Internes Hedging und Risikosteuerung

Funktionsweise, Vorteile & Nachteile


Akademische Arbeit, 2019

33 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gründe für Risikomanagement

3 Instrumente zur Steuerung des Risikos
3.1 Forwards und Futures
3.2 Swaps
3.3 Optionen und Realoptionen
3.4 Kreditaufnahme oder Kreditvergabe
3.5 Versicherungen
3.6 Internes Hedging

4 Hedging unterschiedlicher Risiken
4.1 Kredit- und Zinsänderungsrisiko
4.2 Währungs- und Wechselkursrisiko
4.3 Politisches Risiko und Preisänderungsrisiko

5 Internes Hedging
5.1 Funktionsweise des natürlichen Hedgings
5.1.1 Standortwahl
5.1.2 Beschaffungspolitik
5.1.3 Wahl der Vertragswährung
5.1.4 Aktiv-Passiv Management
5.2 Funktionsweise des Internen Hedgings
5.3 Vorteile des Internen Hedgings
5.3.1 Installation eines konzernweiten Monitorings
5.3.2 Reduktion von Spekulationen und Fehlern bei Sicherungsgeschäften
5.3.3 Einsparungen bei Kosten und Gebühren für Sicherungsgeschäfte
5.4 Nachteile des Internen Hedgings
5.4.1 Kosten für die Installation eines internen Reporting-Systems
5.4.2 Lokale Expertise bleibt ungenutzt
5.5 Methoden des Internen Hedgings
5.5.1 (Exposure-) Netting
5.5.2 Matching
5.5.3 Leading und Lagging
5.5.4 Währungsdiversifikation
5.5.5 Preispolitik
5.6 Internes Hedging – Unternehmensbeispiele
5.6.1 Strategie des Volkswagen-Konzerns
5.6.2 Studie zum Thema „Hedging“

6 Schlussfolgerung

7 Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Als „hedging“, Hedge- oder auch Sicherungsgeschäft, bezeichnet man Transaktionen, deren Ziel es ist, zukünftigen Wertveränderungen zuvor zu kommen und den Preis eines Geschäfts bereits zum heutigen Zeitpunkt abzusichern. Üblicherweise wird zu diesem Zwecke ein Termingeschäft abgeschlossen, das den „Hedger“ (die Person, die sich absichern möchte) vor eventuellen Preis- oder Kursschwankungen schützt. Aber auch durch Versicherungen und/oder Kreditaufnahmen/Kreditvergaben können Risiken reduziert werden.

Da alle oben genannten Formen der Absicherung direkt oder indirekt Transaktionskosten, wie beispielsweise Spesen und Gebühren, verursachen, stellt das interne Hedging eine attraktive Alternative dar, um Kosten einzusparen. Vor allem in international agierenden Unternehmen, die beispielsweise in mehreren Währungen operieren, kann ein internes Hedging die Effizienz des Risikomanagements erhöhen und gleichzeitig Ressourcen einsparen. Internes Hedging schließt alle Aktionen des Unternehmens ein, die zum Ziel haben, potentielle Risiken abzusichern, ohne mit Drittparteien zu agieren. Potential für internes Hedging ist zum Beispiel bei einem europäischen Unternehmen gegeben, welches Erlöse aus dem operativen Geschäft in Dollar erwartet. Alle Kosten hingegen (Rohstoffe, Gehälter und Löhne, sowie alle weiteren mit dem Produkt verbundenen Ausgaben wie Forschung, Entwicklung, etc.) fielen allerdings in Euro an. Durch diverse Maßnahmen, darunter den Bezug von Rohstoffen und/oder Dienstleistungen in US-Dollar oder die Eröffnung einer Produktionsstätte in den Vereinigten Staaten könnte das Wechselkursrisiko verkleinert werden, ohne Kontrakte auf der Börse zu erwerben, Forward-Verträge mit Geschäftspartnern zu schließen oder Kredite bei Banken aufzunehmen.

Welche Möglichkeiten es für Unternehmen gibt, diese Chancen wahrzunehmen, und welche potentiellen Vor- und Nachteile durch diese Aktionen entstehen können, wird in dieser Arbeit ausführlich dargestellt. Beispiele aus der Praxis sollen veranschaulichen, wie verbreitet diese Praktik in der Realität ist und wie wichtig Unternehmen diese Form des Hedgings im Vergleich zu den klassischen Alternativen ist.

