Der Erste Weltkrieg als Wegbereiter des Totalen Krieges


Seminararbeit, 2006
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die idealtypischen Kriegsformen
2.1. Der Kabinettskrieg
2.2. Der Volkskrieg
2.3. Der totale Krieg
2.4. Zwischenbilanz

3. Vorbereitung und Ausgestaltung des Ersten Weltkrieges im deutschen Reich
3.1. Kriegszielagitation
3.2. U-Boot Krieg und „Knock Out Policy“

4. Fazit

5. Anhang

6. Literaturliste

1. Einleitung

Das gesamte 20. Jahrhundert war geprägt durch eine große Anzahl von Konflikten, die sich teilweise in Europa manifestierten. Die beiden Weltkriege begannen in Europa, ergriffen schließlich auch Gebiete, die rein geographisch nicht zu Europa gehörten und zogen diese mit in den Konflikt hinein. Bedingt durch massive imperialistische Anstrengungen, die verstärkte Ausprägung des Nationalismus und des Militarismus, speziell in Deutschland und Österreich, übertrugen sich diese Auseinandersetzungen auf die ganze Welt. Konflikte wie der Kambodscha-, Vietnam- und Algerienkrieg oder auch die israelisch-palästinensischen Auseinandersetzungen müssen, zumindest indirekt, als Folge der in Europa entstandenen Konfrontationen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts betrachtet werden. Der Erste Weltkrieg machte den Anfang, wurde jedoch im Vorfeld bereits von vielen kleineren Konflikten eingeleitet, die durch die verstärkten imperialistischen Außenpolitiken der großen europäischen Nationen, wie England, Frankreich und Deutschland-Österreich ausgelöst und verschärft wurden. Beispielhaft sind an dieser Stelle die Auseinandersetzungen in Marokko oder auf dem Balkan zu nennen.

Der Fokus der vorliegenden Arbeit wird sich auf den Ersten Weltkrieg richten. Ziel ist es, zu überprüfen, ob dieser Konflikt eine besondere Aufgabe erfüllte in der Ausformung der folgenden Kriegsformen. Die These lautet: Der Erste Weltkrieg markierte den Übergang von der traditionellen Kriegführung des Kabinetts- und Volkskrieges, hin zum totalen Krieg. Hierbei muss auch überprüft werden in wieweit der Konflikt selbst totalitäre Züge annahm und wie dies entstanden. Um diese These prüfen zu können muss der Einfluss der Politik, seitens der zivilen und militärischen Führer, ist ebenso betrachte werden, wie die Intervention seitens der wirtschaftlich-industriellen, bürgerlichen und sozialen-sozialistischen Agitatoren. Die zentrale Frage die am Ende geklärt sein muss, ist, ob der Erste Weltkrieg letztlich ein totaler Krieg war oder nicht.

Ausgehend von dieser These wird vorab, in aller Kürze, bestimmt werden, welche Kriegsformen es vorher gab und wie diese zu charakterisieren sind. Diese Vorgehensweise dient dazu, im Anschluss den Unterschied zum Begriff des Totalen Krieges besser in den Kontext integrieren zu können. Es steht hierbei außer Frage, dass es sich bei den Definitionen lediglich um Idealtypen handelt, die in dieser „Reinform“ nie zum tragen kamen, sondern den jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden mussten. Jedoch ist es für den Historiker hilfreich und notwendig mit diesen Idealtypen zu arbeiten um die Fülle an Variationen bewältigen zu können. Es folgt im Anschluss eine chronologische Auflistung und Charakterisierung der Kriegstypen, wobei mit dem Kabinettskrieg begonnen wird, aus welchem sich der Volkskrieg und schließlich der Totale Krieg entwickelte. Es gibt noch andere Typen des Krieges, jedoch genügen diese drei um die hier vorgebrachte These und die damit verbundenen Begrifflichkeiten genauer zu definieren.

Die vorliegende Arbeit wird sich daher zunächst mit den eben erwähnten kurzen Begriffsdefinitionen beginnen, im weiteren Verlauf aufzeigen wie das Kaiserreich den Krieg begann, welche Vorgehensweise gewählt wurde und mit welchen Planungen der Krieg gewonnen werden sollte. Hierbei wird kurz untersucht, ob der Generalstab davon ausging, dass die Planungen einen kurzen Krieg garantierten oder ob man sich bereits damals bewusst war, dass mit einer längerfristigen Auseinadersetzung zu rechnen war. Wenn dem so war, warum wurden diese Pläne oder dieser Plan trotzdem umgesetzt? Welche Ziele verfolgte der Generalstab und was erhoffte er sich schließlich vom zu erwartenden Kriegsverlauf? Waren die Planungen bezüglich der These maßgebend für begriffliche Einordnung des Krieges, oder waren hierfür andere Aspekte ausschlaggebend? Diese und weitere Fragen werden im Verlauf geklärt werden.

2. Die idealtypischen Kriegsformen

2.1. Der Kabinettskrieg (KK)

Der KK ist eine Art des Krieges, die das Bild der Konfrontationen in Europa während der Zeit des Absolutismus bis zur Französischen Revolution 1789 beherrschte. Er zeichnete sich dadurch aus, dass die an den kriegerischen Handlungen Beteiligten, sich lediglich aus dem stehenden Herr, den Söldnern und den Feldherren zusammensetzten. Das Offizierskorps entstammte meist dem Adel, die Kriegsführung war zurückhaltend und räumlich sowie zeitlich begrenzt. Die Bevölkerung wurde nicht in die Konfrontationen involviert und die Kriegszielpolitik führte auf eine Entscheidungsschlacht hin, die mit häufig wechselnden Koalitionen unter den Kriegsparteien einher ging. Hier noch einmal eine kurze zusammenfassende Auflistung:

- stehendes Heer
- meist adeliges Offizierskorps
- zurückhaltende, räumlich und zeitlich begrenzte Kriegsführung
- beschränkte Kriegsziele und häufig wechselnde Koalitionen zwischen den Kriegsparteien
- Nichtbeteiligung der Öffentlichkeit[1].

