Stereotype als Bestandteile des menschlichen Denkens, Sprechens und Handelns sind seit der Einführung des Begriffs in den zwanziger Jahren ein Interessenpunkt für verschiedene Disziplinen, wie etwa für Sozialpsychologie, Psychologie, Linguistik und Literaturwissenschaft, was natürlich zur Folge hat, dass der Begriff und seine Definition stark umstritten wird.
In dieser Arbeit geht es um die verschiedenen Aspekte des Stereotypenbegriffs aus der Sicht verschiedener Disziplinen, jedoch hauptsächlich um die Sicht aus (sozio-)linguistischer Perspektive.
Ein Querschnitt von diversen Stereotypenkonzepten wird dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition des Stereotypenbegriffs
2.1. Der Lippmannsche Stereotypenbegriff in den Sozialwissenschaften
2.2. Abgrenzung der Begriffe ‚Vorurteil’ und ‚Stereotyp’
2. 3. Stereotyp in der Linguistik
2.3.1. Wertende Stereotype
2.3.2. Normative Stereotype
3. Soziologischer Aspekt des Stereotyps
3.1. Die Entstehung und das Erlernen von Stereotypen
3.2. Ethnozentrismus
3.3. Gruppenaspekte
4. Funktionen von Stereotypen
4.1. Kognitive Kategorisierung
4.2. Soziale Funktionen
4.3. Psychische Funktionen
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff des Stereotyps aus einer interdisziplinären Perspektive, wobei ein besonderer Fokus auf die (soziolinguistische Analyse und die Funktionen von Stereotypen in der gesellschaftlichen Kommunikation gelegt wird.
- Historische Herleitung und Definition des Stereotypenbegriffs
- Abgrenzung von Stereotypen zu Vorurteilen
- Linguistische Klassifizierung und Funktion von Stereotypen
- Soziologische Aspekte der Stereotypenbildung und Gruppenidentität
- Psychologische Funktionen bei der Identitätsbildung
Auszug aus dem Buch
2.1. Der Lippmansche Stereotypenbegriff in den Sozialwissenschaften
Walter Lippmann, Publizist und Sozialwissenschaftler, entnahm den Begriff Stereotyp aus der Buchdrucksprache und verwendete ihn sozialwissenschaftlich zum ersten Mal 1922 in seinem Buch „Public Opinion“. In der Sprache des Buchdrucks bedeutet ‚Stereotypie’, so erklärt Angelika Wenzel, ein Verfahren zur Vervielfältigung von Hochdruckformen, dessen Ergebnis Schriftsätze sind, „die aus unbeweglich verbundenen Druckzeilen bestehen“. Zur weiteren Bestimmung des Begriffs tragen die Gleichförmigkeit und die Unveränderlichkeit der in diesem Verfahren entstandenen Sätze bei. Der Begriff Stereotyp wird seit dem 19. Jh. auch in übertragener Bedeutung von ‚feststehend’, ‚unveränderlich’, ‚sinnentleert’ und ‚ständig wiederkehrend’ gebraucht. Die eigentliche Verwendung dieses Begriffs in der Sozialwissenschaft geht jedoch über die umgangssprachliche Verwendung hinaus. Lippmann führt diesen Begriff ein, um damit die Prozesse der sozialen Urteilsbildung zu benennen. „Er versteht das Stereotyp als ein rationelles Verfahren des Individuums zur Reduktion der Komplexität seiner realen Umwelt.“
Der Lippmannsche Stereotypenbegriff wird von verschiedenen Autoren in ähnlicher Interpretation aufgegriffen. Die Sozialpsychologin Waldemar Lilli bemerkt, ebenso wie andere Autoren, dass Lippmann Stereotype als ‚Bilder in unserem Kopf’ bezeichnet, mit denen er die Vorstellungen meint, die wir über die äußere Welt haben, die aber mit der wirklichen Welt nicht übereinstimmen müssen, jedoch unser Verhalten stärker beeinflussen als die wirklich bestehenden Bedingungen. In dem er die ‚Pseudo-Welt’ bzw. die ‚Bilder in unserem Kopf’ und die äußere, wirkliche Welt grundlegend voneinander trennt, weist Lippmann, so interpretiert Lilli, auf den Zwiespalt zwischen den inneren Vorgängen des Wahrnehmens und Denkens und den äußeren Vorgängen in der Umwelt hin, sowie darauf, dass die im Kopf entstehenden Bilder Vorstellungen sind, die noch vor der wirklichen Erfahrung entstehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die disziplinübergreifende Relevanz von Stereotypen und legt den Aufbau sowie das Ziel der Arbeit fest, einen Überblick über den Begriff aus soziolinguistischer Sicht zu geben.