2 Gründe für Risikomanagement

Oft wird die Frage gestellt, wozu Unternehmen überhaupt Risiken absichern sollen, da die reine Reduktion des Risikos auf den ersten Blick keinen zusätzlichen Wert für die Eigentümer schafft.1 Und tatsächlich ist es korrekt, dass der erwartete Profit nicht dadurch gesteigert werden kann, indem die Volatilität der zukünftigen Cashflows verringert wird. Klassisches Hedging, beispielsweise das Fixieren eines Preises zum heutigen Stand oder das Versichern einer Transaktion, kann als Nullsummenspiel2 gesehen werden, da das Risiko nicht verschwindet, sondern lediglich den Besitzer wechselt. Ein Großbauer beispielsweise, der jedes Jahr einen festen Verkaufspreis für sein Getreide über ein Termingeschäft erzielt, wird in manchen Jahren in Relation zum tatsächlichen Getreidepreis zum Verkaufszeitpunkt einen Verlust und in manchen Jahren einen Gewinn erzielen. Unter der Prämisse, dass die Märkte weitgehend effizient sind und der Großbauer keine zusätzlichen (Insider-) Informationen besitzt, werden sich seine theoretischen Gewinne und Verluste aus dem jährlichen Termingeschäft über einen längeren Zeitraum ausgleichen. Kongruent dazu verhält es sich auf Seiten des Gegenparts des Termingeschäftes.3 Darüber hinaus können Investoren ihre Risiken selbst managen, so kann sich ein Investor gegen die Schwankungen des Ölpreises (teilweise) absichern, indem er in die gesamte Wertschöpfungskette investiert4, die Unternehmen selbst müssen dafür keine Absicherungen vornehmen. Abgesehen davon, dass manche Investoren bewusst risikoreichere Investments bevorzugen könnten, kann also jeder Investor sein persönliches Risiko selbst (z. B. durch Diversifikation5 in voneinander unabhängige Industriezweige) steuern. Ähnlich des Irrelevanz-Theorems von Modigliani und Miller, die behaupten, dass in perfekten Märkten der Wert eines Unternehmens unabhängig vom Verschuldungsgrad eines Unternehmens ist, könnte man nun auch hier behaupten, dass das Risikomanagement des Unternehmens irrelevant sei, da Investoren ihr Gesamtrisiko über alle Investments hinweg selbst managen können. In der Realität existieren jedoch gute Gründe, Risiken zu minimieren:6

- Liquiditätsengpässe und „financial distress costs“ Risikoreduzierendes Management vereinfacht die Liquiditätsplanung und senkt dadurch die Gefahr von Liquiditätsengpässen, da die Cashflows gleichmäßiger sind. Dadurch kann verhindert werden, dass Unternehmen aufgrund fehlender liquider Mittel Investitionsprojekte nicht realisieren können. Außerdem sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Zahlungsunfähigkeit, welche im schlimmsten Fall die Existenz einer Unternehmung bedrohen kann, immer jedoch mit erheblichen Nachteilen und Kosten einhergeht.7 Banken verlangen darüber hinaus oft risikoreduzierende Maßnahmen für weitere Kredite.8
- Höhere Kapitalkosten Risikoreichere Unternehmen weisen tendenziell höhere Kapitalkosten auf, da Investoren bei mehr Risiko auch eine höhere Rendite verlangen.
- Höhere Löhne Parallel zu Investoren verlangen auch Arbeiter und Angestellte eine höhere Kompensation in Form höherer Löhne/Gehälter, wenn ihr Arbeitsplatz risikoreicher ist.
- Steuerliche Nachteile Niedrigeres „Tax Shield“ durch die Konvexität vieler Steuertarife
- Schlechtere Verhandlungsposition gegenüber Stakeholdern Ein risikoreicheres Unternehmen wird es in der Regel schwieriger haben, langfristige Lieferanten- und Kundenbeziehungen aufzubauen, als ein Unternehmen mit stabilen Cashflows.
- Stabile, interne Finanzierung Um Projekte intern zu finanzieren, werden im Zeitablauf relativ stabile Cashflows benötigt. Je risikoreicher (und damit volatiler) die Umsätze eines Unternehmens sind, desto mehr ist es auf externe, meist teurere Finanzierungsalternativen9 angewiesen.
- Fokus auf Kernkompetenzen Die Absicherung von Risiken erleichtert dem Management die Planung und Prognosen für die Zukunft. Darüber hinaus müssen weniger Ressourcen in die Überwachung und das Management offener Risiko-Positionen investiert werden. Dadurch können sich die Mitarbeiter besser auf das Kerngeschäft fokussieren.
- Der Erwartungswert von Spekulationen ist Null bis leicht negativ Oft denken Trader, sie können durch bewusstes Nicht-Absichern der Risiken einen Mehrwert generieren. Die tatsächlichen Kosten eines Hedges sind in der Regel sehr gering, im Idealfall liegen sie sogar nahe Null. Beispiel Wechselkursabsicherung: Wenn die Forward Rate gleich der erwarteten Spot-Rate ist, was die Theorie vermuten lässt, dann betragen die erwarteten Kosten Null. Zumindest bei den großen Währungen US-Dollar, Euro und Yen kann man von relativ effizienten Märkten ausgehen. Wenn also das Management einer Unternehmung keine besseren (Insider-) Informationen über den Marktpreis besitzen als der Rest des Marktes, kann ihnen allgemein zum „Hedgen“ geraten werden. 10 Unternehmen, deren Kernkompetenz in einem anderen Bereich liegt, sollten sich daher auf diese fokussieren. Investoren haben schließlich auf individueller Ebene die Möglichkeit, durch diverse Finanzprodukte Spekulationsrisiken einzugehen und diese genau ihren Bedürfnissen und Erwartungen anzupassen.

