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Der Selbstmord als literarisches Motiv im Spiegel der Zensur

Titel: Der Selbstmord als literarisches Motiv im Spiegel der Zensur

Seminararbeit , 2006 , 34 Seiten , Note: 14 Punkte

Autor:in: Kerstin Ivanova (Autor:in)

Jura - Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtsgeschichte
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Selbstmord, der für die meisten Menschen kein alltägliches Problem darstellt, nimmt dennoch in der Literatur einen wichtigen Platz ein. Über viele Epochen hinweg, ließen Dichter ihre Hauptcharaktere Hand an sich legen und provozierten somit die unterschiedlichsten Reaktionen.
Während Selbstmord bei den Römern noch als ehrenhafter Tod galt, wurde solches Handeln schon im Mittelalter als Todsünde verschrien. Und vor allem die Kirche übte starke Kritik am Suizid aus.
Dies bekamen auch die Dichter zu spüren: Zwar fanden sie immer wieder ein Publikum, dass sich mit ihren lebensmüden Figuren identifizieren konnte, jedoch hatten sie auch mit Rügen bis hin zur Indizierung zu rechnen.
Auf die Wirkungsgeschichte der literarischen Selbstmorde und ihre Konsequenzen für den Autor, bis hin zur neuen Bedeutung dieser Thematik in den heutigen Medien soll nun in dieser Seminararbeit eingegangen werden.

Leseprobe


Gliederung

1. Begriffsklärung

1.1 Definition des Begriffs Zensur

1.2 Ursprung des Begriffs

1.3. Zweck der Zensur

1.4 Literaturgeschichte als Zensurgeschichte?

2. Kurze Geschichte der (literarischen) Zensur

2.1 Von der Antike bis zur Aufklärung

2.2 Von 1848 bis heute

2.2.1 Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien

a) Aufgaben und Zuständigkeiten der BPjM

b) Mitglieder und Beisitzer

3. Wirkungsgeschichte literarischer Selbstmorde

3.1 Selbstmord als literarisches Motiv im Allgemeinen

3.2.1 Zensierte Werke

3.3 Kritische Äußerungen von Zeitzeugen zum Selbstmord als literarisches Motiv (am Beispiel von Goethes Werther)

3.3.1 Allgemeines über das Werk

a) Werther als Kultcharakter

b) Das Romantische Zeitalter

c) Werther als Vorlage für moderne Literatur

3.3.2 Zum Selbstmordmotiv im Werther

3.3.3 Kritiker des Werther

a) Bürgerliches Weltbild

b) Literaturverständnis zur Zeit des Erscheinens

c) Kritikpunkte

d) Kirchliche Kritik

e) Kritik der Aufklärung

3.4 Kritische Äußerungen zum Leinwandselbstmord: Die Sünderin, von Willi Forst

3.4.1 Inhalt

3.4.1 Erster deutscher Filmskandal: Die Nacktszene

3.4.2 Die Kritik der Kirche

3.4.3 Demonstrationen und Ausschreitungen

Konsequenzen der Ausschreitungen

4.1 Werther Effekt: Fiktion oder Realität?

4.2 Mediale Induktoren

4.3 Fernsehserie „Tod eines Schülers“

4.4 Wissenschaftliche Erklärung des Werther-Effekts

4.5 Konsequenzen für die Berichterstattung

4.5.1 Suizidprävention durch die Medien selbst

4.5.2 Kontroverse Prävention - Information

4.5.4 Offizielle Richtlinien zur Suizidberichterstattung und suizidpräventiven Medien Intervention

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen und medienethischen Dimensionen des Selbstmords als literarisches Motiv und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft, insbesondere im Kontext der Zensur. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, inwiefern literarische und mediale Darstellungen des Suizids Nachahmungseffekte provozieren können und welche Rolle staatliche oder gesellschaftliche Regulierungsmaßnahmen hierbei einnehmen.

  • Die historische Entwicklung der Zensur von der Antike bis in die moderne Medienwelt.
  • Die literarische Rezeption und öffentliche Kontroverse um Goethes "Die Leiden des jungen Werthers".
  • Die Analyse des ersten deutschen Filmskandals "Die Sünderin" von Willi Forst unter Zensurgesichtspunkten.
  • Die wissenschaftliche Untersuchung des "Werther-Effekts" als Phänomen der suizidalen Nachahmung.
  • Die ethische Verantwortung der Medienberichterstattung und Möglichkeiten der Suizidprävention.

Auszug aus dem Buch

a) Werther als Kultcharakter

Der Briefroman wurde in ganz Europa ein Bestseller. Schon ein Jahr später gab es eine französische Übersetzung. Napoleon Bonaparte nahm ihn auf seinen Ägyptenfeldzug mit, Berliner Garderobenmädchen und Kammerdiener kannten zumindest die gekürzte Volksbuchfassung. Nach England kam der Roman im Jahr 1779. In Italien, Holland, Skandinavien, Serbien und Russland - überall kannte man am Ende des 18. Jahrhunderts den „Werther“. In einem Londoner Wachsfigurenkabinett stand Lotte, wie sie am Grabe Werthers trauert, junge Männer kleideten sich wie Werther, Frauen parfümierten sich mit „Eau de Werther“, Werther und Lotte waren allgegenwärtig als Nippes-Figuren oder auf Porzellangeschirr.

