Burnout. Schicksal, Volkskrankheit oder vermeidbares Phänomen?

Wie sich durch einen Perspektivwechsel innere Stärke finden lässt


Hausarbeit, 2018

14 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Burnout - Modediagnose oder Volkskrankheit?
2.1 Definition
2.2 Stressfaktoren in der Arbeitswelt

3 Relevante Forschung und resultierende Lösungsansätze
3.1 Veränderung der Denkweise – das ABC Modell von Albert Ellis
3.2 Was uns stark macht – Resilienz
3.3 Das Modell der Salutogenese von Aaron Antonovsky

4 Resilienzfaktoren

5 Der Beitrag des Arbeitgebers zur Gesunderhaltung

6 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In den letzten 10 Jahren haben sich Arbeitsunfähigkeiten aufgrund psychischer Erkrankungen mit einer Zunahme von 129% mehr als verdoppelt (Knieps und Pfaff, 2015, S.29). Sie bilden in Deutschland die zweithäufigste Diagnosegruppe mit 40 Millionen Arbeitsunfähigkeitstagen pro Jahr. Gleichzeitig sind sie der häufigste Grund für Frühverrentungen, rund 75.000 Menschen scheiden jährlich aufgrund psychischer Leiden frühzeitig aus dem Erwerbsleben aus. Die Abwesenheitsdauer ist ebenfalls bemerkenswert hoch, im Durchschnitt liegt sie bei 35 Tagen pro Jahr (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, 2014 S.1). Hieraus entsteht ein immenser Schaden für die betroffenen Unternehmen und die Sozialsysteme sowie gravierende Auswirkungen auf die Lebensqualität der Erkrankten.

In dieser Hausarbeit soll zunächst in Kapitel 2 erläutert werden, was unter Burnout zu verstehen ist und welche Stressfaktoren in der Arbeitswelt von Bedeutung sind. Daran anknüpfend wird in Kapitel 3 dargestellt zu welchen Erkenntnissen die Verhaltensforschung in diesem Zusammenhang kommt und aufgezeigt, welchen Einfluss das eigene Denken und die subjektive Bewertung von Ereignissen auf das Stressempfinden haben. Kapitel 4 gibt einen Überblick über die protektiven Faktoren der Resilienz. Da nicht nur das Individuum seine Aufgaben im Gesunderhaltungsprozess hat, sondern auch das Unternehmen, und die Unternehmenskultur einen bedeutenden Einfluss auf die Arbeitsumgebung und das Entstehen einer Belastungssituation hat, soll in Kapitel 5 auch diese Komponente und Ihre Rolle im Gesundheitsmanagement in die Betrachtung einbezogen werden.

2 Burnout - Modediagnose oder Volkskrankheit?

2.1 Definition

Burnout (ausgebrannt sein) ist derzeit in aller Munde. Der Begriff wurde in den 70er Jahren von Herbert Freudenberger geprägt und bezeichnet einen Zustand der totalen Erschöpfung, der mit Niedergeschlagenheit, Ermüdung, Distanzierung, Zynismus, Motivationsmangel und körperlichen Beschwerden einhergeht (vgl. Freudenberger, 1974, S.159-165).

Auch wenn die Weltgesundheitsorganisation das Burnout als Zustandsbeschreibung oder Zusatzdiagnose und nicht als eigenes Krankheitsbild ansehen, bleibt der Sachverhalt, dass viele Menschen in ihren verschiedenen Rollen und Aufgaben überlastet sind und dies zur Ausbildung psychosomatischer Krankheiten führen kann.

2.2 Stressfaktoren in der Arbeitswelt

Der Autor dieser Arbeit macht im Bankenwesen folgende Beobachtung:

Die Finanzwirtschaft unterliegt nach der Finanzkrise einem massiven Umbruch. Wettbewerbsdruck durch Digitalisierung und Globalisierung sowie Ertragseinbrüche aufgrund der andauernden Niedrigzinsphase machen Fusionen, Outsourcing und Umstrukturierungen notwendig. Der bisher als sicher geltende Arbeitsplatz ist zunehmend in Gefahr. Diese Tatsache, und das durch immer weniger Arbeitskräfte und zunehmende Regulatorik erhöhte Arbeitsaufkommen, führt zu einer Verunsicherung die sich vielfach in Frustration, Absentismus und einer Zunahme psychosomatischer Erkrankungen Ausdruck verschafft. Hier stellt sich die Frage was genau den Stress auslöst und was man gegen Überlastungsgefühle und gegen die Bedrohung der Gesundheit konkret tun kann.