3 Instrumente zur Steuerung des Risikos

Zur Steuerung und Absicherung von Risiken sind sowohl standardisierte börsennotierte Derivate wie Futures und Optionen denkbar, aber auch nichtstandardisierte Kontrakte, welche „over the counter“ mit Drittparteien abgeschlossen werden, können zur Absicherung verwendet werden. Standardisierte Kontrakte besitzen hierbei jedoch den großen Vorteil, dass diese im Bedarfsfall deutlich einfacher veräußert werden können und daher eine höheren Liquiditätsgrad aufweisen. Eine weitere Möglichkeit ist, natürliche und interne Hedging-Methoden zu nutzen.

3.1 Forwards und Futures

Eine in der Praxis weit verbreitete Methode des Hedgings erfolgt mithilfe von Forwards und Futures. Dabei handelt es sich um Termingeschäfte, bei denen der Kauf- oder der Verkaufspreis bereits im Vorhinein festgelegt wird. Bei Futures handelt es sich um standardisierte Kontrakte, die auf Börsen gehandelt werden. Forwards stellen bilaterale Geschäfte dar, die „over the counter“ gehandelt werden und dementsprechend individuell ausgestaltet werden können.11

Durch den bereits im Vorhinein fixierten Preis werden bei Termingeschäften sowohl positive als auch negative Abweichungen ausgeglichen. Da in effizienten Märkten zukünftige Preisentwicklungen generell als zufällig und nicht vorhersehbar angenommen werden können, ist der Erwartungswert aus Gewinnen und Verlusten von Termingeschäften Null (abzüglich etwaiger Transaktionskosten).12

Da man Forwards „over the counter“ abschließt, trägt der „Hedger“ immer das Ausfallsrisiko des Kontrahenten. Dieses Risiko kann durch den Handel mit standardisierten Kontrakten an der Börse (Futures) weitgehend ausgeschaltet werden.13

3.2 Swaps

Bei Swaps handelt es sich um derivative Kontrakte, bei denen zwei Parteien Cash-Flows, Verbindlichkeiten, Zinssätze, Renditen, oder ähnliches austauschen. Swaps sind in der Praxis weit verbreitet. Die häufigste Anwendung von Swaps sind Zinsswaps, bei denen in der Regel eine variable gegen eine fixe Verzinsung eingetauscht wird. Swaps werden üblicherweise OTC gehandelt und auf die Bedürfnisse der Kontraktparteien zugeschnitten.14

Eine Verwendung von Swaps innerhalb einer Hedging-Strategie kann beispielsweise sein, dass ein Unternehmen mit variabel verzinsten Krediten mehr Planungssicherheit hinsichtlich der in Zukunft anfallenden Zinszahlungen haben möchte und daher diese variable Verzinsung mithilfe eines Swap-Agreements mit einem fixen Zinssatz tauscht.15

