Die Selbstwahrnehmung der Protagonistin in "La última niebla" von María Luisa Bombal


Hausarbeit, 2017

23 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Die Protagonistin und ihre Selbstwahrnehmung
2.1 Die Tote - Im Vergleich mit der verstorbenen Frau
2.2 Die Sicht des Mannes
2.3 Realität und Traum - Regina und der Geliebte

3. Analyse der Umgangsformen - Der Traum als Fluchtweg?

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Resumen

En el trabajo presente quiero analizar la autovisión de la protagonista en la obra „La úl- tima niebla“ de Maria Luisa Bombal, de 1935 (Trabajaré con la edición siguiente: Bom- bal, María Luisa, Obras completas. Editorial Andres Bello, Santiago de Chile, 2000. S. 55-95.) La Novela fue publicada por primera vez en 1934 por Editorial Colombo, en Buenos Aires, bajo la dirección de Oliverio Girondo. Analizando el texto mismo y ante el fondo de la analísis de Munnich en „La dulce niebla“, y otros textos secundarios, quiero mostrar la percepsción de la protagonista sin nombre, igual que analizar sus hechos du- rante la novela para mostrar la falta de actitud, cosa que parece inevitable ya que la protagonista se encuentra determinado por fuerzas ajenas.

Palabras claves: La última niebla, Bombal, autovisión, el rol feminino, ensoñación

„Männer nehmen die Welt nicht wahr, weil sie selbst glauben, sie seien die Welt.“ Virginia Woolf (1882-1941) Britische Schriftstellerin 1 „Man kann anderen Leuten erklären, warum man seinen Mann geheiratet hat, aber sich selbst kann man das oft nicht erklären“ George Sand (1804-1876) Französische Schriftstellerin 2 „Alter schützt vor Liebe nicht, aber Liebe schützt bis zu einem gewissen Grad vor Alter“ Jeanne Moreau (Geb. 1928) Französische Schriftstellerin 3 In der folgenden Arbeit soll die Selbstwahrnehmung der Protagonistin in La última nieb- la 4 von María Luisa Bombal analysiert werden. La última niebla erzählt die Geschichte einer Frau, die in ihrer Welt eingeschlossen lebt, ohne Perspektiven, deren einzige Freu- de der Traum ist. 5 Diese Protagonistin ist ein Spiegel der Frauen zur Zeit Bombals, und gleichzeitig auch heute noch wichtig für die Frauen aller Welt. Sie thematisiert die Rolle der Frau und stellt die Möglichkeiten in Frage, die ihr mit dieser Rolle bleiben. Vor allem aber zeigt Bombal mit ihrer namenlosen Protagonisten (die daher für jede Frau stehen könnte..) den Einfluss der Außenwelt auf eine Person. Auf verschiedenen Weisen, die im folgenden genauer betrachtet werden, beeinflussen die Personen in ihrer Umgebung, die gesellschaftlichen Ideale, vielleicht sogar jene, die man in Bücher finden kann, das Selbstbild der Frau und ich möchte behaupten, dass auch in der heutigen Zeit ein äuße- rer Druck auf die Frau ausgeübt wird, sei es von Traditionen, Familie oder Kirche, oder aber auch den neuen Medien (sei es durch Plakate, die von der perfekten Bikini-Figur erzählen, oder den Fernsehserien, in denen die perfekten Liebesgeschichten erzählt werden) 6. Daher ist La última niebla auch heute noch als aktuell zu sehen und vor allem als wichtiges Werk zur Selbstreflexion vor allem für die Leserinnen. Denn: „Nuestros há- bitos de ahora son muy semejantes a los de las mujeres de entonces“ 7 Um ihre Selbstdarstellung zu analysieren, möchte ich zunächst die These aufstellen, dass die Protagonistin fremdbestimmt ist und sich dies auch auf ihre Selbstdarstellung aus- wirkt, angelehnt an die Vorstellung: „La mujer no nace, se hace“ 8. Dazu möchte ich zu- nächst darauf hinweisen, dass die Protagonistin Bombals in der folgenden Arbeit, nach dem Modell von Munnich 9, mit „SN“ abgekürzt werden wird, was für „sin nombre“, also „ohne Namen“ steht, da dies auf die Protagonistin zutrifft (und damit auch die Möglich- keit der eignen Personifizierung erlaubt).

SN orientiert sich in der Wahrnehmung der eigenen Person an dem Beispiel Anderer. Hierbei gelten zwei Frauen als ausschlaggebend für die Wahrnehmung SNs; zum einen die erste Ehefrau ihres Mannes Daniel, die verstorben ist. Zum Anderen Regina, die Frau des Bruders von Daniel, die gleichzeitig mit einem Geliebten bei den beiden erscheint. Die zwei Frauen werden mit den ausschlaggebenden Kriterien von mit tituliert, dies ist zum ersten „die Tote“, und zum zweiten „die Realistin“. In der Konstellation um die Protagonistin werden zwei trianguläre Beziehungen betrach- tet 10: Daniel Geliebter Die Verstorbene Frau Protagonistin (SN) Regina Protagonistin (SN) In diesem Abschnitt soll die Beziehung zwischen SN und ihrer Vorgängerin analysiert werden, da diese einen deutlichen Teil ihrer eigenen Wahrnehmung darstellt.

