Praktikumsbericht: Landesfilmdienst Thüringen e.V. - Zentrum für Medienkompetenz und Service


Praktikumsbericht / -arbeit, 2005

29 Seiten


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS:

1. EINLEITUNG

2. MEDIENPÄDAGOGIK ALS BERUFSFELD
2.1 Der Landesfilmdienst Thüringen e.V., Zentrum für Medienkompetenz und Service
2.1.1 Der Verein
2.1.2 Konzept und Ziele
2.1.3 Angebote und Projekte

3. TÄTIGKEIT WÄHREND DES PRAKTIKUMS
3. 1 Konzipierung eines eigenständigen Projektes

4. WISSENSCHAFTLICHE AUSARBEITUNG ZUM THEMA: Rezeptive und aktive Medienarbeit
4.1 Rezeptive und aktive Medienarbeit
4.2 Die Kombination rezeptiver und aktiver Medienarbeit im Projekt „Literarisches Schreiben: Geschichten erzählen in Text und Film“
4.2.1 Grundlagen: Filmanalyse und literarisches Schreiben
4.2.2 Das Projekt

LITERATURVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

Medien repräsentieren einen Kulturbereich und sind zu einer wichtigen Sozialisationsinstanz geworden. In diesem Zusammenhang ist ganz klar, dass die Prozesse der Mediensozialisation zunehmend pädagogisch bedeutsam werden[1]. In der Literatur wird heute vielfach vom Aufwachsen in Medienwelten gesprochen[2], was im Wesentlichen den Tatbestand abbildet, dass die Welterfahrung von Kindern und Jugendlichen nachhaltig von der Medienvielfalt im Alltag geprägt und strukturiert wird. Kennzeichnend für die Alltagsmedienwelt ist, dass insbesondere das Buch – als eines der ersten Medien nach allgemeinem Verständnis – heute stark in den Hintergrund getreten ist, während Fernsehen und Computerspiele deutlich dominieren[3].

Hinsichtlich dieser Tatsache, habe ich die Medien Buch (genau: literarischer Text) und Film zum zentralen Gegenstand meines Praktikums im Landesfilmdienst Thüringen e.V. gemacht. Der leitende Gedanke dabei war, ein Projekt für Jugendliche zu entwickeln, das die Verbindung von Film und Buch aufschlüsselt und damit einen anderen Blick auf das `gemiedene Medium´ zulässt. Die Grundlage für dieses Projekt ist die Filmanalyse und das Konzept des Creative Writing. Während ersteres ein etablierter Bestandteil der rezeptiven und aktiven Medienarbeit ist, ist letzteres überwiegend separat – außerhalb der medienpädagogischen Arbeit – anzutreffen. Meines Erachtens liegt darin ein großes Defizit, denn wenn auch Medienerziehung und Mediensozialisation deutlich von einander zu trennen sind, beeinflussen sie sich dennoch gegenseitig. So beschreibt Mediensozialisation die (positiven und negativen) Effekte von Medien, die sich „hinter dem Rücken der Subjekte ungewollt einstellen“[4] und Medienerziehung „das pädagogische Handeln, das zur richtigen, d.h. kritisch-reflexiven Aneignung der Medien anleiten soll“[5]. Betrachtet man nun den Fakt, dass sich das medienerzieherische Bemühen hauptsächlich auf die neuen bzw. elektronischen Medien konzentriert, so wird klar, dass sich ein entsprechendes Sozialisationsumfeld entwickelt. Es ist demnach durchaus verständlich, dass das Buch – als Unterhaltungsmedium – zunehmend aus dem Sichtfenster der Jugend rückt.

Interessanter Weise lässt sich diese Tatsache nicht auf das Lesen allgemein beziehen, da als eine Folge der regen Internetnutzung nicht mehr zu bezweifeln ist, dass Kinder und Jugendliche mehr lesen als je zuvor. Doch wie auch der Umgang mit elektronischen Medien, erfordert der Text sowohl in seiner Rezeption als auch bei der Produktion gewisse Fähigkeiten und Kenntnisse.

Der Ansatz und der theoretische Hintergrund des aus diesen Überlegungen entstandenen Projektes soll der wissenschaftliche Gegenstand der folgenden Arbeit sein.