3.3 Optionen und Realoptionen

Optionen ermöglichen es einem Unternehmen, sich gegen negative Preisentwicklungen abzusichern, ohne dabei die Gewinnchancen im Falle einer für das Unternehmen positiven Preisentwicklung zu begrenzen. Es wird also das „downside“ Risiko von Verlusten bei einer ungünstigen Preisentwicklung auf Seiten des Optionskäufers abgesichert. Allerdings fällt eine Prämie an, die vom Optionskäufer gezahlt werden muss.16

Unter Realoptionen versteht man verschiedenste Strategien, die es dem Management ermöglichen, auf diverse Marktveränderungen zu reagieren. Beispiele dafür wären Anlagen, die mit verschiedenen Treibstoffen betrieben werden können („switching option“) oder verschiedene Produkte/unterschiedliche Größen herstellen können.17

3.4 Kreditaufnahme oder Kreditvergabe

Eine weitere Möglichkeit, Risiken vor allem im Zusammenhang mit Fremdwährungen zu verringern, ist eine Kreditaufnahme in der jeweiligen Währung, in der man die zukünftige Einzahlung erwartet (und den sofortigen Tausch des Auszahlungsbetrages in die Heimatwährung); beziehungsweise der heutige Tausch der Heimatwährung in die Fremdwährung bei einer in der Zukunft zu begleichenden Schuld.

3.5 Versicherungen

Versicherungen stellen eine einfache und gute Möglichkeit dar, Risiken abzusichern. Auch wenn die gängigsten Formen das operative Geschäft und Umweltschäden (Brand, Sturm, etc.) betreffen, existieren in der Realität vielseitigste Möglichkeiten, Risiken zu versichern. Ein Beispiel dafür ist das Abschließen einer Exportversicherung der OeKB, welche bei internationalen Geschäften die Zahlung garantiert. Wechselkursrisiken hingegen können durch klassische Versicherungen nur sehr schwer begrenzt werden.

3.6 Internes Hedging

Externe Marktrisiken durch interne Hedging-Methoden abzusichern hat eine Reihe von Vorteilen gegenüber dem klassischen Weg, ausschließlich Derivate und anderen Kontrakte mit externen Parteien zu nutzen. In vielen Fällen versuchen Manager einzelner Geschäftsbereiche oder Tochterunternehmen eines Konzerns unabhängig voneinander, Risiken zu minimieren, indem sie beispielsweise Derivate zur Absicherung gegen Wechselkursschwankungen einzelner Positionen kaufen. Besonders bei international agierenden Konzernen tritt allerdings häufig der Fall ein, dass sich offene Positionen zumindest teilweise überlappen und ausgleichen. Das Hedgen individueller Geschäfte kann dadurch ineffizient werden und im schlimmsten Fall das Gesamtrisiko sogar vergrößern.18

Durch das Melden der noch nicht abgesicherten Positionen innerhalb der einzelnen Divisionen an das zentrale Treasury des Unternehmens, können alle Positionen saldiert werden. Nur ein etwaiger „Risiko-Überhang“ muss danach durch externe Hedging-Methoden abgesichert werden. Da sich Risikopositionen eines international agierenden Konzerns oft gegenseitig decken, besteht durch internes Hedging großes Potential, sowohl Transaktionskosten als auch Zeit einzusparen.19

Darüber hinaus verkleinern sich die derivativen Positionen, die ein Unternehmen eingeht. Unvorhergesehene Risiken, beispielsweise durch Fehler des Managements einer Division bei einem Sicherungsgeschäft können daher verringert werden. Dadurch, dass nur eine übergeordnete Abteilung des Konzerns derivative und ähnliche Positionen verwaltet und handelt, können auch diverse Agency-Problematiken verringert werden (speziell dann, wenn die Entlohnung des Managements an den Gewinn einer Tochtergesellschaft oder einer Geschäftseinheit gekoppelt ist). Wird im laufenden Geschäftsjahr kein Gewinn erwirtschaftet, könnte unter bestimmten Umständen das Management in Versuchung kommen, doch noch durch einen riskanten Handel mit Derivaten in den positiven Bereich zu kommen, um so den Jahresbonus zu erhalten. Ein weiterer Aspekt ist, dass der Handel mit derivativen Produkten keine triviale Aufgabe darstellt und daher von professionellen Händlern innerhalb Spezialabteilungen durchgeführt werden sollte, anstatt in jeder Division separat jemanden damit zu beauftragen. Eine Zentralisierung dieser Funktion bietet Kostenvorteile und kann das Fehlerpotential drastisch reduzieren.20

Kapitel 5 enthält eine detaillierte Aufstellung der Funktionsweise sowie der Vor- und Nachteile von internen Sicherungsmethoden.