Über die Frau als solche erfahren wir relativ wenig, d.h. es ist keine objektive Beschrei- bung vorhanden. Auch die Gründe ihres Tods sind unklar und werden nicht weiter be- schrieben. Der Leser erfährt lediglich, dass Daniel bereits verheiratet war, diese Frau verstorben ist und er scheinbar noch immer darüber trauert (so die Sicht von SN).

Es ist davon auszugehen, dass SN vor der Heirat mit Daniel davon wusste, dass dieser bereits verheiratet war, da sich die beiden familiär nahe stehen. Gleichzeitig findet keine eigene Sicht der Protagonistin auf die vorherige Ehefrau statt, es ist also unklar, ob sich diese kannten, oder nicht. Da jedoch ein enges Verhältnis der Protagonistin und ihres Cousins Daniel beschrieben wird (sie wurden zusammen groß, badeten nackt zusam- men, etc.) bleibt die Frage danach offen, wie sich dieses Verhältnis entwickelt hatte und ob SN die Verstorbene selbst kannte. In ihren Beschreibungen wird lediglich die Sicht Daniels auf seine Frau geschildert. Da SN ihr keinen Namen gibt, könnte man daraus schließen, dass sie sich nicht kannten. Dennoch löst die Sicht auf die Verstorbene bei SN eine Reaktion aus, die dazu führt, dass sie ihre eigene Existenz hinterfragt.

„Me acerco y miro, por primera vez, la cara de un muerto. Veo un rostro descolorido, sin ni un toque de sombra en los anchos párpados cerrados. Un rostro vacío de todo sentimiento. Esta muerta, sobre la cual no me ocurriría inclinarme para llamarla porque parece que no hubiera vivido nunca, me sugiere de pronto la palabra silencio. (…) Silencio, un gran silencio, un silencio de años, de siglos, un silencio aterrador que empieza a crecer en el cuarto dentro de mi cabeza.“ 11

Der fehlende Name könnte auch mit dem fehlenden Namen der Protagonistin zusam- men hängen und für die Identifizierung mit ihr stehen. Aus der Sicht von SN war die ver- storbene die perfekte Frau für Daniel, die nun einen leeren Platz hinterlässt, den sie zu füllen hat. Nicht nur, da sie jetzt seine Frau ist, sondern, weil sie sich scheinbar auch op- tisch jener Verstorbenen anpassen soll:

„Mi marido me ha obligado después a recoger mis extravagantas cabellos; porque en todo debo esforzarme en imitar a su primera mujer, a su primera mujer que, según él, era una mujer perfecta“ 12 Es ist festzustellen, dass die physische Wahrnehmung, das Äußere einer Frau, von An- fang an eine Rolle zu scheinen spielt, obgleich diese nicht offen von Daniel oder ande- ren männlichen Charakteren angesprochen wird, so wird diese immer wieder von SN benannt. Vielleicht ist die Wichtigkeit der Schönheit und Objektivität grundsätzlich bei den Frauen von Bedeutung, wie es auch sicherlich noch heute der Fall ist.

„Die Männer beteuern immer, sie lieben die innere Schönheit der Frau - komischerweise gucken sie aber ganz woanders hin.“ 13

Nicht umsonst wurde das Werk Bombals bereits mehrfach auf die Bedeutung der Weib- lichkeit analysiert und wurde die Bedeutung von der Frau als Objekt beleuchtet. Hierfür sind u.a. die Arbeiten von Judith Butler und Rosario M. de Swanson zu nennen. Mit den Worten „la mujer no nace, se hacer“ zitiert Butler zudem in ihrem Werk „Actos performa- tives y constitución del género: un ensayo sobre fenomenología y teoría feminista“ 14

Simone De Beauvoir. Aber wer ist hier dieses „se“, und wie macht man(n) die Frau? Es ist festzuhalten, dass die äußere Erscheinung für SN eine Rolle spielt (mag dieses Verhalten vielleicht durch die Wahrnehmung der Männer beeinflusst worden sein).

Umso wichtiger folgt daher die Beschreibung des eigenen Äußeren für die Protagonis- tin:

„Mis cabellos se han oscurecido. Van a oscurecerse cada día más (…) pierdan su brillo y su vio- lencia (…)“ 15 Ihr Erscheinungsbild verliert, nach eigener Einschätzung von SN, jeden Tag mehr seinen Glanz. Diese Beschreibung steht in direktem Zusammenhang mit der Sicht auf die Ver- storbene, auf die tote Frau 16.

Eine weiterer Aspekt der Körperlichkeit ist der Geschlechtsakt von Mann und Frau. Als beschrieben wird, wie Daniel und SN eine amouröse Nacht verbringen, stellt SN diese in direktem Vergleich zur verstorbenen Frau. Sie fühlt sich von ihrem Mann benutzt, da die- ser mit ihr seine verstorbene Frau wieder beleben will, in dem er z.B. während dessen an diese denkt. Diese Beschreibung fällt jedoch wieder, wie der ganze Roman, subjektiv aus.

