Die Frage nach der Notwendigkeit eines Stabilisators im internationalen System - Eine theoretische Analyse hegemonialer Stabilität


Seminararbeit, 2006
14 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischen Vorklärungen
2.1 Historische Erfahrungen
2.2 Beispiel: Wallersteins Theorie des modernen Weltsystems
2.3 Theorie des Zyklus der Hegemonie
2.3.1 Beispiel des Hegemoniezyklen nach Christopher Chase-Dunn
2.4 Stabilität im hegemonialen System
2.4.1 Hegemonie
2.4.2 Hegemoniale Stabilität

3. Forschungsdesign
3.1 Hegemonie und Krieg
3.2 Das Vorhandensein eines Hegemon?
3.2.1 Beispiel: Die Rolle der Vereinten Nationen im Weltsystem

4. Ergebnisse der theoretischen Analysen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1.Einleitung

„Hegemonic periods are those in which power and competitive advantage are relatively concentrated in a single hegemonic state.”

Christopher Chase-Dunn (in Balaam, 2005)

Auf diese Art beschreibt Christopher Chase-Dunn kurz hegemoniale Zyklen und deren Anführer, den Hegemon. Nun stellt sich die Frage: Brauchen wir überhaupt einen Hegemon im internationalen System? Der Theorie nach ist dieser die Stütze des Systems. Aber kann sich die Stabilität nicht auch anderes halten?

Diese hegemonialen Stabilität ist das Hauptthema der vorliegenden Arbeit. Hegemonie und Hegemoniezyklen sollen hier näher betrachtet werden. Als Beispiel wird die Rolle der USA und deren Traditionslinien und außenpolitischen Grundmuster erläutert werden. Die Hausarbeit wird sich aber weder mit der Frage nach der Zukunft der USA in dieser Rolle, noch mit deren kompletter Außenpolitik befassen. Die Hegemonie und vor allem die Frage ob ein Weltsystem noch einen Stabilisator benötigt, sind Kernpunkte dieser Arbeit

Da ich im internationalen System von einem „Weltsystem“ ausgehen werde, dient als Grundlage und zur Definition dieses Begriffes der Ansatz von Immanuel Wallerstein. Es soll dargestellt werden, ob und wenn ja welcher Zusammenhang zwischen Hegemonie und Krieg besteht und ob die These, dass ein Hegemon nur durch Kriege abgelöst werden kann, heute noch immer gilt. Auch unter Berücksichtigung der Globalisierung und wachsenden Konflikten durch den internationalen Terrorismus ein stabilisierendes Element wie der Hegemon noch notwendig ist. Da dieser aber auch in anderen Theorien bzw. Theorieansätzen der Internationalen Beziehungen (IB) enthalten ist, werden auch deren Inhalte teilweise zur Sprache kommen um die Arbeit zu ergänzen.

2. Theoretische Vorklärungen

2.1 Historische Erfahrungen

Hegemonialzyklen, also die Dauer der „Herrschaft“ eines Hegemon, hat es mehrfach in der historischen Entwicklung gegeben (Bspw. England als Empire im 19 Jahrhundert.). Dabei kann man diese nach politischer und wirtschaftlicher Art trennen. Im politischen Bereich beginnt die Reihe dieser Zyklen mit der Kolonialisierungswelle der europäischen Länder (Balaam, 2005) und reicht bis zum Ende des kalten Krieges, welchen die USA als einzige noch verbliebene Supermacht überstand. Im wirtschaftlichen Bereich wäre hier vor allem die der Herausbildung Weltwirtschaft zu nennen.

Für den theoretischen Teil der Analyse dienen als Grundlage die Theorie des modernen Weltsystems von Immanuel Wallerstein und die Theorie der Hegemoniezyklen. Auch Teile neoliberalistischer Theorieansätze werde ich aufnehmen.

Wenn man den historischen Kontext der wirtschaftlichen Beziehungen betrachtet, erkannt man im Begriff der Weltwirtschaft zweierlei: Ein internationales Netz innerhalb staatlicher Kooperation und den Mechanismus der Konkurrenz von nationalstaatlicher organisierter Volkswirtschaft. Im Lauf der Geschichte entwickelte sich ein Wettlauf um die fortgeschrittensten Produktionsmethoden und somit um die höchste Produktivität. (List, 1995). Nach dem 2. Weltkrieg fingen Wirtschaftsmächte an, abgesicherte Handels- und Wachstumsgemeinschaften auf liberaler Grundlage zu gründen. Die seit dem 19. Jahrhundert vorhandene private Wirtschaft (Balaam, 2005) wurde ab den 1970ern entscheidend gefördert und staatlicher Einfluss zurück genommen (Neokonservatismus). Auch so zeigt sich wie eng wirtschaftlicher und politische Hegemonie verknüpft sind (Balaam/ Schieder, 2005). In dieser Entwicklung führten zuerst die USA als Hegemon. Später stießen, begünstigt durch die zunehmende Globalisierung, auch Japan und Deutschland hinzu, wodurch das Bild des einen Hegemon zu schwinden begann. Es fand ein Wandel statt, indem die „global integrierte Produktion bei hoher Mobilität von Kapital und wachsender Mobilität von Arbeit“ immer mehr an Bedeutung gewinnen (List, 1995).