Bei einer Erwerbstätigenbefragung von rund 20.000 Arbeitnehmern, die in Deutschland in 2012 im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin durchgeführt wurde, wurden die Belastungsfaktoren Multitasking, zunehmender Termin- und Leistungsdruck, häufige Arbeitsunterbrechungen und der Anspruch, schnell arbeiten zu müssen, am häufigsten genannt (Lohmann-Haislah, 2012, S.34). Überhöhte Anforderungen, eine andauernd hohe Arbeitsintensität, geringe Selbstbestimmung, schlechte soziale Beziehungen, ethische Konflikte sowie Arbeitsplatzunsicherheit zählen ebenfalls zu den Risikofaktoren (vgl. Eurofound Fifth European Working Conditions Survey, 2012, Seite 52 ff.).

In den letzten Jahren haben sich, insbesondere durch die Digitalisierung und Dienstleistungsorientierung, die Arbeitsbedingungen vieler Arbeitnehmer geändert, was folglich zu veränderten Belastungssituationen führte. Diese schlagen sich vor allem im psychischen Anforderungsbereich nieder. Nach Uhle und Treier (2013) aber auch Junghanns und Morschhäuser (2013) handelt es sich dabei im Wesentlichen um die nachfolgenden Faktoren:

1. Arbeitsverdichtung – Personalabbau, Fehlzeiten und Mehrarbeit
2. Beschleunigung – lebenslanges Lernen, Halbwertzeit des Wissens
3. Dienstleistungsorientierung – Emotions- und Interaktionsarbeit
4. Entgrenzung – verschwimmende Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit
5. Flexibilisierung – flexible Arbeitszeitmodelle und Telearbeit
6. Informatisierung – hohe Geschwindigkeit, stete Erreichbarkeit, Multitasking
7. Subjektivierung – Eigenverantwortung, Anpassungsfähigkeit

(vgl. Uhle und Treier, 2013, S. 48 ff.; vgl. Junghanns und Morschhäuser 2013, S. 10).

Wenngleich viele dieser Faktoren vom Individuum nur wenig beeinflusst werden können, so fällt doch auf, dass es Menschen gibt, die scheinbar problemlos mit den Herausforderungen umgehen während andere unter denselben Bedingungen zerbrechen. Woran liegt das? Welche Schlüsselqualifikationen zur Stressbewältigung werden benötigt? Kann man Widerstandsfähigkeit überhaupt lernen oder ist sie Schicksal oder genetisch determiniert? Auf diese Fragen soll anhand der nachfolgenden Ausführungen näher eingegangen werden.

3 Relevante Forschung und resultierende Lösungsansätze

3.1 Veränderung der Denkweise – das ABC Modell von Albert Ellis

„Es sind nicht die Dinge die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben“ (Epiktet)

Wie schon der griechische Philosoph wies auch Albert Ellis, der Begründer der Rational-Emotiven-Verhaltenstherapie, bereits in den 1960er Jahren in seinem ABC-Modell auf das Zusammenwirken von

A: activating experiences =aktivierende Erfahrungen (Ereignisse)

B: believes =Überzeugungen (Bewertungen)

C: consequences =daraus folgende Konsequenzen (Handeln, Empfinden) hin (vgl. Ellis und Joffe-Ellis, 2012, S. 23 ff.)

Demnach bestimmen unsere Überzeugungen (leider auch die irrationalen), wie wir ein bestimmtes Ereignis wahrnehmen. Der Mensch ist sich meist nur der Verbindung von A zu C bewusst, B wird nicht wahrgenommen. Die irrationalen Überzeugungen sabotieren unsere Gedanken und bilden den Nährboden für negative Emotionen wie Angst, Schuld, Ärger, Wut, Scham und Depressionen (vgl. Spörrle, 2006, S. 16 ff.). Drei irrationale Annahmen, die gesundheitsbedrohend sein können, seien hier beispielhaft genannt:

1. „Ich muss überaus kompetent und erfolgreich sein, sonst bin ich wertlos“ (Perfektionismus)
2. „Wenn ich diese Stelle nicht kriege, werde ich nie wieder eine Chance bekommen“ (Schwarz-Weiß-Denken)
3. „Wenn ich die Prüfung nicht bestehe, werde ich nie eine Stelle bekommen, arbeitslos bleiben, arm und allein sein“ (Katastrophendenken).

