Die Ausstattungsarbeiten Francesco Primaticcios in der ehemaligen Chambre du Roi und Chambre de la Reine in Fontainebleau


Hausarbeit, 2006

23 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Francesco Primaticcio

3. Chambre du Roi
3.1 Lage und Ausstattung
3.2 Das Dekorationsprogramm der Chambre du Roi
3.3 Kopien Theodor van Thuldens nach Stuckaturen Primaticcios

4. Chambre de la Reine
4.1 Lage und Ausstattung
4.2 Der Kamin der Chambre de la Reine
4.3 Vergleich des Kaminaufsatzes mit einem Stich Ducerceaus

5. Die Arbeit der Werkstatt in Fontainebleau

6. Die Verbreitung des Dekorationsstils Primaticcios

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang
8.1 Abbildungsverzeichnis
8.2 Abbildungen

1. Einleitung

Thema dieser Hausarbeit sind die beiden königlichen Gemächer Chambre du Roi und Chambre de la Reine, wie sie von Primaticcio, hauptsächlich zwischen 1533 und 1535, auf Schloss Fontainebleau ausgestattet wurden.

Beide Räumlichkeiten befanden sich in der ersten Etage des ehemaligen Donjons und sind heute nicht mehr in ihrem damaligen Zustand erhalten. Spätere Umbau- und Abrissmaßnahmen, die dadurch bedingte Zerstörung der Dekorationselemente, aber auch das Fehlen von Originalzeichnungen machen eine Rekonstruktion der im 16.Jahrhundert entstandenen Ausstattung schwierig.

Die Dekoration der Chambre du Roi kann durch Zeugenberichten, beispielsweise die des Père Dans, aber auch durch die Kopien Theodor van Thuldens, die er im 17.Jahrhundert nach Fresken Primaticcios anfertigte, teilweise nachvollzogen werden. Die Ausstattung der Chambre de la Reine wurde komplett zerstört und es blieb nur der raumhohe Kamin mit einem Aufsatz aus Stuck und Malerei erhalten.

Primaticcio hielt sich von 1532 bis zu seinem Tod 1570 (ausgenommen den dazwischen liegenden Romaufenthalten) in Fontainebleau auf. In dieser Zeit gelang es ihm, mit Hilfe seiner Mitarbeiter, eine Fülle von Dekorationsarbeiten und Innenraumausstattungen nach seinen Vorstellungen zu verwirklichen. Der von Primaticcio und seiner Werkstatt neu entwickelte Dekorationsstil fand, nicht nur in Frankreich, durch Zeichnungen und Stiche schnelle Verbreitung. Auf diesen Aspekt wird am Ende der Arbeit kurz eingegangen.

2. Francesco Primaticcio

Francesco Primaticcio wurde 1504 in Bologna geboren[1]. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er bei Raffael[2] und trat um 1526 in die Werkstatt Giulio Romanos (ebenfalls ein ehemaliger Schüler Raffaels) ein. Unter diesem arbeitete er an der Dekoration und Ausstattung des Palazzo del Té in Mantua. Hier führte er (möglicherweise nach Zeichnungen Giulio Romanos) Stuckaturen in der Sala degli Stucchi[3] und in dem Gemach des Phöbus und der Diana aus. Diese sind, wie auch der Fries, der den Triumphzug Kaiser Sigmunds darstellt, erhalten geblieben. Der Umfang seiner Mitarbeit an Stuckaturen am Dom und an S. Andrea in Mantua ist nicht eindeutig geklärt. 1531 scheiterten die Versuche Franz I., Giulio Romano an seinen Hof nach Fontainebleau zu bestellen, um ihn mit der Ausstattung der Räumlichkeiten zu beauftragen. Daraufhin folgte der König der Empfehlung Romanos und berief 1532 Primaticcio nach Fontainebleau. Vermutungen legen nahe, dass Giulio Romano in ihm einen Konkurrenten sah und ihn so bereitwillig an Franz I. weiterempfahl und nach Fontainebleau gehen ließ.

