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Interpretation des Gedichtes "Kain!" von Nelly Sachs

Title: Interpretation des Gedichtes "Kain!" von Nelly Sachs

Term Paper , 2000 , 17 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Petra Döllefeld (Author)

German Studies - Modern German Literature
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„Seit ihrem ersten Gedichtband schreibt sie im Grund an einem einzigen Buch.“ So äusserte sich Hans Magnus Enzensberger einmal über das Werk von Nelly Sachs. Matthias Krieg vertritt dieselbe Ansicht. Ihre Lyrik habe nur ein Thema. Dieses werde spiralig immer neu vollzogen, weshalb ihre Dichtung nur von ihrer Ganzheit her interpretierbar sei.
„Das Werk fordert vom Leser weniger Scharfsinn als Bescheidenheit, es will nicht dingfest gemacht, nicht übersetzt sein, sondern geduldig und genau erfahren werden. Nicht, was es bedeutet, wäre hier zu sagen; wir können uns allenfalls Hinweise, Vorschläge erlauben, um die Lektüre auf den Weg - einen möglichen Weg - zu bringen.“
Genau dies möchte ich im Folgenden versuchen.
Das ausgewählte Gedicht entstammt dem zwischen 1959 und 1956 entstandenen Band „Und niemand weiss weiter“. Es ist Teil jenes Bandes, der ihr im Alter von 66 endlich wirkliche Aufmerksamkeit verschaffte.
Neben Elegien auf den Tod ihrer Mutter enthält es vor allem auch weitere biblische Betrachtungen. Obwohl sie das vorliegende Gedicht nie irgendwo erwähnt hat, so gehört es doch zu jenen Werken, die Hilde Domin in Absprache mit der Dichterin in dem Band „Gedichte“ zusammengestellt hat.
Über den Band „Und niemand weiss weiter“ schrieb sie an Johannes Edfelt:„Ich dachte eigentlich, ich könnte viele dieser Gedichte niemals zu Lebzeiten veröffentlichen, aber dann dachte ich wieder - wie schnell ist der Mensch fort - und dann mag es anderen flammversengten vielleicht einen Hauch zuwehen.“

Excerpt


Inhalt

1. Einleitung

2. Problematik

3. Thematik des „existentiellen Dualismus“

3.1.Dualismus in der Motivik

3.1.1. Das Kind – Motiv

3.1.2. Das Kain – Motiv

3.2.Dualismus in der Bildlichkeit

3.2.1. Das Bild der Rose

3.2.2. Das Bild des Schnees

3.2.3. Die Farbmetaphorik

3.2.4. Die „Wirklichkeit der Himmel“

3.2.5. Das Bild des Handmuskel

3.3.Das Wechselspiel der Zeitformen

3.4.Das lyrische Ich zwischen Henker und Opfer

3.5.Das „grosse Warum“ des „Prinzips des Bösen“

3.6.Der Gedankenstrich als Ausdruck des „ewige Kreislaufs“

4. Weitere Aspekte der äusseren Form und Struktur

5. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Gedicht „Kain!“ von Nelly Sachs mit dem primären Ziel, den existentiellen Dualismus anhand der spezifischen Bildlichkeit und Wortwahl der Dichterin aufzuzeigen und zu analysieren.

  • Analyse des existenziellen Dualismus als zentrales Motiv in der Lyrik von Nelly Sachs.
  • Untersuchung der biblischen Metaphorik und deren Entfremdung im Kontext der Mordtat.
  • Erforschung der Rolle des lyrischen Ichs als Sprecher der Sprachlosen und der Frage nach dem Ursprung des Bösen.
  • Auswertung von formalen Aspekten wie Zeitformen, Satzstruktur und der Bedeutung des Gedankenstrichs.

Auszug aus dem Buch

3.1.2.Das Kain – Motiv

Das duellierende Motiv zu dem des Kindes ist das Kain-Motiv. Dass das Wort „Kain“ eine wichtige Funktion innerhalb des Gedichts einnimmt, zeigt sich bereits an seiner Stellung. Dort ist das erste Wort der jeweils ersten und letzten Verszeile und umschliesst so gewissermaßen das Werk.