Ellis setzte als Therapie dem ABC noch ein D und E hinzu:

D: dispute (Angriff, Anfechtung der irrationalen Überzeugungen)

1. Gibt es einen Beweis für meine Annahme/Überzeugung?
2. Was spricht dagegen?
3. Was kann schlimmstenfalls passieren, wenn ich diese Annahme aufgebe?
4. Was ist das Beste, das dann passieren kann?

E: effects (positive Auswirkungen der Anfechtung irrationaler Überzeugungen).

Denkfehler wie Ignoranz des Positiven, Übertreibung des Negativen, Verall-gemeinerungen von negativen Eindrücken, passieren oft unbewusst und bestimmen unser Denken und Tun. Uns diese Irrationalen Überzeugungen bewusst zu machen, sie zu hinterfragen und eben auch zu falsifizieren ist ein wesentlicher Schritt hin zu einer Reduzierung des Stresserlebens (vgl. Spörrle, 2006, S. 17).

3.2 Was uns stark macht – Resilienz

„Wenn alles gegen dich zu laufen scheint, erinnere dich daran, dass das Flugzeug gegen den Wind abhebt, nicht mit ihm“ (Henri Ford)

Der Begriff Resilienz entstammt der Physik/Werkstoffkunde und beschreibt dort die Eigenschaft eines Werkstoffes, nach Verformung durch Druck und Belastung von außen wieder in die ursprüngliche Form zurückzufinden. In der Entwicklungs-psychologie bezeichnete er zunächst die Widerstandsfähigkeit von Kindern (Stangl Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik).

Als Pionierstudie der Resilienzforschung wird die Kauai Longitudinal Study von Emmy Werner und Ruth Smith angesehen. In den 1950er Jahren starteten sie die Längsschnittstudie an 698 Kindern auf Kauai, die in schwierige, problembehaftete Verhältnisse hineingeboren wurden. Das in 1977 veröffentlichte Ergebnis zeigt auf, dass sich immerhin etwa 1/3 der Kinder trotz dieser widrigen Umstände zu leistungsfähigen, zuversichtlichen und fürsorglichen Erwachsenen entwickelt hatten. Diese Kinder bezeichneten Werner und Smith als resilient (vgl. Fröhlich-Gildhoff und Rönnau-Böse, 2015, S. 16).

In den 90er Jahren beschäftigten sich immer mehr Experten mit der Frage, was Erwachsene angesichts widriger Umstände gesund hält. Resilienz entsteht meist früh, hat eine genetische Komponente, lässt sich aber auch erlernen, verlernen und wieder erlernen. Sie ist nicht, wie zu Beginn der Resilienzforschung angenommen, einfach nur angeboren, sondern entwickelt sich in einem Interaktionsprozess zwischen Individuum und Umwelt (vgl. Fröhlich-Gildhoff und Rönnau-Böse. 2015, S. 10) Sie basiert auf Lebenseinstellung und Verhalten. Sich auch mal schwierigen Aufgaben zu stellen, diese zu meistern und aus den Erfolgen gestärkt hervor zu gehen, führt zu einer Erhöhung dieser Widerstandskraft. Man wächst also tatsächlich mit seinen Aufgaben.

3.3 Das Modell der Salutogenese von Aaron Antonovsky

Aaron Antonovsky beschäftigte sich in seinem Modell der Salutogenese mit einem angrenzenden Wissensgebiet und dabei mit der Frage: Was hält den Menschen gesund?

Es geht dabei um die Entstehung von Gesundheit, und nicht, wie in der Pathogenese, um die Enstehung und Entwicklung einer Krankheit. Dieses Modell wirkte sehr stimulierend auf die Forschung, obwohl es bis heute nicht empirisch bestätigt werden konnte (vgl. Hähner-Rombach, 2014, S. 221 ff.).

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Burnout. Schicksal, Volkskrankheit oder vermeidbares Phänomen?
Untertitel
Wie sich durch einen Perspektivwechsel innere Stärke finden lässt
Hochschule
Donau-Universität Krems - Universität für Weiterbildung
Note
2
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V585261
ISBN (eBook)
9783346174840
ISBN (Buch)
9783346174857
Sprache
Deutsch
Schlagworte
burnout, perspektivwechsel, phänomen, schicksal, stärke, volkskrankheit
Arbeit zitieren
Sandra Mandera (Autor), 2018, Burnout. Schicksal, Volkskrankheit oder vermeidbares Phänomen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/585261

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