Diese Hauptseminarsarbeit versucht die verschiedenen Ebenen der Ironie in Laurence Sterne's Tristram Shandy zu analysieren und greift dabei unter anderem auf Northrops Frye's Konzeption des "ironic mode" zurück.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Northrop Fryes Konzept der Ironie
2.1. Ironic/satiric mode
3. Ironie im Tristram Shandy
3.1. Parodie der Figuren
3.1.1. Parodie von Institutionen und Wissenschaften
3.2. Ironie auf der Handlungsebene
3.3. Spiel mit der Form
3.4. Die Digression als Stilelement
3.5. Metanarrativik bzw. Ironie auf der Erzählerebene
4. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Ebenen der Ironie im Roman „The Life and Opinions of Tristram Shandy, Gentleman“ von Laurence Sterne. Dabei wird erforscht, wie Sterne durch Ironie traditionelle Erzählstrukturen aufbricht und die Unkonventionalität seines Werkes konstituiert.
- Konzeptualisierung der Ironie nach Northrop Frye
- Analyse der Figurenparodie und -stereotypen
- Untersuchung der ironischen Handlungsführung und Zeitstruktur
- Die Rolle der Digression als zentrales, ironisches Stilelement
- Metanarrative Reflexion und das Spiel des Erzählers mit dem Leser
Auszug aus dem Buch
3.1. Parodie der Figuren
Die erste Äußerungsform der Ironie, die ich hier betrachten möchte, ist auf der Ebene der Figuren angesiedelt. Die Charaktere im Tristram Shandy haben gemeinsam, dass sie alle ihre speziellen Eigenwelten haben, in denen sie denken, während der Übergang von der Eigenwelt zur Lebenswelt sich größtenteils problematisch gestaltet. An diesen Übergangsstellen treten immer wieder Missverständnisse auf, weil den Figuren die Fähigkeit fehlt, die Relevanzen im alltäglichen Leben richtig einschätzen zu können. So hört Onkel Toby nicht auf, unentwegt über sein Steckenpferd, den Festungsbau, zu reden, obwohl gerade in einem anderen Zimmer seine Schwägerin in den Wehen liegt und sich einige Komplikationen bei der Geburt eingestellt haben. Toby ist so sehr Gefangener seiner Innenwelt, dass er das Anfertigen einer Brücke für die eingedrückte Nase seines Neffen Tristram mit dem Bau einer Brücke für die Fortifikation verwechselt; jedes Wort, das ihn auch nur im Entferntesten an Kriegsvokabular erinnert, fordert ihn zu langen Erzählungen über seine Armeezeit oder zu Vorträgen über Festungen heraus, stets unterstützt von seinem treuen Diener Trim.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Untersuchungsgegenstands und Erarbeitung eines heuristischen Arbeitskonzepts von Ironie.
2. Northrop Fryes Konzept der Ironie: Darstellung des „ironic mode“ als eine der literarischen Grundmythen zur Kategorisierung von Erzählstrukturen.
3. Ironie im Tristram Shandy: Detaillierte Analyse der ironischen Ausdrucksformen auf den Ebenen der Figuren, Handlung, Form, Digression und Metanarrativik.
4. Schlussfolgerungen: Synthese der Ergebnisse, die Ironie als übergreifendes, kohärenzstiftendes Element des Romans identifiziert.
Schlüsselwörter
Ironie, Laurence Sterne, Tristram Shandy, Northrop Frye, Parodie, Digression, Metanarrativik, Erzählstruktur, Romanform, Literaturtheorie, Autoreferentialität, Avantgarde, literarische Modi.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Laurence Sternes Roman „Tristram Shandy“ unter dem spezifischen Fokus der Ironie und ihrer verschiedenen Ausprägungsformen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Analyse umfasst die Parodie von Figuren, die Ironisierung der Handlungsführung, formale Experimente, den Einsatz von Digressionen sowie die metanarrative Ebene des Erzählens.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die vielfältige Anwendung von Ironie die Unkonventionalität des Romans begründet und als ordnendes Element im scheinbar chaotischen Text fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt als theoretische Grundlage das Ironie-Konzept von Northrop Frye und kombiniert dieses mit textanalytischen Verfahren zur Untersuchung von Sternes spezifischer Erzählweise.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden fünf Kategorien der Ironisierung im Roman detailliert erörtert, von der Figurengestaltung bis hin zum reflexiven Spiel des Erzählers mit dem Prozess des Schreibens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Ironie, Tristram Shandy, Parodie, Digression und Metanarrativik.
Wie parodiert der Roman laut Autor die Figuren?
Sterne parodiert Figuren, indem er sie in festgefahrenen „Eigenwelten“ (z.B. Onkel Tobys Steckenpferd) darstellt, die zu Missverständnissen mit der realen Lebenswelt führen und ihre Handlungen oft lächerlich erscheinen lassen.
Warum wird die Digression als Kern des Werkes bezeichnet?
Digressionen sind laut der Analyse keine bloßen Unterbrechungen, sondern bilden das eigentlich Erzählte selbst, wodurch der Roman die konventionelle Spannungskurve zugunsten eines assoziativen Erzählens aufhebt.
Was ist mit dem „Schreibparadox“ gemeint?
Tristram stellt fest, dass er im Verlauf des Schreibens mehr über sein Leben zu erzählen hat, als er tatsächlich bewältigen kann – je mehr er schreibt, desto mehr wächst der Stoff, was die Zwecklosigkeit des klassischen biographischen Erzählens ironisiert.
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- Jonas Ivo Meyer (Author), 2006, Ironic Mode(s) - Die verschiedenen Ebenen der Ironie im Tristram Shandy, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58439