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Verschuldungskrisen und Ratings. Die Einführung von Basel II und der Einfluss auf Nicht-G10 Länder

Title: Verschuldungskrisen und Ratings. Die Einführung von Basel II und der Einfluss auf Nicht-G10 Länder

Diploma Thesis , 2006 , 94 Pages , Grade: 93 Punkte (1,3)

Autor:in: Jens-Oliver Schünzel (Author)

Business economics - Economic Policy
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Summary Excerpt Details

Der erste Baseler Akkord (Basel I), der die Kreditvergaben an eine bestimmte Eigenkapitalunterlegung knüpfte, wurde nach seiner Verabschiedung 1988 in der Zwischenzeit in über 100 Ländern eingeführt. Das internationale Finanzsystem sollte dadurch verbessert und vor Krisen geschützt werden.

Das Auftreten weiterer Finanzkrisen konnte jedoch in der Folgezeit nicht verhindert werden. Die Asienkrise (1997) bildete den Auftakt von einer ganzen Reihe weiterer Krisen in Russland (1998), Brasilien (1999), der Türkei (2000) sowie Argentinien (2001). Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht (Basel Committee for Banking and Supervision, BCBS) begann mit der Erarbeitung eines neuen Akkords (Basel II) für international tätige Banken. Der erste Entwurf wurde 1999 vorgestellt und 2004 erfolgte schließlich die Verabschiedung der endgültigen Fassung mit dem dritten Konsultationspapiers (CP3). Die mit dem neuen Regelwerk verbundenen Ziele zeigt das oben anstehende Zitat von Jaime Caruana auf.

Risiken sollen besser identifiziert und ausreichend mit Eigenkapital unterlegt werden, um das internationale Finanzsystem besser vor Krisen zu schützen. Gleichzeitig besteht das Ziel, das Wettbewerbsumfeld für die Kreditinstitute durch eine internationale Harmonisierung der Bankenaufsichtsregeln anzugleichen. Die Vorschrift zur Eigenkapitalunterlegung wurde erweitert, so dass neben Kredit- und Marktpreisrisiken auch operationale Risiken erfasst werden müssen. Die Reform der Eigenkapitalunterlegung ist bis heute nicht unumstritten. Am meisten diskutiert wurde die veränderte Ermittlung des Kreditrisikos über externe oder interne Ratings und deren möglichen Folgen für das internationale Finanzsystem und besonders für Entwicklungs- und Schwellenländer (ESL).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ratings

