Fremdbetreuung in der Kita von Kindern unter drei Jahren

Wesentliche Vorteile und Gefahren


Hausarbeit, 2019

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Leistungen einer Kindertageseinrichtung
2.1 Kita-Anforderungen an die Eltern und Eltern-Anforderungen an die Kita
2.2 Die Bedürfnisse der Kinder

3 Die Bindungstypen nach John Bowlby

4 Der Bindungsdreiklang in der Krippenarbeit

5 Die Bindungspyramide nach Brisch und das SAFE-Programm

6 NICHD Study of Early Child Care von 1991 bis 2006 als Bewertungsversuch einer frühkindlichen Fremdbetreuung

7 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In den letzten Jahren hat die Fremdbetreuung von Kindern unter drei Jahren in Deutschland zugenommen (vgl. FAZ 2008, Statistisches Bundesamt 2018). Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der Berufstätigkeit beider Elternteile. Weitere Gründe sind die Überforderung der Eltern oder ihr Wunsch, ihr Kind mit anderen Kindern im gleichen Alter bekannt zu machen.

Diese Arbeit untersucht, unter Berücksichtigung gesetzlicher Vorgaben und wissenschaftlicher Studien, welche Qualitäten in einer Kitabetreuung beachtet werden müssen, damit das Kind keine negativen Entwicklungsfolgen erleidet.

Der erste Teil dieser Hausarbeit beschäftigt sich mit den Leistungen der Kita. Diese werden anhand von den gesetzlichen Vorgaben und Qualitätskriterien der Praxis näher beschrieben. Anschließend werden neben den Kita-Anforderungen an die Eltern, ebenso die Eltern-Anforderungen an die Kita untersucht.

Des Weiteren untersucht diese Arbeit die Bedürfnisse der Kinder unter drei Jahren. Anschließend werden neben der Eltern-Kind und Fachkraft-Kind-Bindung auch die Eltern-Kita-Bindung erläutert. Diese drei Bindungen bilden den Bindungsdreiklang in der Kitaarbeit. Zum besseren Verständnis werden zuvor die theoretischen Bindungsgrundlagen nach Bowlby erläutert.

Die Bindungspyramide und das SAFE-Präventionsprogramm nach Birsch finden ebenfalls Beachtung.

Im letzten Teil werden als Bewertungsversuch einer frühen Fremdbetreuung die Ergebnisse der NICHD Study aus den USA herangezogen.

Im Fazit wird neben der Zusammenfassung der Arbeit, ein Ausblick der Kitabetreuung in Deutschland gegeben.

2 Die Leistungen einer Kindertageseinrichtung

Die Grundlagen für die Leistungen einer Kita sind gesetzlich im SGB 8 -Kinder- und Jugendhilfe- verankert. Seit 1996 haben hiernach Kinder ab drei Jahren Anspruch auf einen Kitaplatz. Mit der Agenda 2010 wurde der Anspruch auf einen Betreuungsplatz mit der Vollendung des ersten Lebensjahres in das SGB 8 §24, 2 erweitert. Die genaueren Rahmenbedingungen werden in den Landesgesetzen festgehalten und sind somit innerhalb des Bunds unterschiedlich. Das Landesgesetz NRW verlangt beispielweise Bildungsgerechtigkeit, die Beobachtung des Kindes, Entwicklungsgespräche mit den Eltern, Fort- und Weiterbildung der Fachkräfte und zusätzliche Sprachförderung bei Kindern mit geringen Deutsch-Kenntnissen (vgl. Ministerium des Innern des Landes Nordrhein-Westfalen 2018).

Neben den gesetzlichen Grundlagen haben sich in der Praxis unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe entwickelt.

(1) Die Strukturqualität: Diese beschreibt die Größe und Zusammensetzung der Gruppe. Außerdem spielen die Ausbildungen und die beruflichen Erfahrungen der Erzieher1 und der Erzieher-Kinder-Schlüssel eine wichtige Rolle. Dieser beschreibt die Menge an Kindern, die ein Erzieher betreuen muss. Zusätzlich wird für die Bewertung der Strukturqualität auch die materielle Ausstattung der Kita herangezogen (vgl. Ahnert 2011: S.155).
(2) Orientierungsqualität: Diese beschreibt die Normen und Werte, die von den Erziehern während der Betreuung vermittelt werden (vgl. Ahnert 2011: S.155).
(3) Prozessqualität: Mit der Prozessqualität werden alle Phasen des Ablaufs bewertet. Beginnend mit der Begrüßung der Kinder, über Spiel-, Essens- und Ruhephasen bis hin zur Verabschiedung (vgl. Ahnert 2011: S.155).
(4) Ergebnisqualität: Die Ergebnisqualität lässt sich am verständlichsten anhand eines Beispiels erläutern. So sollte bei einer Malstunde nicht nur die bessere Handhabung mit Buntstiften im Vordergrund stehen, sondern gleichzeitig auch die Fertigstellung eines Bildes als Ziel festgelegt werden (vgl. Fialka 2010).
(5) Servicequalität: Parameter für die Servicequalität sind neben der Freundlichkeit des Personals auch großzügige Öffnungszeiten mit Bring- und Abholfenstern, die den Lebens- und Arbeitsgewohnheiten der Eltern gerecht werden (vgl. Fialka 2010).

