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Markt der Visionen oder Illusionen - Der Arbeitsmarkt im Hinblick auf die Berufswahl von Jugendlichen heute

Title: Markt der Visionen oder Illusionen - Der Arbeitsmarkt im Hinblick auf die Berufswahl von Jugendlichen heute

Thesis (M.A.) , 2002 , 90 Pages , Grade: 2,6

Autor:in: Carola Nierendorf (Author)

Sociology - Work, Education, Organisation
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Im Mittelpunkt dieses Buches steht die Beurteilung des Arbeitsmarktes, seiner Chancen, Möglichkeiten und Konsequenzen für die Lebensplanung von Jugendlichen heute. Diese Auseinandersetzung ist von zwei Komponenten geprägt: Einmal geht es natürlich um die Realisierbarkeit des gewünschten Berufes für den Einzelnen, zweitens aber auch um die Identitätsfindung, die im Zusammenhang mit diesem Entscheidungsprozess erforderlich wird.

Die Interdependenz von Berufswahl und Identitätsfindung lässt sich nicht auflösen, wird aber wenig beachtet. Es ist augenfällig, dass es in der vielfältigen Literatur zu den Entwicklungen in der Arbeitswelt kaum Untersuchungen gibt, die andere als die ökonomischen, arbeitsmarktpolitischen und sozialen Konsequenzen für den Einzelnen ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellen. Dabei ist die Beantwortung der Frage, wie die veränderten Bedingungen und Aussichten des Arbeitsmarktes die Einstellung der Erwerbstätigen beeinflussen, welche Reaktionen sie provozieren und – besonders - welche mentalen Anpassungen erforderlich sind, um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen, aus soziokultureller Sicht sicherlich ebenso interessant. Daher werden sich die vorliegende Ausführungen vorrangig mit ebendiesen Fragen auseinandersetzen.

Zum Verständnis der Arbeitsmarktlage wird sich Teil I mit den theoretischen Grundannahmen, Thesen und Erkenntnissen zum Wandel der Arbeit beschäftigen, um die Basis für eine Auseinandersetzung mit diesen zu schaffen. Aufgrund des zusammengestellten Kriterienkatalogs kann dann in Teil II eine Begründung erfolgen, warum die Vorstellungen der Jugendlichen als Vision oder eher als Illusion zu qualifizieren sind. Im Ergebnis soll also nicht lediglich ein Zustandsbericht des Arbeitsmarktes abgeben, sondern die Situation in einem größeren Rahmen gesehen werden. Dabei wird versucht,

a) unseren heutigen Arbeitsbegriff unter Zuhilfenahme seiner historischen Herleitung neu zur
Diskussion zu stellen,
b) ihn mit den aktuellen Vorstellungen von Jugendlichen abzugleichen, und
c) daraus Rückschlüsse für das Bildungs- und Gemeinwesen zu ziehen.

Als theorieleitende These dient eine Aussage Jeremy Rifkins: „Seit dem Beginn der Moderne bemisst sich der Wert eines Menschen am Marktwert seiner Arbeitskraft. Jetzt, da diese Ware in einer automatisierten Welt zunehmend überflüssig wird, müssen wir den Menschen in seinem Verhältnis zur Gesellschaft neu definieren.“ (Rifkin 1997)

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Teil I: Theoretische Grundannahmen/Thesen zum Wandel der Arbeit