2.1 Historische Entwicklung

2.2 Ratingarten und deren Erstellung

2.3 Die Bedeutung von Ratings für die internationale Finanzwelt

2.4 Negative Merkmale des Ratingmarktes

3 Finanzkrisen in Entwicklungs- und Schwellenländern

3.1 Überblick

3.2 Finanzkrisen der 1. und 2. Generation

3.3 Die Asienkrise als neue Modellgeneration

3.3.1 Entstehung und Verlauf der Krise

3.3.2 Der Bilanzansatz als neues Erklärungsmodell

3.3.3 Ratings als Krisenverstärker?

4 Die Baseler Eigenkapitalvorschriften

4.1 Begründung und Ziele für eine Bankenaufsicht

4.2 Der erste Baseler Akkord

4.3 Der Dreisäulenansatz von Basel II

4.3.1 Mindestkapitalanforderungen

4.3.2 Überprüfungsprozess und Verbesserung der Marktdisziplin

4.4 Ratings und deren Wirkung auf die Eigenkapitalunterlegung

5 Die Einführung von Basel II in der G10

5.1 Der Umsetzungszeitplan

5.2 Die Auswirkungen auf den nationalen Kapitalmarkt

5.2.1 Ergebnisse der QIS 3

5.2.2 Prozyklische Wirkungen von Basel II

5.2.3 Regulatorisches und ökonomisches Kapital als Entscheidungsbasis

5.3 Der Einfluss auf internationale Kreditvergaben

5.3.1 Besonderheiten von Länderrisiken

5.3.2 Veränderungen der internationalen Kapitalströme

5.3.3 Unberücksichtigte Diversifikations- und Portfolioeffekte

6 Die Auswirkungen von Basel II außerhalb der G10

6.1 Die nationale Einführung

6.1.1 Umsetzungspläne und aktueller Stand in nicht G10-Ländern

6.1.2 Internationale Banken und nationale Regulierung

6.1.3 Die Alternativen bei der Implementierung

6.1.4 Der Einfluss von IWF und Weltbank

6.2 Prozyklische Ratings als Auslöser neuer Finanzkrisen?

6.2.1 Der Verlauf der Asienkrise mit Basel II

6.2.2 Ausblick in die Zukunft

7 Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Einfluss der Einführung von Basel II auf die Kreditversorgung in Entwicklungs- und Schwellenländern (ESL) unter besonderer Berücksichtigung der prozyklischen Wirkung von Ratings. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob durch den Bedeutungszuwachs von Ratings infolge der Baseler Reformen neue Risiken für die Entstehung von Finanzkrisen in diesen Ländern entstehen.

  • Analyse der Bedeutung und Funktionsweise von Ratingagenturen sowie deren Rolle bei Finanzkrisen.
  • Untersuchung der Strukturänderungen durch das neue Baseler Regelwerk (Dreisäulenansatz) im Vergleich zu Basel I.
  • Evaluierung der Auswirkungen von Basel II auf die Kreditvergabe an Nicht-G10 Länder.
  • Diskussion der Eignung von Ratings als Frühwarnindikatoren für Finanzkrisen.
  • Darstellung der Herausforderungen bei der nationalen Implementierung von Basel II in ESL.

Auszug aus dem Buch

3.3.1 Entstehung und Verlauf der Krise

Am 02.07.1997 musste der bisher an einen Währungskorb fixierte Wechselkurs des thailändischen Baht nach heftigen Attacken von Währungsspekulanten freigegeben werden. Der Baht wertete in der Folge eines massiven Kapitalabzuges ausländischer Anleger stark ab. In der Folgezeit waren nicht nur Thailand sondern auch weitere asiatische Länder, wie Südkorea, Malaysia oder die Philippinen, von dem Kapitalabzug betroffen. Aus einer anfangs thailändischen Krise entstand die Asienkrise.

Zu Beginn der 90er Jahre begannen viele ostasiatische Länder ihre heimischen Märkte zu deregulieren und zu flexibilisieren, was zu einer Phase starken Wirtschaftswachstums führte. Dies wurde fast überall durch eine feste Bindung der heimischen Währung an einen Währungskorb oder den US-Dollar unterstützt. Durch die hohen Devisenbestände der jeweiligen Zentralbanken schien das Wechselkursrisiko ausgeschaltet. Ausländische Kapitalgeber investierten aufgrund attraktive Renditen zunehmend in dieser Region, wodurch Produktionskapazitäten erhöht, die Infrastruktur verbessert und der Wirtschaftsboom aufrecht bzw. verlängert werden konnte. Der Zufluss des ausländischen Kapitals erfolgte meist in Form von kurzfristigen Portfolioinvestitionen, die einen schnellen Kapitalabzug ermöglichten.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Baseler Eigenkapitalvorschriften und die kritische Diskussion über deren Auswirkungen auf Schwellenländer.

2 Ratings: Beleuchtung der historischen Entwicklung von Ratingagenturen, deren Methoden und der Bedeutung für den internationalen Finanzmarkt sowie deren kritische Merkmale.

3 Finanzkrisen in Entwicklungs- und Schwellenländern: Analyse verschiedener Krisengenerationen mit einem Fokus auf den Bilanzansatz und die Rolle von Ratings bei der Asienkrise.

4 Die Baseler Eigenkapitalvorschriften: Darstellung der Ziele der Bankenaufsicht und detaillierte Erläuterung der Struktur von Basel II, insbesondere der Mindestkapitalanforderungen.

