Lesertypen und Textmerkmalen analysiert und schließlich das Strategiemodell nach Christmann und Groeben detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Textwirkung, Textverständlichkeit, Einstellungsänderung, kognitive Strukturierung sowie das Zusammenspiel von Primär- und Stützstrategien beim Lesen.
Was zeichnet die "Pragmatischen Texte" laut Autor aus?
Sie werden primär nach ihrer informationsvermittelnden oder kommunikativen Funktion unterteilt, wobei letztere insbesondere auf Einstellungsänderungen beim Leser abzielen.
Warum ist laut der Arbeit eine Unterscheidung zwischen "Primär-" und "Stützstrategien" sinnvoll?
Die Trennung hilft zu verstehen, dass erfolgreiches Lesen nicht nur die aktive Informationsverarbeitung (Primärstrategien) erfordert, sondern auch eine metakognitive Steuerung und motivationale Aufrechterhaltung (Stützstrategien).
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- Florian Göldner (Author), 2003, Textwirkungsforschung im Kontext allgemeiner Lese- und Textverständnisfähigkeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56187