Madagaskar - Geschichte, Kultur und Problemlage der Entwicklung


Seminararbeit, 2001

12 Seiten, Note: 2,2


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Geschichtlichtlicher Abriß
2.1.Vorkoloniale Zeit
2.2.Kolonialzeit
2.3.Die Dekolonisierung und der Schritt zur Unabhängigkeit
2.4.Politische Entwicklung bis
in die Gegenwart

3. Die madagassische Kultur und Gesellschaft

4. Wirtschaft

5. Hemmnisse und Probleme der wirtschaftlichen Entwicklung Madagaskars

6. Literatur

1. Einleitung

Madagaskar hat heute ein Bruttosozialprodukt von 235$ pro Kopf (1998). Damit ist der Staat laut UNDP-Bericht zur menschlichen Entwicklung das 12.Ärmste Land unserer Erde. Auf der Liste der achtundvierzig LLDC‘s ( Least Developed Countries) befindet sich die viertgrößte Insel der Welt somit ganz am Ende. Rund drei viertel der Madagassen leben unterhalb der Armutsgrenze. Trotz einer Vielzahl von Krediten, die Madagaskar in den achtziger Jahren erhielt, war bis zum Ende der 90er Jahre kaum eine Verbesserung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage eingetreten. Deshalb wird es die Aufgabe meiner Arbeit sein, die Hemmnisse und Probleme der wirtschaftlichen Entwicklung von Madagaskar darzustellen. Die Gründe für die stockende Entwicklung sind sehr vielfältig. Vieles ist eng miteinander verknüpft. Zuerst werde ich deshalb die Geschichte des Inselstaates näher betrachten. Danach will ich mich mit der Kultur und der Gesellschaft Madagaskars auseinandersetzen, weil ich denke, dass diese in engem Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung steht. Nachdem ich dann die derzeitige Lage in der Wirtschaft erläutert habe will ich mich mit den Ursachen und Gründen beschäftigen, die einen schnellen und drastischen Aufschwung der madagassischen Ökonomie behindern beziehungsweise verhindern. Zum Schluß werde ich versuchen eine Aussicht in Hinsicht auf baldige Besserung der mißlichen Lage des Landes vorzunehmen.

2. Geschichtlicher Abriß

2.1.Vorkoloniale Zeit

Madagaskars Geschichte und Kultur unterscheidet sich trotz der Nachbarschaft zum afrikanischen Festland erheblich von seinen kontinentalen Nachbarn. Seit dem ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung kamen die Menschen, die heute Madagaskar bevölkern, über den Indischen Ozean aus Südostasien, besonders aus Indonesien. In Madagaskar vermischten sich diese mit der Zeit mit Afrikanern von der Küste. Die Sprache der Madagassen, Malgasch, hat daher einen großen indonesischen Einfluß, der jedoch mit afrikanischen Wörtern durchsetzt ist.[1] Die ursprüngliche Gesellschaft wurde geführt durch Clans und Familien. Diese verband ein kollektives Bewußtsein, ein ausgeprägter Ahnenkult, eigene Götter und das traditionelle Territorium. Um 1500 herum bildeten sich Königreiche in verschiedenen Regionen heraus. Diese hatten dann die Macht über eine Anzahl von Clans. In den einzelnen Reichen wurden die Clans dann in verschiedene Kasten aufgeteilt. Die Zugehörigkeit zu einer Kaste hing ab von der jeweiligen Beziehung zum König. Der Adel sind die Andriana, die Freien heißen Hova und die Sklaven Andova. Am Ende des 18.Jahrhunderts begann der Aufstieg des Merina-Reiches. Dieses konnte im 19.Jahrhundert seine Herrschaft auf fast ganz Madagaskar ausweiten. Die Merina hatten im Gegensatz zu den anderen Reichen eine funktionierende Landwirtschaft und eine entwickelte soziale Organisation. Auch der Einsatz europäischer Waffentechnik trug zur Übermacht bei.[2] Von den Europäern entdeckt wurde Madagaskar im Jahre 1500 durch einen Portugiesen namens Diego Dias. Da die Insel ökonomisch uninteressant war, fand zunächst keine Kolonisation statt. Verschiedene frühe Militärstützpunkte an der Ostküste von Engländern, Franzosen sowie Niederländern und Portugiesen erfuhren den heftigen Widerstand der einheimischen Bevölkerung. Aus diesem Grund gab es keine durchgängige Anwesenheit durch europäische Mächte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts.

