Der Zusammenhang zwischen Frauenerwerbstätigkeit und Bildung in Industrieländern aus Sicht der Humankapitaltheorie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
15 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

Abbildungen

1 Einleitung

2 Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und Einkommen

3 Humankapital und Humankapitaltheorie
3.1 Grundmodell nach Gary Becker
3.2 Erweiterung des Grundmodells und Schätzung des Einkommens

4 Prüfung auf Zusammenhang
4.1 Kritische Würdigung des Modells nach Gary Becker
4.2 Empirische Ergebnisse

5 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Eine Veränderung traditioneller Lebensverlaufsmuster und Rollenbilder von Frauen ist bereits vollzogen. Dies zeigt sich in alltäglich zu beobachtenden Punkten wie: zunehmende Präsenz von Frauen auf dem Arbeitsmarkt, kontinuierlichere Erwerbsphasen und höhere Ausbildungsbereitschaft, abnehmende Kinderzahlen und steigende Scheidungsquoten (Munz 1997). Empirische Erhebungen jedoch zeigen, dass Angebot und Nachfrage nach Arbeit unterschiedlich zwischen Männern und Frauen verteilt sind. Der Frauenanteil ist in den vergangenen Jahren zwar kontinuierlich gestiegen, in den Wirtschaftsbereichen ist die Frauen/-Männerverteilung aber zum Teil deutlich ungleich (Statistisches Bundesamt 2004). Es stellt sich die Frage nach dem Grund der asymmetrischen Verteilung und des im Verhältnis zu den Männern geringeren Erwerbsanteils. In der Literatur wird häufig das Arbeitsverhalten mit Hilfe der Humankapitaltheorie beschrieben. Die vorliegende Arbeit behandelt die Frage, ob ein Zusammenhang zwischen Frauenerwerbstätigkeit und Bildung in Industrieländern besteht. Aus der Sicht der Humankapitaltheorie wird geprüft, ob der Grad der Bildung das Erwerbsverhalten oder auch die Erwerbsmöglichkeit der Frau beeinflusst. Daher wird im dritten Abschnitt das Konzept des Humankapitalansatzes vorgestellt und eine bedeutende Erweiterung des Modells spezifiziert. Unter Punkt 4.1 wird insbesondere diskutiert, inwiefern die Voraussetzungen des Humankapitalansatzes eine Anwendung auf die zu untersuchende Frage erlauben. Nachfolgend wird unter Punkt 4.2 die empirische Nachweisbarkeit eines Zusammenhangs anhand von externen Untersuchungen vorgestellt. Abschnitt fünf gibt eine Zusammenfassung der Ergebnisse.

Innerhalb der Frage, was Frauen motiviert erwerbstätig zu sein, sind neben dem in erster Linie auf die Erklärung von Ausbildungsrenditen abzielenden Humankapitalansatzes (Becker 1964; S. 37), weitere Einflussfaktoren zu berücksichtigen. Abgesehen von der Alternative, ob sich eine Frau bereits für oder gegen Kinder entschieden hat, ist sicherlich die Erwerbssituation des Mannes relevant. Der Nutzengewinn einer Erwerbstätigkeit ist davon abhängig, inwieweit bereits andere Einkommensquellen bestehen (Andreß/Strengeman-Kuhn 1997 u. Knapp 2002; S. 22). Einflussgrößen dieser Art werden lediglich als Nebenbedingungen betrachtet, um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen.

2 Zusammenhang zwischen Bildungsgrad und Einkommen

Aus haushaltstheoretischer Sicht ist es notwendig, Einkommen zu erzielen. Die Entscheidung für oder gegen eine Erwerbstätigkeit ist stark von der Höhe des maximal zu erzielenden Einkommens abhängig (Maier 2004; S. 16). In diesem Zusammenhang ist es relevant zu untersuchen, ob der Faktor Bildung das Einkommen der Frau, im Sinne der Humankapitaltheorie, in gültiger Weise erklärt. Nach Becker gilt dieses Abhängigkeitsverhältnis, wobei unter der Prämisse einer rationalen Entscheidung zur zukünftigen Wohlfahrtssteigerung in Bildung investiert wird (Becker 1996; S. 227). Aus obiger Überlegung folgt das Untersuchungsbedürfnis dieses Ansatzes auf die Frage nach der Erwerbstätigkeit von Frauen.

3 Humankapital und Humankapitaltheorie

Unter Humankapital ist der Wert des Einkommensverdienstpotentials zu verstehen, der sich in den Individuen verkörpert. Es schließt sowohl die natürliche Begabung und das Talent als auch die Ausbildung und erworbene Fertigkeiten ein. Becker greift diese Annahme auf und erweitert die Einflussgrößen um die Faktoren Ernährungsverhalten und Gesundheit (Becker 1964; S. 33) sowie allgemeine Angewohnheiten (Becker 1996; S. 8). Die Ausbildung kann als Investition in das Humankapital aufgefasst werden (Dornbusch/Fischer 1995). Der in der Literatur weit verbreitete theoretische Ansatz zur Erklärung individueller Arbeitseinkommen, rückt die Qualifikation und beruflichen Fähigkeiten, gemessen an den Ausbildungsjahren der Beschäftigten, in den Mittelpunkt. Die heutige Form der Humankapitaltheorie findet in den grundlegenden Arbeiten von Becker und Mincer ihren Ursprung (Becker 1964; Mincer 1974).