Nach seiner Ankunft am Schloss wurde er 1533 mit der Ausstattung der königlichen Gemächer betraut. Mit Rosso Fiorentino arbeitete er an der Galerie Franz I., wo er vor allem für die Stuckarbeiten verantwortlich war und fertigte in Zusammenarbeit mit diesem um 1535 die Fresken des Pavillon de Pomone an[4].

1540 befand er sich im Auftrag des Königs in Rom, um Kunstwerke zu erwerben und Gipsabdrücke von antiken Werken anzufertigen. Die danach gefertigten Bronzeabgüsse wurden in der Galerie Franz I. aufgestellt[5]. Um 1541 begann er mit der Ausstattung der Chambre de la Duchesse d`Etampes, die 1543 vollendet war. Gleichzeitig war Primaticcio mit der Dekoration der Galerie d`Ulysse beschäftigt, bei der er ganz auf Stuckaturen verzichtete[6]. Während seines zweiten Romaufenthaltes im Jahr 1546, fertigte er Gipsabdrücke der Pièta Michelangelos.

Der Tod Franz I. im darauf folgenden Jahr änderte nichts an seiner Stellung am Schloss. Zwischen 1550 und 1556 war er mit der Dekoration des Ballsaals beschäftigt. Nach dem Tod Henry II. (1559) ernannte Katharina de Medici ihn zum künstlerischen Leiter. Dieses Amt hatte Primaticcio bis zu seinem Tod 1570 inne, auch wenn ein Großteil seiner Beschäftigungen in den letzten Jahren in Paris stattfand. So beispielsweise die Arbeit an der Kapelle der Valois, die als Grabmahl von Katharina de Medici in St. Denis geplant war.

Von den unter Primaticcio ausgeführten dekorativen Arbeiten im Schloss, sind aufgrund Umbau- und Abrissmaßnahmen späterer Könige nur wenige erhalten geblieben. Noch weitestgehend vollständig blieb die Dekoration der Chambre de la Duchesse d`Etampes und die des Ballsaal erhalten[7].

Da auch die Originalzeichnungen Primaticcios zum größten Teil fehlen[8], können die Ausstattungselemente und Innenraumdekorationen nur durch die Konten, die königlichen Rechnungsbücher und Zeugenberichten zum Teil nachvollzogen werden. So liefern beispielsweise die Berichte des Père Dan (der sich um 1642 als einer der letzten Mönche in dem Kloster in der Nähe des Schlosses aufhielt und Erkenntnisse über die Ausstattung zusammentrug[9]) und die des Abtes Guilbert, Informationen über die Ausstattung der Chambre du Roi[10].

3. Chambre du Roi

3.1 Lage und Ausstattung

Franz I. bezog zusammen mit seiner Mutter Louise de Savoyen ab 1528 das Schloss Fontainebleau. Sie bewohnte anfänglich die Gemächer in der ersten Etage des ehemaligen Donjons[11]. Nachdem Franz I. 1530 seine zweite Frau Éléonore d`Autriche geheiratet hatte, wurden die Räumlichkeiten im Norden des Donjons von ihr bewohnt. Franz I. bezog nach dem Tod Louise de Savoyens im Jahr 1531 deren ehemaliges Gemach, wodurch es in der neuen Chambre du Roi zu umfangreichen Dekorationsarbeiten kam, mit denen Primaticcio beauftragt wurde[12].

Die Räumlichkeit befand sich in der 1. Etage des ehemaligen Donjons (vgl. Abb.1). Im Osten öffnete sich das königliche Gemach zum Cour Ovale, im Westen gewährte eine kleine Tür den Durchgang zur Galerie Franz I..