2.2.Kolonialzeit

Die Franzosen faßten 1642 erstmals Fuß auf Madagaskar. Sie verließen die Insel allerdings 1674 vorerst. In den zwei darauffolgenden Jahrhunderten unterhielten sie dann einige Handelspunkte an der Ostküste. Es begann eine umfangreiche christliche Missionierung. „Die fortschreitende französische Penetration versuchte Königin Ranavalona I in den Jahren 1828-1861 radikal zurückzudrängen. Es kam zu blutigen Europäerverfolgungen.“[3] 1862 installierten die Franzosen den König Radama II, der eine frankreichfreundliche Politik führen sollte. Die vollständige Aneignung durch die Franzosen ereignete sich 1896, nachdem das französische Militär 1895 die Ostküste und das Hochland okkupiert hatten. Die erbittert kämpfenden Küstenstämme wurden 1904 unterworfen. Die französische Kolonialherrschaft auf Madagaskar hatte im Wesentlichen fünf Ziele. Zum Ersten war es natürlich der Aufbau einer Import-Export orientierten Industrie, dann der Aufbau einer Infrastruktur und der einer Exportgüterproduktion. Die Errichtung einer französischen Verwaltung war ebenso Ziel, wie die Schaffung einer Elite nach Kolonialherrengeschmack. Natürlich ließen die Machthaber auch alles zur Unterdrückung der Madagassischen nationalen Bewegung tun.

2.3.Die Dekolonialisierung und der Schritt zur Unabhängigkeit

Auch die Auswirkungen des 2. Weltkrieges führten dazu, daß eine nationalistische Massenbewegung entstand. Viele Madagassen organisierten sich im MDRM( Mouvement de la Rénovation Malgache). Der MDRM for-derte nicht nur das französische Bürgerrecht, sondern auch die totale Unabhängigkeit von Frankreich. Nach einem beachtlichen Wahlerfolg des MDRM im November 1946 brachen Aufstände national gesinnter Gruppen in verschiedenen Orten auf Madagaskar aus. Diese wurden von der französischen Kolonialmacht blutig niedergeschlagen, und die MDRM wurde als schuldiger für die Rebellionen angeprangert. Bei den Niederschlagungen gab es ca. 100000 Tote zu beklagen. Die Kolonialregierung löste die MDRM auf und ließ vierzig führende Köpfe exekutieren. Erst im Jahre 1956 durften sich die Madagassen wieder in Parteien organisieren. Ein Parteiendualismus entstand, in dem sich eine gemäßigte Küstenpartei PSD(Parti Sociale Democrate) und eine radikale Hochlandpartei AKFM(Antokon‘ny Kongresen‘ny Fahaleovante-nan‘e Madagasekara) gegenüberstand. Dem Führer der PDS, Philibert Tsiranana, gelang es bei den Präsidentenwahlen 1958 eine kräftige Basis hinter sich zu scharen. Am 1.November 1958 wird Tsiranana Präsident und am 26.6.1960 wird Madagaskar in die Unabhängigkeit entlassen. Im September des gleichen Jahres wird die Insel UN-Mitglied.

[...]


[1] Vgl. EIU Country Profile 1999-2000, S. 4.

[2] Vgl. Girrbach und Nohlen, in: Handbuch der dritten Welt, Nohlen/Nuscheler(Hrsg.),

2.Auflage, Hamburg 1982, S.221.

[3] Ebd. S.221.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Madagaskar - Geschichte, Kultur und Problemlage der Entwicklung
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften)
Veranstaltung
Madagaskar - Schatztruhe oder Faß ohne Boden?
Note
2,2
Autor
Jahr
2001
Seiten
12
Katalognummer
V59939
ISBN (eBook)
9783638537360
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Madagaskar, Geschichte, Kultur, Problemlage, Entwicklung, Schatztruhe, Boden
Arbeit zitieren
Jan Richter (Autor), 2001, Madagaskar - Geschichte, Kultur und Problemlage der Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/59939

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