Die Entstehung und Entwicklung der Wappen der Städte Rostock, Hamburg und Bremen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
29 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Rostocker Stadtwappen

3. Das Hamburger Stadtwappen

4. Das Bremer Stadtwappen

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

7. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Stadtwappen der Städte Rostock, Hamburg und Bremen.

Wappen sind im allgemeinen unveränderliche Sinnbilder, die sich auf eine natürliche Person oder juristische Personen beziehen. Entstanden sind sie wahrscheinlich im 12. Jahrhundert als Erkennungszeichen im ritterlichen Militärwesen und entwickelten sich ab dem 13. Jahrhundert immer mehr zum Teil des adligen Hof- und Turnierlebens.[1] Sie entsprangen also aus ganz praktischen Gründen und der Schild sowie der Helm als Teile des Wappens wurden tatsächlich benutzt und bezogen sich zunächst auf Personen oder adlige Geschlechter. In der Folge wurden die Wappen zu feststehenden und vererbbaren Zeichen, die bei Territorialfürsten die Landesherrschaft ihrer Familie kennzeichneten.

Für die Städte bestand anfangs keine Veranlassung ihre Zeichen in einem Schild zu führen, da in ihren bewaffneten Aufgeboten in der Regel keine ritterlichen Reiter standen und Fahnen zur Kenntlichmachung der Truppen ausreichten. Als Zeichen der eigenen Rechtspersönlichkeit entstanden in den Städten Siegel, mit denen sie ihre Rechtsakte wie Verträge oder Ratsbeschlüsse beglaubigten.

Doch der Wappengebrauch ging im 13. und 14. Jahrhundert auch auf nichtadlige Personen und später auf Städte oder Klöster über.[2] Die Wappen der Städte entstanden häufig aus den Siegelbildern heraus und wurden ebenfalls zu Kennzeichen ihrer hoheitlichen Rechte und kommunalen Eigenständigkeit. Ihre Entstehung und Entwicklung war und ist immer eng mit der Geschichte und der rechtlichen Stellung der Städte verbunden.

In der Arbeit wird gezeigt werden, wie sich dies in den Städten Rostock, Hamburg und Bremen im Einzelnen ausdrückt.

Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es dabei zwischen diesen Städten? Wie ist die Bedeutung der Wappen heute?

Die Wahl fiel zum einen auf diese drei Städte als Untersuchungsgegenstand auf Grund ihrer ähnlichen topografischen Lage als deutsche Küstenstädte. Zum anderen verband sie über einige Jahrhunderte die gemeinsame Mitgliedschaft im Städtebund der Hanse und eine vergleichbare städtische Entwicklung in dieser Zeit.

Literatur zur Heraldik im Allgemeinen ist in gutem und umfangreichem Maße vorhanden.[3] Zur kommunalen Heraldik ist die Literaturlage jedoch weniger gut und beschränkt sich zum Teil auf Überblicksdarstellungen[4] oder auf einzelne Kapitel in der oben angesprochenen allgemeinen Literatur zur Wappenkunde. Zur Wappenentwicklung der drei untersuchten Hansestädte finden sich in erster Linie aus dem Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts einige diesem Thematik umfassend gewidmeten Aufsätze.[5] Durch die Hinzuziehung von Wappenbüchern[6] und Münzkatalogen[7] ist eine fundierte Untersuchung Wappenentwicklung aber gut möglich gewesen.

2. Das Rostocker Stadtwappen

Rostock ist die größte Stadt des heutigen Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern und ist kreisfrei. Sie ist somit den Landkreisen des Landes gleichgestellt und besitzt eigenständige administrative und staatliche Aufgaben und Rechte zur kommunalen Selbstverwaltung.[8] Dazu zählt die Berechtigung, das Stadtwappen in den Dienstsiegeln zu führen.[9]

Das Wappen Rostocks in der heute gültigen Form, als ein geteilter Schild oben in Blau ein schreitender rot gezungter goldener Greif und unten geteilt von Silber über Rot, wurde erst am 10. April 1858 durch den mecklenburgischen Großherzog Friedrich Franz II. eindeutig festgelegt.[10] Bis dahin gab es lange Zeit verschiedene und zum Teil konkurrierende Wappen, die aus den Siegeln der Stadt heraus entstanden sind.

Auf dem Abdruck des erstbekannten Siegels aus dem Jahr 1257 befindet sich ein mächtiger Stierkopf mit einer Krone und kurzen dicken Hörnern. Rechts und links vom Maul ist ein länglich gezacktes Blatt, über dem rechten ein Stern und über dem linken ein Halbmond. Die leere Siegelfläche ist mit Röschen bestreut.[11] Diese Motivwahl ist etwas überraschend, besaß doch der als Begründer der Stadt geltende Herzog Heinrich Borwin I.[12] einen Greifen als Wappentier.[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hofmeister, Das Wappen, S. 70.

