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Ursachenforschung und Beschreibung von Sprachstörungen in der Sprachheilkunde des Nationalsozialismus

Title: Ursachenforschung und Beschreibung von Sprachstörungen in der Sprachheilkunde des Nationalsozialismus

Examination Thesis , 2004 , 84 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Constanze Stichel (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
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Summary Excerpt Details

In der Arbeit über die Ursachenforschung und Beschreibung von Sprachstörungen in der Sprachheilkunde im Nationalsozialismus ist untersucht worden, wie sich die Inhalte dieser Fachwissenschaft während der Diktatur entwickelt haben. Schwerpunkt ist besonders die Ursachenforschung und Beschreibung der drei Störungsbilder Stottern, Dyslalie und der Lippen - Kiefer – Gaumenspalte (LKG).
Geographisch und politisch bezieht sich die Arbeit auf das nationalsozialistische Deutschland. Der Nationalsozialismus ist nicht soweit gegangen, dass er Menschen mit Sprachstörungen im Sinne der Euthanasie verfolgt hat. Behinderte Menschen hatten im Nationalsozialismus eine Daseinsberechtigung, wenn sie arbeitsfähig waren. Es musste sich volkswirtschaftlich lohnen, einen Menschen zu behandeln. Gegenstand dieser Arbeit ist es, herauszufinden, ob Sprachstörungen im Sinne der Rassenpflege und Erbbiologie erklärt worden sind, um dadurch z.B. Menschen mit Sprachstörungen unter das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses fallen zu lassen. Diese Untersuchung geschieht anhand der Diskussion um Erklärungs- und Erscheinungsbilder von Sprachstörungen und soll aufzeigen, inwieweit die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus einen Weg in die Fachdisziplin Sprachheilkunde gefunden hat.
Nach einem einleitenden Kapitel wird im zweiten Kapitel das Verständnis von Sprachheilkunde in jener Zeit dargestellt. Dies erscheint wichtig, da die Untersuchung der Primärquellen im Hauptteil dieser Arbeit auch einen Überblick über die inhaltliche Diskussion innerhalb der Sprachheilkunde ergeben soll und nicht losgelöst von der Fachsdisziplin Sprachheilkunde gesehen werden darf.
Es werden Primärquellen von 1933 bis 1944 zu den drei Störungsbildern ausgewertet. Dabei wird hinterfragt, ob ätiologische Faktoren, die auf Erblichkeitsstheorien und Erblichkeitsforschungen basieren mehr Bedeutung gewannen und ob diese an bestehende Erklärungsbilder anknüpfen, diese verändern oder erweitern. Außerdem wird eine veränderte Beschreibung von Sprachstörungen mit beachtet. Gleichzeitig werden daraus veränderte Auswirkungen für die betroffenen Menschen mit aufgezeigt.
Im darauf folgenden Kapitel werden die Auswirkungen für Menschen mit Sprachstörungen von einer anderen Seite beleuchtet, indem die Praxis des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“ untersucht wird.
Im Schlusskapitel wird kurz zusammenfassend dargestellt, welche Ergebnisse die Untersuchung der Quellen ergeben haben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

1.1 Das Thema

1.2 Zur Methodik und Quellenlage

2. VOM VERSTÄNDNIS DER SPRACHHEILKUNDE UND –PÄDAGOGIK IM NATIONALSOZIALISMUS

2.1 Zur Begrifflichkeit und zum Standort der Sprachheilkunde, Sprachheilpädagogik und Sprachheillehrer in der ausgehenden Weimarer Republik und im Dritten Reich

