Gewalt gegen Frauen. Ursachen, Formen, Gegenmaßnahmen


Seminararbeit, 2006
24 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ursachen für die Gewalt gegen Frauen
2.1 Situative und individuelle Auslöser
2.2 Gesellschaftliche Faktoren (Warum gerade die Frauen ?)
2.2.1 Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung
2.2.2 Geschlechtsspezifische Sozialisation

3 Geschlechtsspezifischer Gewaltbegriff
3.1 Personale Gewalt gegen Frauen
3.2 Strukturelle Gewalt gegen Frauen
3.3 Zusammenhang von struktureller und personaler Gewalt

4 Formen der Gewalt gegen Frauen
4.1 Vergewaltigung
4.2 Sexueller Missbrauch
4.3 Gewalt in der Ehe oder Partnerschaft
4.4 Frauenhandel und Gewalt in der Prostitution
4.5 Genitalverstümmelung und Selektion nach Geschlecht
4.6 Weitere Formen

5 Gegenmaßnahmen
5.1 Die Frauenbewegung
5.2 Situation in Österreich

6 Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Ermordet, weil sie ihr Leben lebte“ – so lautete eine Schlagzeile in der Tiroler Tageszeitung am 14.04.2006. Die 23 Jahre alte Deutsch-Türkin Hatun Sürücü wurde von ihrem Bruder im Namen der Familienehre erschossen, weil sie aus einer Zwangsehe geflüchtet war, danach ihr Kopftuch ablegte und eine neue Beziehung einging.

Es handelt sich bei diesem Geschehen keineswegs um einen Einzelfall, auch wenn die Gewalt hier eine besonders schreckliche Ausprägung angenommen hat. Gewalt gegen Frauen ist weit verbreitet. Viele Frauen sind täglich auf Grund ihres Geschlechts Gewalttätigkeiten ausgesetzt, wodurch diese Gewalthandlungen für sie zu einem prägenden Merkmal ihres Alltags werden. In Österreich bspw. werden jedes Jahr etwa 250.000 Frauen körperlich misshandelt. Man geht auch davon aus, dass in den alten EU-Ländern (ohne die zehn neuen Mitgliedsstaaten von 2004) zirka ein Viertel aller Frauen – das sind rund 170 Millionen – zumindest einmal in ihrem Leben Opfer männlicher Gewalt werden.[1] Bei einer globalen Betrachtung dieses Missstandes sind die Zahlen noch etwas tragischer. So wird weltweit mindestens einer von drei Frauen im Verlauf ihres Lebens Gewalt in Form von Schlägen, Vergewaltigung oder anderwärtigem sexuellen Missbrauch angetan.[2]

Dabei sind die Formen sowie das Ausmaß der Gewalt außerordentlich vielfältig und erschreckend. Frauen werden eingesperrt, getreten, geschlagen, gewürgt oder vergewaltigt. Sie werden mit kochend heißem Wasser verbrüht, mit Messern, Flaschen und ähnlichen Gegenständen verletzt. Dadurch erleiden sie Prellungen, Platzwunden, Knochenbrüche und sogar den Tod. Damit einhergehend werden Frauen erniedrigt, lächerlich gemacht, für dumm, krank oder hässlich erklärt und durch ständiges Herumkommandieren und permanente Beschimpfungen verletzt.[3]

Die meisten dieser Gewalttaten werden dabei nicht etwa von Fremden sondern im Familienkreis bzw. im sozialen Nahraum verübt. So werden nach einer Schätzung des UNHCR zufolge weltweit bis zu 70 Prozent aller Morde an Frauen von ihren männlichen Partnern – häufig im Rahmen gewalttätiger Beziehungen – verübt.[4]

Nach dieser kurzen Einstimmung wird im Folgenden versucht werden, einen tieferen Einblick in das Phänomen der Gewalt gegen Frauen zu vermitteln. Dafür werden zunächst die wichtigsten Ursachen aufgezeigt, wodurch es dann besser möglich sein sollte, einen geschlechtsspezifischen Gewaltbegriff herauszuarbeiten. In einem weiteren zentralen Punkt dieser Arbeit werden dann auch einige Gewaltformen bzw. Gewaltauswüchse gegen Frauen beschrieben und mit diversen Zahlen veranschaulicht. Den Abschluss bildet ein Überblick über die Frauenbewegung und die Situation in Österreich.