2. MEDIENPÄDAGOGIK ALS BERUFSFELD

„Medienpädagogik besteht aus einer Ansammlung von unterschiedlich großen Häusern, Baracken, Baustilen, Straßenplänen.“[6]

Dieter Baacke (1985)

Wie dieses noch heute aktuelle Bild der Medienpädagogik von Baacke andeutet, unterliegt das Berufsfeld gewissen Problematiken, welche sich aus drei miteinander verknüpften Faktoren ergeben: die gesellschaftliche Anerkennung, die Qualifikationsprofile und das Selbstverständnis. Die jeweilige Problematik besteht dabei in den Widersprüchlichkeiten bzw. Ungereimtheiten innerhalb dieser Faktoren.

Die gesellschaftliche Anerkennung betreffend, lässt sich zunächst ein tendenzieller Wachstum feststellen, welcher sich im Erkennen der Wichtigkeit und Notwendigkeit medienpädagogischer Arbeit begründet. Die Vermittlung von Medienkompetenz – der Fähigkeit zum kritisch-reflexiven Umgang mit Medien[7] – ist dabei der zentrale Begriff und oberstes Ziel. Widersprüchlich ist in diesem Zusammenhang jedoch die mangelhafte Umsetzung dieses Ziels, wofür Finanzierungsprobleme die häufigste Ursache sind.

In enger Verbindung mit diesem Aspekt steht die Problematik der Ausbildung in der Medienpädagogik und den dadurch entstehenden Qualifikationsprofilen. So ist es zwar `üblich´, dass eine Hochschulsausbildung die Grundlage darstellt[8], wobei jedoch kein Studiengang favorisiert wird. Demnach kann, etwas salopp gesagt, jede/r Medienpädagogin/e werden, die/der es möchte. Die Ausbildung zur/m Medienpädagogin/en erfolgt demnach beispielsweise (und wenn überhaupt) als Ausbildungsschwerpunkt, Wahlpflichtfach, Zusatzangebot oder über vereinzelte Lehrveranstaltungsangebote der universitären Studiengänge Erziehungswissenschaft, Journalismus, Kommunikationswissenschaft, Psychologie, Soziologie, dem Lehramtsstudium oder der Fachhochschulstudiengänge Sozialpädagogik und Sozialarbeit. Daraus ergibt sich eine unüberschaubare Landschaft an Qualifikationsprofilen. Dieses Qualifikationsdilemma und die Probleme in der Durchsetzung des medienpädagogischen Fachbereichs als eigenständige Disziplin bedingen und verstärken sich gegenseitig[9].

Die Unstrukturiertheit spiegelt sich folglich auch im Selbstverständnis der Medienpädagogik wieder, welches durch das eingangs zitierte Bild eine Formulierung findet. Letztendlich lässt sich heute jedoch bereits eine Tendenz der Bemühung um ein einheitliches Selbstverständnis dieses Berufsfeldes erkennen. Der bereits erwähnte Begriff der Medienkompetenz ist dabei der Ankerpunkt, welcher sich jedoch noch in seiner Behauptungsphase befindet.

2.1 Der Landesfilmdienst Thüringen e.V., Zentrum für Medienkompetenz und Service

2.1.1 Der Verein

Der Landesfilmdienst Thüringen e.V. ist eine soziokulturelle Einrichtung für Jugend- und Erwachsenenbildung und dient der Information, Weiterbildung und Freizeitarbeit. Diesbezüglich werden medienpädagogische Veranstaltungen zum Kennenlernen und Verständnis audio-visueller Medien sowie Maßnahmen zur Entwicklung von Kritikfähigkeit und -bereitschaft gegenüber diesen Medien in der Bevölkerung – vor allem bei Kindern und Jugendlichen – angeboten. Darüber hinaus zählt die Beratung und Unterstützung aller Interessenten in Fragen zu audio-visuellen Medien sowie der Verleih von Filmen und audio-visuellen Arbeitsmitteln zum Angebot. Es besteht eine Zusammenarbeit mit allen Trägern der Informations-, Bildungs- und Freizeitarbeit sowie mit berufständischen, kirchlichen, politischen, kommunalen und staatlichen Organisationen und Dienststellen.[10]

In den speziellen Angeboten werden folgende Medienbereiche abgedeckt: Video, Audio, Fernsehen, Printmedien, Computer, Multimedia, Internet, Film, Fotographie. Die Handlungsfelder erstrecken sich über Projektarbeit, Seminare, Fortbildungen, Analysen, Modellprojekte, Fachtagungen und Wettbewerbe.