2.2 Beispiel: Wallersteins Theorie des modernen Weltsystems

Das Weltsystem nach Wallerstein ist durch eine große räumliche sowie auch durch zeitliche die Ausdehnungen gekennzeichnet. Jedoch müssen sich Weltsysteme nicht über die gesamte Welt erstrecken. Entscheidend ist das Vorhandensein einer inneren, funktionalen wie auch geografischen Arbeitsteilung bei gleichzeitiger Existenz von diversen kulturellen Systemen (Nölke, 2005). Wallerstein nimmt zum modernen Weltsystem in seiner kapitalistischen Form eine kritische und auch ablehnende Haltung ein. Hier ist es wichtig zu erklären wie er den Begriff des Kapitalismus definiert: Für ihn stellt dieser eine Produktionsweise, in der Subjekte Gewinne um deren selbst Willen anstreben. Der systematische Zusammenhang des moderne Weltsystems ist von der existierenden kapitalistischen Arbeitsweise geprägt. Er zeichnet sich durch seinen Zusammenhalt aus, obwohl keine zentrale Lenkung stattfindet (Balaam, 2005/ Nölke, 2003).

Die treibende Dynamik der kapitalistischen Organisation der Produktion und der technischen Entwicklung zwingt die ihr unterliegenden Staaten zur Entwicklung internationaler Beziehungen innerhalb des Systems. Wallerstein sieht daher die Stellung der Staaten innerhalb des Weltsystems ausschließlich ökonomisch bestimmt. Nach dieser ökonomischen Hierarchie lässt sich ein „Staaten-Bild“ erstellen (Balaam, 2005):

Wirtschaftlich führenden Staaten bilden das sogenannte „Zentrum“, die schwächeren Staaten bilden die „Peripherie“ aufrecht. Die zentralen Staaten halten ihre wirtschaftlichen Vorteile durch Ausbeutung der Peripherie Ein solches „internationales „Zwei-Klassen-System“ von Staaten (List, 1995) ist aber nach Wallerstein nicht stabil. Es ist eine dritte Gruppe notwendig: die Staaten der „ Semi-Peripherie“ (Balaam, 2005). Dies sind Staaten die zwar vom Zentrum ausgebeutet werden, ihrerseits aber wieder die Peripherie ausbeuten. Die „Semi-Peripherien“ sind notwendig, da sie das System aufrecht erhalten. Folglich hat es selbsterhaltene und sich selbstreproduzierende Kräfte.

2.3 Theorie des Zyklus der Hegemonie

Die Theorie der Hegemoniezyklen dient der Analyse der Wirksamkeit von politischen Faktoren. Es gibt zwar mehrere verschiedenen Ansätze der Hegemoniezyklentheorie, alle besagen jedoch, dass die Vormachtstellungen des Hegemon von einem Muster aus Aufstieg und Verfall gekennzeichnet sind. Daher rührt der Begriff Hegemoniezyklus.

2.3.1. Beispiel des Hegemoniezyklen nach Christopher Chase-Dunn

Chase-Dunn beschreibt den Hegemon des „Modern World System“ in einem ständigen Kreislauf von Aufstieg und Niedergang. Ihm zufolge wird der Staat im System der Hegemon, der die nötigen wirtschaftlichen Grundlagen und die militärische Stärke beruht. Er kann sich gegen andere durchsetzten solang bis er aus äußeren oder innern Gründen ausfällt. Danach hält sich das bisherige Gleichgewicht im System bis neue Staaten Anspruch erheben: Es kommt zum Krieg. Dessen Sieger nimmt den Platz des neuen Hegemon ein und der Kreislauf beginnt abermals (Balaam, 2005). Nach dieser Theorie befände sich momentan die USA in dieser Stellung, wobei aber schon andere Staaten ihr diese Rolle nicht mehr zugestehen. Das hieße, dass sich der derzeitige Hegemon bereits im Niedergang befindet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Frage nach der Notwendigkeit eines Stabilisators im internationalen System - Eine theoretische Analyse hegemonialer Stabilität
Hochschule
Universität Stuttgart  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Proseminar: Theorien der Internationalen Beziehungen
Note
2,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V59020
ISBN (eBook)
9783638530590
ISBN (Buch)
9783640196722
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frage, Notwendigkeit, Stabilisators, System, Eine, Analyse, Stabilität, Proseminar, Theorien, Internationalen, Beziehungen
Arbeit zitieren
Florian Huber (Autor), 2006, Die Frage nach der Notwendigkeit eines Stabilisators im internationalen System - Eine theoretische Analyse hegemonialer Stabilität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59020

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