„Oh nunca, nunca, su primera mujer lo ha poseído más desgarrado, más desesperado por per- tenecerle, como esta tarde. Queriendo huirla nuevamente, la ha encontrado, de pronto, casi dentro de sí.“ 17

Hier wird deutlich, welche Sicht Daniel nach der Meinung von SN auf seine verstorbene Frau bzw. auf SN selbst wirft. Die weitere Beschreibung nach dem Akt:

„En el lecho, yo quedé tendida y sollozante, con el pelo adherido a las sienes mojadas, muerta de desaliento y de verguenza.“ 18 macht deutlich, wie sich SN damit fühlt. Hierbei fällt auf, dass u.a wieder eine Beschreibung des Physischen vorgenommen wird.

Ich möchte an dieser Stelle noch kurz unterstreichen, wie SN über die verstorbene Frau spricht: „su primera mujer lo ha poseído“. Seine erste Frau hat ihn besessen. Nicht er seine erste Frau? Hiermit wird diese Frau als eine Starke Frau beschrieben, und unter- scheidet sich dadurch grundsätzlich von SN. Munnich erwähnt in einer Stelle ihres Wer- kes:

„Según esta concepción mediomasiva el cuerpo feminino es una mercancía que se mira, se aprueba, se compra y se posee.“ 19

Es wird daraus klar deutlich, dass der weibliche Körper, die Frau, nach dem Ansehen und Beurteilen „gekauft und besessen“ wird. Daraus wird zum einen deutlich, dass das äußere Erscheinungsbild zählt, und zum anderen, dass der Mann über die Frau in ge- wisser Weise herrscht. Dies ist jedoch nach der Beschreibung SN’s nicht bei der ersten Frau Daniels der Fall. Sie „besitzt“ ihn. Alleine in dieser Beschreibung wird ein Unter- schied von SN und ihrer Vorgängerin geschaffen, der Welten zwischen sie bringt. Die verstorbene erste Frau müsste demnach aktiv gewesen sein in ihrem Handeln, während wir bei SN eine passive Persönlichkeit erkennen.

Zusammenfassend passt auch die Einschätzung Erna Pfeiffer’s über Rolle der verstorben Frau:

„Sie ist die Über-Frau, in der sich unausgesprochene Mutterphantasien und erotische Begierden des Mannes idolartig vereinen, und zugleich, in ihrer Eigenschaft als Verstorbene, Vorwegnahme des späteren, leichenähnlichen Zustandes der Ich-Erzählerin.“ 20

Demnach steht die Verbindung zu der Verstorbenen eindeutig auch in einer Relation zu Daniel, ihrem Ehemann. Die Sichtweise ihres Mannes auf SN spielt ebenfalls eine starke Rolle, in Bezug auf ihre Selbstwahrnehmung.

[...]


1 Kluge Frauen die unsere Welt bewegten, Ars Edition, 2017

2 Ebd.

3 Ebd.

4 Bombal, Maria Luisa: Obras Completas. La última niebla. Editorial Andres Bello. S. 55ff. Im folgenden Abgekürzt mit LUN

5 Vgl. Munnich, S. 28f.

6 Vgl. Munnich, S. 28f.

7 Vgl. Munnich, S. 28f.

8 Simone De Bavoir zitiert nach: Butler, Judith: Actos performatives y constitución del género un ensayo sobre fenomenología y teoría feminista (1998). S. 296

9 Vgl. Munnich, Susana. La dulce niebla. Lectura feminina y chilena de María Luisa Bombal. Editorial Uni- versitaria. 1991

10 Da sich die verschiedenen Personen im Umfeld der Protagonistin aufeinander beziehen und beeinflus- sen, ist die einzelne Analyse nur bedingt möglich und kann sich in der folgenden Arbeit überschneiden.

11 LUN S. 58

12 LUN, S. 60

13 Marlene Dietrich, 1901-1992. Deutsch-US-Amerikanische Schauspielerin. Zitiert nach: Kluge Frauen die unsere Welt bewegten. Ars Edition 2017

14 Butler, S. 296

15 LUN, S.60

16 Die Bezeichnung „Tote Frau“, ist hier nicht unwichtig, da sie später noch eine Rolle für die Sicht auf SN und ihre Existenz darstellen wird.

17 LUN S. 78

18 LUN S.78

19 Munnich, S. 65

20 Vgl. Pfeiffer, S. 286

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Selbstwahrnehmung der Protagonistin in "La última niebla" von María Luisa Bombal
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
23
Katalognummer
V591400
ISBN (eBook)
9783346177452
ISBN (Buch)
9783346177469
Sprache
Deutsch
Schlagworte
La última niebla, Bombal, autovisión, el rol feminino, ensoñación
Arbeit zitieren
Maike Egidi (Autor), 2017, Die Selbstwahrnehmung der Protagonistin in "La última niebla" von María Luisa Bombal, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/591400

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