Genreentwicklung am Beispiel des Western - Vergleich Stagecoach / The Quick and the Dead


Seminararbeit, 2006

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Genreentwicklung am Beispiel des Western
1.1 Einführung

2. Stagecoach/Ringo - The Quick and the Dead ein Vergleich zweier Western unterschiedlicher Epochen
2.1 Unterschiede in der Narration
2.2 Visuelle Unterschiede

3. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Genreentwicklung am Beispiel des Western

1.1 Einführung

Genrefilme unterliegen zwei gegensätzlichen Anforderungen durch das Publikum: auf der einen Seite erwartet der Zuschauer bestimmte Strukturen, die das Genre auszeichnen. Auf der anderen Seite soll eine gewisse Art der Variation und der Abwechslung gegeben sein, um nicht immer wieder denselben Inhalt zu wiederholen. Diese Gegensätzlichen Anforderungen führen zwangsläufig zur Veränderung eines Genres.

Nach Thomas Schatz[1] vollzieht sich diese Entwicklung des Genres in Stufen. Die ersten Filme eines Genres entsprechen weitgehend der Wirklichkeit, was die Personen, Konflikte, Erscheinungsweisen etc. betrifft. Wenn nun allerdings die Geschichte wiederholt wird, entwickeln die Filme ihre eigenen Realitäten.

Am Western lässt sich diese Entwicklung deutlich aufzeigen: die ersten Western der 30er Jahre, basierten auf der sozialen und historischen Realität. Thematisiert wurden die Erschließung des Westens und die damit verbundenen Probleme. Zu diesen „klassischen“ Western gehört auch Stagecoach von John Ford (1939).

Henri Focillon entwickelt in The Life of Forms in Art ein Schema für die verschiedenen Stufen kultureller Formen, zu denen auch der Genrefilm zählt[2]. Demnach macht die kulturelle Form, in diesem Fall der Genrefilm, eine „experimental stage“ durch. Auf dieser Stufe nutzt das Genre das Medium Kino als Medium. Ein idealisiertes kulturelles Selbstbild mit kleineren Makeln wird dargestellt. Nachdem nun das Genre diese Phase durchlebt hat, gelangt es in die „classic stage“. Hier sind nun die Konventionen des Genres festgelegt und ausgeglichen. Während dieser Phase entstehen Ausschmückungen bis sich das Genre schließlich in der „baroque stage“ oder „manieristischen Phase“ befindet. In dieser Phase behandelt das Genre sich selbstreflexiv. Schließlich stehen nur noch die Form selbst und die Ausschmückungen im Mittelpunkt des Interesses. Sam Raimis The Quick and the Dead (1995) ist als spätmanieristischer Genrefilm zu sehen.

Christian Metz bezeichnet den Western als eine Geschichte, die niemals ganz erzählt, aber in verschiedenen Variationen ausgearbeitet wird.[3] Innerhalb dieser Variationen entdeckt Metz Muster geschichtlicher Entwicklung. Seiner Meinung nach entwickelt sich ein Genre folgendermaßen: erst ist es klassisch. Dann wird es parodistisch betrachtet. Schließlich wird es angefochten und kritisiert, doch auf all diesen Entwicklungsstufen bleibt das Genre was es ist. In diesem Fall bleibt der Western ein Western, egal auf welcher Entwicklungsstufe er sich befindet.

Leo Braudy beschreibt den Prozess der Genreentwicklung folgendermaßen: „Genre films essentially ask the audience, ‚Do you still want to believe this?’ Popularity is the audience answering, ‚Yes.’ Change in genre occurs when the audience says, ‚That´s too infantile a form of what we believe. Show us something more complicated.’”[4] Der Wunsch des Publikums nach Veränderung beruht nicht auf einer Veränderung des Glaubens, sondern er zeigt eher, dass der Glaube nachgeprüft werden sollte und thematisch und formal komplizierter wird. Man kann die klassische Stufe eines Genres an dem Punkt als beendet betrachten, an dem die direkte „Message“ das Publikum gesättigt hat.