Die Verwendung von Namen aus der Bibel, wie hier am Beispiel Kains zu sehen ist, hat seine Ursache in den von ihnen und ihren besonderen Lebensschicksalen repräsentierten mytischen Grundmodellen. Kain gilt als „Urvater der Mörder“. Als erster hat er sich des Einbruches in die natürliche Entwicklung eines Menschen schuldig gemacht. Der Sohn Adams und Evas brachte seinen einzigen Bruder aus Neid um, weil Gott dessen Opfer seinem vorzieht. Mörder, und das schliesst Kain als den ersten von ihnen mit ein, haben „sich der Materie unterworfen, ihr menschliches Dasein zweck und sinnentfremdet.“12

Nelly Sachs gebraucht deshalb Bilder der Entartung mitmenschlicher Beziehungen. Wie das des Kain, der seinem Bruder am Ende der Liebe die Rose aufreisst.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Werk von Nelly Sachs und Einbettung des Gedichts „Kain!“ in den Band „Und niemand weiss weiter“.

2. Problematik: Diskussion der methodischen Herausforderungen bei der Interpretation von Sachs' komplexer Metaphorik und Definition des Vorgehens.

3. Thematik des „existentiellen Dualismus“: Theoretische Grundlegung des Zentralthemas von Flucht und Verwandlung in der Lyrik der Dichterin.

3.1.Dualismus in der Motivik: Analyse der gegensätzlichen Motive des Kindes als Opfer und Kains als Täter.

3.2.Dualismus in der Bildlichkeit: Untersuchung der symbolischen Sprache, wie der Rose oder des Schnees, zur Darstellung der Zerstörung des Urzustands.

3.3.Das Wechselspiel der Zeitformen: Betrachtung der grammatikalischen Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart zur Darstellung der Unausweichlichkeit des Leids.

3.4.Das lyrische Ich zwischen Henker und Opfer: Beschreibung des Ichs, das stellvertretend für die Menschheit die unbeantwortbare Frage nach dem Warum stellt.

3.5.Das „grosse Warum“ des „Prinzips des Bösen“: Reflexion über die ausbleibende Antwort auf die uralte Frage nach dem Ursprung des Erdenleides.

3.6.Der Gedankenstrich als Ausdruck des „ewige Kreislaufs“: Deutung der formalen Gestaltung als Hinweis auf die Unabgeschlossenheit des existentiellen Konflikts.

4. Weitere Aspekte der äusseren Form und Struktur: Analyse des äußeren Erscheinungsbildes und der zunehmenden sprachlichen Auflösung am Ende des Gedichts.

5. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur Zweiteilung des Gedichts und zur Funktion des lyrischen Ichs als stummer Zeuge.

Schlüsselwörter

Nelly Sachs, Kain, existenzieller Dualismus, Lyrik, Mord, Opfer, Flucht, Verwandlung, Metaphorik, biblische Motive, Sprachlosigkeit, Bildlichkeit, existenzielle Krise, Todeserleben, Weltbild.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit bietet eine literaturwissenschaftliche Interpretation des Gedichts „Kain!“ von Nelly Sachs mit Fokus auf die existenzielle Thematik und Formensprache.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Konzepte von Flucht, Verwandlung, der Dualismus zwischen Henker und Opfer sowie die Auseinandersetzung mit dem Prinzip des Bösen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit zielt darauf ab, den existenziellen Dualismus im Gedicht durch eine genaue Analyse der Bildlichkeit und Wortwahl der Dichterin offenzulegen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine werkimmanente Interpretation angewandt, die durch den Einbezug von Parallelstellen aus dem Werk von Nelly Sachs und die Heranziehung von Sekundärliteratur ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Motivik, Bildlichkeit, Zeitformen sowie die Analyse der Rolle des lyrischen Ichs und der formalen Struktur des Gedichts.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie existenzieller Dualismus, biblische Metaphorik, Nelly Sachs, Schuld und Sprachlosigkeit definiert.

Welche Bedeutung hat das „Kind-Motiv“ in der Interpretation?

Das Kind dient als zentrales Symbol für die Unschuld und das Opfer, dessen gewaltsame Zerstörung durch die Kain-Figur den Kern der moralischen Katastrophe bildet.

Warum endet das Gedicht laut der Autorin in einer „Sprachlosigkeit“?

Die zunehmende Auflösung der Satzstruktur am Ende des Gedichts spiegelt die Resignation des lyrischen Ichs wider, das auf seine existenzielle Warum-Frage keine Antwort erhält.

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Details

Title
Interpretation des Gedichtes "Kain!" von Nelly Sachs
College
http://www.uni-jena.de/
Grade
1,0
Author
Petra Döllefeld (Author)
Publication Year
2000
Pages
17
Catalog Number
V61807
ISBN (eBook)
9783638551762
ISBN (Book)
9783656805564
Language
German
Tags
Interpretation Gedichtes Kain Nelly Sachs
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Petra Döllefeld (Author), 2000, Interpretation des Gedichtes "Kain!" von Nelly Sachs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61807
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