5 Die Einführung von Basel II in der G10: Untersuchung des Umsetzungszeitplans, der Auswirkungen auf den nationalen Kapitalmarkt und der Konsequenzen für die internationale Kreditvergabe.

6 Die Auswirkungen von Basel II außerhalb der G10: Analyse der Implementierungsprobleme in ESL, des Einflusses internationaler Organisationen und der potenziellen prozyklischen Gefahren.

7 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Einschätzung der weitreichenden Änderungen durch Basel II und die Auswirkungen auf die Stabilität der Finanzsysteme.

Schlüsselwörter

Basel II, Ratingagenturen, Schwellenländer, Finanzkrisen, Eigenkapitalvorschriften, Kreditrisiko, Bankenaufsicht, Asienkrise, Prozyklizität, Kapitalströme, Länderrisiko, Bankenkrisen, Basel I, Risikomanagement.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der Einführung des neuen Baseler Akkords (Basel II) auf die Finanzierungsbedingungen und die Krisenanfälligkeit von Entwicklungs- und Schwellenländern.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die zentralen Themen umfassen die Rolle von Ratingagenturen, die Struktur des neuen Baseler Regelwerks, die Analyse vergangener Finanzkrisen und die spezifischen Herausforderungen bei der Umsetzung von Bankenaufsichtsstandards in Schwellenländern.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob der zunehmende Einsatz von Ratings zur Bestimmung der Eigenkapitalunterlegung im Rahmen von Basel II neue Risiken für die Entstehung von Finanzkrisen in ESL birgt.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, der Auswertung von Auswirkungsstudien (QIS) sowie der Analyse von historischen Daten und Modellen zur Krisenentstehung, wie dem Bilanzansatz.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Ratings, die Analyse des Dreigenerationenmodells von Finanzkrisen, die detaillierte Vorstellung der drei Säulen von Basel II sowie die Untersuchung der Implementierungsaspekte und ökonomischen Auswirkungen in G10- und Nicht-G10-Ländern.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Basel II, Ratings, Entwicklungs- und Schwellenländer (ESL), Prozyklizität und Finanzkrisen charakterisiert.

Warum wird die Asienkrise von 1997 so detailliert betrachtet?

Die Asienkrise dient als Fallbeispiel für die neue Modellgeneration von Finanzkrisen, an der sich zeigen lässt, wie der Bilanzansatz und die Rolle prozyklischer Ratings die Stabilität eines ganzen Wirtschaftsraums maßgeblich beeinflussen können.

Wie bewertet der Autor den Einfluss von IWF und Weltbank?

Der Autor stellt fest, dass durch diese Institutionen ein indirekter Druck auf die ESL ausgeübt wird, internationale Standards (wie die BCP) zu übernehmen, da dies als Voraussetzung für Stabilität und als Signal für ein besseres Rating wahrgenommen wird.

Kann Basel II Finanzkrisen in Schwellenländern verhindern?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Basel II zwar das Bankenaufsichtssystem langfristig stärken kann, aber aufgrund der derzeitigen Ressourcenlage und des Mangels an Datenhistorien in ESL keine Garantie für die Vermeidung von Krisen darstellt und kurzfristig sogar prozyklische Risiken verstärken könnte.

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Details

Title
Verschuldungskrisen und Ratings. Die Einführung von Basel II und der Einfluss auf Nicht-G10 Länder
College
Martin Luther University  (Institut für Volkswirtschaftslehre - Lehrstuhl für internationale Wirtschaftsbeziehungen)
Grade
93 Punkte (1,3)
Author
Jens-Oliver Schünzel (Author)
Publication Year
2006
Pages
94
Catalog Number
V61440
ISBN (eBook)
9783638548984
ISBN (Book)
9783656775218
Language
German
Tags
Verschuldungskrisen Ratings Einfluss Einführung Nicht-G10 Länder Basel II Entwicklungsländer
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Jens-Oliver Schünzel (Author), 2006, Verschuldungskrisen und Ratings. Die Einführung von Basel II und der Einfluss auf Nicht-G10 Länder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61440
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