Der Eigenwert des Lebens in Bezug auf den Tod


Hausarbeit, 2005

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Darstellung des Aufsatzes „Tod“ von Thomas Nagel
2.1 Das Gut des Lebens und dessen Verlust durch den Tod
2.2 Problemdiskussion: Ist der Tod ein Übel?
2.3 Die Asymmetrie der Zeitrichtung

3. Vergleich der Auffassungen T. Nagels und E. Tugendhats über den Eigenwert des Lebens
3.1 Kritik an Nagels Thesen, insbesondere derer, dass das Leben positiv sei
3.2 Die Relevanz der Sinngebung

4. Kritische Stellungnahme zu der Auffassung Nagels, das Leben sei positiv

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Die erste Stunde, die uns unser Leben gab,

sie führt um eine Stunde näher uns ans Grab.//

Mit dem Geborenwerden

beginnt schon unser Sterben,

denn Entstehen

heißt vergehen.“[1]

So selbstverständlich diese Wahrheit klingt, so bitterlich stößt sie uns auf. Nun stellt sich die Frage, wovor wir genau Angst haben? Sind es mögliche Schmerzen oder die Unfähigkeit, sich den Zustand und die Unendlichkeit des Todes vorzustellen?

Thomas Nagel geht diese Frage in seinem Aufsatz „Tod“ von einer anderen Seite an: Seine Überlegung ist es, das Leben näher zu betrachten und dessen Stellenwert in unserer Angst vor dem Tod mit einzubeziehen.

Ob dieser Ansatz sinnvoll ist, werde ich in dieser Hausarbeit anhand Ernst Tugenhats Aufsatz „Über den Tod“ diskutieren. Zunächst werde ich Nagels Text zusammenfassen und seine Thesen herausarbeiten und schließlich werde ich die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Nagels und Ernst Tugendhats Auffassungen vergleichen. Ich werde besonderen Bezug auf die These Nagels nehmen, die besagt, dass das Leben positiv sei und sie dann der These Tugendhats – das Leben sei neutral – gegenüberstellen. Abschließend behandele ich Nagels These in meiner persönlichen Stellungnahme.

2. Darstellung des Aufsatzes „Tod“ von Thomas Nagel

2.1 Das Gut des Lebens und dessen Verlust durch den Tod

Thomas Nagel beschäftigt sich in seinem Aufsatz mit der Frage, warum die meisten Menschen Angst vor dem Tod haben und ob dies folglich bedeutet, dass der Tod ein Übel ist und wenn ja, wie groß und von welcher Art.

Nagel stellt dabei klar, dass er den Tod als das Ende der Existenz des Subjekts versteht und nicht als einen Übergang oder eine neue Form von Existenz. Der Tod ist also kein positiver oder negativer Zustand der verstorbenen Person, sondern ein „Nichts“. Dies könnte bedeuten, dass es keine Sinneseindrücke, keine Emotionen und kein Denken mehr gäbe.

Wenn der Tod an sich also weder positiv noch negativ ist, er aber insofern ein Übel darstellt, da er das Leben beendet, könnte dies heißen, dass das Leben implizit ein Gut ist.[2] Allerdings besteht dieses Gut nicht nur im organischen Leben, sondern in den kognitiven und emotionalen Fähigkeiten, wie Wahrnehmen, Wünschen, Handeln und Denken, also bestimmte Aktivitäten, die das menschliche Leben ausmachen. Nagel schreibt, dass wir Menschen es allein schon als positiv empfinden, am Leben zu sein, gewisse Dinge zu tun und bestimmte Erlebnisse zu haben, ohne im Speziellen darauf einzugehen, welche Erlebnisse oder Dinge hierbei gemeint sind. Hierbei gibt es sowohl „schlechte“, als auch „gute“ Erfahrungen, die unter Umständen in einem Leben überwiegen können. Dennoch ist nach Nagel ein Leben lebenswert, selbst wenn die negativen Erlebnisse dominieren. Entscheidend ist nur, dass wir überhaupt erfahren können. Dank dieser Möglichkeit ist das Leben letztlich nicht bloß neutral, sondern positiv.[3]

Zudem ist das Gute im Leben graduierbar, d.h., zu leben ist „gut“, aber lange leben ist „besser“. Allerdings ist nicht bestimmbar, ob der Tod einen (graduierbaren) Nachteil darstellt, denn sein Eintreten kann früher oder später stattfinden. Gewiss ist aber, dass er jeden trifft.

