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Josephs Träume und ihre Bedeutung für seine soziale Entwicklung

Titel: Josephs Träume und ihre Bedeutung für seine soziale Entwicklung

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2004 , 21 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Karoline Lazaj (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Einst hatte Joseph einen Traum. Als er ihn seinen Brüdern erzählte, hassten sie ihn noch mehr. Er sagte zu ihnen: Hört, was ich geträumt habe. Wir banden Garben mitten auf dem Feld. Meine Garbe richtete sich auf und blieb auch stehen. Eure Garben umringten sie und neigten sich tief vor meiner Garbe. [...] Und sie hassten ihn noch mehr wegen seiner Träume und seiner Worte. / Er hatte noch einen anderen Traum. Er erzählte ihn seinen Brüdern und sagte: Ich träumte noch einmal: Die Sonne, der Mond und elf Sterne verneigten sich tief vor mir.“1 Diese Träume aus der biblischen Geschichte von Joseph und seinen Brüdern sind zum großen Anteil der Auslöser für den Verlauf von Josephs weiterem Schicksal. Die Provokation seitens Joseph führt dazu, dass seine Brüder ihn in die Grube werfen bzw. an die ziehenden Ismaeliter verkaufen, die ihn nach Ägypten führen. Natürlich sind die Träume nur das letzte Glied einer langen Kette von Demütigungen, die die Brüder zu ertragen hatten. Aber schon allein deswegen ist es interessant, diese „Prophezeiungen Josephs“ genauer zu untersuchen. In Thomas Manns Roman kommt zudem noch ein weiterer Traum hinzu, der den zwei Träumen der Bibel vorgeschaltet ist: Der Himmelstraum.

Das Anliegen dieser Hausarbeit wird sein, Josephs Träume in Zusammenhang mit seinem Hochmut zu setzen und somit zu untersuchen, welche Rolle diese im Verlauf seines weiteren Lebens spielen. Vor allem werde ich im ersten Teil auf den von Thomas Mann hinzugefügten Traum eingehen, da er genau das Bild widerspiegelt, welches Joseph von sich selber hat, bevor er in den Brunnen geworfen wird. Zudem ist er auch Ausgangspunkt für die Thematik der Beziehung des Künstlers mit seiner Umwelt, welche den ganzen Roman durchzieht und auch für die Identifikation Thomas Manns mit Joseph entscheidend ist. Joseph als asozialer Narziß muss lernen, seinen Egoismus dahingehend abzulegen, als dass er sich in ein bestimmtes soziales Gefüge einordnen muss. Diese Problematik wird zweiten Teil der Hausarbeit behandelt, vor allem ihre Verbindung zu den von Joseph geträumten Träumen. Des weiteren wird darauf zu achten sein, wie auf die Träume zurückgeblickt wird und in welcher Hinsicht sie für die individuelle Entwicklung Josephs entscheidend sind.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Josephs Träume

2. 1. Der Himmelstraum

2. 2. Die Träume der Garben und der Sonne, Mond und Sterne

3. Das Sterben des alten Ichs

3. 1. Josephs Fall in den Brunnen

3.2. Das neue Ich

4. Schluss

5. Bibliographie

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese Arbeit untersucht die Bedeutung von Josephs Träumen in Thomas Manns Roman „Joseph und seine Brüder“ im Kontext seiner sozialen Entwicklung und seines ausgeprägten Narzissmus. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Josephs Träume als Ausdruck seines Hochmuts fungieren und inwiefern sie seine Wandlung vom asozialen Narzissten zum sozial integrierten Individuum beeinflussen.

  • Analyse der Funktion des Himmelstraums als narzisstische Wunschprojektion.
  • Untersuchung der psychologischen Bedeutung von Josephs Fall in den Brunnen als notwendiges "Sterben des alten Ichs".
  • Vergleich der biblischen Traumquellen mit Manns literarischer Gestaltung.
  • Betrachtung der Parallelen zwischen Josephs Entwicklung und Thomas Manns eigener künstlerischer Auseinandersetzung mit dem Narzissmus.
  • Die Entwicklung vom einseitigen Träumer zum verantwortungsbewussten Deutenden.

Auszug aus dem Buch

2. 1. Der Himmelstraum

Der Himmelstraum ist für die Charakterisierung des jungen Joseph von zentraler Bedeutung. In diesem feiert er regelrecht seinen Hochmut, seine Eigenliebe und seinen Erwähltheitsgedanken. Joseph, der sich eigentlich nur seinem Bruder Ben öffnen will, gewährt zugleich dem Leser Einblick in sein unverfälschtes Innenleben.

