Fast täglich können wir in den Medien Berichte verfolgen, in denen aus verschiedensten Gründen zum Boykott aufgerufen wird. Erinnern wir uns an den Gasboykott Russlands gegenüber der Ukraine zu Anfang des Jahres oder den Boykottaufruf seitens der IG Metall gegen den schwedischen Elektrokonzern Electrolux wegen der geplanten Werksschließung des AEG-Werkes in Nürnberg.
Der wohl bekannteste Fall eines Boykotts in Deutschland ist wohl immer noch der einwöchige Boykott von Shell-Tankstellen im Jahre 1995. Der Öl-Riese Royal-Dutch wurde durch diesen Boykott in die Knie gezwungen und musste seinen Plan, die Ölbohrinsel Brent Spar zu versenken, schließlich aufgeben.
Spätestens seit dieser Aktion hatte man erkannt, dass ein Boykott eine durchaus sehr wirksame Waffe der Verbraucher ist und seitens der Unternehmen sehr ernst genommen werden muss.
Aus diesem Grund möchte ich mich in dieser Arbeit mit dem Thema Boykott auseinandersetzen und die zugrunde liegenden Prozesse anhand einer Sammlung diverser Boykottaktionen und deren anschließender Analyse darstellen.
In dieser Arbeit werde ich mich auf die Darstellung und Analyse von sog. Produktboykottaktionen, d.h. Boykotts seitens der Verbraucher beschränken, andere Boykottformen wie beispielsweise Wahlboykott oder Boykott von Sportveranstaltungen wie Olympischen Spielen werde ich nicht näher betrachten
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition
3. Sammlung von Boykottaktionen
4. Analyse der gesammelten Fälle
4.1. Boykottarten
4.2. Boykottziele
4.3. Voraussetzungen für erfolgreiche Boykottaktionen
4.4. Ablauf eines Boykotts
4.5. Boykottursachen
4.6. Auswirkungen eines Boykotts
4.6.1. Wirtschaftlicher Druck
4.6.2. Imagedruck
4.7. Grenzen/ Kritik von Boykottaktionen
4.8. Reaktionsmöglichkeiten/ Strategien von Unternehmen
5. Fazit
6. Literatur und Informationsquellen
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, das Phänomen „Boykott“ als strategisches Risiko für Unternehmen zu untersuchen, die zugrunde liegenden Prozesse anhand historischer und aktueller Fallbeispiele darzustellen und die Wirksamkeit sowie Reaktionsstrategien der Unternehmen kritisch zu analysieren.
- Grundlegende Definition und Abgrenzung des Boykottbegriffs
- Empirische Sammlung und Kategorisierung historischer Boykottfälle
- Analyse der Boykottursachen, Ziele und Auswirkungen (wirtschaftlicher Druck vs. Imagedruck)
- Evaluierung der Voraussetzungen für erfolgreiche Boykottkampagnen
- Untersuchung von Unternehmensstrategien im Krisenmanagement
Auszug aus dem Buch
4.4 Ablauf eines Boykotts
Alle Boykotte laufen nach einem relativ ähnlichen Muster ab. Als erste Stufe kann man hier das Entstehen eines potenziellen Problemfeldes nennen, was zeitlich meist schon lange vor dem eigentlichen Ausbruch des Boykotts anzusiedeln ist, im Falle des Nestlé-Boykotts kann man dies schon bei der Planung des Markteintrittes in Dritte-Welt-Länder, wo man mögliche Probleme einfach übersah, ansiedeln. Beim Shell-Boykott waren dies die Stilllegung der Plattform 1991 und die daraufhin im Konzern beginnenden Überlegungen über eine mögliche Entsorgung. Im aktuellen Fall von Coca Cola die falsche Einschätzung der Umweltbedingungen in Indien und die ignorierten Mordfälle von Gewerkschaftsmitgliedern der kolumbianischen Produktionsstätte von Coca Cola, die bereits im Jahr 1989 begannen.
Die Unternehmen übersehen die potenziellen Probleme, die auf sie zu kommen können denken daher auch gar nicht über die möglichen Folgen und eventuelle Lösungsmöglichkeiten nach und lassen den Ereignissen ihren Lauf.