4 Hedging unterschiedlicher Risiken

Grundsätzlich kann ein Unternehmen wählen, welche Risiken es absichern will und zu welchem Grad. So sichern sich die meisten Unternehmen nicht gegen alle Risiken ab, da einige Risiken kaum quantifizierbar und noch schwerer vorhersagbar sind. Eine weitere Überlegung ist, wie flexibel Hedging-Strategien sein sollen, um dem Unternehmenszweck bestmöglich zu dienen.

Dieses Kapitel enthält einen Auszug möglicher Risiken, welchen ein international agierendes Unternehmen häufig ausgesetzt ist und Möglichkeiten, diese abzusichern.

4.1 Kredit- und Zinsänderungsrisiko

Unternehmen, die externes Kapital benötigen, haben mehrere Möglichkeiten, sich gegen das Zinsänderungsrisiko abzusichern. Die einfachste Möglichkeit ist, sich zu einem fixen Zinssatz bei einer Bank zu verschulden. Da diese Form der Fremdfinanzierung in der Praxis jedoch oft teuer ist, gibt es weitere, in vielen Fällen günstigere Möglichkeiten. Eine davon ist, sich variabel zu verschulden, gleichzeitig aber einen Zinsswap abzuschließen, der den variablen gegen einen fixen Zinssatz tauscht. Ist das Ziel die Finanzierung eines Projektes in einem anderen Währungsraum, werden kombinierte Zins- und Währungsswaps verwendet.21

Innerhalb von Großunternehmen stehen auch Formen interner Kreditvergabe zur Verfügung. Eine weitere Methode ist Cash-Pooling, bei dem überschüssige Liquidität einer Unternehmenseinheit oder eines Tochterunternehmens zentral gesammelt, veranlagt und zur Finanzierung anderer interner Projekte verwendet wird. Die Veranlagung erfolgt dabei je nach Bedarf kurzfristig (bspw. Overnight-Anlagen) oder auch längerfristig.

Da interne Finanzierungen dadurch einfacher und effizienter durchgeführt werden können, wird diese Methode besonders bei internationalen Großunternehmen häufig eingesetzt. Transaktions- und Zinskosten können eingespart werden bzw. bleiben im Unternehmen, da keine oder nur geringere externe Mittel beschafft werden müssen. Um trotzdem aussagekräftige Performanceanalysen der Konzernsparten gewährleisten zu können, sollten die internen Kreditvergaben jedoch zu marktähnlichen Konditionen erfolgen.22

4.2 Währungs- und Wechselkursrisiko

Das Wechselkursrisiko beschreibt den Unsicherheitsfaktor schwankender Wechselkurse. Unternehmen, die in mehreren Währungen operieren, unterliegen dem ständigen Risiko, dass sich Wechselkurse zu ihren Ungunsten entwickeln. Erwirtschaftet ein Industrieunternehmen bspw. 80 % seines Umsatzes durch Exporte in den Dollar-Raum und wird dafür auch in Dollar entlohnt, die Produktion und Beschaffung von Materialien erfolgt aber zu 100 % in Euro, ist es stark anfällig für Veränderungen des Euro/Dollar Wechselkurses. Wertet der US-Dollar zum Euro ab, sinken bei gleichbleibenden Dollar-Preisen die Einnahmen des Unternehmens. Um das auszugleichen, müssten die Dollar-Verkaufspreise angehoben werden. Diese Möglichkeit kann aber aufgrund bestehender Verträge oder starker lokaler Konkurrenz nur schwer durchführbar sein.23

Daher wenden viele international agierende Unternehmen Absicherungsstrategien an, die sowohl externe Methoden (Währungs-Futures, Forwards, Kreditaufnahme in Fremdwährungen und Umtausch in die Heimatwährung24 – der Rückzahlungsbetrag entspricht dabei der erwarteten Einzahlung aus dem operativen Geschäft) als auch interne Methoden beinhalten.