2 Ursachen für die Gewalt gegen Frauen

Wie aus der Einleitung bereits zu erkennen ist handelt es sich bei der Gewalt gegen Frauen zum größten Teil um Männergewalt und Frauen und Kinder sind deren Opfer. Natürlich können auch Frauen Gewalt ausüben, aber Männer treten verteilt über alle Gewaltformen quantitativ wesentlich häufiger als Täter in Erscheinung. Zusätzlich sind ihre Handlungen dann noch qualitativ schädigender.[5] Laut einer Studie von Michael Baumann sind 97 Prozent der Opfer im sozialen Nahraum weiblich. Gerade in diesem Bereich ist die Geschlechtsspezifität der Gewalt eine gesicherte empirische Erkenntnis.[6]

Zu den Ursachen von Gewalt gegen Frauen heißt es in einem UNO Dokument: „Violence against women is a manifestation of the historically unequal power relations between men and women, which have led to domination over and discrimination against women by men and to the prevention of women’s full advancement.“ In diesem UNO Dokument – das von allen Mitgliedstaaten unterzeichnet wurde – wird also festgehalten, dass Gewalt an Frauen mit dem Machtverhältnis zwischen Männern und Frauen zu tun hat.[7]

2.1 Situative und individuelle Auslöser

Stress, Ärger über die Kinder, Frusterlebnisse, Aggressionsüberschuss, besondere Täterpersönlichkeit usw. werden häufig zu den Auslösern der Gewalthandlungen des Mannes gezählt. (Jungen und Männer sind durchwegs aggressiver als Mädchen und Frauen. Diese höhere Neigung zur Aggressivität tritt kulturübergreifend auf. Die Ursache dafür liegt im männlichen Geschlechtshormon Testosteron.[8] ) Männer setzen sich über den Willen der Frauen hinweg, weil gerade die Hinwegsetzung ihren höheren Machtstatus zum Ausdruck bringt und Frustrationserfahrungen – bspw. hat der Mann Probleme mit seinem Vorgesetzten und schlägt aus Frust darüber zu Hause seine Frau – überdeckt. Sie wollen ihre eigenen Interessen mit Gewalt durchsetzen. Die weiblichen Opfer arrangieren sich mit dem gewalttätigen Verhalten der Männer schnell. Sie wehren sich nicht, signalisieren die Überschreitung der eigenen Grenzen nicht, verteidigen sich nicht, sondern ergeben sich in ihr „Schicksal“.[9]

So kann sich Männergewalt grenzenlos fortsetzen, wenn die Opfer entsprechende Persönlichkeitsmerkmale oder Verhaltensweisen aufweisen, die mit denen der Männer korrelieren. Die individuellen Merkmale der beteiligten Personen begünstigen die Gewaltausübung, sind aber nicht ursächlich dafür verantwortlich zu machen. Die Ursachen bspw. der sexuellen Gewalt können nur ungenügend aus den Persönlichkeitsmerkmalen der beteiligten Akteure geschlossen werden. Das typisch männliche und weibliche Verhalten hat seine Wurzeln in gesellschaftlichen Faktoren.[10]

2.2 Gesellschaftliche Faktoren (Warum gerade die Frauen ?)

Männliche Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist weltweit in vielfacher Form in die kulturell vorherrschende Konstruktion des Geschlechterverhältnisses eingebettet, und zwar als grundsätzliche Dominanz des einen Geschlechts über das andere.[11] Frauen, deren Anteil an der Bevölkerung knapp mehr als die Hälfte beträgt, leisten 65 Prozent der Arbeit, erhalten aber nur 10 Prozent des weltweiten Einkommens und haben gar nur zu einem Prozent Anteil am Eigentum.[12]