Die Räumlichkeiten des LFD befinden sich nahe des Erfurter Stadtzentrums und erstrecken sich über zwei Etagen. Zu diesen Räumlichkeiten zählen das Foto- und Tonstudio, die Medienwerkstatt, verschiedene Lagerräume für Technik, die Mediathek, das Kino und verschiedene Büroräume (worunter sich ein Praktikantenbüro befindet).

Der Mitarbeiterkreis umfasst fünf Personen: den Vorstand, eine Vereinsleiterin, ein Techniker und zwei Medienpädagogen. Auch hier bestätigt sich die eingangs erwähnte Problematik der undefinierten Qualifikationsprofile, da die Ausbildungsrichtungen von Sozialarbeit über Maschinebau bis hin zum Lehramt reichen. Jeder Mitarbeiter (außer der Vorstand) leitet eigene Projekte, während die Betreuung der Mediathek in ständigem Wechsel stattfindet.

Neben dem `feststehenden´ Personal gibt es zahlreiche Praktikantenstellen (bis zu 6 Praktikanten gleichzeitig), die beispielsweise von FSJ’lern, Sozialpädagogen FH und Erziehungswissenschaftlern ausgefüllt werden.

2.1.2 Konzept und Ziele

Das Konzept und damit auch die Ziele des LFD orientieren sich, wie der `Beiname´ „Zentrum für Medienkompetenz und Service“ andeutet, an der Ausbildung von Medienkompetenz. Medienvielfalt wird dabei in erster Linie als positiv bewertet. Die dadurch bedingte Erweiterung der Bildungshorizonte und Beteiligung an der gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Entwicklung sind nur zwei Aspekte für die Untermauerung dieser Einstellung. Dennoch wird der Behauptung, dass Medien auch eine Gefährdung darstellen, ebenso ihre Berechtigung zugestanden. Letzteres ist insbesondere dann anzunehmen, wenn die konsumierten Medieninhalte die Wahrnehmungs- und Verständnisfähigkeit der Rezipienten übersteigen. Die Gefahr, die von Medienprodukten ausgeht, die Rassismus, Pornografie, Kriegs- und Gewaltverherrlichung beinhalten, stellt dabei eine besondere Herausforderung für die medienpädagogische Arbeit dar. In diesem Sinne ist die Entwicklung von Medienkompetenz bei Eltern, Lehrern, Erziehern und natürlich bei Kindern- und Jugendlichen die zentrale Aufgabe des Landesfilmdienstes. Dies erfolgt durch die Koordination und Realisierung von Projekten der Medienarbeit und der medialen Fortbildung. „Jugendkultur ist Medienkultur“ ist dabei das Leitmotiv. Für Kinder und Jugendliche bestehen in der Vertiefung der folgenden Fähigkeiten die konkreten Zielstellungen:

sich mit dem Erleben von Medien auseinander zu setzen und in ihre Lebenszusammenhänge einzuordnen

intuitive und kontrastive Wertungen in einfachen moralischen und ästhetischen Kategorien vorzunehmen

Medienangebote in ethisch-moralischen und ästhetischen Kategorien zunehmend differenzierter zu bewerten und entsprechend auf sie reagieren zu können

Realität und Fiktion unterscheiden zu können

Des weiteren sollen sie die Möglichkeit haben, durch das zielgerichtete Kennenlernen der Medienvielfalt, die Fähigkeit zu entwickeln, Medienangebote zielorientiert auswählen und nutzen zu können. Die Erprobung durch das selbständige Erschaffen von Medienprodukten, die nach eigenen Vorstellungen gestaltet sind, kann so die Erlebniswelt der Kinder und Jugendlichen weitreichend erweitern.

2.1.3 Angebote und Projekte

Die Angebote des Vereins gehen, wie oben bereits angedeutet, in verschiedene Richtungen. Die zentralen Angebote sind zu einen dem Bereich der Medienpädagogik und zum anderen dem des Medienservice zuzuordnen.

Der Medienservicebereich umfasst:

die Mediathek: Die Mediathek umfasst etwa 1400 audio-visuelle Medien (DVD, VHS, 16mm). Dabei handelt es sich u.a. um Filme, die eine besondere Wertschätzung bestimmter Gremien, wie dem Empfehlungsausschuss Medien (EAM), der Bundeszentrale für politische Bildung oder der Stiftung Lesen, erhalten haben.

