Rezension zu Marx' "Manifest der kommunistischen Partei"


Rezension / Literaturbericht, 2016

4 Seiten, Note: +


Leseprobe

2. Semester

Einführung in die Sozialstrukturanalyse

Mathes, Alicia

Marx, Karl; Engels, Friedrich (2009): Manifest der kommunistischen Partei. In: Solga, Heike; Powell, Justin; Berger, Peter A. (Hrsg.): Soziale Ungleichheit. Klassische Texte zur Sozialstrukturanalyse. Frankfurt a.M./ New York, S. 75-84.

Rezension

In das „Manifest der kommunistischen Partei“1 thematisiert Marx den Klassenkampf zwischen der Bourgeoisie und dem Proletariat. Jede Gesellschaft besteht aus Unterdrückten und Unterdrückern. Es kommt zu Klassenkämpfen aus denen eine revolutionäre Umstrukturierung der Gesellschaft oder ein „gemeinsame[r] Untergang der kämpfenden Klassen“ (S. 75) resultiert.

Zunächst stellt Marx die Entwicklung von der feudalen zur modernen kapitalistischen Gesellschaft und den Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat dar. Diese ‘Menschenklassen‘ entstehen aus den ökonomischen Produktionsverhältnissen. Die Unterdrückten Proletarier versuchen beständig aus dieser Situation auszubrechen. Gelingt es ihnen, erfahren sie allerdings nicht die erhoffte Befreiung, sondern lediglich eine ‘Neuformatierung der Klassen‘ mit neuen Bedingungen für die Unterdrückten.

Durch die Vermehrung von Waren und Tauschmitteln bekommen Handel, Schifffahrt und Industrie neuen Aufschwung. Als Grund hierfür werden die Entdeckung und Kolonialisierung Amerikas sowie der ostindische und chinesische Markt genannt. Durch diesen raschen Fortschritt der Ökonomie sowie durch die Globalisierung zerfällt die feudale Gesellschaft, die die Produktion nur gehemmt, statt gefördert, hat. Es entsteht eine freie Konkurrenz sowie eine ökonomische und politische Herrschaft.

Die Bourgeoisie erschafft sich neue Handelskapazitäten. An die Stelle der feudalen Industrie tritt die Manufaktur. Durch den steigenden Bedarf von Waren reicht die Manufaktur später nicht mehr aus, weshalb die Maschinerie diese ersetzt. Industrielle Produktionen, Herstellung des Weltmarktes, Anstieg der Kapitalien, Herausbildung des modernen Bourgeois und die Abdrängung der mittelalterlichen Klassen (in den Hintergrund) entwickeln sich stark in der Gesellschaft.

Die unterste Gesellschaftsschicht unter der Bourgeoisie bildet das Proletariat. Sie ist die Grundlage der industriellen Produktion. Der Proletarier ist die moderne Handelsware bzw. ein modernes Zubehör zur Betätigung der Maschinen. Für eine solche Tätigkeit bedarf es keiner besonderen Geschicklichkeit, weshalb der Arbeiter (auch durch Frauen, die zu dieser Zeit vermehrt angestellt werden) ersetzbar ist. Alter und Geschlecht entscheiden, wie viel Lohn für verrichtete Arbeit bezahlt wird. Das gelernte Handwerk der Kleinindustriellen, Kleinhändler und Zunftswerker verliert an Wert. Die Arbeiter verkaufen ihre Arbeitskraft zur Kapitalvermehrung. Um die geforderten Produktionsmassen zu bewältigen, werden mehr Maschinen zum Einsatz gebracht. Mehr Maschinenarbeit bedeutet allerdings, dass mehr Frauenarbeit gefördert wird. Die Arbeit wird den Menschen zuwider, gleichzeitig sinkt ihr Lohn. Ist der Lohn ausgezahlt, so fordern vorhandene Gläubiger ihr Geld, sodass den Arbeitern nur die Finanzierung ihrer Lebensmittel und ihres Unterhalts zur Fortpflanzung bleibt. Sie erzielen keinen Gewinn.

Die Beherrschbarkeit der gewaltigen Produktions- und Verkehrsmittel, die ebenfalls eine Grundlage der Bourgeoisie bilden, ist nicht mehr gegeben. Die Methoden, die einst den Feudalismus zerstörten, drohen nun, die Bourgeoisie zu zerstören. Doch statt sich gegen den Fortschritt der Industrie zu erheben sinkt der moderne Arbeiter in seiner eigenen Klasse herab, sodass Armut entsteht. Aufgrund der Armut bekommt die Bourgeoisie keine Arbeiter mehr für ihre Produktion. Ohne die Warenproduktion aber kann die Bourgeoisie nicht überleben und kollabiert.

Nach der Entdeckung Amerikas entwickelte sich die Gesellschaft rasant. Eine Entwicklung, die von Marx gutgeheißen wird. Er führt allerdings an, dass die Entwicklung zu viele Dinge ins Negative verändert. Kritikpunkte sind die entstandene Überproduktion (S. 79ff.), der Pauperismus (S. 83/84) und der Umgang mit der Arbeitergesellschaft, nachdem Arbeiter auf einem niedrigen Lohnniveau gehalten werden (S. 81).

Marx hingegen stellt die Existenz der Gesellschaft und das was sie wirklich brauche in Frage (S. 79ff). Seine Antwort hierauf ist, dass es zu viel in der Gesellschaft an Zivilisation, Lebensmitteln, Industrie und Handel gäbe. Die Gesellschaft erwartet regelrecht das Vorhandensein aller Gebrauchsgüter. Vielen sei nicht bewusst, dass von ihnen zu viel im Umlauf sei und diese – insbesondere bei Lebensmitteln – schlecht werden können und somit entsorgt werden müssen. Hauptsache sei für Viele eine stetige Verfügbarkeit ihrer Gebrauchsgegenstände. Dieses Denken bringt Unordnung in die Gesellschaft, da der Markt darauf ausgelegt ist, dass der Kunde bekommt was er möchte. Nur so verdienen die Unternehmer/die Bourgeois Geld. Rohstoffe sollen künftig auf dem Weltmarkt angeboten werden, damit der Absatz steigt und den Menschen mehr Vielfalt und Innovation geboten werden kann. Die Nationen sollen sich materiell und geistig voneinander abhängig machen. Nationaleigene Güter und Literaturen werden zum Allgemeingut und zur Weltliteratur erklärt. Die Bourgeoisie erschafft sich eine eigene Welt, in der sich alle Nationen die gleiche Produktionsweise aneignen müssen, um zivilisiert zu sein, da sie sonst zugrunde gehen. Damit entsteht die politische Zentralisation, die alle unabhängigen Provinzen mit verschiedenen Interessen, Gesetzen, Regierungen und Zöllen in eine Nation, eine Regierung, ein Gesetz und in ein nationales Klasseninteresse drängt. Die Gesellschaft ist nun von Industrie, Handel, Kapitalmaximierung, Konsum, Produktion, Arbeit und Ausbeutung geprägt. Der Mensch habe an nichts zu glauben als an diese Vorgaben. Das ist der Punkt, der von Marx angeprangert wird. Den Verbrauchern wird immer mehr angeboten und immer weniger Lohn gezahlt. Insbesondere während der Industrialisierung, in der Menschenarbeit durch Maschinen ersetzt wird, müssen Arbeiter weniger anspruchsvolle Arbeit leisten und erhalten im gleichen Zug für mehr Arbeit weniger Geld. Ebenfalls werden Stellen abgebaut und mehr Frauen eingestellt. (S. 80) Die Proletarier erwirtschaften durch ihre Arbeit keinen Gewinn, aber sollen alles kaufen was angeboten wird. Dadurch, dass ihnen das nötige Geld zum Einkaufen fehlt, entstehen bei den Waren vermehrt Rückstände, die übrig bleiben und niemand verbraucht, während jedoch weiter produziert wird. Die Bourgeoisie muss für ihr Überleben neue Proletarier ausbilden, um ihre eigenen Feinde – die Monarchie, Grundeigentümer, Kleinbürger – zu überwinden. Jedes Land muss zunächst seine eigene Bourgeoisie besiegen. Da sich die Proletarier durch den Konkurrenzdruck untereinander nicht erheben, sinken sie tiefer in die Armut. (S. 83) Somit verliert die Bourgeoisie ihre Arbeiter, die sie erhält. Marx sagt aus, dass er von dem Vorgehen und dem Denken, dass die Bourgeoisie verlangt nicht viel hält und dass der Untergang der Bourgeoisie kommen muss.

Auffällig ist, dass Marx viele abwertende Verben benutzt, um seinen Standpunkt – den Antikapitalismus – zu verdeutlichen. So spricht er von zwei großen feindlichen Lagern (S. 75) und vom Verdrängen der mittelalterlichen Klassen in den Hintergrund (S. 76).

Ebenfalls macht Marx von der metaphorischen Ausdrucksweise gebrauch. Dies wird auf Seite 77 deutlich, wenn er die Ersetzung der zwischenmenschlichen Werte durch die „gefühllose >>bare Zahlung<<“ beschreibt. „Sie hat die heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, […] in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung ertränkt. […]“ Die beschriebenen Zeilen machen deutlich, dass er die Objektivierung der menschlichen Werte nicht gut heißt. Am Ende des gleichen Absatzes spricht er von einer vorherrschenden Ausbeutung, die durch eine offene Ausbeutung ersetzt wird. Dieser Ausdruck erklärt, dass er eine versteckte Ausbeutung, wie sie vorher existierte, für ‘besser‘ empfindet, wobei er grundsätzlich gegen Ausbeutung ist. Die metaphorische Sprache führt er ebenfalls auf der nachfolgenden Seite weiter, wenn er erklärt, dass sich die Bourgeoisie ein eigenes Bild der Welt erschafft.

Im Anschluss setzt Marx auf einen ironischen Ton, der seine Abneigung zu den Veränderungen in der Bourgeoisie nochmals untermauern soll. „[…] Menschen sind endlich gezwungen, ihre Lebensstellung, ihre gegenseitigen Beziehungen mit nüchternen Augen anzusehen.“ (S.77) Das heißt, dass die Lebenseinstellungen fortan objektiv betrachtet werden müssen. Die Bourgeoisie zerstört in ihrer höchst revolutionären Rolle nicht nur die feudalen, patriarchalischen, idyllischen Verhältnisse (S. 76), sondern auch die Zwischenmenschlichen. Es geht nicht mehr um ein Miteinander, sondern um das Bezahlen. Daraus resultiert ein Konkurrenzdruck untereinander.

Schlussendlich kritisiert Marx im „Manifest der kommunistischen Partei“ die komplette Vorgehensweise der Bourgeoisie und heißt den Kommunismus für wesentlich angebrachter. Allerdings bringt er in seinen Zeilen keine konstruktiven Lösungsansätze oder Verbesserungsvorschläge, wie man die Gesamtsituation, die sich in dieser Epoche auftut, verändern kann.

[...]


1 Ich werde in der vorliegenden Arbeit nicht gendern, da ich es in Bezug auf den Text von Karl Marx als unangebracht empfinde. Aufstände durch Frauen u. ä. waren zum damaligen Zeitpunkt noch nicht legitimiert.

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Rezension zu Marx' "Manifest der kommunistischen Partei"
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Soziologie)
Veranstaltung
Einführung in die Sozialstrukturanalyse
Note
+
Autor
Jahr
2016
Seiten
4
Katalognummer
V595703
ISBN (eBook)
9783346246899
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
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Schlagworte
Marx, Karl, Manifest, Kommunismus, kommunistische Partei
Arbeit zitieren
Alicia Mathes (Autor), 2016, Rezension zu Marx' "Manifest der kommunistischen Partei", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/595703

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