1. Der Arbeitsbegriff im historischen Wandel

1.1. Antike: Arbeit als Gegenwelt zur Gesellschaft

1.2. Mittelalter und Bürgerzeit: Arbeitsgesellschaft als Ordnungsgesellschaft

1.3. Reformation: Entwicklung der neuzeitlichen Arbeitsethik

1.4. Moderne und Industriezeitalter: Die Arbeitsgesellschaft polarisiert Produktion und Reproduktion

1.5. Von der Industrie zu Dienstleistungen, Information und Kommunikation

1.6. Zusammenfassung

2. Aspekte von „Arbeit“ in der Gegenwart

2.1. Bedeutung der Erwerbsarbeit als Existenzsicherung

2.2. Identitäts- und Sinnstiftung durch Arbeit

2.3. Arbeit als wert-volle, als Status bestimmende Tätigkeit

2.4. Arbeitszeit in der Unterscheidung zu Freizeit

3. Neue Anforderungen an die Arbeitswelt zu Beginn des 21. Jahrhunderts

3.1. Gesellschaft

3.2. Wirtschaft

3.3. Unternehmen

3.4. Arbeitnehmer

4. Zukunftsprognosen

4.1. Arbeitszeitmodelle in der Postmoderne

4.2. Alternativen zur Erwerbsarbeit

4.3. Exkurs: Der Nonprofit-Bereich als „Dritter Sektor“

5. Zwischenergebnis

Teil II: Beobachtungen aus der Lebens- und Arbeitswelt

6. Berufswahl in der Praxis

6.1. Grundlegende Überlegungen zur Sozialisation für und durch den Beruf

6.2. Zur Ausbildung von Berufswahlkompetenzen in der Primärsozialisation

6.3. Beobachtungen aus der Berufswahlpraxis von Jugendlichen

6.4. Erwartungen an die Berufsanfänger

7. Die Vorstellungen der Jugendlichen selbst

7.1. Generelle Beobachtungen zu den Sinnvorstellungen von Jugendlichen

7.2. Umfrage-Ergebnisse zu den Erwartungen von Jugendlichen

7.2.1. Ansprüche an den Beruf

7.2.2. Zukunftskonzepte/Lebenslauferwartungen

7.2.3. Wertorientierungen

8. Gegenüberstellungen Umfrage-Ergebnisse – Thesen zum Wandel der Arbeit

8.1. Werden die in Teil I aufgestellten Thesen in der Praxis berücksichtigt?

8.2. In welchen Bereichen gibt es Korrektur- und Handlungsbedarf?

8.3. Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht den Wandel des Arbeitsmarktes und seine Auswirkungen auf die Lebensplanung heutiger Jugendlicher. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Jugendliche die veränderten Bedingungen des Arbeitsmarktes bewerten, welche mentalen Anpassungen notwendig sind und wie diese in den Prozess der Identitätsfindung und Berufswahl integriert werden können.

  • Historischer Wandel des Arbeitsbegriffs und dessen sozio-kulturelle Prägung.
  • Neue Anforderungen der Arbeitswelt zu Beginn des 21. Jahrhunderts an Gesellschaft, Unternehmen und Arbeitnehmer.
  • Empirische Beobachtungen zum Berufswahlverhalten von Jugendlichen und deren Sinnvorstellungen.
  • Kritische Gegenüberstellung von theoretischen Thesen zum Wandel der Arbeit und den Erwartungen der Jugendlichen.
  • Anforderungen an zukunftsorientierte Bildungsmodelle zur Förderung von Berufswahlkompetenz.

Auszug aus dem Buch

1.1. Antike: Arbeit als Gegenwelt zur Gesellschaft

In der griechischen Polis und im antiken Rom definierte sich Freiheit vornehmlich durch das Freisein von Arbeit. Arbeit gehörte nach Aristoteles zum Bereich des Notwendigen. Darin unterschied sich Arbeit vom praktischen Handeln, das über bloße Nützlichkeit hinausging. „Gesellschaft (...) wurde als Gegenwelt zur Arbeit definiert und durch die Kunst des öffentlichen Austausches, der Muße und des politischen Handelns ausgefüllt.“4 Daher wurde von jedem, der nicht körperlich arbeiten musste, ein qualitativer Beitrag für das Gemeinleben in politischen Ämtern gefordert.

Der Arbeitsbegriff umfasste in der Antike nur die körperliche Arbeit; geistige Tätigkeit wurde als gesellschaftliches Privileg angesehen. Schwere körperliche Arbeiten wurden nur von Sklaven verrichtet, handwerkliche Arbeit vom Mittelstand; dagegen war der begüterten Schicht, den Philosophen und Staatsmännern die Muße als Privileg der Reichen vorbehalten. Sie definierte den Stand derer, die nicht für ihren Lebensunterhalt arbeiten mussten, sondern sich befreit von der Last des täglichen Broterwerbs anderen Dingen wie der Kontemplation, der Diskussion und Spielen widmen konnten. Muße bezeichnete das „tätige Nichtstun“, also eine spezifische Form der schöpferischen Verwendung von freier Zeit. Sie galt als Möglichkeit und zugleich Bedingung der Selbstfindung und der Selbstverwirklichung.

Mit dem Arbeitsbegriff der Antike war also keine Wertschätzung verbunden, dem Arbeitenden war sogar im Gegenteil ein höherer gesellschaftlicher Rang verwehrt. „Schloss damals Arbeit die Menschen von der Gesellschaft aus, so ist Arbeit heute zum fast alternativlosen Wert und Integrationskern moderner Gesellschaften geworden.“5

Zusammenfassung der Kapitel

1. Der Arbeitsbegriff im historischen Wandel: Analysiert die Entwicklung von der Antike bis zum Industriezeitalter, um den Arbeitsbegriff als sozio-kulturell geprägte Kategorie zu verdeutlichen.

