Das Thema meiner Arbeit lautet: ‚Todesvorstellungen von Kindern. Darstellung und theologische Diskussion’. Ich selbst habe noch kaum Erfahrungen im Umgang mit dem Tod und mich bisher auch nicht mit diesem Thema beschäftigt. Ich bekam umso größere Reaktionen aus meinem Umfeld: ‚Oh, das ist aber kein schönes Thema!’, ‚Wie schrecklich.’ und ‚Kannst du das Thema nicht wechseln?’. Vereinzelt kamen aber auch Aussagen wie: ‚Das ist aber ein interessantes Thema.’. Die meisten Reaktionen auf mein Thema spiegeln die allgemeine Tabuisierung, Verdrängung und Privatisierung des Todes in der Gesellschaft wieder. Der Anfang des Lebens wird gefeiert und die Neugeborenen herzlich empfangen, das Ende, der Tod, wird aus der Gesellschaft ausgegrenzt und verdrängt. Die Menschen meiden die Konfrontation mit Sterbenden und damit einhergehend häufig auch mit Kranken und Alten, sie gehen diesen Lebenssituationen aus dem Weg. Dadurch erleben sie immer seltener eine direkte Konfrontation mit dem Tod und die Angst vor diesem Abschnitt des Lebens wird immer größer. Man kann fast sagen, die Menschen wollen die Todeswirklichkeit nicht mehr annehmen und manchmal auch nicht mehr hinnehmen. Sie wehren sich und versuchen mit allen Mitteln ihr Leben zu verlängern und dem Tod aus dem Weg zu gehen. Eine gewagte These meinerseits ist, sogar der heute vorherrschende Gesundheits- und Fitnesswahn ist eine anscheinende Möglichkeit der Verlängerung. Ob dies allerdings die Qualität des Lebens und somit auch des Todes steigert ist fraglich. Die Todesthematik ist also für Erwachsene schwierig und problembelastet, aber verbinden auch Kinder solch große Schwierigkeiten und Ängste damit? Um dies herauszufinden, möchte ich in meiner Arbeit die Todesvorstellungen von Kindern in den Mittelpunkt stellen. Das Ziel dieser Arbeit soll sein, durch einen Vergleich zwischen den Kindertheologien und der katholischen Theologie herauszufinden, ob die Vorstellungen ähnlich sind oder völlig widersprüchlich. Gibt es eine gemeinsame Basis oder stammen die Vorstellungen der Kinder heutzutage aus einer anderen Welt, die z.B. stark durch Medien geprägt ist? Aus diesen Ergebnissen möchte ich ein Resümee für den Religionsunterricht ziehen, das eventuell aufzeigt, wo es schon Anknüpfungspunkte zur Korrelation gibt. Wie möchte ich vorgehen? Zuerst stelle ich die ‚Kindertheologie’ vor, die ich im zweiten Schritt als Methode verwende, um die Todesvorstellungen der Kinder zu erfahren. [...]
Inhaltsverzeichnis
I. EINLEITUNG
II. KINDERTHEOLOGIE
A. Begriffsklärung
1. Lexikalische Definition
2. Eigene Definition
B. Entstehungsgeschichte
1. Geschichtliche Hintergründe
2. Kinderphilosophie
3. Ein Perspektivwechsel zur Subjektorientierung
4. Jahrbuch der Kindertheologie
C. Theorie der Kindertheologie:
a) Gemeinsamer Grundsatz der Kindertheologie
b) Spezifische Leistungen/ neue Inhalte
2. Theologie mit Kindern
a) 7 didaktische Grundtypen
b) Kommunikationsebenen
3. Theologie für Kinder
4. Ziele
5. Methoden
a) Die Frage als pädagogisches Konzept
b) Rolle und Aufgaben des Lehrers
D. Kritik
1. Kindertheologie als Vorbild für die Theologie?
2. Ist Kindertheologie in der Schule überhaupt möglich?
a) Martens’ Variante für den Schulunterricht
b) Grundlagen im Lehrplan
3. Kritik
4. Kindertheologie als Methode dieser Examensarbeit!
III. TODESVORSTELLUNGEN VON KINDERN
A. Einleitung
B. Kindliche Todesvorstellungen
1. Phasen
2. Bedingungsfaktoren
C. Praktischer Teil
1. Organisatorische Vorbereitung der empirischen Untersuchung
2. Zur Gruppe und zu den einzelnen Kindern
3. Methodisches Vorgehen
a) Bilder
b) Gruppen- oder Einzelgespräch?