3.1 Grundmodell nach Gary Becker

Das Modell von Gary Becker lässt sich in den Rahmen des neoklassischen Marktmodells einordnen (Maier 2004; S. 21). Daher müssen die grundlegenden Annahmen des neoklassischen Paradigmas, wie bspw. die Bestimmung des Arbeitslohns nach der Grenzproduktivität, gelten (Becker 1964). Der Ansatz sagt aus, dass die Produktivität der Arbeitskräfte vom Umfang der Investition in Humankapital abhängig ist. Investitionen in Humankapital führen dann zu höheren individuellen Erwerbseinkommen (Y), was in der folgenden Graphik verdeutlicht wird (Becker 1964; S. 2 u. S.15).

Abb. 1: Mikroökonomisches Modell nach Gary Becker

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Kirchgässner 2001; S. 12)

Das Einkommen ist bedingt durch die Entlohnung nach der Grenzproduktivität. Bildungsaufwendungen werden als Investitionen in der Gegenwart betrachtet, die zielgerichtet getätigt werden, um die individuelle Einkommenskapazität in der Zukunft zu erhöhen. Innerhalb des Modells wird der Erwartungswert des Lebenseinkommens maximiert. Es wird vorausgesetzt, dass sich der Mensch rational für die Bildungsaktivität mit der höchsten Ertragsrate entscheidet. Nach Becker sind Investitionen in Humankapital solange gerechtfertigt, wie der Flächeninhalt unter der Einkommensfunktion einer in Bildung investierenden Person über die Zeitachse größer ist, als der Flächeinhalt einer Person, die nicht in zusätzliche Bildung investiert hat (Schwarze 1999; S. 63 ff.). Hierbei müssen natürlich die durch Ausbildung entstehenden Kosten berücksichtigt werden. Die Entscheidung ist eine monetäre Abwägung zwischen zwei Einkommenspfaden, nämlich demjenigen mit zusätzlicher Humankapitalinvestition (B-II) und demjenigen ohne (A-I). Das ökonomische Grenzkostenkalkül bestimmt dabei, dass der Mensch nur so lange in zusätzliche Bildung investieren wird, bis die dafür anfallenden Kosten gleich sind mit den durch Bildung zusätzlich zu erwartenden abdiskontierten Erträgen (Einkommenszuwächsen). In diesem Punkt ist der Entscheider indifferent. Die oben angesprochenen Kosten setzen sich aus den direkten Kosten der Ausbildung sowie aus den entgangenen Erwerbseinkommen zusammen (Becker 1964; S. 57 ff.).

Wie bereits angesprochen gilt, dass Investitionen in Humankapital, also die Nachfrage nach Bildung, rational begrenzt werden durch abnehmende Grenzerträge. Dies folgt aus der Beschaffenheit des Ansatzes, denn der Zeitraum zur Realisierung der Erträge aus Bildungsinvestitionen vermindert sich mit zunehmendem Alter. Mit steigendem Einkommen wachsen zudem die Kosten von Bildung, da durch den degressiven Zusammenhang überproportional mehr in Bildung investiert werden muss, um eine Einheit mehr Einkommen zu generieren. Die Rentabilität von Investitionen in Humankapital nimmt somit bei fortschreitendem Alter ab. Die Nachfrage nach Bildung wird durch persönliche Restriktionen begrenzt. Mit zunehmenden Investitionen in Humankapital sinkt schon zwangsläufig der Grenzertrag, da der Mensch lediglich über begrenzte Gedächtnisfähigkeit verfügt (Dworschak 1986, S. 52).

Auf der Humankapitaltheorie basierend, werden in der Praxis Einkommensfunktionen geschätzt, um Problemen aus dem Weg zu gehen, die sich aufgrund der recht strengen Prämissen des Modells ergeben.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der Zusammenhang zwischen Frauenerwerbstätigkeit und Bildung in Industrieländern aus Sicht der Humankapitaltheorie
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal  (Lehrstuhl für VWL, spezielle Wirtschaftspolitik Prof. Dr. Ronald Schettkat)
Veranstaltung
Projekt VWL, Erwerbspolitik, Frauenerwerbstätigkeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
15
Katalognummer
V59894
ISBN (eBook)
9783638537032
ISBN (Buch)
9783640101566
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zusammenhang, Frauenerwerbstätigkeit, Bildung, Industrieländern, Sicht, Humankapitaltheorie, Projekt, Erwerbspolitik
Arbeit zitieren
Andreas Hußmann (Autor), 2006, Der Zusammenhang zwischen Frauenerwerbstätigkeit und Bildung in Industrieländern aus Sicht der Humankapitaltheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59894

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