Neben den zuvor genannten Kriterien bestehen in Deutschland auch andere Bewertungsmöglichkeiten. Der Deutsche Kita-Preis beispielsweise, welcher unter anderem von dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird, vergibt seinen Preis nach den folgenden vier Kriterien:

(1) Kindorientierung: Es wird bewertet, inwieweit sich die Kitas an den unterschiedlichen Lebenswelten von Kindern und ihren Familien orientieren. (vgl. DKJS o.J.).
(2) Sozialraumorientierung: Hier wird bewertet, inwieweit die Lebenssituation der Kinder einbezogen wird, die Kita eine gute Anbindung an die kommunale Infrastruktur besitzt und ob die Kita mit anderen Institutionen zusammenarbeitet (vgl. DKJS o.J.).
(3) Partizipation: Unter dem Kriterium Partizipation beurteilt der Kita-Preis die Mitgestaltungsmöglichkeiten der Kinder an ihrem Alltag und die Einbeziehung der Eltern in das Kita-Geschehen (vgl. DKJS o.J.).
(4) Lernende Organisation: Das vierte Kriterium bewertet die Lernfähigkeit der Kita. Es wird geschaut, inwiefern sich die Kita reflektiert und sich und seine Fachkräfte weiterentwickelt (vgl. DKJS o.J.).

2.1 Kita-Anforderungen an die Eltern und Eltern-Anforderungen an die Kita

Mit dem Beginn der Kita stehen die Eltern des Kindes emotionalen Konflikten gegenüber. Auf der einen Seite stellt die Kita Anforderungen an die Eltern und auf der anderen Seite haben Eltern Erwartungen an die Kita. Unterschiedliche wissenschaftliche Studien haben dieses Spannungsfeld Eltern-Kita zum Gegenstand gehabt.

Die Anforderungen an die Eltern

Die Psychologen Wilfried Griebel und Renate Niesel haben im Jahre 2004 die Ansprüche an die Eltern mit dem Kitabeginn in ihrem Transitionsansatz zusammengefasst. Dieser unterscheidet drei Ebenen.

(1) Individuelle Ebene: Mit dem Beginn der Kita stehen die Eltern vor der Herausforderung sich in der Öffentlichkeit verstärkt ihrer Eltern-Rolle bewusst zu machen und ein positives Selbstbild in der Elternfunktion zu entwickeln. Erst wenn dies erfolgt ist, sind die Eltern in der Lage nicht nur vorhandene Kompetenzen zu stärken, sondern diese auch zu erweitern.
(2) Interaktionale Ebene: Die Herausforderung dieser Ebene besteht darin neue Kontakte zu den anderen Eltern in der Kita und zu den Erziehern zu knüpfen.
(3) Kontextuelle Ebene: In dieser Ebene müssen die Eltern versuchen, sofern ihre Anforderungen mit denen der Kita nicht übereinstimmen, die Anforderungen der Kita zu akzeptieren (vgl. Daum 2014: S.17).

Die Erwartungen der Eltern an die Kita

2008 haben die Psychotherapeutinnen Frau Dr. Jutta Fiegl und Frau Dr. Brigitte Sindelar in Zusammenarbeit mit der Sigmund Freud Privat Universität Wien, in einer empirischen Studie die „Elternwünsche an den Betreuungsstil“ (Fiegl und Sindelar 2008: S.27) untersucht. Diese werden in der folgenden Tabelle zusammengefasst:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: „Elternwünsche an den Betreuungsstil“ (Sindelar & Fiegl 2008: S.27).

Auffällig bei dieser Studie ist, dass nur 14,2 % der befragten Eltern der Meinung waren, die Berücksichtigung der unterschiedlichen Persönlichkeiten sei unbedingt notwendig. Die höchste Übereinstimmung der Eltern gab es mit 88,6% bei dem Punkt „kann gut trösten und beruhigen“. Das emotionale Wohlbefinden wurde von 70,2 % als unverzichtbar eingeschätzt und das individuelle Kümmern um das Kind empfanden 60,5% der Eltern als unverzichtbar.

Bei der Ausstattung der Kita sind 77,9 % der Eltern die Sauberkeit und nur 24,9 % der Eltern die „Spielsachen zur Förderung des emotionalen und sozialen Wohlbefindens“ wichtig (vgl. Sindelar & Fiegl 2008: S.27).