c) Qualitatives Interview
4. Kinderbilder
a) Fragestellung
b) Äußere Umstände
c) Material
d) Ablauf/ Verhalten/ Besonderheiten
e) Methodik der Auswertung:
f) Analyse der einzelnen Kinderbilder:
5. Interviews
a) Äußere Umstände
b) Vorüberlegungen
c) Ablauf/ Verhalten/ Besonderheiten
d) Methodik der Auswertung
e) Analyse der Kinderinterviews in Verbindung mit den Bildern
D. Kindertheologien zum Tod
IV. THEOLOGIE DES TODES
A. Verbindung von Leben und Tod
1. Der Mensch und sein Tod
2. Die Bedeutung des Todes im Leben des Menschen
B. Der natürliche Tod
C. Leib- Seele- Trennung
D. Endentscheidungshypothese
E. Tod und Sünde
1. Tod als Folge der Sünde
2. Tod als Folge der persönlichen Todsünde
F. Tod und Auferstehung Jesu Christi
G. Gott- Mensch- Beziehung im Tod
H. Die Vorstellung des ewigen Lebens als Vollendung im Zustand des „Bei- Gott- Seins“
V. AUSWERTUNG DER ARBEIT
A. Vergleich der Kindertheologien mit der katholischen Theologie
B. ‚Todestheologie- im Unterricht der Grundschule?’
VI. SCHLUSSBETRACHTUNG
VIII. ANHANG
A. Eine Stunde im November
B. Kinderbilder + Texte
1. Jens
2. Laura
3. Maria
a) Der Friedhof
b) Die Kreuzigung
4. Lena
5. Diana
6. Tobias
7. Nadine
a) Der Dot
b) Die Beerdigung
C. Kinderinterviews
1. Jens
2. Laura
3. Maria
4. Lena
5. Diana
6. Tobias
7. Nadine
D. Lehrplanbezug/ Vernetzung
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, durch einen Vergleich zwischen den Kindertheologien und der katholischen Theologie herauszufinden, ob die Todesvorstellungen von Kindern mit theologischen Positionen korrelieren. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob Kinder als aktive, reflektierende Subjekte ihrer Religion betrachtet werden können und welche Impulse sich daraus für den Religionsunterricht in der Grundschule ergeben.
- Methodik der Kindertheologie als Forschungsansatz
- Empirische Untersuchung anhand von Kinderzeichnungen und Interviews
- Vergleich kindlicher Vorstellungen mit katholischen Todestheologien
- Pädagogische Konsequenzen für den Religionsunterricht
- Bedeutung von Ritualen, Symbolen und Jenseitsvorstellungen
Auszug aus dem Buch
C. Theorie der Kindertheologie:
Mit Kindern theologisieren ist immer religiöses Lernen. Dieses religiöse Lernen sollte immer ein am Kind orientiertes Lernen sein. Das Kind mit seinen Gedanken, Fragen, Erfahrungen und Gefühlen steht im Mittelpunkt. Es wird als Subjekt und aktiver Gestalter seiner religiösen Lebensgeschichte wahrgenommen. Es ist anzumerken, dass es bei dieser pädagogischen Subjektorientierung nicht um eine kindliche Ichbezogenheit geht, sondern darum, dass der Erwachsene die theologischen Gedanken des Kindes ernst nimmt. Es geht darum, dass der Unterricht nicht mehr aus deduktiver Wissensvermittlung besteht und dem Kind der Eindruck vermittelt wird, dass alles Wissenswerte schon erforscht ist und das Kind die Unterrichtsinhalte nur noch auswendig lernen muss. Sondern wichtig ist, dass jedes Kind durch aktive Teilnahme das Wissen neu entdecken, selber erarbeiten und sich aneignen kann. So wird man auch den unterschiedlichen Voraussetzungen gerecht, die die Kinder in Erfahrungen, Wissen und Glauben mitbringen.
