Im Rahmen dieser Arbeit soll das Paradoxon zwischen Aufklärung und Machtsteigerung in Teilen ergründet werden. Anhand der wesentlichen Reformen, mit denen Friedrich II. Preußen veränderte und formte, sollen die jeweiligen Intentionen abgeleitet werden, um das ursprüngliche Rational von Friedrich II. in seinem Handeln zu erkennen.
Durch bekannte Zitate wie zum Beispiel "In meinem Staate kann jeder nach seiner Fasson selig werden" oder "Ich will der erste Diener meines Staates sein." wird Friedrich II. von Preußen als aufgeklärter Monarch gewertet. Er wurde als Intellektueller auf dem Thron gesehen und mit den Ideen der Aufklärung in Verbindung gebracht. Aufgrund seines fortschrittlichen Herrschaftsverständnisses, seiner Selbstauffassung und dem klaren Bekenntnis zum rationalen Naturrecht wird Friedrich II. von Preußen auch als Friedrich der Große bezeichnet. Vertreter der Aufklärung bezeichneten ihn als ein Musterbeispiel des aufgeklärten Fürsten.
Doch Kritiker beschreiben Friedrich II. als einen machtorientierten und preußischen Herrscher, der nur rational zur Erhaltung der außen- und innenpolitischen Macht Preußens handelte. Daneben urteilte die britische Historikerin C.B.A. Behrens den preußischen Staat unter Friedrich dem Großen als "the most militaristic state in Europe". Friedrich II. führte mit diesem preußischen Staat unter aggressiven Expansionsabsichten mehrere verlustreiche und Kriege.
Zwischen diesen Wertungen besteht auf den ersten Blick ein gewisses Paradoxon. Friedrich II. konnte kein intellektueller Monarch im Sinne der Aufklärung sein und gleichzeitig denn preußischen Staat zum militärisch ausgeprägtesten Staat in Europa formen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der aufgeklärte Absolutismus
3. Die Geschichte des preußischen Absolutismus
3.1. Die Entstehung des preußischen Staates
3.2. Der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I.
3.3. Preußen unter Friedrich dem Großen
4. Aufgeklärter Absolutismus oder rationale Effizienzsteigerung?
4.1. Beschreibung der These
4.2. Analyse der Reformen unter Friedrich II. hinsichtlich rationaler Gründe
4.2.1. Justizreform
4.2.2. Religionspolitik
4.2.3. Ökonomischen Reformen
4.2.4. Bildungspolitik
4.3. Folgerungen für die Effizienzsteigerung Preußens
5. Fazit
5.1. Zusammenfassung
5.2 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Bild Friedrichs II. als "aufgeklärter Monarch" und seinem Handeln als machtorientierter, rationaler "Kriegsfürst". Ziel der Arbeit ist es, durch die Analyse zentraler Reformen zu ergründen, ob diese tatsächlich von aufklärerischen Idealen geprägt waren oder primär der militärischen und ökonomischen Effizienzsteigerung des preußischen Staates dienten.
- Historische Entwicklung des preußischen Absolutismus
- Die Rolle Friedrichs II. im Kontext der Aufklärung
- Analyse der Justiz-, Religions-, Ökonomie- und Bildungsreformen
- Untersuchung der Machtinteressen hinter staatlichen Modernisierungsmaßnahmen
- Synthese von ökonomischer Kraft und militärischer Leistungsfähigkeit
Auszug aus dem Buch
4.2.2. Religionspolitik
Friedrich der Große führte eine sehr liberale Religionspolitik. Er wollte seinen Untertanen Freiheiten und Rechte in der Ausübung ihrer Religion gewähren. Als eine Randbemerkung Friedrichs II. von Preußen zum Bericht des Fiskals Uhden von 1740 ist zu lesen: „Die Religionen müßen alle tolleriret werden und muß der Fiscal nur das Auge darauf haben, das keine der andern Abbruch tuhe, den hier muß ein jeder nach seiner Fasson selich werden.“ Nach Friedrichs II. Einschätzung waren alle Religionen gleich gut. In der biographischen Literatur über Friedrich II. wird teilweise beschrieben, dass dieser aufgeklärte Gedanke der toleranten Religionspolitik eine Folge Friedrichs II. eigener Verheimlichung seiner religiösen Überzeugungen gegenüber seinem Vater in Jugendjahren sei. Ob diese persönliche Erfahrung der wahre Beweggrund für Friedrichs II. liberale Einstellung zur Religion war, kann nicht genau nachgewiesen werden. Einer liberalen Religionspolitik im Sinne der aufklärerischen Entwicklungstheorie des Menschen stehen der Theorie jedoch zwei rationale Argumente gegenüber. In einem seiner politischen Testamente führt Friedrich der Große seine Religionspolitik weiter aus: „Die Geistlichen und die Religionen Katholiken, Lutheranter, Reformierte, Juden und zahlreiche andere christliche Sekten wohnen in diesem Staat und leben friedlich zusammen. Wenn der Herrscher aus falschem Eifer auf den Einfall käme, eine dieser Religionen zu bevorzugen, so würden sich sofort Parteien bilden, heftige Dispute ausbrechen, allmählich Verfolgungen beginnen, und schließlich würde die verfolgte Religion ihr Vaterland verlassen, und Tausende von Untertan würden unsere Nachbarn mit Gewerbefleiß bereichern und deren Volkszahl mehren.