2.1.1 Der naturwissenschaftlich – medizinische Standort

2.1.2 Die pädagogische Arbeit in der der Sprachheilkunde

2.2 Das Verständnis von Spracherwerb, Sprachentwicklung und Sprachstörung

2.3 Klassifizierung von Sprachstörungen

3. WISSENSCHAFT, THEORIEBILDUNG UND DIE FRAGE DER VERERBUNG IM NATIONALSOZIALISMUS

3.1 Wissenschaft und Theoriebildung im Dritten Reich

3.2 Erbliche Faktoren im Ursachenkomplex Sprachstörungen

4. ERKLÄRUNGSBILDER FÜR STOTTERN

4.1 Beschreibung und Ätiologie vor 1933 und in der Übergangszeit

4.2 Beschreibung und Einteilung in der Symptomatik von Stottern nach 1933

4.3 Theoretische Ansätze mit einem besonderen Bezug zur Ätiologie von Stottern

4.3.1 Forschung zu Erblichkeitsverhältnissen

4.3.1.1 KARL HELWIG

4.3.1.2 HERMANN GUTZMANN jun.

4.3.1.3 HUGO STAAK

4.3.1.4 Zwillingsforschung

4.3.2 Ideologisch konforme Erklärungen

4.3.2.1 MAX NADOLECZNY

4.3.2.2 Stottern aufgrund einer schwachen Konstitution und nach Infektionskrankheiten

4.3.2.3 Stottern als Fehllebensvorgang – Einordnung in die Philosophie LUDWIG KLAGES

4.3.2.4 JULIUS GEHRICKE

4.3.3 Andere Strömungen

4.3.3.1 RUDOLF WERNER

4.3.3.2 JOSEF SCHMÜCKER

4.4 Konsequenzen im Umgang und Therapie von stotternden Menschen

5. ERKLÄRUNGSBILDER FÜR DYSLALIE

5.1 Beschreibung und Ursachenerklärung vor 1933 und in der Übergangszeit

5.2 Beschreibung nach 1933

5.3 Erklärungsbilder von Dyslalien und mögliche Konsequenzen

6. DIE ERFORSCHUNG DER ERBLICHKEITSVERHÄLTNISSE DER LIPPEN – KIEFER – GAUMENSPALTE

6.1 Beschreibung und die Frage der Vererbung bei LKG nach 1933

6.2 EXKURS: JOSEF MENGELE – Der „Teufel von Auschwitz“ und die Ursachenforschung der LKG

6.3 Andere Forschungen zu Erblichkeitsverhältnissen

6.4 Die Diskussion um Sterilisation von Menschen mit LKGs

7. DAS GESETZ ZUR VERHÜTUNG ERBKRANKEN NACHWUCHSES UND SEINE AUSWIRKUNGEN AUF MENSCHEN MIT SPACHSTÖRUNG

7.1 Gesetze und Erlasse zum GzVeN

7.2 Zwangssterilisation von sprachbehinderten Menschen?

7.2.1 Menschen mit Sprachstörungen durch Lippen – Kiefer – Gaumenspalten

7.2.2 Menschen mit anderen Sprachstörungen

8. ERGEBNIS DER UNTERSUCHUNG UND ABSCHLIEßENDE BETRACHTUNG FÜR DIE SPRACHHEILKUNDE

8.1 Bedeutung für die nationalsozialistische Sprachheilkunde

8.2 Darstellung der Ergebnisse

8.3 Neuanfang oder Kontinuität – Ausblick auf die Sprachheilkunde nach 1945

Zielsetzung und Themenfelder

Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Ursachenforschung und Beschreibung von Sprachstörungen (Stottern, Dyslalie, LKG) in der nationalsozialistischen Sprachheilkunde. Sie geht der Forschungsfrage nach, inwieweit die nationalsozialistische Ideologie von Rassenpflege und Erbbiologie die fachliche Praxis beeinflusste und welche Auswirkungen dies auf die Betroffenen hatte.