Doch wie sieht nun Kindertheologie aus? Kinder können und sollen eigene theologische Fragen hervorbringen, dadurch wird theologisches Denken in Bewegung gesetzt. Sie sollen selbständig Antworten darauf finden und diese erproben und gegebenenfalls verändern. Kinder sollen sich mit Inhalten der christlichen Lehre auseinandersetzen und eigene Deutungen finden. "Innerhalb solcher Lernprozesse kommen die Kinder zu tastenden Erprobungen eigener Rede von Gott bzw. eigenen bildnerischen Ausdrucks ihrer Gottesvorstellungen." Der Grundsatz der Kindertheologie ist es, dass das Kind zu eigenen theologischen Einsichten kommt. Diese sind ernst und (besonders wichtig) auch beim Wort zu nehmen. Das fällt meist schwer, da Kinder häufig ihre Gedanken erfahrungsbezogen formulieren und sie hinter bildhaften Konstrukten verstecken. Häufig vermischen sich Gedanken auch mit Gefühlen, die sie bei bestimmten Themen ergreifen (dies ist auch gut so!) und so rutscht der eigentliche Gedanke manchmal ein wenig in den Hintergrund.
Zusammenfassung der Kapitel
II. KINDERTHEOLOGIE: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Kindertheologie, beleuchtet ihre Entstehungsgeschichte, ihre theoretischen Grundlagen (Theologie von/mit/für Kinder) sowie die Rolle des Lehrers und die angewandten Methoden.
III. TODESVORSTELLUNGEN VON KINDERN: Der Fokus liegt auf der empirischen Untersuchung, in der Kinder durch das Malen von Bildern und anschließende qualitative Interviews ihre Vorstellungen vom Tod zum Ausdruck bringen.
IV. THEOLOGIE DES TODES: Hier werden zentrale theologische Konzepte wie die Verbindung von Leben und Tod, der natürliche Tod, die Leib-Seele-Trennung und die Endentscheidungshypothese aus katholischer Sicht dargestellt.
V. AUSWERTUNG DER ARBEIT: Das letzte inhaltliche Kapitel vergleicht die im empirischen Teil gewonnenen Erkenntnisse über kindliche Vorstellungen mit der wissenschaftlichen katholischen Theologie und diskutiert die Konsequenzen für den Grundschulunterricht.
Schlüsselwörter
Kindertheologie, Todesvorstellungen, Grundschule, Religionsunterricht, Kinderzeichnungen, Qualitatives Interview, Subjektorientierung, Katholische Theologie, Jenseits, Endentscheidungshypothese, Leib-Seele-Trennung, Sterben, Kinderfragen, Religiöse Erziehung, Identitätsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Kinder den Tod wahrnehmen und theologisch verarbeiten, indem sie deren Vorstellungen mit dem wissenschaftlich-katholischen Verständnis vergleicht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Kindertheologie als religionspädagogischer Ansatz, die kindliche Wahrnehmung von Tod und Endlichkeit sowie die theologischen Grundfragen zum Tod.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Kinder als eigenständige Theologen agieren können und dass ihre Todesvorstellungen eine ernstzunehmende Grundlage für einen kindgerechten Religionsunterricht bilden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt einen qualitativen Forschungsansatz, bestehend aus einem bildnerischen Ausdrucksauftrag für die Kinder und anschließenden, auf dem sokratischen Gespräch basierenden, nicht-standardisierten Interviews.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Kindertheologie, eine Darstellung der empirischen Ergebnisse aus einer Kommunionsgruppe und eine systematische Gegenüberstellung dieser Ergebnisse mit der katholischen Theologie.
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter dieser Untersuchung?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Kindertheologie, Subjektorientierung, kindliche Todesvorstellungen, qualitative Bildanalyse und die Verbindung von Leben und Tod.
Welche Rolle spielt die Kreativität der Kinder bei dieser Untersuchung?
Die Kreativität dient als Ausdrucksmittel, um komplexe und abstrakt schwer fassbare Todesvorstellungen nonverbal zu externalisieren, was den Kindern eine produktive Distanz und theologisches Nachdenken ermöglicht.
Wie geht die Autorin mit dem Problem um, dass Kinder keine expliziten theologischen Begriffe verwenden?
Durch gezielte, nicht-suggestive Fragen und die Einbettung in einen sokratischen Dialog unterstützt die Autorin die Kinder dabei, ihre bildhaften und erfahrungsbasierten Vorstellungen in einen theologischen Reflexionsprozess zu überführen.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Korrelation von kindlicher und katholischer Theologie?
Die Arbeit zeigt, dass kindliche Vorstellungen zum großen Teil mit der katholischen Theologie vereinbar sind, auch wenn Kinder die Konzepte oft in eine eigene, kindgerechte und naturnahe Sprache übersetzen.
- Arbeit zitieren
- Jennifer Keßel (Autor:in), 2006, Todesvorstellungen von Kindern - Darstellung und theologische Diskussion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58541