2.2.1 Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung

Auch heute noch gilt die sich im Laufe der Geschichte entwickelte Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern in die Lohnarbeit (als die Form gesellschaftlich anerkannter Arbeit) und die Hausarbeit (als Gesellschaftlich nicht in diesem Ausmaß anerkannte Arbeit). Mit anderen, etwas plakativeren Worten ausgedrückt: Nach wie vor ist in den meisten Gesellschaften für die außerhäusliche Beschaffung von Fleisch und Fisch der Mann zuständig, während die Zubereitung der Nahrung im Haus der Frau obliegt; für die Rinderherden sind die Männer, für die Nachkommen die Frauen zuständig.[13]

Fürsorge, Häuslichkeit, Mütterlichkeit, Reproduktion der Lohnabhängigen – diese für die bestehende Gesellschaft noch funktionalen Eigenschaften – werden den Frauen zugeschrieben und dienen auch heute noch als Legitimation für die Rollen- und Arbeitsteilung. Damit einher geht in vielen Ländern nach wie vor eine gegenüber den Männern schlechtere Berufsqualifikation. Dies führt dann zu einer schlechteren Bezahlung, weniger Aufstiegschancen und einer höhere Krisenanfälligkeit von Frauenarbeitsplätzen. Nach wie vor besteht der „große“ Konflikt zwischen Mutterschaft und Beruf. Eine Ehegemeinschaft bzw. Partnerschaft, die zum Ziel hat Kinder in die Welt zu setzen, überlässt deren Pflege und Erziehung fast ausschließliche der Frau, weil ihr diese Tätigkeit durch ihr Geschlecht und damit verbunden ihrem Wesen bereits in die „Wiege“ gelegt worden sei. In der Folge wird dann bei einer Berufstätigkeit der Frau ein Nicht-Funktionieren der Familie oder Schwierigkeiten mit den Kindern ihr zu Lasten gelegt.[14]

Frauen sind also im Rahmen der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung durch ihre determinierte Stellung in der Familie vom Mann abhängig; dies in zweierlei Hinsicht:

- Der Mann als Hauptverantwortlicher für den außerhäuslichen Erwerb der lebensnotwendigen Güter hat die ökonomische Versorgung der Familie in der Hand.
- Durch die Zuständigkeit für den privaten Bereich wird die Frau weitgehend vom öffentlichen, außerhäuslichen Bereich – für den ja der Mann zuständig ist – ausgeschlossen. So führt praktisch der Mann die Auseinandersetzung mit der Öffentlichkeit und die Isolierung der Frau ist damit zementiert.[15]

[...]


[1] Vgl. Bernroitner/Wagner/Weinzinger (2005), S. 37.

[2] Vgl. UNHCR Österreich (2003), S. 15.

[3] Vgl. Reese (1997), S. 15.

[4] Vgl. UNHCR Österreich (2003), S. 15.

[5] Vgl. Godenzi (1994), S. 229.

[6] Vgl. Reese (1997), S. 15.

[7] Vgl. Logar (2001) S. 5.

[8] Vgl. Prisching (1995), S. 146.

[9] Vgl. Reese (1997), S. 49.

[10] Vgl. Godenzi (1989), S. 22.

[11] Brückner (2002), S. 9.

[12] Vgl. Reese (1997), S. 53.

[13] Vgl. Prisching (1995), S. 144f..

[14] Vgl. Prisching (1995), S. 153 und Steinbacher (1985), S. 30.

[15] Vgl. Steinbacher (1985), S. 31.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Gewalt gegen Frauen. Ursachen, Formen, Gegenmaßnahmen
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Institut für Soziologie)
Note
1
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V60856
ISBN (eBook)
9783638544283
ISBN (Buch)
9783638709651
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gewalt, Frauen, Ursachen, Formen, Gegenmaßnahmen
Arbeit zitieren
Mag. Johannes Bartl (Autor), 2006, Gewalt gegen Frauen. Ursachen, Formen, Gegenmaßnahmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/60856

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