  • Wissenschaftliche Instrumentalisierung der Sprachheilkunde im Nationalsozialismus
  • Einfluss der Erbbiologie und Rassenlehre auf die Ätiologie von Sprachstörungen
  • Zusammenhang zwischen Sprachheilkunde und dem "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses"
  • Negative stigmatisierende Menschenbilder und deren Folgen für die Therapie
  • Methoden der Dokumentenanalyse historischer Fachpublikationen und Zeitschriften

Auszug aus dem Buch

1.1 Das Thema

In meiner Arbeit über die Ursachenforschung und Beschreibung von Sprachstörungen in der Sprachheilkunde im Nationalsozialismus soll untersucht werden, wie sich die Inhalte dieser Fachwissenschaft während der Diktatur entwickelt haben. Dabei geht es mir besonders um die Ursachenforschung und Beschreibung der drei Störungsbilder Stottern, Dyslalie und der Lippen - Kiefer - Gaumenspalte.

Geographisch und politisch bezieht sich die Arbeit auf das nationalsozialistische Deutschland. Der Nationalsozialismus ist nicht soweit gegangen, dass er Menschen mit Sprachstörungen im Sinne der Euthanasie verfolgt hat. Behinderte Menschen hatten im Nationalsozialismus eine Daseinsberechtigung, wenn sie arbeitsfähig waren. Es musste sich volkswirtschaftlich lohnen, einen Menschen zu behandeln. Gegenstand dieser Arbeit ist es, herauszufinden, ob Sprachstörungen im Sinne der Rassenpflege und Erbbiologie erklärt worden sind, um dadurch z.B. Menschen mit Sprachstörungen unter das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses fallen zu lassen. Diese Untersuchung geschieht anhand der Diskussion um Erklärungs- und Erscheinungsbilder von Sprachstörungen und soll aufzeigen, inwieweit die menschenverachtende Ideologie des Nationalsozialismus einen Weg in die Fachdisziplin Sprachheilkunde gefunden hat.

Nach einem einleitenden Kapitel wird im zweiten Kapitel das Verständnis von Sprachheilkunde in jener Zeit dargestellt. Dies erscheint wichtig, da die Untersuchung der Primärquellen im Hauptteil dieser Arbeit auch einen Überblick über die inhaltliche Diskussion innerhalb der Sprachheilkunde ergeben soll und nicht losgelöst von der Fachsdisziplin Sprachheilkunde gesehen werden darf.

Es werden Primärquellen aus der Zeit von 1933 – 1944 zu den Störungsbildern Stottern, Dyslalie und der Lippen - Kiefer – Gaumenspalte ausgewertet. Dabei wird hinterfragt, ob ätiologische Faktoren, die auf Erblichkeitsstheorien und Erblichkeitsforschungen basieren mehr Bedeutung gewannen und ob diese an bestehende Erklärungsbilder anknüpfen, diese verändern oder erweitern. Außerdem soll eine veränderte Beschreibung von Sprachstörungen mit beachtet werden. Gleichzeitig werden daraus veränderte Auswirkungen für die betroffenen Menschen mit aufgezeigt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Darstellung der Themenstellung und der methodischen Herangehensweise mittels Dokumentenanalyse.

2. VOM VERSTÄNDNIS DER SPRACHHEILKUNDE UND –PÄDAGOGIK IM NATIONALSOZIALISMUS: Analyse des medizinisch-pädagogischen Standorts der Sprachheilkunde in der Weimarer Republik und im NS-Staat.

3. WISSENSCHAFT, THEORIEBILDUNG UND DIE FRAGE DER VERERBUNG IM NATIONALSOZIALISMUS: Untersuchung des Einflusses der nationalsozialistischen Ideologie auf die wissenschaftliche Theoriebildung und den Fokus auf Vererbungslehre.

4. ERKLÄRUNGSBILDER FÜR STOTTERN: Analyse verschiedener Theorien und Fallstudien zur Ätiologie des Stotterns unter Berücksichtigung ideologischer Aspekte.

5. ERKLÄRUNGSBILDER FÜR DYSLALIE: Untersuchung des Umgangs mit dem Störungsbild Stammeln und dessen Einordnung in die NS-Ideologie.