Die Gemächer der Königin Éléonore d`Autriche lagen im nördlichen Teil des Donjons während sich im Süden weitere Räumlichkeiten des Königs sowie, ab 1541, auch die Chambre de la Duchesse d`Etampes befanden. Da die Stuckarbeiten von Primaticcio 1757[13] zerstört wurden, kann man die Innenausstattung der Chambre du Roi nicht mehr als Gesamtheit wahrnehmen und nachvollziehen. Erschwerend hierbei ist außerdem, dass (laut Sylvie Béguin) die königlichen Konten und Zeugenberichte zum Teil falsch interpretiert wurden[14]. So wurde die Ausstattung der Chambre du Roi nicht, wie vereinzelt angenommen, als ein einheitliches Konzept in einem Zeitraum ausgeführt. Wie aus den königlichen Rechnungsbüchern zu entnehmen ist, begannen die Ausstattungsarbeiten durch Primaticcio und seine Mitarbeiter 1533 mit Stuck- und Freskendekorationen, die zwei Jahre später größtenteils vollendet waren. Allerdings führte Niccolo dell`Abbate, 1570, während einer zweiten Ausstattungsphase acht Fresken nach Zeichnungen Primaticcios aus. Hierbei handelt es sich um Szenen aus der Ilias, die als Ergänzung in die vorhandene Raumausstattung eingefügt wurden[15].

[...]


[1] Die biografischen Daten (soweit nicht anders angegeben) sind entnommen aus: Thieme- Becker. Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künste von der Antike bis zur Gegenwart. Bd. 27. Leipzig 1933. S. 402.

[2] Sonja Brink (bearb.): Ruhm der Könige und Künstler. Druckgraphik der Schule von Fontainebleau aus dem Kunstmuseum Düsseldorf. Sammlung der Kunstakademie. Düsseldorf 1997. S. 26.

[3] Ebd.

[4] Ebd.

[5] Wolfram Prinz und Ronald G. Kecks: Das französische Schloß der Renaissance. Form und Bedeutung der Architektur, ihre geschichtlichen und gesellschaftlichen Grundlagen. Berlin 19942. S. 422.

[6] Kecks/ Prinz 1994. S. 428 (s. Anm. 5).

[7] Sigrid Ruby: Die „Schule von Fontainebleau“. in: Kunsthistorische Arbeitsblätter. 12/00. S. 41.

[8] Sylvie Béguin: Die Schule von Fontainebleau: „Alte und neue Geschichten“ in: Künstlerwerkstätten der Renaissance. Roberto Cassanelli (Hrsg.). Zürich 1998. S. 277.

[9] Alain Roy: Theodoor van Thulden. Een Zuidnederlandse barokschilder. `s-Hertogenbosch. 1606-1669/Theodor van Thulden, un peintre baroque du cercle de Rubens. Zwolle, Waanders. s`Hertogenbosch, Noordbrabants Museum et Strasbourg, Musées de la ville, 1991- 1992. S. 106

[10] Sylvie Béguin: Remarques sur la Chambre du Roi. in: L`art de Fontainebleau. Actes du colloque international. Paris 1972. S.200.

[11] Chantal Sibylle Eschenfelder: Die Bäder Franz I. in Fontainebleau. Schriften aus dem Institut für Kunstgeschichte der Universität München. München 1991. S.4.

[12] Eschenfelder 1991 (s.Anm. 11) S.27.

[13] der Abriss der Galerie d`Ulysse erfolgte schon 1737, vgl. Kecks/ Prinz 1994. S.429.

[14] Béguin 1972. (vgl. Anm. 10). S.199.

[15] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Ausstattungsarbeiten Francesco Primaticcios in der ehemaligen Chambre du Roi und Chambre de la Reine in Fontainebleau
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Kunstgeschichte)
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
23
Katalognummer
V61928
ISBN (eBook)
9783638552745
Dateigröße
1852 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ausstattungsarbeiten, Francesco, Primaticcios, Chambre, Reine, Fontainebleau
Arbeit zitieren
Claudia Faller (Autor), 2006, Die Ausstattungsarbeiten Francesco Primaticcios in der ehemaligen Chambre du Roi und Chambre de la Reine in Fontainebleau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/61928

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