Er bestätigte als Oberherr Rostocks 1218 der allmählich gewachsenen Siedlung die Benutzung des lübischen Rechts und garantierte den Einwohnern Rechtssicherheit und Freiheiten in der Stadt, sowie Zollfreiheit in seinem Herrschaftsgebiet. Doch nach seinem Tod 1227 zerfiel das von ihm beherrschte Mecklenburg in vier Teilherrschaften, die von seinen Enkeln regiert wurden.[14] Heinrich Borwin III., der Erbe in der Teilherrschaft Rostock, war zu diesem Zeitpunkt noch minderjährig und kam unter die Vormundschaft des Fürsten Nikolaus zu Werle/Güstrow. Dieser führte einen Stierkopf in seinem Wappen, vermutlich als Abgrenzung zu anderen Teilherrschaften Mecklenburgs. Adolph Hofmeister nimmt deshalb an, dass das erste Siegel Rostocks zwischen 1227 und der Volljährigkeit Heinrich Borwin III., spätestens 1236, entstanden sein muss, denn Borwin III. nahm den Greifen in sein Wappen auf.[15]

Das Siegel von 1257 wird zum großen Siegel der Stadt Rostock und wurde bis zum Anfang des 18. Jahrhundert benutzt.

Seine Bedeutung schwand jedoch im Laufe der Zeit, sodass es im 17. Jahrhundert auch schon für weniger bedeutende Vorgänge, wie Schuldverschreibungen oder Mietverträge der Stadt benutzt wurde.[16]

Neben dem Stierkopf als Hoheitszeichen der Stadt etablierte sich zum Anfang des 14. Jahrhunderts auch der Greif als Stadtzeichen. Zuerst tauchte er 1307 auf dem neugeschaffenen Sekretsiegel auf.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hofmeister, Das Wappen, S. 72.

Wie die Abbildung zeigt, erscheint der Greif hier bereits in schreitender und rechtsgerichteter Form, die bis in die Gegenwart die gängige Darstellung des Greifen in Rostock ist.

Die Einführung eines kleineren Secretum neben dem Sigillum, großes Siegel, zur Beglaubigung bestimmter Verwaltungsvorgänge des Rates einer Stadt, ist im 14. Jahrhundert ein durchaus üblicher Vorgang, wie sich in den folgenden Kapiteln zu den Wappen Hamburgs und Bremens noch zeigen wird.

Im 14. Jahrhundert entstehen drei Sekretsiegel, die alle einen schreitenden Greif zeigen.

Sie nehmen damit Bezug auf das Wappen der bis 1314 herrschenden Fürsten zu Rostock,[17] die als Nachkommen Heinrich Borwin III. ebenfalls einen schreitenden Greif im blauen Schild führten.

Das gegen Ende des Jahrhunderts entstandene dritte Sekretsiegel blieb fortan parallel zum großen Siegel in Verwendung. Es verdrängte dieses jedoch und wurde mit dem Verschwinden des Sigillums zum großen Siegel.

Zeigen beide Siegel auch Wappenbilder landesherrlicher Geschlechter und verdeutlichen somit die bestehende Landesherrschaft über Rostock, so versuchte die Stadt doch ab dem Ende des 13. Jahrhunderts zunehmend mehr Rechte und Unabhängigkeit zu erlangen. Der rasante Aufschwung verlieh ihr Macht und Einfluss. Die Erlangung des Münzrechts 1325, ab 1361 uneingeschränkt, sowie der Erwerb des für die sichere Zufahrt zur Ostsee bedeutenden Ortes Warnemünde 1323 zeugen von der wachsenden Unabhängigkeit Rostocks.[18] Ein wappenmäßiger Niederschlag der gewachsenen Autonomie findet sich in dem 1367 entstandenen Signum. Wie auf der folgenden Abbildung zu sehen ist, wurde ein dreifach geteiltes Schild verwendet, in dessen oberen Feld ein aufgerichteter Greif als Zeichen Rostocks war.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hofmeister, Das Wappen, S. 75.

Das mittlere Feld war damasziert und hervortretend, während das untere Feld leer blieb. Da dieses Signum zunächst zur Abzeichnung von Zahlungsbelegungen für die Hanse bestimmt war,[19] sind die unteren beiden Felder als Zeichen der Zugehörigkeit zu diesem Städtebund anzusehen und wurden in späteren farblichen Darstellungen in den hansischen Farben rot und weiß (silber) wiedergegeben. Das Signum war zu Beginn jedoch kein eigentliches Siegel der Stadt, sondern das Siegel des Rates.[20] Die anderen Siegel der Stadt blieben in Benutzung. Aber es war ein eigenes unverwechselbares Zeichen der Stadt Rostock entstanden, aus dem später das eigentliche und bis heute gültige Stadtwappen werden wird. Bereits im 16. Jahrhundert wird das Signum als gleichberechtigtes Siegel neben Sigillum und Secretum geführt[21] und der geteilte Schild setzt sich als hanseatisches Stadtzeichen Rostocks durch.

