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Die Rolle der Sprache in Ingeborg Bachmanns Erzählung "Alles"

Title: Die Rolle der Sprache in Ingeborg Bachmanns Erzählung "Alles"

Term Paper , 2006 , 10 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Waldemar Kunz (Author)

German Studies - Modern German Literature
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In der ErzählungAlles1von Ingeborg Bachmann aus dem zwischen 1956 und 1957 entstandenem Zyklus Das dreißigste Jahr,mit der sich diese Hausarbeit beschäftigt, wird eine Geschichte „von Vater und Sohn, einer Schuld und einem Tod“ (S. 153) erzählt - eine Familiengeschichte, in deren Zentrum ein Vater-Sohn-Verhältnis steht, und die mit einem tragischen Tod des Kindes endet. In Form eines retrospektiven Berichts wird vom Erzähler sowohl die Wirkung dieses Ereignisses auf beide Eltern dargestellt als auch eine retrospektive Rekonstruktion der Ereignisse geleistet, die zum Tod geführt hatten. Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Rolle der Sprache in der Erzählung, die unter zwei unterschiedlichen Gesichtspunkten betrachtet werden kann. Zum einen bildet das Phänomen der Sprache - die Vorstellungen von ihrem Wesen, ihren Funktionen und ihren Grenzen - ein konstitutives inhaltliches Motiv der Erzählung. Zum anderen spielt aber auch die sprachliche Gestaltung der Erzählung wie bei einem jedem sprachlichen Kunstwerk eine Funktion bei der Konstruktion der Gesamtbedeutung. Ich werde im Folgenden meine Betrachtungen auf den ersten Aspekt beschränken.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Unterwegs zur Sprache

2. Dichterin und Theoretikerin Ingeborg Bachmann

3. Utopie der Sprache

4. Abschied von der Utopie?

5. Sprachphilosophie als Ideologie und Rationalisierung?

6. Literatur und Philosophie

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Hausarbeit untersucht die Rolle der Sprache in Ingeborg Bachmanns Erzählung „Alles“ aus dem Zyklus „Das dreißigste Jahr“. Dabei wird analysiert, inwieweit das Phänomen der Sprache als inhaltliches Motiv fungiert und ob Bachmanns utopischer Entwurf einer reinen Sprache innerhalb des narrativen Werks als gescheitert oder als kritisch reflektiert betrachtet werden kann.

  • Die philosophische Reflexion der Sprache bei Ingeborg Bachmann
  • Die Utopie der Sprache als literarisches Motiv in „Alles“
  • Sprachkritik und das Scheitern positiver Entwürfe
  • Das Verhältnis von Sprachphilosophie, Ideologie und menschlichem Handeln
  • Die Bedeutung der Geburt eines Kindes für die Weltwahrnehmung des Erzählers

Auszug aus dem Buch

3. Utopie der Sprache

Die erwartete Geburt eines Kindes, die chronologisch den Anfang der Geschichte bildet, erweist sich für den Vater – den namenlosen homodiegetischen Erzähler - als ein einschneidendes Ereignis, in dessen Lichte er sich „mit einemmal in anderen Zusammenhängen“ (S. 141) sieht. Dem Erzähler scheint „die Welt zuzunehmen“ und er kommt „auf Gedanken, unvermutet, wie man auf Minen kommt“ (S. 139). In diesen Gedanken, die die Gestalt der alttestamentarischen Geschlechterfolge annehmen, wird dem Erzähler der Sinns der menschlichen Existenz fragwürdig: „Nur wenn man sich nicht anklammern möchte und besser fragt, wozu jeder einmal an der Reihe war, weiß man mit der Kette nicht ein und aus und mit all den Zeugungen nichts anzufangen“ (S. 140).

Das Kind lässt den Erzähler in sich „eine Schwachheit […] und das Gefühl, einer Niederlage entgegenzugehen“ (S. 142), entdecken. Eine Sehnsucht nach einem Neuanfang kommt im Erzähler auf. Frank Pilipp spricht von „enttäuschten Lebenserwartungen als Forderungen eines Neubeginns“. Die Welterneuerungsvisionen des Erzählers nehmen dabei die Gestalt des oben geschilderten Motivs des Sprachtraums, der Utopie einer neuen Sprache, an: „Und ich wusste plötzlich: alles ist eine Frage der Sprache und nicht nur dieser einen deutschen Sprache, die mit anderen geschaffen wurde in Babel, um die Welt zu verwirren. Denn darunter schwelt noch eine Sprache, die reicht bis in die Gesten und Blicke, das Abwickeln der Gedanken und den Gang der Gefühle, und in ihr ist schon unser aller Unglück.“ (S. 143)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Unterwegs zur Sprache: Einführung in die Thematik der Familiengeschichte und Festlegung des Fokus auf die sprachtheoretischen Aspekte in der Erzählung „Alles“.