4.3 Politisches Risiko und Preisänderungsrisiko

Politisches Risiko, also die Gefahr von Änderungen in der (Wirtschafts-) Politik oder der Gesetzeslage in einem Land wurde in der Vergangenheit durch verschiedenste Institutionen wie zum Beispiel die World Trade Organization stark reduziert. Aktuelle politische Ereignisse wie der Austritt Großbritanniens aus der EU sowie der Handelskonflikt zwischen den USA und China veranlassen große, international agierende Konzerne allerdings, sich wieder intensiver mit politischen Risiken zu beschäftigen.25

Manche Manager betrachten politisches Risiko als gegebenes Marktrisiko, ähnlich einer Naturkatastrophe, welches sie nicht beeinflussen können. Es existieren jedoch Strategien, politische Risiken zu reduzieren:

- Eine größere Abhängigkeit ausländischer Tochtergesellschaften von der Muttergesellschaft senkt das Risiko von Enteignungen, da die Tochtergesellschaften auf sich allein gestellt nicht überlebensfähig beziehungsweise gewinnbringend wären.26
- Auch der enge Kontakt und wirtschaftliche Verflechtungen mit international bedeutenden Institutionen kann ausländische Investitionen schützen.27

Eine oftmals direkte Implikation von politischen Risiken, die schlagend werden, ist das Preisänderungsrisiko, wenn beispielsweise Importbeschränkungen zu einem geringeren Angebot eines gewissen Gutes führen. Selbstverständlich können sich (unvorhergesehene) Preisänderungen aus einer Vielzahl von Gründen ergeben, wie etwa plötzlichen Nachfrage- oder Angebotsschocks aufgrund technischer Neuerungen, Naturkatastrophen, etc. Einzelereignisse wie Naturkatastrophen sind allerdings kaum vorhersehbar. Durch diverse Finanzmarktinstrumente und Versicherungen gibt es zwar auch hier Möglichkeiten sich abzusichern (z. B. Wetterderivate), darauf wird in dieser Arbeit allerdings nicht näher eingegangen.

Der Ölpreis ist traditionell großen politischen Risiken ausgesetzt, da viele ölfördernde Staaten Kartellen (wie zum Beispiel der OPEC28 ) angehören und so den Ölpreis zu ihren Gunsten beeinflussen. Aus Sicht eines Unternehmens ist es jedoch möglich, Vorkehrungen zu treffen, um zumindest kurzfristige Preisschwankungen abfedern zu können. Die OMV baute zu diesem Zweck große Öltanks.29 Es gilt allerdings zu beachten, dass durch gewisse Absicherungsstrategien andere Risiken zunehmen. Am Beispiel der erhöhten Lagerhaltung von Rohöl kommt es zu einem Trade-off zwischen der Preisabsicherung und Lagerrisiken (Diebstahl, Sabotage, Naturkatastrophen, Feuer, etc.), welche in der Regel versichert werden müssen.

Selbstverständlich ist es auch hier möglich, Ölpreisschwankungen durch den Einsatz von Derivaten für einen gewissen Zeithorizont entgegenzuwirken.

Auch aus Sicht einzelner Staaten ist es sinnvoll, Risiken im Zusammenhang mit der Energieversorgung zu minimieren. So wurde beispielsweise eine „Strategische Ölreserve“ von der Österreichischen Regierung beschlossen und gesetzlich festgeschrieben.30

5 Internes Hedging

Bevor das Management Strategien zur Absicherung von Risikopositionen entwickeln kann, müssen zu Beginn alle Risiken erfasst und quantifiziert werden. Um dies zu erreichen, ist ein einheitliches und umfassendes Meldesystem innerhalb des Konzerns notwendig, welches alle Geschäfte31 der einzelnen Divisionen und Tochtergesellschaften weltweit erfasst und analysiert.32

Der Begriff „Natural Hedging“ oder „Natürliche Absicherung“ beschreibt das Potential, Risikopositionen innerhalb eines international tätigen Konzerns auf natürlichem Wege – das bedeutet nicht durch die Verwendung von finanztechnischen Absicherungsmaßnahmen, sondern durch eine risikoeffiziente Gestaltung der realwirtschaftlichen Unternehmensverhältnisse – abzusichern.33