Seit Freud ist allgemein bekannt, dass sich Menschen im Traum mit ihren Wünschen und Bedürfnissen auseinandersetzen. Meist sind es unerfüllte Wünsche, die im Traum ihre Befriedigung erfahren dürfen. Thomas Mann hat diesen Grundgedanken Freuds übernommen, ihn jedoch mit dem Motiv des Narziß ergänzt. Von diesem ausgehend, träumt der Narziß meist Erhöhungsträume, in denen er von anderen bewundert wird. Die Träume sind vertikal ausgerichtet; sie sind Machtträume, in denen der Künstler seine Größenphantasie ausleben kann. Joseph ist hier als dieser Künstler zu identifizieren - er fühlt sich zu Höherem bestimmt und glaubt, dass er eine göttliche Aufgabe zu erfüllen hat, so dass er sich eine eigene Welt dichtet und erschafft. Der Himmelstraum ist folglich diese durch die Projektion seiner Wünsche erfundene Welt, in der er von allen geliebt und bewundert wird.

Die Struktur des Himmelstraums kann man schon fast als ein aus einzelnen Mosaikbausteinen zusammengesetztes Gebilde bezeichnen. Es ist ein literarisches Konstrukt, in dem unterschiedliche Quellen verarbeitet werden. So basiert der Traum vor allem auf der babylonischen Etana-Sage sowie auf der Geschichte des Henoch aus der „Sage der Juden“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Josephs Träumen für den weiteren Lebensverlauf ein und stellt die zentrale These seiner sozialen Entwicklung durch die Überwindung des Narzissmus auf.

2. Josephs Träume: Dieses Kapitel analysiert die Funktion des Himmelstraums und der biblischen Träume als narzisstische Selbstbestätigung und Vorboten von Josephs Schicksal.

3. Das Sterben des alten Ichs: Hier wird der Brunnenfall als zentraler Wendepunkt untersucht, der Joseph zur Läuterung zwingt und sein altes Ich sterben lässt, um Platz für ein neues zu schaffen.

4. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass Josephs Träume primär Ausdruck innerer Wünsche sind und dass sein Weg zur sozialen Verantwortung eine notwendige Abkehr vom egozentrischen Künstlertum darstellt.

5. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur, die als Grundlage für die Analyse der Mann-Tetralogie dient.

Schlüsselwörter

Joseph und seine Brüder, Thomas Mann, Narzissmus, Himmelstraum, Joseph, Brunnenfall, Läuterung, Wiederholung, soziale Entwicklung, Ich-Schranken, Erwähltheitsbewusstsein, Identifikation, Traumdeutung, Künstlerproblematik, Transformation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Träume der Figur Joseph in Thomas Manns Roman und deren Bedeutung für seine persönliche und soziale Reifung.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Themen sind Narzissmus, die Rolle des Künstlers in der Gesellschaft, das Motiv der Wiederholung und die psychologische Entwicklung des Protagonisten durch Krisensituationen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Joseph durch den Verlust seines narzisstischen Hochmuts und durch die Auseinandersetzung mit seinen Träumen zu einer verantwortungsvollen sozialen Identität findet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die psychoanalytische Ansätze (in Anlehnung an Freud) sowie textimmanente Interpretationen der Mannschen Romane nutzt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den verschiedenen Träumen, deren Quellen (wie die Etana-Sage), der Funktion des Brunnenfalls als Zäsur und dem Wandel Josephs vom Träumer zum Deutenden.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Narzissmus, Identitätsentwicklung, Läuterung, mythologische Anknüpfung und gesellschaftliche Integration beschreiben.

Inwiefern spielt die Etana-Sage für das Verständnis des Himmelstraums eine Rolle?

Die Etana-Sage liefert die strukturellen und inhaltlichen Bausteine für den Himmelstraum, wobei Joseph sich in der Rolle des "Höhergestellten" sieht, die literarisch durch diese antike Vorlage legitimiert wird.

Warum wird der Brunnenfall als "Sterben des alten Ichs" bezeichnet?

Weil der Brunnen für Joseph einen tiefen Einschnitt darstellt, in dem er gezwungen ist, seinen Egozentrismus zu hinterfragen und sein altes, hochmütiges Selbstbild aufzugeben, um in Ägypten ein neues "Ich" zu bilden.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Josephs Träume und ihre Bedeutung für seine soziale Entwicklung
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Deutsches Institut)
Veranstaltung
Thomas Manns „Joseph und seine Brüder“
Note
1,3
Autor
Karoline Lazaj (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
21
Katalognummer
V59817
ISBN (eBook)
9783638536530
ISBN (Buch)
9783638766401
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Josephs Träume Bedeutung Entwicklung Thomas Manns Brüder“
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Karoline Lazaj (Autor:in), 2004, Josephs Träume und ihre Bedeutung für seine soziale Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59817
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