Kinovorführungen: Der LFD verfügt über einen Kinosaal mit 40 Sitzplätzen. Dort finden regelmäßig Kinovorstellungen für alle Altersgruppen statt, wobei überwiegend Filme aus dem Bestand des Vereins gezeigt werden.

[...]


[1] An dieser Stelle soll angedeutet werden, dass in medienpädagogischen Zusammenhängen Medium nicht in seiner weitesten Bedeutung als `Mittler´ (also auch Flüssigkeiten, Gase etc.) zu verstehen ist, sondern sich durchaus sehr konkret auf das bezieht, was auch umgangssprachlich unter diesem Begriff erfasst wird: „Mittel, das der Vermittlung von Informationen, Unterhaltung und Belehrung dient.“ (Wahrig Fremdwörterlexikon, 2004)

[2] z.B. Vollbrecht, R. (2003): Aufwachsen in Medienwelten; in: Fritz, K., u.a. (Hrsg.)(2003): Mediensozialisation

[3] Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es hier um die Hierarchie unter den genutzten `Alltagmedien´ geht und nicht um Freizeitbeschäftigungen im Allgemeinen. Demzufolge soll auch nicht vermittelt werden, Kinder und Jugendliche würden heute `nur noch vor der Glotze oder dem Computer sitzen´. Repräsentative Studien (z.B. Barthelmes/Sander 2001, Studie des deutschen Jugendinstituts) zur Untersuchung der Bedeutung von Medien im Jugendalter zeigen, dass die Medien bezüglich ihrer Beliebtheit hinter der Freizeitgestaltung im Freien (dazu zählen auch Diskos, Clubs etc.) und mit Freunden deutlich zurück treten und überwiegend dann genutzt werden, wenn nichts anderes zur Verfügung steht.

[4] Fritz, K., u.a. (Hrsg.)(2003): Mediensozialisation, S. 13

[5] Schorb, B. (2005): Medienerziehung; in: Grundbegriffe Medienpädagogik (2005), S. 240

[6] nach Hugger, K.U. (2005): Berufsfeld Medienpädagogik, in: Grundbegriffe Medienpädagogik, S. 39

[7] Die Debatte um den Begriff der Medienkompetenz füllt ganze Bücher. Im Rahmen dieser Arbeit sei jedoch diese knappe begriffliche Eingrenzung genügend.

[8] Es gibt teilweise auch die Möglichkeit in Fachschulen für Erzieher die Fachrichtung der Medienerziehung einzuschlagen.

[9] Es ist schließlich nachvollziehbar, dass ein derart praktisch orientierter Fachbereich, ohne eine gesicherte berufliche Perspektive zu bieten, nur langsam Fortschritte machen kann. Ebenso ist aber verstehbar, dass durch die fehlende Strukturiertheit Unsicherheiten auf der Seite der Kunden und der Geldgeber entstehen, die eine zügigere Etablierung dieses Berufsfeldes hemmen.

[10] (Abk. LFD) Leider kann ich zu diesem Bereich nicht sehr viele Informationen bieten, da sich der LFD zur Zeit meines Praktikums sozusagen in einer `schwebenden Existenz´ befand. Es gab keine feststehende bzw. sichere Strukturen in der Organisation des Vereins. Derzeit befindet sich der Verein in der Aufbereitung. Ich bemühe mich dennoch schemenhaft einige wichtige Aspekte darzustellen.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Praktikumsbericht: Landesfilmdienst Thüringen e.V. - Zentrum für Medienkompetenz und Service
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Institut für Erziehungswissenschaft
Autor
Jahr
2005
Seiten
29
Katalognummer
V58393
ISBN (eBook)
9783638526012
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Praktikumsbericht, Landesfilmdienst, Thüringen, Zentrum, Medienkompetenz, Service, Institut, Erziehungswissenschaft
Arbeit zitieren
Astrid Schäfer (Autor), 2005, Praktikumsbericht: Landesfilmdienst Thüringen e.V. - Zentrum für Medienkompetenz und Service, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58393

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Praktikumsbericht: Landesfilmdienst Thüringen e.V. - Zentrum für Medienkompetenz und Service



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden