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Der Eidgenössische Bundesrat als staatstragendes Ensemble - Eine Analyse von Erving Goffmans Ensemblebegriff mit Fokus auf die Schweizer Exekutive

Title: Der Eidgenössische Bundesrat als staatstragendes Ensemble - Eine Analyse von Erving Goffmans Ensemblebegriff mit Fokus auf die Schweizer Exekutive

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 29 Pages , Grade: gut

Autor:in: Marcello Indino (Author)

Sociology - Politics, Majorities, Minorities
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Wie diesem Zitat von William Shakespeare zu entnehmen ist, war Erving Goffman nicht der erste, der das gesellschaftliche Leben als Theaterstück betrachtet hat. Der britische Dichter wiederum sicherlich auch nicht, denn die Grundidee ist nicht neu: Das Leben ist eine Bühne, auf der man sich praktisch permanent vor Publikum darzustellen hat... Doch Goffman geht weiter. Er schafft eine Welt, in der man nicht erst als Bühnendarsteller in eine Rolle gezwungen wird. Sogar als Beobachter, als Teil des Publikums also, kann man sich einer Bühneninszenierung nicht einfach hingeben, sondern muss ebenfalls adäquat die eigene Rolle spielen: Zum richtigen Zeitpunkt lachen, erstaunt die Augen aufreissen oder seufzend mitleiden. Schliesslich ist auch jeder Zuschauer für seinen Sitznachbarn nichts anderes als ein Darsteller, et vice versa. Und auf diese Weise zieht es sich den gesamten Theatersaal hindurch, so dass Jeder für die Anderen zum Schauspieler wird. Man betrachtet kein Theaterstück, sondern man ist Teil des Stücks. Man schlüpft nicht in eine Theaterrolle, sondern man ist die Rolle. In diesem Sinne operiert Goffman im hier behandelten WerkWir alle spielen Theater - Die Selbstdarstellung im Alltagmit Bühnenvokabular und Theateranalogien. Er schafft damit das Konstrukt desEnsemblesum „eine Gruppe von Individuen[zu beschreiben], die eng zusammenarbeiten muss, wenn eine gegebene Situationsbestimmung aufrecherhalten werden soll“ (Goffman, 2005, S. 96). Somit scheint jede nicht zufällig entstandene Gruppe ein Ensemble zu sein: Eine Sportmannschaft, ein Kleinorchester, eine Ballettcrew...

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Fragestellung

2. Goffmans Ensemblebegriff

2.1. Allgemeine Definition

2.2. Das dritte Phänomen

2.3. Hauptcharakteristiken

2.4. Rollenverteilung

2.5. Darstellungsebenen

3. Der Eidgenössische Bundesrat

3.1. Strukturen und Funktionen

3.2. Analyse der Charakteristiken

3.3. Allgemeine Rollenverteilung

3.3.1. Der Bundespräsident

3.4. Darstellungsebenenanalyse

3.4.1. Informationsvermittlung

4. Zwischenbilanz und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern sich der Schweizer Bundesrat als ein „Ensemble“ im Sinne der soziologischen Theorie von Erving Goffman begreifen lässt, wobei insbesondere die verfassungsrechtlichen Strukturen und die praktische Umsetzung dieser Rollen im politischen Alltag analysiert werden.

  • Anwendung des Goffman’schen Ensemble-Begriffs auf politische Institutionen
  • Analyse des Kollegialprinzips und der Konkordanzdemokratie
  • Untersuchung von Rollenverteilungen innerhalb der Exekutive
  • Die Rolle der Medien und die Trennung zwischen Vorder- und Hinterbühne

Auszug aus dem Buch

2.2. Das dritte Phänomen

Wenn auch Goffman sich als Soziologe sah und anderen Fächern Zirkularität, Banalität oder gar Inkompetenz vorwarf (Goffman, 1994, S. 54f ; zit. nach Hettlage, 2003, S. 188), drängt sich im Rahmen der soeben zitierten Begriffstriade Einzelteile, Gesamtheit und Eindruck ein Vergleich aus der Psychologie auf: Als Gegenbewegung zur damals in den USA vorherrschenden Assoziationspsychologie und zum Behaviorismus entstand in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts die sogenannte Gestaltpsychologie (Goldstein, 2002, S. 190). Diese interessierte sich primär für die menschliche Wahrnehmung und stellte im Zusammenhang mit deren Organisation folgende Regel auf (u. a. Atkinson, Atkinson, Smith, Bem, & Nolen-Hoeksema, 2001, S. 9):

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.

Obwohl dieser Ausspruch insbesondere auf die Formenwahrnehmung bezogen ist, lässt sich anhand eines klassischen gestaltpsychologischen Beispiels durchaus eine Parallele zu Goffmans Ensembleterminus ziehen. Die vier in diesem Textblock abgebildeten offenen Winkel lassen automatisch sogenannte Scheinkonturen entstehen. Diese vermitteln den Eindruck, man hätte nicht nur die vier genannten Figuren vor sich, sondern vielmehr ein einzelnes grosses Rechteck. Die vier Winkel bergen ebenfalls Scheinkonturen in sich, die aus den offenen Figuren kleine geschlossene Dreiecke zu machen scheinen. Auf die gesamte Abbildung bezogen kann gesagt werden, dass das Ganze (der faktisch nur imaginäre Quadrant) mehr ist als die Summe seiner Teile (die vier tatsächlich vorhandene offene Winkeln). Auch jenseits der Formwahrnehmung ist dieses Phänomen aber beobachtbar. Durch die Kombination von Natrium (korrodiertes Metall) und giftigem Chlor entsteht essbares Tafelsalz (Rock und Palmer, 1990 ; zit. nach Myers, 2005, S. 251).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitende Fragestellung: Die Arbeit führt in die Theatertheorie von Erving Goffman ein und leitet die Forschungsfrage zur Ensembletauglichkeit des Schweizer Bundesrates ab.

2. Goffmans Ensemblebegriff: Definition der soziologischen Kernbegriffe wie Ensemble, dritte Phänomen und Rollenverteilung, ergänzt durch die Unterscheidung von Darstellungsebenen.

3. Der Eidgenössische Bundesrat: Konkrete Anwendung der Theorie auf das Schweizer Regierungssystem, unter Berücksichtigung von Konkordanz, Kollegialprinzip und Medieninteraktion.

4. Zwischenbilanz und Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, die den Bundesrat in seiner Struktur als Ensemble bestätigt, jedoch die Grenzen der Rollenverteilung aufzeigt.

Schlüsselwörter

Erving Goffman, Ensemble, Bundesrat, Kollegialprinzip, Konkordanz, Rollenverteilung, Darstellung, Vorderbühne, Hinterbühne, Politische Kommunikation, Situationsdefinition, Staatsleitung, Rollentheorie, Politische Soziologie, Medienpräsenz.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Schweizer Regierung, den Bundesrat, mithilfe der soziologischen „Ensemble-Theorie“ von Erving Goffman.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Strukturen der Regierungsarbeit, das Kollegialprinzip, die Konkordanz und die Art und Weise, wie sich die Exekutive in der Öffentlichkeit präsentiert.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Es wird untersucht, ob der Bundesrat als ein „Ensemble“ nach Goffmans Definition fungiert und wie verfassungsrechtliche Vorgaben die Rollen der Bundesräte formen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine rechts- und sozialwissenschaftliche Analyse, gestützt auf Fachliteratur, Verfassungsartikel und mediale Fallbeispiele.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Ensemblebegriffs und die anschließende empirische sowie strukturelle Anwendung auf den Bundesrat.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Ensemble, Vorder- und Hinterbühne, Kollegialität, Rollenidentität und politische Inszenierung.

Warum ist das "dritte Phänomen" wichtig für den Bundesrat?

Das dritte Phänomen beschreibt die Wahrnehmung eines Ensembles als Einheit, was der Funktionsweise eines kollegialen Bundesrates entspricht, der nach außen hin geschlossen auftritt.

Inwiefern beeinflussen die Medien die Ensemble-Inszenierung?

Medien fungieren als Opernglas des Publikums und ermöglichen es der Exekutive, Situationen zu definieren und den Eindruck einer geschlossenen Einheit zu vermitteln.

Welche Rolle spielt der Bundespräsident innerhalb des Ensembles?

Der Bundespräsident nimmt primär die zeremonielle Rolle des Repräsentanten ein, wobei seine Leitungsbefugnisse durch das Kollegialitätsprinzip und die jährliche Rotation begrenzt sind.

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Details

Title
Der Eidgenössische Bundesrat als staatstragendes Ensemble - Eine Analyse von Erving Goffmans Ensemblebegriff mit Fokus auf die Schweizer Exekutive
College
University of Zurich
Grade
gut
Author
Marcello Indino (Author)
Publication Year
2005
Pages
29
Catalog Number
V60633
ISBN (eBook)
9783638542593
ISBN (Book)
9783656813231
Language
German
Tags
Eidgenössische Bundesrat Ensemble Eine Analyse Erving Goffmans Ensemblebegriff Fokus Schweizer Exekutive
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marcello Indino (Author), 2005, Der Eidgenössische Bundesrat als staatstragendes Ensemble - Eine Analyse von Erving Goffmans Ensemblebegriff mit Fokus auf die Schweizer Exekutive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60633
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