“ In diesem Zitat ist deutlich zu erkennen, dass durchaus rationale Gründe hinter der liberalen Religionspolitik standen. Zum einen wollte er soziale Konflikte innerhalb seines Staates durch religionsbedingte Parteieinbildung verhindern und mit einer liberalen Religionspolitik diesen möglichen Störfaktor neutralisieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt das Paradoxon zwischen dem Bild Friedrichs II. als Intellektueller und seiner Rolle als machtorientierter Herrscher dar und formuliert die Forschungsfrage.
2. Der aufgeklärte Absolutismus: Definiert die theoretischen Grundlagen des Absolutismus und des aufgeklärten Absolutismus in der Geschichtswissenschaft.
3. Die Geschichte des preußischen Absolutismus: Skizziert die Staatsbildung Preußens von Friedrich Wilhelm bis zum Amtsantritt Friedrichs II.
4. Aufgeklärter Absolutismus oder rationale Effizienzsteigerung?: Analysiert die Reformen unter Friedrich II. und prüft diese auf ihre tatsächlichen machtpolitischen und ökonomischen Intentionen.
5. Fazit: Führt die Ergebnisse zusammen und bewertet die Reformtätigkeit als Mittel zur Steigerung der staatlichen und militärischen Effizienz.
Schlüsselwörter
Friedrich II., Preußen, Aufgeklärter Absolutismus, Reformabsolutismus, Militärstaat, Rationalität, Machtsteigerung, Religionspolitik, Merkantilismus, Bildungsreform, Justizreform, Soldatenkönig, Volkswirtschaft, Effizienzsteigerung, Machtpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Wirken Friedrichs II. von Preußen und hinterfragt kritisch, ob seine Politik tatsächlich auf aufklärerischen Idealen basierte oder primär der rationalen Stärkung der preußischen Macht diente.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die preußische Geschichte, die politische Theorie des aufgeklärten Absolutismus sowie eine detaillierte Analyse der Reformen in den Bereichen Justiz, Religion, Ökonomie und Bildung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, das Paradoxon zwischen dem philosophisch orientierten "aufgeklärten Herrscher" und dem strategischen "Kriegsfürsten" aufzulösen, indem die Intentionen hinter seinen staatlichen Reformen analysiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung historischer Primärquellen, insbesondere politischer Testamente von Friedrich II., um dessen Handlungsmaximen zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die historischen Grundlagen Preußens erläutert und anschließend vier wesentliche Reformbereiche (Justiz, Religion, Wirtschaft, Bildung) hinsichtlich ihrer Funktionalität für die preußische Staatsmacht untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Friedrich der Große", "Aufgeklärter Absolutismus", "Effizienzsteigerung", "Machtpolitik" und "Merkantilismus" charakterisiert.
Wie bewertet der Autor Friedrichs Religionspolitik im Hinblick auf die Aufklärung?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die liberale Religionspolitik zwar aufgeklärt wirkte, jedoch primär rationalen Zielen diente, wie der Vermeidung sozialer Konflikte und der Sicherung der Einwohnerzahl als ökonomischem Produktionsfaktor.
Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit über Friedrich den Großen?
Die Analyse verdeutlicht, dass Friedrich II. kein rein "aufgeklärter" Monarch war, sondern ein rational handelnder Machtpolitiker, dessen Reformen konsequent der Steigerung der militärischen und ökonomischen Leistungsfähigkeit seines Staates untergeordnet waren.
- Quote paper
- Tobias Müller (Author), 2017, Friedrich der Große. Aufgeklärter Monarch oder rationaler Kriegsfürst?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/580627