Diese Hauptseminararbeit betrachet die Ganztagsschule und seine Möglichkeiten bezogen auf das Lehrer-Schüler-Verhältnis, welches an herkömmlichen "Halbtagsschulen" ja stark zu leiden scheint.
Die Gewaltproblematik ist an sehr vielen Schulen omnipräsent, vor allem aber da, wo keine ganztägige Betreuung möglich ist. Diese Arbeit möchte die Ganztagsschule nicht als "Allzweckwaffe" darstellen gegen alle sozialen Probleme von Schulen. Vielmehr wird thematisiert, welche Möglichkeiten, aber auch Grenzen die Ganztagsschule hat, wenn es darum geht die SchülerInnen zum einen zu gut auszubilden, aber ihnen auch einen Ort zu bieten, wo sie einen großen Teil ihres Lebens verbringen und verbringen wollen.
Verschiedene Organisationsmodelle der Ganztagsschule werden am Beispiel ausgewählter Ganztagsschulen in Deutschland betrachten und verglichen. Im Fokus steht die Frage, welche Schule nun am günstigsten für die Kinder und Jugendlichen ist und welche Organisationsform am besten dafür geeignet ist, ein positives und förderliches Lehrer-Schüler-Verhältnis entstehen zu lassen.
Die Arbeit ist eine Hauptseminararbeit im Bereich Schulpädagogik.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Das Konzept der Ganztagsschule
2. Zum Lehrer-Schüler-Verhältnis an Halbtagschulen
2.1 Wie wird das Lehrer-Schüler-Verhältnis an Halbtagsschulen gestaltet?
2.2 Bewertung des Lehrer-Schüler-Verhältnisses an Halbtagsschulen
3. Das Lehrer-Schüler-Verhältnis an Ganztagsschulen
3.1 Wie kann das Lehrer-Schüler-Verhältnis an Ganztagsschulen aussehen ?
3.2 Zur Gestaltung eines positiven Lehrer-Schüler-Verhältnisses durch einen veränderten Schulunterricht
3.3 Zur Gestaltung eines positiven Lehrer-Schüler-Verhältnisses im Freizeitbereich
4. Organisationsformen der Ganztagsschule
4.1 Drei Schulprofile
4.2 Welche Organisationsform der Ganztagsschule ist am effektivsten für die Schaffung eines positiven Lehrer-Schüler-Verhältnisses ? Eine Diskussion an drei Praxisbeispielen
5. Wer profitiert von einem verbesserten Lehrer-Schüler-Verhältnis an Ganztagsschulen ?
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern die Organisationsformen der Ganztagsschule als Chance für die Entwicklung eines verbesserten Lehrer-Schüler-Verhältnisses dienen können, und analysiert hierbei den Einfluss von Rhythmisierung, Projektunterricht sowie freizeitpädagogischen Ansätzen.
- Vergleich der Lehrer-Schüler-Interaktion an Halb- und Ganztagsschulen
- Bedeutung von Projektunterricht für eine Lernberatungsrolle der Lehrkräfte
- Integration von Sozialpädagogik und Freizeitgestaltung in den Schulalltag
- Unterscheidung der Organisationsmodelle (additiv-dual, additiv, integrativ)
- Analyse der Zielgruppen und Profiteure einer ganztägigen Bildung
Auszug aus dem Buch
3.1 Wie kann das Lehrer-Schüler-Verhältnis an Ganztagsschulen aussehen?
Das Konzept der Ganztagsschule bzw. deren Varianten lassen einen Wandel der traditionellen Lehrerrolle zu. Der frühere langjährige Leiter einer Ganztagsschule und Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Dr. Dieter Wunder, behauptet sogar, dass erst die Arbeit an einer Ganztagsschule einer Lehrperson erlaubt, “sich wirklich als Pädagoge zu sehen” (Wunder 2002, S. 88).
Er begründet seine These damit, dass an Ganztagsschulen der Unterricht nicht mehr das einzig dominierende Merkmal der Schule ist, welches jedoch das traditionelle Lehrer-Schüler-Verhältnis an Halbtagsschulen prägt (vgl. ebd.). Die Ganztagsschule setzt auf eine veränderte Rhythmisierung des Schultages, bei der sich Arbeits- und Ruhephasen schülergerecht abwechseln, verteilt über Vor- und Nachmittag (vgl. Forster 2002, S. 54). Dadurch erhalten Schüler und Lehrer die Chance, sich außerhalb der Unterrichtssituation kennen zu lernen. Folglich kann sich auch das Lehrer-Schüler-Verhältnis ändern. Die möglichen Veränderungen skizziert Wallrabenstein wie folgt:
Auch im Ganztag agiert die Lehrperson als “Wissensvermittler“, jedoch vorwiegend als “pädagogischer Lernmoderator/in”, mit dem Ziel der “Gestaltung der Schule als lernende Organisation“ (vgl. Wallrabenstein 2004, S. 5). Innerhalb dieser besteht auch eine Öffnung zum Umfeld der Schülerinnen und Schüler, die sich in einer stärkeren Zusammenarbeit mit den Eltern manifestiert (ebd.). Innerhalb eines prozessorientierten Unterrichts soll innerhalb der Klasse ein “Wir-Gefühl” entstehen; neben der zu fördernden Fachkompetenz der Schüler stehen die Entwicklung und Erweiterung der Sozialkompetenz im Vordergrund; auch sollen die Schüler das Lernen erlernen, also lernkompetent werden (vgl. Wallrabenstein 2004, S. 6). An Ganztagschulen findet eine Erweiterung der Funktion des Lehrers statt. Er ist nunmehr nicht nur pädagogischer Lernmoderator, sondern auch Erziehender und Gestalter eines Schullebens, das den Schülern neue Erfahrungsräume bietet (vgl. Holtappels 2002, S. 94).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung diskutiert das Konzept der Ganztagsschule als Reaktion auf Leistungsvergleichsstudien wie PISA und betont den Bedarf eines Wandels hin zu einem Lebensraum für Schüler.
2. Zum Lehrer-Schüler-Verhältnis an Halbtagschulen: Das Kapitel beschreibt das traditionelle, lehrerzentrierte Verhältnis an Halbtagsschulen, das durch Distanz und eine hierarchische Rollenverteilung geprägt ist.
3. Das Lehrer-Schüler-Verhältnis an Ganztagsschulen: Dieses Kapitel erläutert, wie veränderte Unterrichtsformen und freizeitpädagogische Ansätze eine pädagogische Lernmoderator-Rolle des Lehrers ermöglichen.
4. Organisationsformen der Ganztagsschule: Hier werden die drei Grundmodelle (additiv-dual, additiv, integrativ) vorgestellt und anhand von Praxisbeispielen auf ihre Wirkung hinsichtlich des Lehrer-Schüler-Verhältnisses diskutiert.
5. Wer profitiert von einem verbesserten Lehrer-Schüler-Verhältnis an Ganztagsschulen ?: Die Analyse zeigt auf, dass insbesondere Schüler mit besonderem Förderbedarf und Migrationshintergrund, aber auch Eltern von dem erweiterten Angebot profitieren.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Konzept der Ganztagsschule kein Selbstläufer für bessere Verhältnisse ist, sondern vor allem von der aktiven Gestaltung der Zeit und der Umsetzung pädagogischer Konzepte abhängt.
Schlüsselwörter
Ganztagsschule, Lehrer-Schüler-Verhältnis, Lernmoderator, Rhythmisierung, Projektunterricht, Sozialkompetenz, Schulleben, Ganztagsbildung, pädagogische Betreuung, Bildungsgerechtigkeit, Lernkompetenz, Freizeiterziehung, Schulprofil, Integratives Modell, Organisationsform
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie das organisatorische Konzept der Ganztagsschule dazu beitragen kann, das oft erstarrte und hierarchische Lehrer-Schüler-Verhältnis des Halbtagsbetriebs zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Veränderungen der Lehrerrolle, die Rhythmisierung des Schulalltags, die Bedeutung von Projektunterricht und die Wirkung verschiedener Ganztagsmodelle auf das soziale Miteinander.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es darzustellen, welche Ganztags-Organisationsform am effektivsten ist, um ein positives, weniger distanziertes Lehrer-Schüler-Verhältnis zu schaffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie dem Vergleich und der Diskussion dreier spezifischer Praxisbeispiele für Ganztagsschul-Organisationsmodelle.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Kontrastierung von Halb- und Ganztagsschulen, die methodischen Ansätze zur Beziehungsgestaltung und die Bewertung der drei Ganztags-Grundmodelle anhand von Schulprofilen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ganztagsschule, Lehrer-Schüler-Verhältnis, Rhythmisierung, Sozialkompetenz und pädagogische Lernmoderation.
Warum ist die Rhythmisierung für das Lehrer-Schüler-Verhältnis so entscheidend?
Die Rhythmisierung ermöglicht es, den starren 45-Minuten-Takt aufzulösen, wodurch Lehrkräfte Zeit gewinnen, um als Lernberater in Projekten zu agieren, statt lediglich als Wissensvermittler vor der Klasse zu stehen.
Welche Rolle spielt die Jugendhilfe in den additiven Ganztagsmodellen?
In den additiven Modellen entlastet die Jugendhilfe die Lehrkräfte bei der Betreuung und Hausaufgabenhilfe, was den Schülern hilft, allerdings findet hier oft keine direkte pädagogische Interaktion zwischen den Kernlehrkräften und der Nachmittagsbetreuung statt.
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- Vinzent Fröhlich (Author), 2006, Die Ganztagsschule als Chance für ein verbessertes Lehrer-Schüler-Verhältnis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61542