2. Dichterin und Theoretikerin Ingeborg Bachmann: Erörterung von Bachmanns zweigleisiger Sprachbeschäftigung zwischen philosophischer Reflexion, wie in ihrer Dissertation und den Frankfurter Vorlesungen, und ihrem dichterischen Schaffen.

3. Utopie der Sprache: Analyse der Sprachutopie des Erzählers im Kontext der Erwartung einer Neugeburt und dem Versuch, eine „reine“ Sprache zu finden, die über die bestehende „schlechte“ Sprache hinausreicht.

4. Abschied von der Utopie?: Untersuchung des Scheiterns dieser Utopie, symbolisiert durch den Tod des Kindes und die Unfähigkeit des Erzählers, die Welt durch Sprache neu zu begründen.

5. Sprachphilosophie als Ideologie und Rationalisierung?: Kritische Auseinandersetzung mit der Position, ob das Festhalten an einem ontologischen Vorrang der Sprache problematische ideologische Züge oder Rationalisierungen enthalten kann.

6. Literatur und Philosophie: Abschließende Reflexion über die Herausforderung, das komplexe Verhältnis zwischen literarischer Gestaltung und philosophischem Denken bei Ingeborg Bachmann zu bestimmen.

Schlüsselwörter

Ingeborg Bachmann, Alles, Das dreißigste Jahr, Sprachutopie, Sprachphilosophie, Poetik, Frankfurter Vorlesungen, Ludwig Wittgenstein, Martin Heidegger, Sprachtraum, Schlechte Sprache, Literaturwissenschaft, Familiengeschichte, Sprachkritik, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die zentrale Rolle des Themas Sprache in Ingeborg Bachmanns Erzählung „Alles“ und beleuchtet die sprachtheoretischen Hintergründe des Textes.

Welche Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die poetologischen Entwürfe Bachmanns, die Utopie einer neuen Sprache, das Scheitern dieser Utopie sowie das Spannungsfeld zwischen Literatur und Philosophie.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Untersuchung, ob Bachmanns Erzählung die theoretisch postulierten Sprachutopien in der Praxis bestätigt oder ob sie einen kritischen Abschied von diesen Utopien nahelegt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär auf der Textinterpretation der Erzählung „Alles“ in Verbindung mit Bachmanns poetiktheoretischen Schriften basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Bachmanns Sprachreflexion, die Analyse der Sprachträume des Erzählers in „Alles“, die Bedeutung des Scheiterns dieser Utopie sowie die kritische Hinterfragung möglicher ideologischer Tendenzen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Sprachutopie, Ingeborg Bachmann, „Alles“, Frankfurter Vorlesungen, Sprachkritik, Ontologie der Sprache und Poetik.

Welche Bedeutung hat die Figur des Vaters/Erzählers für die Sprachproblematik?

Der Erzähler fungiert als jemand, der an den Grenzen der vorgefundenen Sprache verzweifelt und durch das Kind den utopischen Wunsch nach einer „neuen Sprache“ projiziert, was zu seinem persönlichen Scheitern führt.

Warum wird die Namensgebung des Kindes als „schlechte Sprache“ bezeichnet?

Der Versuch des Vaters, durch die Namensgebung einen Neuanfang zu markieren, scheitert am Kosenamen „Fipps“, der als lächerlich und unangemessen empfunden wird und somit das Scheitern der Sprachutopie illustriert.

Welche Verbindung besteht zu Ludwig Wittgenstein?

Die Arbeit verweist auf Wittgensteins sprachphilosophische Ansätze, insbesondere die Idee, dass die Grenzen der eigenen Sprache auch die Grenzen der Welt darstellen, was die Isolation des Erzählers begründet.

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Details

Title
Die Rolle der Sprache in Ingeborg Bachmanns Erzählung "Alles"
College
University of Tubingen  (Deutsches Seminar)
Course
Seminar: Einführung in die Neuere Deutsche Literaturwissenschaft
Grade
1,5
Author
Waldemar Kunz (Author)
Publication Year
2006
Pages
10
Catalog Number
V58769
ISBN (eBook)
9783638528726
ISBN (Book)
9783656815143
Language
German
Tags
Rolle Sprache Ingeborg Bachmanns Erzählung Alles Seminar Einführung Neuere Deutsche Literaturwissenschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Waldemar Kunz (Author), 2006, Die Rolle der Sprache in Ingeborg Bachmanns Erzählung "Alles", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/58769
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