Die Bezeichnung resultiert daraus, dass die Kriegsziele der damaligen Zeit eng auf den scheinbar rationalen Entscheidungen der absolutistischen Herrscher und ihrer Berater im Kabinett fußten und sehr begrenzt und gezielt geführt wurden. Somit bilden die KK des 18. Jahrhunderts einen guten Kontrast zu den Religionskriegen der vorangegangenen Epochen, wie dem 30-jährigen Krieg, der letztlich in unkontrollierten Plünderung endete. Als Beispiele für einen KK dienen die Türkenkriege, die spanischen Erbfolgekriege oder auch der polnische Thronfolgekrieg.

2.2. Der Volkskrieg (VK)

Der VK kann als direkter Nachfolger des Kabinettskrieges erachtet werden. Mit der französischen Revolution endeten die KK und gingen nahtlos in die Revolutionskriege und die napoleonischen Kriege des 19. Jahrhunderts über. Der VK lässt sich dadurch charakterisieren, dass an ihm zum einen das wehrpflichtige Heer aber auch die Bevölkerung beteiligt ist. Letztere kann sich sowohl aktiv als auch passiv in das Kriegsgeschehen mit einbringen. Das Ziel des Volkskrieges ist ein Abnutzungskrieg, der den Gegner an seine Reserven treibt und ihn somit zwing sich aus der besetzten Region zurück zu ziehen. Die Kriegsführung läuft darauf hinaus, dass nicht mehr nur eine Entscheidungsschlacht angestrebt wird, sondern viel kleine Entscheidungsschlachten das Ziel sind, die mittels einer Guerillataktik gewonnen werden sollen. Hieraus ergibt sich, dass der VK auch als Guerillakrieg bezeichnet werden könnte. Fassen wir kurz zusammen:

- wehrpflichtiges Herr
- Bevölkerung aktiv und passiv am Krieg beteiligt
- Ziel ist ein Abnutzungskrieg
- Entscheidungsschlachten
- Guerillataktik

Dass der Volkskrieg bis in unsere Zeit überlebt hat und sich immer noch als probates Mittel erweist einem Okkupanten zu schädigen, zeigen die ausgewählten Beispiele für den VK. So ist der wohl bekannteste Volkskrieg der kubanische Guerillakrieg gegen Fulgencio Batista (1956-1959), aber auch der algerische Unabhängigkeitskrieg (1954-62) jedoch ebenfalls, um wieder ins 19. Jahrhundert zurück zu kehren, der 30-jährige Unabhängigkeitskampf der kubanischen Mambises gegen die spanische Kolonialherrschaft 1868-1898, der in der Besetzung Kubas durch die USA kulminierte[2].

2.3. Der totale Krieg (TK)

„... der mit allen Mitteln und unter Missachtung aller Konventionen geführt Vernichtungskampf; Unterscheidung in Soldaten und Zivilpersonen entfällt; der totale Krieg soll zur Auslöschung des gegnerischen Volkes führen. Dem totalen Krieg geht die Ausschöpfung der eigenen Möglichkeiten voraus (totale Mobilmachung). ...“ [3]

Als Totaler Krieg wird also allgemein, wie dieses Bespiel zeigt eine Kriegsführung bezeichnet, die auf eine vollständige Ausnutzung des wirtschaftlichen und personellen Potenzials abzielt. Die teilnehmenden Akteure sind nicht mehr nur die Soldaten und die Bevölkerung im Untergrund, sondern das ganze Volk als Kriegsressource. Die jungen Männer stehen als Soldaten an der Kriegsfront und die Alten, Frauen und Kinder an der so genannten Heimatfront. Das erklärte Ziel der Agitatoren ist ein absoluter Vernichtungskrieg, der dazu führen soll und muss das gegnerische Volk vollständig zu vernichten. Hierzu werden alle zur Verfügung stehenden Mittel eingesetzt. Der Begriff selbst geht, so wird gemeinhin angenommen, auf die Sportpalastrede von Joseph Göbbels zurück, die am 18.02.1943 stattfand. Göbbels appellierte vor 3000 begeisterten Zuhörern an den Durchhaltewillen der Deutschen und stellte die Frage, die den Begriff bis heute prägt „Wollt ihr den totalen Krieg?“[4].

[...]


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Kabinettskrieg

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Guerilla

[3] Das Moderne Lexikon, in zwanzig Bänden, Bd. 18, Bertelsmann Verlag, Berlin-München-Wien 1974.

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Totaler_Krieg

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der Erste Weltkrieg als Wegbereiter des Totalen Krieges
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Krieg und Kriegsbilder
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V60187
ISBN (eBook)
9783638539296
ISBN (Buch)
9783640385553
Dateigröße
1105 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erste, Weltkrieg, Wegbereiter, Totalen, Krieges, Krieg, Kriegsbilder
Arbeit zitieren
Daniel Rottgardt (Autor), 2006, Der Erste Weltkrieg als Wegbereiter des Totalen Krieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60187

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