Die Anbringung aller drei Wappenbilder, Stierkopf, schreitender Greif und geteilter Schild in der Form des Signums, auf dem 1576 wiederaufgebauten Steintor[22] sowie die Benutzung drei unterschiedlicher Siegel, macht jedoch deutlich, dass es mehrere Hoheitszeichen der Stadt gab. Sie zeugen von der nie überwundenen landesherrlichen Abhängigkeit Rostock und spiegeln die verfassungsrechtliche Entwicklung Rostocks wider. Trotz aller Privilegien, die die Stadt vom 13. bis zum 16. Jahrhundert von den Landesherren erlangen konnte, scheiterten alle Versuche Rostocks die Reichsunmittelbarkeit zuerkannt zu bekommen.

Der geteilte Schild wird ab 17. Jahrhundert jedoch zum bevorzugten Zeichen, da es zum einen eindeutig auf Rostock verweist und zum anderen an die hansische Blütezeit der Stadt erinnert.

[...]


[1] Filip, Vaclav Vok: Einführung in die Heraldik. Stuttgart 2000, S. 16.

[2] Ebenda, S. 17.

[3] Kaiser, Agathe Franziska; Linder, Erich Dieter: Familiengeschichte und Wappenkunde: ein Wegweiser zur Genealogie und Heraldik. Augsburg 1994.; Schröder, Michael: Kleine Wappenkunst. Frankfurt am Main 1990.; Filip, Vaclav Vok: Einführung in die Heraldik. Stuttgart 2000.; Neubecker, Ottfried: Heraldik: Wappen - ihr Ursprung, Sinn und Wert. Augsburg 1990.

[4] Schütt, Hans-Heinz: Auf Schild und Siegel Die Wappenbilder des Landes Mecklenburg-Vorpommern und seiner Kommunen. Schwerin 2002.; Stadler, Klemens: Deutsche Wappen Bundesrepublik Deutschland. Bd. 2: Die Gemeindewappen von Rheinland-Pfalz und Saarland, Bremen, Hamburg, Westberlin. Bremen 1966.

[5] Hofmeister, Adolph: Das Wappen der Stadt Rostock. In: Koppmann, Karl (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte der Stadt Rostock, Bd. 1 (1890), Heft 1, S. 65-88.; Reincke, Heinrich: Geschichte der Hamburgischen Flagge. In: Stichert, Friedrich; Überseeclub Hamburg (Hrsg.): Hamburger Übersee-Jahrbuch 1926. Hamburg 1926, S. 1-35.

[6] Appuhn, Horst (Hrsg.): Johann Siebmachers Wappenbuch von 1605. Sonderausgabe München 1999.; Hefner, Otto Titan (Hrsg.): Die Siebmacherschen Wappenbücher. Bd. 1, Abteilung 4: Städtewappen. Nürnberg 1885.

[7] Schön, Gerhard: Deutscher Münzkatalog 18. Jahrhundert. 2. Aufl., Augsburg 1994.

[8] Kommunalverfassung für das Land Mecklenburg-Vorpommern vom 8. Juni 2004.

[9] Ebenda, § 9.

[10] Schütt, Hans-Heinz: Auf Schild und Siegel Die Wappenbilder des Landes Mecklenburg-Vorpommern und seiner Kommunen. Schwerin 2002, S. 156.

[11] Hofmeister, Adolph: Das Wappen der Stadt Rostock, S. 70. In: Koppmann, Karl (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte der Stadt Rostock, Bd. 1 (1890), Heft 1, S. 65-88.

[12] Schröder, Karsten (Hrsg.): In deinen Mauern herrsche Eintracht und allgemeines Wohlergehen Eine Geschichte der Stadt Rostock von ihren Ursprüngen bis zum Jahr 1990. Rostock 2003, S. 18.

[13] Hofmeister, Das Wappen, S. 67.

[14] Karge, Wolf; Münch, Ernst; Schmied, Hartmund: Die Geschichte Mecklenburgs. 3. Auflage, Rostock 2000, S. 29.

[15] Hofmeister, Das Wappen, S. 69f..

[16] Hofmeister, Das Wappen, S. 71f..

[17] Karge, Die Geschichte, S. 203.

[18] Schröder, In deinen Mauern, S. 38.

[19] Hofmeister, Das Wappen, S. 75.

[20] Hefner, Otto Titan (Hrsg.): Die Siebmacherschen Wappenbücher. Bd. 1, Abteilung 4: Städtewappen. Nürnberg 1885, S. 169.

[21] Hofmeister, Das Wappen, S. 76.

[22] Schröder, In deinen Mauern, S. 66.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Die Entstehung und Entwicklung der Wappen der Städte Rostock, Hamburg und Bremen
Hochschule
Universität Rostock  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Heraldik: Geschichte und Praxis eines sozialen Zeichensystems
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
29
Katalognummer
V56635
ISBN (eBook)
9783638512725
ISBN (Buch)
9783638664745
Dateigröße
1766 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entstehung, Entwicklung, Wappen, Städte, Rostock, Hamburg, Bremen, Heraldik, Geschichte, Praxis, Zeichensystems
Arbeit zitieren
Martin Hewner (Autor), 2006, Die Entstehung und Entwicklung der Wappen der Städte Rostock, Hamburg und Bremen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56635

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