Halten wir also fest: Der Tod ist nach Thomas Nagels Hypothese[4] ein Übel, weil man mit seinem Eintreten das Leben und all das Gute und Wünschenswerte, das es mit sich bringt, verliert. Hinzu kommt, dass die Länge des Lebens nicht unerheblich ist, denn das Gute am Leben kann durch mehr Zeit potenziert werden.

2.2 Problemdiskussion: Ist der Tod ein Übel?

Nagel räumt ein, dass es drei Arten von Problemen hinsichtlich seiner Hypothese gibt:[5]

Zum einen ist es fragwürdig, ob irgendetwas für einen Menschen schlecht sein kann, ohne dass es physische oder psychische Leiden nach sich zieht; im Falle des Todes, wäre jedoch gar keine Form der Empfindung möglich.

Unter diesen Voraussetzungen wäre die Hypothese Nagels besonders zweifelhaft, da in diesem Fall das Übel nur darin besteht, dass etwas Gutes verloren geht, es aber niemanden gibt, der diesem Verlust empirisch unterliegt.

Zum anderen folgt daraus die Schwierigkeit, das Unglück ein bestimmtes Subjekt einem bestimmten Zeitpunkt zuzuordnen: Das Unglück betrifft nicht das Subjekt im Leben, weil der Verlust des Guten erst im Tod einsetzt und auch im Tode betrifft es nicht das Subjekt, weil er das Ende dessen Existenz darstellt.

Das dritte Problem besteht in „unserer“ Auffassung, dass die posthume Nichtexistenz negativ sei, die pränatale hingegen nicht.

Um die Gültigkeit der oben genannten Einwände zu prüfen, diskutiert Nagel diese anhand einiger Beispiele. Dabei versucht er, das Übel des Todes mit anderen vermeintlichen Übeln zu vergleichen.[6]

Im ersten Punkt war also die Frage, ob etwas schlecht für eine Person sein kann, von dem sie nicht wissentlich betroffen ist. Nagel zieht hier die Parallele zu dem Sprichwort: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.“

Dies würde bedeuten, dass eine Person so lange nicht unter der Tatsache leidet, von Freunden belogen und verspottet worden zu sein, bis sie davon erfährt. Ein Toter kann nicht mehr verletzt werden, obwohl man seinen letzten Willen missachtet oder nach seinem Tode Gerüchte über ihn verbreitet hat.

Durch diese „komplizierten“ Fälle will Nagel aufzeigen, dass nicht allein der Inhalt des Verheimlichten oder Unterschlagenen das Unglück hervorruft, sondern das Faktum, dass man verraten, betrogen oder hintergangen wurde.[7]

Nagel untersucht eine weitere Annahme[8], derzufolge eine Person ohne Berücksichtigung ihres momentanen Zustands als glücklich oder unglücklich betrachtet werden kann. Stattdessen kommt es auf ihren Lebenslauf und ihre potentiellen Möglichkeiten in der Zukunft an.

Als Beispiel nennt Nagel den folgenden Fall: Ein intelligenter Mensch erleidet einen so schweren Hirnschaden, dass er in das Kleinkindstadium zurückfällt. Er selbst ist mit seinem Zustand zufrieden, solange seine, zumeist grundlegenden Bedürfnisse gestillt werden. Schließlich ist ihm nicht bewusst, wie sein Leben vorher war und noch hätte sein können. Daher könnte man sowohl davon sprechen, dass dieser seine Identität verloren hat, als auch anzweifeln, dass er, also sein Subjekt überhaupt noch existiert

[...]


[1] Michel de Montaigne: Philosophieren heißt sterben lernen. Essais. Frankfurt am Main. 1998

[2] Thomas Nagel (1984) S. 16

[3] Thomas Nagel (1984) S. 16

[4] Thomas Nagel (1984) S. 17

[5] Thomas Nagel (1984) S. 17

[6] Thomas Nagel (1984) S. 18

[7] Thomas Nagel (1984) S. 19 Nagel schreibt hier: „[…] gewöhnlich sagt man, […]“ Ich vermute, dass er dies als allgemeine Auffassung (der Menschen) betrachtet und darin eine Bestätigung für seine Hypothese sieht.

[8] Thomas Nagel (1984) S. 19

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der Eigenwert des Lebens in Bezug auf den Tod
Hochschule
Universität Mannheim
Veranstaltung
Sterben und Tod
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V59229
ISBN (eBook)
9783638532235
ISBN (Buch)
9783640739769
Dateigröße
403 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Eigenwert, Lebens, Bezug, Sterben
Arbeit zitieren
Nina Reißler (Autor), 2005, Der Eigenwert des Lebens in Bezug auf den Tod, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59229

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