Diese möglichen Probleme entwickeln sich im nächsten Schritt nun weiter, es gibt bereits öffentliche Diskussionen darüber und es wird schon über einen Boykott nachgedacht, was ebenfalls noch vor dem eigentlichen Ausbruch des Boykotts stattfindet; im Falle des Nestlé-Boykotts warnten Experten schon Anfang der 70erJahre vor den Folgen der Flaschenernährung für Kinder in Ländern der Dritten Welt. Beim Shell-Boykott äußerte sich Greenpeace bereits Ende 1994 kritisch zur Entsorgung der Brent Spar im Ozean, Coca Cola wird seit 1992 beschuldigt, in die Ermordung von Gewerkschaftlern verwickelt zu sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema anhand aktueller Beispiele und Definition der Zielsetzung der Arbeit.
2. Definition: Klärung des Boykottbegriffs und Abgrenzung gegenüber anderen Begriffen wie Embargo.
3. Sammlung von Boykottaktionen: Tabellarische Übersicht und Beschreibung zahlreicher historischer und aktueller Boykottfälle.
4. Analyse der gesammelten Fälle: Systematische Untersuchung von Boykottarten, Zielen, Voraussetzungen, Abläufen und Unternehmensreaktionen.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Boykotts als strategisches Risiko und Notwendigkeit eines proaktiven Krisenmanagements.
6. Literatur und Informationsquellen: Auflistung der für die Arbeit verwendeten Quellen und Internet-Referenzen.
Schlüsselwörter
Boykott, Unternehmen, Krisenmanagement, Shell, Nestlé, Coca-Cola, Produktboykott, Wirtschaftlicher Druck, Imagedruck, Verbraucher, Risikomanagement, Ethik, Globalisierung, Kampagne, Protest.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Boykott als einem wirksamen Instrument für Verbraucher, um Druck auf Unternehmen auszuüben und gesellschaftliche oder wirtschaftliche Veränderungen herbeizuführen.
Was sind die zentralen Themenfelder dieser Analyse?
Zentrale Themen sind die Entstehung von Boykotten, deren Durchführung, die Analyse ihrer Erfolgsfaktoren sowie der Umgang von Unternehmen mit dem resultierenden wirtschaftlichen Druck und Imageschäden.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum Boykotte ein bedeutendes strategisches Risiko darstellen und weshalb Unternehmen ein proaktives Frühaufklärungssystem benötigen, um solche Krisen frühzeitig zu erkennen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Es wurde eine deskriptive und analysierende Methode gewählt, die auf einer breiten Sammlung historischer und aktueller Fallbeispiele basiert, um allgemeine Muster des Boykottverlaufs abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfangreiche Datensammlung von Boykottfällen sowie deren detaillierte Analyse nach Art, Ursache, Ziel und Wirkung auf die betroffenen Konzerne.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Boykott, Krisenmanagement, Unternehmensethik, Shell, Nestlé, Coca-Cola sowie wirtschaftliche und imagetechnische Auswirkungen sind die prägenden Begriffe.
Warum war der Boykott gegen Nestlé so beispielhaft für die Analyse?
Der Nestlé-Boykott ist ein Paradebeispiel für einen langfristigen, global organisierten Protest gegen eine aggressive Marketingstrategie, die zu einem späteren Umdenken des Unternehmens zwang.
Welche Rolle spielte der Fall Brent Spar für den Shell-Boykott?
Der Fall Brent Spar verdeutlicht, wie durch massiven öffentlichen Druck und die Mobilisierung der Medien selbst große Konzerne gezwungen werden können, ökologisch umstrittene Pläne zu revidieren.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen wirtschaftlichem Druck und Imagedruck?
Während wirtschaftlicher Druck direkten Umsatzverlust bedeutet, zielt der Imagedruck auf die öffentliche Reputation ab, deren Beschädigung langfristig ebenfalls zu ökonomischen Einbußen führt, aber schwerer quantifizierbar ist.
- Quote paper
- Daniela Reisel (Author), 2006, Produktboykott - Sammlung und Analyse historischer Fälle, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57182