Auch Pflege orientiert sich, trotz aller diffusen Sehnsucht nach "Ganzheitlichkeit" in der Praxis, überwiegend am vorgegebenen bio-medizinischen Defizitmodell. Das gestaltet die Arbeit oft unreflektiert und auf Dauer möglicherweise frustrierend.
In einem von der Fachhochschule begleiteten Praxis-Projekt geht es um die Einführung des Pflegemodells nach Peplau, eingebettet in ein Bezugspflege-Modell unter dem besonderen Aspekt des Salutogenesemodells von Antonovsky.
Das Modell, so die Annahme des Autors, bedeutet auch eine permanente Reflexion und Überprüfung über eine allzu einseitige psychopathologische Konzeptualisierung der Medizin, die die Gesundheit immer wieder vergisst, weil diese scheinbar nichts zu tun gibt!
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Die Ausgangssituation für das Praxis-Projekt
1.2 Die (bisherige) Orientierung der pflegerischen Arbeit am bio-medizinischen Modell
1.3 Der strukturierte Tages- und Wochenplan
1.4 Die Bezugspflege
2 Praxis-Portrait
2.1 Die baulichen Ausstattungsmerkmale der Station
2.2 Die Personalstruktur
2.3 Die Patientenstruktur
2.4 Der kommunikative Umgang auf der Station
3 Projektziel
3.1 Die Zielvorstellung
3.2 Die Methoden
3.3 Der Ablauf
4 Theoretische Grundlagen
4.1 Das Pflegemodell nach Peplau
4.1.1 Die vier Phasen der interpersonalen Beziehung
4.1.2 Die Pflege als Wachstums- und Reifungsprozess
4.1.3 Das Pflegebündnis
4.2 Die Pflegediagnostik (nach Townsend) und deren Kritik
4.3 Die Gesundheit (nicht nur) als soziale Codierung
4.4 Das Kernkonzept der Salutogenese als gesundheitswissenschaftlicher Beitrag zur Gesundheitsförderung
4.4.1 Die Komponenten des Kohärenzgefühls
4.4.2 Die Förderung von Gesundheit aus der Pflegeperspektive
5 Praktische Umsetzung
5.1 Die Zusammenfassung der Teamsitzungen I
5.2 Der Konzepttag mit stationsexterner Moderation
5.3 Die Zusammenfassung der Teamsitzungen II
6 Perspektiven des Praxis-Projekts
7 Reflexion und Fazit des Praxis-Projekts
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit dokumentiert ein Praxis-Projekt zur Einführung des Peplauschen Pflegemodells unter dem Aspekt der Gesundheitsförderung auf einer allgemeinpsychiatrischen Station. Ziel ist es, die einseitige Orientierung am bio-medizinischen Modell durch eine handlungsorientierte und interpersonale Perspektive zu ergänzen, um die Pflegequalität und die Autonomie der Patienten zu stärken.
- Analyse und Anwendung des Peplau-Modells in der stationären Psychiatrie.
- Einsatz der Pflegediagnostik nach Townsend zur Vereinheitlichung der professionellen Sprache.
- Integration des Salutogenesemodells von Antonovsky zur Gesundheitsförderung.
- Reflexion des „Doppelcharakters“ der Krankenpflege (Beziehungsprozess vs. Problemlösungsprozess).
- Förderung der interdisziplinären Kommunikation und Empowerment der Pflegekräfte.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Die vier Phasen der interpersonalen Beziehung
Die Phasen und ihre Bezogenheit aufeinander, die im folgenden knapp geschildert werden, sind wichtiges Strukturelement des Peplau-Modell. Sie bilden ein Schlüsselkonzept (vgl. Sills/Beeber 1995, S. 37). Zunächst gibt Peplau eine Definition ihres Konzepts von Pflege: (...) „Die Pflege ist ein signifikanter, therapeutischer, interpersonaler Prozess. Sie wirkt in Kooperation mit anderen menschlichen Prozessen, die dem einzelnen in der Gesellschaft Gesundheit ermöglichen. In spezifischen Situationen, in denen das professionelle Gesundheitsteam gesundheitsbezogene Dienstleistungen erbringt, beteiligen sich die Pflegekräfte an der Organisation von Bedingungen, die die natürlichen fortlaufenden Tendenzen im menschlichen Organismus unterstützen. Die Pflege ist ein edukatives Instrument, eine die Reife fördernde Kraft, die darauf abzielt, die Vorwärtsbewegung der Persönlichkeit in Richtung auf ein kreatives, konstruktives, produktives persönliches und gesellschaftliches Leben zu bewirken“ (vgl. Peplau 1995, S. 39).