6. DIE ERFORSCHUNG DER ERBLICHKEITSVERHÄLTNISSE DER LIPPEN – KIEFER – GAUMENSPALTE: Detaillierte Betrachtung der Forschung zur Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, inklusive der Rolle von Josef Mengele.

7. DAS GESETZ ZUR VERHÜTUNG ERBKRANKEN NACHWUCHSES UND SEINE AUSWIRKUNGEN AUF MENSCHEN MIT SPACHSTÖRUNG: Bewertung des Einflusses des GzVeN auf Menschen mit Sprachstörungen.

8. ERGEBNIS DER UNTERSUCHUNG UND ABSCHLIEßENDE BETRACHTUNG FÜR DIE SPRACHHEILKUNDE: Zusammenfassende Auswertung der Forschungsergebnisse und Ausblick auf die Kontinuitäten nach 1945.

Schlüsselwörter

Sprachheilkunde, Nationalsozialismus, Stottern, Dyslalie, Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, Erbbiologie, Rassenhygiene, Vererbung, Zwangssterilisation, GzVeN, Sprachheilpädagogik, Sonderschule, Volksgemeinschaft, Eugenik, behinderte Menschen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Sprachheilkunde während der Zeit des Nationalsozialismus und analysiert, wie sich die Ideologie der damaligen Zeit auf die Ursachenforschung und Behandlung von Sprachstörungen auswirkte.

Welche zentralen Themenfelder behandelt das Werk?

Die zentralen Themen sind der Einfluss von Rassen- und Vererbungslehre auf die Sprachheilkunde, die Instrumentalisierung von Diagnose und Therapie sowie die Auswirkungen staatlicher Gesetze wie das GzVeN auf sprachbehinderte Menschen.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt danach, wie sich die Fachinhalte während der Diktatur entwickelten, inwieweit rassenbiologische Konzepte übernommen wurden und welche Konsequenzen dies für den Umgang mit den betroffenen Menschen hatte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt die Methode der Dokumentenanalyse. Sie wertet Fachliteratur, Zeitschriften (insbesondere "Die deutsche Sonderschule") und Dokumentationen aus dem Zeitraum 1933 bis 1944 aus.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu den spezifischen Störungsbildern Stottern, Dyslalie und Lippen-Kiefer-Gaumenspalte sowie deren ideologischer Einordnung und Verknüpfung mit Erblichkeitsfragen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Wichtige Begriffe sind Sprachheilkunde, Nationalsozialismus, Rassenhygiene, Vererbung, Zwangssterilisation, Stottern, Dyslalie und LKG.

Welche Rolle spielte die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte bei der Sterilisierung?

Da LKGs als schwere körperliche Missbildungen galten, fielen sie unter das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses (GzVeN), was sie zum Ziel eugenischer Maßnahmen machte.

Welchen Bezug hatte Josef Mengele zu diesem Forschungsfeld?

Mengele war vor seiner Zeit in Auschwitz als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig und verfasste eine der ausführlichsten Untersuchungen zur Erblichkeit von Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, die seine rassebiologische Weltsicht dokumentiert.

Wie bewertet die Arbeit die Kontinuität nach 1945?

Die Arbeit kritisiert, dass nach 1945 eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit der faschistischen Vergangenheit in der Sprachheilpädagogik ausblieb und viele Akteure ihre Karriere in der Nachkriegszeit ungebrochen fortsetzten.

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Details

Title
Ursachenforschung und Beschreibung von Sprachstörungen in der Sprachheilkunde des Nationalsozialismus
College
University of Leipzig  (Insitut für Förderpädagogik)
Grade
2,0
Author
Constanze Stichel (Author)
Publication Year
2004
Pages
84
Catalog Number
V59709
ISBN (eBook)
9783638535700
ISBN (Book)
9783638709521
Language
German
Tags
Ursachenforschung Beschreibung Sprachstörungen Sprachheilkunde Nationalsozialismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Constanze Stichel (Author), 2004, Ursachenforschung und Beschreibung von Sprachstörungen in der Sprachheilkunde des Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59709
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