2.2 Die Bedürfnisse der Kinder

Die Bedürfnisse eines Kindes sind vielschichtig und lassen sich im ersten Schritt in drei Kategorien unterteilen: Die Grundbedürfnisse, die Alltagsbedürfnisse und die Entwicklungsbedürfnisse.

Die Grundbedürfnisse eines Kindes teilen sich weiter in physiologische und psychologische Bedürfnisse.

Zu den physiologischen Grundbedürfnissen zählen die Ernährung und die Pflege des Kindes. Im Gegensatz dazu, beschreiben die psychologischen Grundbedürfnisse zum einen den Wunsch nach Nähe, Geborgenheit und Schutz des Kindes und zum anderen das Verlangen des Kindes nach einer vertrauten Bindungsperson (vgl. Daum 2014: S.13).

Die Entwicklungsbedürfnisse bestehen größtenteils aus den psychologischen Grundbedürfnissen des Kindes. Dies ist das Verlangen nach Wertschätzung, die sich durch Anerkennung, Liebe und Respekt der Eltern zeigt. Die Erfüllung der Entwicklungsbedürfnisse ist dabei ein Prozess, der sich über den gesamten Zeitraum der Entwicklung zieht.

Dagegen beschreibt das Alltagsbedürfnis, das konkrete Verlagen des Kindes nach selbständigen Entscheidungen im täglich wechselnden Alltag (vgl. Leichsenring 2014: S.6 f.).

3 Die Bindungstypen nach John Bowlby

Bevor der Bindungsdreiklang während der Kitabetreuung analysiert wird, müssen zuvor die theoretischen Grundlagen der Bindungsforschung nach Bowlby erklärt werden.

Der Psychoanalytiker und Kinderpsychiater John Bowlby aus Großbritannien stellte mit Hilfe eines Strange-Situation-Tests vier verschiedene Bindungstypen auf. Für diesen Test analysierte er die Reaktionen eines Kindes zwischen zwölf und achtzehn Monaten während dem Abschied von der Mutter, der Abwesenheit der Mutter und während der Abholsituation (vgl. Kirschke & Hörmann 2014: S.7-8).

Der erste Bindungstyp wird als sicherer Bindungstyp bezeichnet. Voraussetzung für diesen Bindungstyp ist die Feinfühligkeit der Mutter und ihre sensible Bedürfnisbeantwortung . Eine entwicklungspsychologische Folge dieses Bindungstyps ist, dass das Kind soziale Kompetenzen im Alter besser und leichter erlernt (vgl. Kirschke & Hörmann 2014:S.9-10).

Bei einem unsicher-vermeidenden Bindungstyp lässt sich das Kind für Außenstehende sehr leicht von der Mutter trennen, wobei der Cortisol-Spiegel des Kindes sehr hoch ist. Wenn die Mutter den Raum, in dem sich das Kindes befindet, wieder betritt, wirkt das Kind sehr neutral. Der Cortisol-Spiegel sinkt nicht. Entwicklungspsychologisch wurde von Bowlby die These aufgestellt, dass bei einem solchen Bindungstyp die zukünftige Beziehungskompetenz des Kindes weniger ausgeprägt sein wird (vgl. Kirschke & Hörmann 2014: S.9).

Bei einer unsicher-ambivalenten Bindung herrscht mal große Zuverlässigkeit und mal Ablehnung zwischen Mutter und Kind. Eine Gefahr dieses Bindungstyps besteht darin, dass das Kind ein höheres Aggressionspotential in seinem weiteren Leben aufbaut (vgl. Kirschke & Hörmann 2014: S.10).

Der vierte Bindungstyp wird desorganisierter Bindungstyp genannt. Dieser Bindungstyp ist vor allem durch Genervtheit und Ignoranz der Mutter gegenüber dem Kind geprägt. Hier verhält sich das Kind neutral, zeigt also weder Freude, noch Traurigkeit. Bei einem solchen Bindungstyp steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind in seinem späteren Leben psychisch erkranken wird (vgl. Kirschke und Hörmann 2014: S. 11).

[...]


1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung aller personalisierten Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für jedes Geschlecht.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Fremdbetreuung in der Kita von Kindern unter drei Jahren
Untertitel
Wesentliche Vorteile und Gefahren
Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
16
Katalognummer
V593737
ISBN (eBook)
9783346179203
ISBN (Buch)
9783346179210
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kita, Betreuung, Kinder, soziale arbeit, psychologie, Entwicklungspsychologie, Fremdbetreuung, kleinkinder, Kinder unter drei
Arbeit zitieren
Lea Hölkemann (Autor:in), 2019, Fremdbetreuung in der Kita von Kindern unter drei Jahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/593737

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