Filme, die nach der klassischen Stufe entstehen, spielen mit den Motiven der klassischen Filme bis hin zur Parodie oder zum Manierismus. Die typischen Motive sind dem Publikum bekannt, wodurch es Anspielungen oder Ausschmückungen versteht.

2. Stagecoach/Ringo - The Quick and the Dead ein Vergleich zweier Western unterschiedlicher Epochen

Im Folgenden werden die Filme Stagecoach und The Quick and the Dead miteinander verglichen, um verschiedene Epochen des Western-Genrekinos zu untersuchen. Behandelt werden narrative und visuelle Unterschiede der Filme.

2.1 Unterschiede in der Narration

John Fords Stagecoach (1939) gehört zu den klassischen Western. André Bazin vergleicht diese klassischen Western mit Mythen.[5] Stagecoach entspricht weitgehend diesem Vergleich. Die Erschließung des Westens und die damit verbundenen Gefahren werden thematisiert.

Im Grunde werden zwei Geschichten miteinander verbunden: einerseits die Fahrt der Postkutsche durch das von Indianern bedrohte Land, andererseits die Rache Ringos an den Mördern seines Bruders.

In der Postkutsche befinden sich Figuren mit unterschiedlichen Charakteren, die verschiedenen Gesellschaftsschichten angehören.

Sie verkörpern verschiedene Bilder, den Helden, der vom Sheriff gesucht ist, die feine Dame, die Prostituierte mit dem guten Herzen, den versoffenen und doch fähigen Arzt, den frommen Whiskeyhändler und den betrügerischen Bankier. All diese Figuren haben eine offensichtliche Seite, die vertreten wird durch ihren Beruf oder ihren Stand und eine zweite Seite, die gegensätzlich zu diesem Bild ist. Trotz ihrer Doppeldeutigkeit ist es nicht schwer für den Zuschauer, die Figuren im Laufe des Films zu durchschauen und diese Doppeldeutigkeit zu erkennen. Die Gruppe in der Postkutsche ist in „achtbare“ und „nicht achtbare“ Menschen unterteilbar. Trotzdem stellen sich die „nicht achtbaren“ Figuren als moralisch korrekter heraus. Die sozial höher gestellten Figuren, wie der Bankier oder Mrs. Mallory, sind moralisch gesehen, nicht „gut“.

Die Figuren durchlaufen während dem Film Entwicklungen, beispielsweise der ängstliche Whiskeyhändler Peacock, der schließlich gewisse Tapferkeit erlangt oder Lucy Mallory, die ihre eigene Voreingenommenheit gegenüber der Prostituierten Dallas erkennt und sich bei ihr bedankt.

[...]


[1] Thomas Schatz: Hollywood Genres: Formulas, Filmmaking, and the Studio System. New York: Random House 1981, S. 36

[2] ebd. S. 37

[3] Thomas Schatz: Hollywood Genres: Formulas, Filmmaking, and the Studio System. New York: Random House 1981, S. 37

[4] ebd. S. 38

[5] André Bazin - WAS IST FILM? Mit einem Vorwort von Tom Tykwer und einer Einleitung von François Truffaut, herausgegeben von Robert Fischer, aus dem Französischen von Robert Fischer und Anna Düpee, Berlin: Alexander Verlag, S. 257

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Genreentwicklung am Beispiel des Western - Vergleich Stagecoach / The Quick and the Dead
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)
Veranstaltung
Einführung in die Filmtheorie V: Genretheorie
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V58610
ISBN (eBook)
9783638527569
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Genreentwicklung, Beispiel, Western, Vergleich, Stagecoach, Quick, Dead, Einführung, Filmtheorie, Genretheorie
Arbeit zitieren
Katina Tomaschewski (Autor), 2006, Genreentwicklung am Beispiel des Western - Vergleich Stagecoach / The Quick and the Dead, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58610

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