Die Beziehung von Pflegekraft und Patient vollzieht sich nach Peplau über vier sich überschneidende Phasen. Jede Phase ist durch den Pflegeprozess (oder mehrere dieser Prozesse) begleitet. Die Phasen lassen sich hierbei als ein Kontinuum vergleichen: mit Eintritt und Austritt aus der Pflege/Patient-Beziehung, als ein linearer Prozess gedacht. Mit Beginn und Ende.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beschreibt die Ausgangssituation und die Notwendigkeit, die psychiatrische Pflege durch ein theoretisch fundiertes Modell zukunftsfähig zu gestalten.
2 Praxis-Portrait: Analysiert die baulichen, personellen und strukturellen Rahmenbedingungen der Station als Grundlage für die Projektumsetzung.
3 Projektziel: Definiert die angestrebte Handlungsorientierung durch die Implementierung des Peplau-Modells und ergänzender diagnostischer Methoden.
4 Theoretische Grundlagen: Erläutert das Pflegemodell nach Peplau, die Pflegediagnostik nach Townsend sowie das Salutogenesekonzept von Antonovsky als theoretische Basis.
5 Praktische Umsetzung: Dokumentiert den konkreten Prozess der Projekteinführung durch Teamsitzungen und einen Konzepttag.
6 Perspektiven des Praxis-Projekts: Erörtert das Potenzial für eine zukünftige, handlungsorientierte Pflegeentwicklung unter Einbeziehung des Empowerment-Gedankens.
7 Reflexion und Fazit des Praxis-Projekts: Zieht Bilanz über den Veränderungsprozess und betont die Notwendigkeit von Zeit und Geduld bei der Implementierung neuer Pflegekonzepte.
Schlüsselwörter
Peplau-Modell, Psychiatrische Pflege, Gesundheitsförderung, Pflegediagnostik, Salutogenese, Kohärenzgefühl, Beziehungsprozess, Milieutherapie, Empowerment, Bezugspflege, Gruppenpflege, Patientenorientierung, Pflegeplanung, Interpersonale Beziehung, Psychosoziale Versorgung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Versuch, das Peplausche Pflegemodell in die tägliche Routine einer psychiatrischen Station zu integrieren, um den Fokus von einer rein medizinischen Krankheitsbetrachtung hin zu einer gesundheitsfördernden und interpersonalen Pflege zu verschieben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Peplausche Modell der interpersonalen Beziehungen, die Pflegediagnostik nach Townsend sowie das Salutogenesekonzept nach Aaron Antonovsky.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Professionalisierung der pflegerischen Arbeit durch die Schaffung einer gemeinsamen Sprache und einer systematischen Handlungsorientierung, die den Patienten als bio-psycho-soziales Wesen in den Mittelpunkt stellt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor nutzt Ansätze der Kritischen Psychologie (Markard/Holzkamp) und eine praxisnahe Organisationsentwicklung, kombiniert mit theoretischer Reflexion und einer Fallstudien-basierten Projektarbeit im Team.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Station (Praxis-Portrait), die theoretische Herleitung der gewählten Pflegemodelle und die detaillierte Dokumentation des Einführungsprozesses, inklusive Teamsitzungen und eines Konzepttages.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Peplau-Modell, Salutogenese, Pflegediagnostik, Empowerment und der interpersonale Beziehungsprozess.
Wie gehen die beteiligten Pflegekräfte mit dem „Erfolgszwang“ bei der Pflegediagnostik um?
Das Pflegeteam reagiert kritisch auf rein mechanistische oder verhaltensorientierte Vorgaben; der Autor betont daher, dass Pflegediagnosen als unterstützende Vorschläge und nicht als dogmatische Instrumente zu verstehen sind.
Warum spielt das Konzept der Salutogenese eine so wichtige Rolle im Projekt?
Die Salutogenese dient als Gegenpol zur Pathogenese; sie hilft dem Team, den Blick auf die Widerstandsressourcen der Patienten zu richten, anstatt nur nach Krankheitsursachen zu suchen, was die therapeutische Haltung nachhaltig verändert.
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- Dipl.-Pflegew. (FH) Peter Harms (Author), 2002, Die Einführung des Peplauschen Pflegemodells unter dem Aspekt der Gesundheitsförderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5619