2. Aspekte von „Arbeit“ in der Gegenwart: Beleuchtet die moderne Bedeutung von Erwerbsarbeit hinsichtlich Identitätsstiftung, Statuszuweisung und der Dichotomie von Arbeit und Freizeit.

3. Neue Anforderungen an die Arbeitswelt zu Beginn des 21. Jahrhunderts: Beschreibt technologische und strukturelle Veränderungen sowie die resultierenden neuen Qualifikationsanforderungen an Individuen und Organisationen.

4. Zukunftsprognosen: Diskutiert alternative Arbeitszeitmodelle und die Notwendigkeit, den Arbeitsbegriff in Richtung einer pluralen Tätigkeitsgesellschaft zu erweitern.

6. Berufswahl in der Praxis: Untersucht die Rolle von Elternhaus, Schule und Berufsberatung im Prozess der Sozialisation für den Beruf.

7. Die Vorstellungen der Jugendlichen selbst: Fasst Umfrageergebnisse zu Werten, Sinnvorstellungen und Zukunftsplanungen junger Menschen zusammen.

8. Gegenüberstellungen Umfrage-Ergebnisse – Thesen zum Wandel der Arbeit: Reflektiert den Handlungsbedarf für Bildungseinrichtungen, um Jugendliche auf die veränderte Arbeitswelt vorzubereiten.

Schlüsselwörter

Arbeitssoziologie, Wandel der Arbeit, Jugend, Berufswahl, Identitätsfindung, Tätigkeitsgesellschaft, Erwerbsarbeit, Sozialisation, Arbeitsmarkt, Selbstbestimmung, Lebensentwurf, Bildungsanspruch, Wertorientierung, Postmoderne, Berufsberatung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Wandel der Arbeitswelt und untersucht, welche Konsequenzen dieser Wandel für die Lebensplanung und Berufswahl heutiger Jugendlicher hat.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind der historische Wandel des Arbeitsbegriffs, die psychologische Bedeutung von Arbeit für die Identitätsbildung sowie die strukturellen Anforderungen an Bildung und Schule im 21. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Jugendliche auf die veränderte Arbeitsmarktlage reagieren und wie sie bei der Entwicklung notwendiger Kompetenzen für eine neue, pluralistische Tätigkeitsgesellschaft unterstützt werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse soziologischer Fachliteratur sowie auf die Auswertung umfangreicher empirischer Umfragedaten zu den Werten und Zukunftshoffnungen junger Menschen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundannahmen zum Wandel der Arbeit und einen empirischen Teil, der das Berufswahlverhalten von Jugendlichen und die Diskrepanz zwischen ihren Vorstellungen und der realen Arbeitsmarktsituation untersucht.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Identitätsstiftung durch Arbeit, Bastelbiografie, Berufswahlkompetenz und die Unterscheidung zwischen Wunsch- und Realkonzepten.

Wie bewertet die Autorin die Rolle der Schule bei der Berufswahl?

Die Autorin kritisiert, dass Schulen häufig isoliert von der gesellschaftlichen Realität agieren und eher formale Qualifikationen vermitteln, statt die notwendige allgemeine Berufskompetenz und Selbstbestimmungsfähigkeit zu fördern.

Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit für die Zukunft?

Es wird gefordert, dass Bildungseinrichtungen junge Menschen dazu befähigen, Arbeit als einen Teilbereich einer pluralen Lebenswelt zu verstehen, statt sich einseitig auf eine zunehmend unsichere Erwerbskarriere zu fixieren.

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Details

Title
Markt der Visionen oder Illusionen - Der Arbeitsmarkt im Hinblick auf die Berufswahl von Jugendlichen heute
College
University of Hagen
Grade
2,6
Author
Carola Nierendorf (Author)
Publication Year
2002
Pages
90
Catalog Number
V5723
ISBN (eBook)
9783638135207
ISBN (Book)
9783638901284
Language
German
Tags
Arbeitsmarkt; Jugendliche
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Carola Nierendorf (Author), 2002, Markt der Visionen oder Illusionen - Der Arbeitsmarkt im Hinblick auf die Berufswahl von Jugendlichen heute, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5723
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