2. Definition des Stereotypenbegriffs: Dieses Kapitel erörtert die Entstehungsgeschichte des Begriffs, beginnend bei Lippmann, und differenziert zwischen Vorurteilen sowie linguistischen Kategorisierungen.
3. Soziologischer Aspekt des Stereotyps: Hier werden die Ursachen von Stereotypen, deren Erwerb im Sozialisationsprozess und das Konzept des Ethnozentrismus als soziologische Faktoren behandelt.
4. Funktionen von Stereotypen: Das Kapitel analysiert die kognitive, soziale und psychische Entlastungsfunktion, die Stereotype für das Individuum und die Gesellschaft erfüllen.
5. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert die gewonnenen Erkenntnisse über die Bedeutung von Stereotypen als notwendige, aber auch potenziell konfliktreiche Werkzeuge der Orientierung in der Kommunikation.
Schlüsselwörter
Stereotyp, Vorurteil, Soziolinguistik, Sozialpsychologie, Lippmann, Wahrnehmung, Kategorisierung, Identität, Gruppenidentität, Ethnozentrismus, Kommunikation, Schematheorie, soziale Normen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Definition, Entstehung und den Funktionen von Stereotypen in der menschlichen Wahrnehmung und Kommunikation aus soziologischer und soziolinguistischer Sicht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die wissenschaftliche Begriffsgeschichte, die psychologische Kategorisierung, soziologische Gruppenaspekte und die linguistische Einordnung von Stereotypen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, einen Querschnitt verschiedener Stereotypenkonzepte darzulegen und die Funktionen von Stereotypen – sowohl als notwendige Orientierungshilfe als auch als potenzielle Quelle für Missverständnisse – zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und dem Vergleich verschiedener wissenschaftlicher Definitionen (u.a. von Lippmann, Quasthoff und Wenzel).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Definition des Begriffs, soziologische Faktoren wie den Ethnozentrismus sowie die kognitiven, sozialen und psychischen Funktionen von Stereotypen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Stereotyp, Vorurteil, Kategorisierung, Ethnozentrismus, soziale Identität und Schematheorie.
Warum unterscheidet die Autorin zwischen wertenden und normativen Stereotypen?
Die Unterscheidung erfolgt, um besser erklären zu können, ob ein Stereotyp primär eine subjektive Wertung darstellt oder als auffordernder Imperativ für gesellschaftliches Verhalten fungiert.
Welche Rolle spielen Medien bei der Entstehung von Stereotypen?
Medien tragen maßgeblich zur Perpetuierung populärer Stereotype bei, da sie Bilder an eine breite Zielgruppe vermitteln, die nur schwer durch persönliche Erfahrungen korrigiert werden können.
Wie hängen Ich-Schwäche und die Verwendung von Stereotypen zusammen?
Laut der Arbeit dienen Stereotype bei Individuen mit geringerem Selbstvertrauen als Verteidigungsmechanismus, um die eigene Identität durch eine übertriebene Bindung an die Eigengruppe (Wir-Gruppe) zu sichern.
- Arbeit zitieren
- Kader Aki (Autor:in), 2004, Stereotype in der soziologischen und soziolinguistischen Forschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57399