Schon bald begannen junge Menschen, es ihrem Idol Werther gleich zu tun: Ein junger Schwede erschoss sich - neben ihm lag Goethes Roman aufgeschlagen. Eine Adlige ertränkte sich - in ihrer Rocktasche fand sich der „Werther“. Ein junger Schusterlehrling stürzte sich aus dem Fenster - mit „Werther“ in der Weste. Eine junge Engländerin starb in ihrem Bett - unter dem Kopfkissen lag Goethes Buch. Der 16-jährige Russe Mikail Suskov schrieb den Roman „Ein russischer Werther“, bevor er sich erschoss. Goethe reagierte auf die Selbstmordwelle, indem er in der zweiten Auflage Passagen in den Roman einfügte, z.B. schrieb er von Werthers „schlimmer Krankheit“. Der zweite Teil des Romans begann jetzt mit einer Warnung an diejenigen, die mit Werther leiden:

„Du beweinst, du liebst ihn, liebe Seele, Rettest sein Gedächtnis von der Schmach; Sieh, dir winkt sein Geist aus seiner Höhle; Sei ein Mann und folge mir nicht nach.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Begriffsklärung: Dieses Kapitel definiert zentrale Termini wie Zensur, Vor- und Nachzensur sowie den Ursprung und Zweck der staatlichen Inhaltskontrolle.

2. Kurze Geschichte der (literarischen) Zensur: Es wird ein historischer Abriss der Zensurpraxis gegeben, der von antiken Vorbildern über das kirchliche Verbotssystem bis zur Zensur im 20. Jahrhundert reicht.

3. Wirkungsgeschichte literarischer Selbstmorde: Dieser Hauptteil analysiert die literarische Behandlung des Suizidmotivs und diskutiert die kritischen Reaktionen von Zeitzeugen anhand von Beispielen wie Goethes "Werther" und dem Film "Die Sünderin".

4. Medien und Suizid: Der abschließende Teil behandelt den "Werther-Effekt", beleuchtet die Rolle moderner Medien als mediale Induktoren und erörtert Präventionsstrategien in der journalistischen Berichterstattung.

Schlüsselwörter

Zensur, Selbstmord, Suizid, Werther-Effekt, Literaturgeschichte, Medienethik, Freitod, Nachahmungstat, Bundesprüfstelle, Filmen, Pressefreiheit, Prävention, gesellschaftskritisch, Indizierung, Medienwirkungsforschung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit dem Selbstmord als literarischem Motiv im Spiegel der Zensur und untersucht die gesellschaftlichen sowie rechtlichen Reaktionen darauf.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Schwerpunkte liegen auf der Geschichte der Zensur, der Rezeptionsgeschichte von Goethes „Werther“, dem Fall des Films „Die Sünderin“ und dem Phänomen der suizidalen Nachahmung (Werther-Effekt).

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, die Wirkungsgeschichte literarischer und medialer Selbstmorddarstellungen zu analysieren und zu ergründen, inwiefern diese zur Nachahmung animieren und wie Medien hierbei ihrer Verantwortung gerecht werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen literatur- und kulturwissenschaftlichen Ansatz, kombiniert mit soziologischen Erkenntnissen zur Medienwirkung und rechtshistorischen Analysen zur Zensurpraxis.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden konkrete Beispiele wie Goethes „Werther“ und Willi Forsts Film „Die Sünderin“ analysiert, um die Dynamik zwischen künstlerischer Darstellung und gesellschaftlicher Zensur aufzuzeigen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Zensur, Suizid, Werther-Effekt, Literaturgeschichte, Medienethik, Nachahmungstat und Suizidprävention.

Wie reagierten Zeitgenossen auf das Selbstmordmotiv in Goethes „Werther“?

Die zeitgenössischen Reaktionen waren gespalten; während ein junges Publikum sich mit der Figur identifizierte, verurteilten kirchliche Kreise und Teile des Bürgertums das Werk scharf als „Gotteslästerung“ und Verherrlichung des Suizids.

Welche Rolle spielte der Film „Die Sünderin“ in der deutschen Zensurgeschichte?

„Die Sünderin“ löste 1951 den ersten großen deutschen Filmskandal aus, wobei die Nacktszene und die Thematisierung von Prostitution und Selbstmord zu heftigen Demonstrationen und schließlich kurzzeitigen Aufführungsverboten führten.

Was bedeutet der „Werther-Effekt“ im Kontext moderner Medien?

Er beschreibt das Phänomen, dass Berichte über reale oder fiktive Suizide in Medien (Presse, TV, Film) durch Nachahmung zu einer statistisch messbaren Zunahme weiterer Suizide führen können.

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Details

Titel
Der Selbstmord als literarisches Motiv im Spiegel der Zensur
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Grundlagenseminar
Note
14 Punkte
Autor
Kerstin Ivanova (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
34
Katalognummer
V61861
ISBN (eBook)
9783638552202
ISBN (Buch)
9783656806950
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Selbstmord Motiv Spiegel Zensur Grundlagenseminar
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Kerstin Ivanova (Autor:in), 2006, Der Selbstmord als literarisches Motiv im Spiegel der Zensur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61861
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Leseprobe aus  34  Seiten
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