Die Abgrenzung zum Begriff „Internal Hedging“ oder „Internes Hedging“ ist dabei fließend bzw. nicht klar definiert. Tendenziell werden unter dem Begriff „Natural Hedging“ eher strategische Unternehmensentscheidungen wie die Standortwahl oder die Beschaffungspolitik eines Unternehmens zusammengefasst. „Internal Hedging“ oder „Passive Hedging“ bezieht sich häufig auf die konkrete Anwendung interner Hedging-Methoden wie Netting, Maching und ähnliches. In vielen Fällen werden die beiden Begriffe – besonders bei der Übersetzung in andere Sprachen – aber auch als Synonyme verwendet.

Bei Unternehmen, die internes Hedging betreiben, laufen alle Informationen über offene Risikopositionen in einer zentralen Treasury-Abteilung zusammen, in der sie ausgewertet und aggregiert werden. Abhängig von der Hedging-Strategie des Konzerns wird daraufhin der Risikoüberhang, also der Teil der Risikopositionen, der nicht durch andere konzerninterne Positionen gedeckt wird, durch externe Hedging-Geschäfte teilweise oder vollständig abgesichert. Beispiele für abzusichernde Risiken sind Kredit- und Zinsänderungsrisiken, Währungs- und Wechselkursrisiken, Preisänderungsrisiken, etc.34 Eine genauere Beschreibung dieser Risiken findet sich im Abschnitt 4 „Hedging unterschiedlicher Risiken“.

5.1 Funktionsweise des natürlichen Hedgings

„Natural Hedging“ oder natürliches Hedging zielt darauf ab, durch (strategische) Unternehmensentscheidungen Risiken innerhalb eines international tätigen Konzerns und damit die Notwendigkeit, Risiken mithilfe externer Absicherungsgeschäfte zu kontrollieren, zu reduzieren.

Die Grundidee ist dabei, dass die Kostenstruktur an die Erlösstruktur innerhalb der einzelnen Währungen angepasst (oder zumindest angenähert) wird – sich also die Einzahlungen und Auszahlungen als auch die Einnahmen und Ausgaben über einen längeren Zeitraum hinweg decken. Dadurch kann das Wechselkursrisiko, das bei Einnahmen und Ausgaben in unterschiedlichen Währungen besteht, deutlich vermindert werden.35

[...]


1 Vgl. Brealey/Myers/Allen (2014), S. 659 f.

2 Nullsummenspiel meint in diesem Zusammenhang, dass der Gewinn des Geschäftspartners A (Landwirt sicherte sich den Getreidepreis zu t=0 für die zukünftige Ernte, der Preis zu t=1 ist kleiner als zu t=0) gleichzeitig den Verlust des Geschäftspartners B (der Großhändler, welcher sich verpflichtet hat, Getreide zum Preis zu t=0 zu kaufen, obwohl er aktuell am Markt weniger dafür bezahlen müsste) darstellt.

3 Vgl. Brealey/Myers/Allen (2014), S. 659 f.

4 Gleichzeitige Investitionen in Öl-Bohrfirmen und Raffinerien sichern das Ölpreisrisiko, da der Gewinn der Bohrfirma bei steigenden Ölpreisen gleichzeitig der Verlust der Raffinerie darstellt, die dadurch mehr für den Bezug des Rohöls bezahlen muss.

5 Aus demselben Grund ist die Diversifikation von Unternehmen durch den Kauf anderer Unternehmen infrage zu stellen, da diese von den Investoren selbst durchgeführt werden kann. Ein Grund, der Akquisitionen anderer Unternehmen rechtfertigen kann, sind deutliche Synergieeffekte. Studien belegen allerdings, dass in vielen Fällen ein zu hoher Kaufpreis gezahlt wird, der durch Synergieeffekte nicht ausreichend begründet werden kann.

6 Vgl. Brealey/Myers/Allen (2014), S. 660 f.

7 Zu den „financial distress costs“ zählen steigende Kapitalkosten, Rechts- und Beratungskosten, genauso wie (Vertrauens-)Verluste von Investoren, Lieferanten, Kunden sowie Angestellten. Außerdem existiert ein Preisrisiko für Vermögensgegenstände, welche im Notfall schnell verkauft werden müssen („fire sales“). Vgl. Ross/Westerfield/Jaffe (2010), S. 568 ff.

8 Risikomanagement und Finanzierung gehen Hand in Hand. Eine fast ausschließlich durch Eigenkapital finanzierte Unternehmung kann tendenziell höhere operative Risiken eingehen, wohingegen ein Unternehmen, das bereits eine hohe Verschuldung aufweist, sehr gutes Risikomanagement betreiben und vorweisen muss, um den „Financial Leverage“ mithilfe weiterer Kredite zu erhöhen.

9 Gemäß der „Pecking Order Theory“.

10 Vgl. Brealey/Myers/Allen (2014), S. 704.

11 Vgl. Möbius/Pallenberg (2011), S. 184 ff.

12 Vgl. Brealey/Myers/Allen (2014), S. 665 ff.

13 Vgl. Brealey/Myers/Allen (2014), S. 666 ff.

14 Vgl. Investopedia (2018a).

15 Vgl. Möbius/Pallenberg (2011), S. 196 f.; Brealey/Myers/Allen (2014), S. 673 ff.

16 Vgl. Möbius/Pallenberg (2011), S. 209 f.

17 Vgl. Brealey/Myers/Allen (2014), S. 561 ff.

18 Vgl. Brealey/Myers/Allen (2014), S. 661 f.

19 Vgl. Hochreiter (2016), S. 23 f.

20 Vgl. Hochreiter (2016), S. 23 ff.

21 Vgl. Brealey/Myers/Allen (2014), S. 677 ff.

22 Vgl. Wöhe/Bilstein/Ernst/Häcker (2013), S. 417 ff.

23 Vgl. Möbius/Pallenberg (2011), S. 36 ff.

24 Natürlich ist dem jeweiligen Ziel entsprechend auch der umgekehrte Weg möglich: Kreditaufnahme/-vergabe in der Heimatwährung und Umtausch in Fremdwährung.

25 Vgl. Brealey/Myers/Allen (2014), S. 710 ff.

26 Ford war beispielsweise bekannt dafür, dass das Unternehmen in seinen ausländischen Standorten immer nur wenige Komponenten eines Autos fertigen ließ, das Auto selbst aber in den USA zusammenbaute. Dadurch schützten sie ihr Knowhow vor politischen Risiken. Vgl. Brealey/Myers/Allen (2014), S. 712.

27 Als Beispiel dienen hier Kredite von großen internationalen Bankhäusern oder Beziehungen mit Institutionen wie der Weltbank, etc.

28 Organization of the Petroleum Exporting Countries

29 Vgl. OMV (2018).

30 Vgl. RIS (2019).

31 Je nach Unternehmensstrategie kann eine Erfassung und Aggregation der offenen Risikopositionen auch nur innerhalb einzelner Marken oder Unternehmenseinheiten des Konzerns stattfinden, wie dies beim Volkswagenkonzern der Fall ist.

32 Vgl. Machus (2019).

33 Vgl. Investopedia (2018c).

34 Vgl. Hochreiter (2016), S. 23 f.

35 Vgl. Hofmann/Wessely (2009), S. 129 ff.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Internes Hedging und Risikosteuerung
Untertitel
Funktionsweise, Vorteile & Nachteile
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz  (Institute of Banking and Finance)
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
33
Katalognummer
V595775
ISBN (eBook)
9783346196170
ISBN (Buch)
9783346196187
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hedging, Internes Hedging, Internal Hedging, Risikosteuerung, Risikomanagement, Absicherung, Absicherungsgeschäft, Absicherungsgeschäfte, Forwards, Futures, Swaps, Optionen, Kreditrisiko, Zinsänderungsrisiko, Währungsrisiko, Wechselkursrisiko, Politisches Risiko, Preisänderungsrisiko, Risiko, Natürliches Hedging, Natural Hedge, Natural Hedging, Natürlicher Hedge, Aktiv-Passiv Management, Standortwahl, Beschaffungspolitik, Vertragswährung, Monitoring, Spekulation, Spekulationen, Sicherungsgeschäft, Netting, Exposure, Matching, Leading, Lagging, Währungsdiversifikation, Preispolitik, Volkswagen, Leading und Lagging
Arbeit zitieren
BSc. MSc. Stefan Vaterl (Autor), 2019, Internes Hedging und Risikosteuerung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/595775

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