Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Geschichte Deutschlands - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Ferdinand Lassalles "Offenes Antwortschreiben". Die zentrale Forderung der Schrift

Titel: Ferdinand Lassalles "Offenes Antwortschreiben". Die zentrale Forderung der Schrift

Seminararbeit , 2000 , 14 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Verena Stockmair (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - 1848, Kaiserreich, Imperialismus
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

„In Breslau ein Kirchhof - ein Toter im Grab - Dort schlummert der Eine, der Schwerter uns gab.“ So hieß es 1909 in einem Werk über Ferdinand Lassalle und seine Bedeutung für die deutsche Sozialdemokratie. Lassalle, der am 13. April 1825 als jüdischer Kaufmannssohn in Breslau geboren wurde, studierte in Berlin Philosophie und Geschichte. Durch seine Agitationen gegen das liberale und wohlhabende Bürgertum und seine aktive Teilnahme an der Revolution, weswegen er im November 1848 für sechs Monate verurteilt wurde, verstellte er sich eine Karriere im herrschenden Wissenschaftsbetrieb, doch seine langjährige Tätigkeit als Verteidiger der Gräfin Sophie Hatzfeld im Scheidungsprozess gegen ihren Gatten Edmund brachte ihm ein kleines Vermögen ein. Dabei sah Lassalle, neben der Sicherung seiner finanziellen Lage, in diesem Prozess vor allem die Möglichkeit, die Situation der Gesellschaft aufzuzeigen. Nach Beendigung des Prozesses widmete er sich seinen philosophischen und politischen Schriften, in denen er sich zur Philosophie Hegels bekannte, für die Gründung eines Nationalstaates eintrat, sich als Bewunderer der französischen Frühsozialisten gegen den Liberalismus wandte und vor allem um gerechtere Lebensverhältnisse für die Arbeiter kämpfte. In seinem „Arbeiterprogramm“, das er 1862 den Führern des Berliner Proletariats vortrug, legte er seine Thesen zur deutschen Arbeiterfrage dar, wobei er seine Rede in einen historischen und einen theoretischen Teil gliederte. Die in diesem Programm aufgezeigten Theorien stellten zugleich die Eckpunkte seines „Offenen Antwortschreibens“ dar, dem er, obwohl er es in weniger als zehn Tagen ausgearbeitet hatte, absolute Schlagkraft logischer Überzeugung zutraute. Und trotzdem sich diese Vorstellung anfangs nicht bestätigte, da der aufgrund des „Offenen Antwortschreibens“ gegründete Allgemeine Deutsche Arbeiterverein bis zum Tod Lassalles am 12. Mai 1864 nur aus 4600 Mitgliedern bestand, gilt dieses Schreiben doch bis heute unter bestimmten Historikern als Geburtsstunde der deutschen Sozialdemokratie.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ferdinand Lassalle: „Offenes Antwortschreiben“

2.1 Zentrale Forderungen der Schrift

2.1.1 Konstituierung des Arbeiterstandes als selbstständige politische Partei

2.1.2 Arbeiterassoziationen finanziert durch die Intervention des Staates

2.1.3 Allgemeines, gleiches und direktes Wahlrecht als politisches und soziales Grundprinzip

2.2 Lasalles Werk im Vergleich mit anderen sich um den Arbeiterstand bemühenden politischen Richtungen

2.2.1 Abgrenzung von den Liberalen

2.2.1.1 Distanzierung von der Fortschrittspartei und ihrem Staatsverständnis

2.2.1.2 Kritik an Schulze-Delitschschen Assoziationen

2.2.2 Unterschiede zur Position August Bebels und der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei

3. Schluß

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die historische Bedeutung und den programmatischen Inhalt von Ferdinand Lassalles „Offenem Antwortschreiben“ für die deutsche Arbeiterbewegung. Dabei wird insbesondere untersucht, wie Lassalle durch seine Forderungen nach einer eigenständigen Arbeiterpartei, staatlich finanzierten Produktionsgenossenschaften und dem allgemeinen Wahlrecht die Geburtsstunde der deutschen Sozialdemokratie einleitete und sich gleichzeitig von anderen zeitgenössischen Strömungen abgrenzte.

  • Programmatische Kernforderungen des „Offenen Antwortschreibens“
  • Konstituierung des Arbeiterstandes als selbstständige politische Partei
  • Staatliche Interventionspolitik und Arbeiterassoziationen
  • Politisches Grundprinzip des allgemeinen und direkten Wahlrechts
  • Abgrenzung zum Liberalismus und zur Fortschrittspartei
  • Vergleich der Positionen zwischen Lassalleanern und der späteren Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP)

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Konstituierung des Arbeiterstandes als selbstständige politische Partei

An den Anfang seiner Schrift stellte Lassalle die Forderung nach einer eigenständigen politischen Partei der deutschen Arbeiterschaft. Dabei ging er von der politischen Richtung des Voluntarismus aus, was bedeutete, dass „nicht die Selbstbewegung der Gesellschaft auf ein Ende hin, sondern die bewußte und willentliche Selbstverwirklichung der Arbeiterschaft“ für ihn von Bedeutung war. Daher wandte er sich massiv gegen die Ansicht, die Arbeiter bräuchten sich nicht um ihre politische Selbstverwirklichung zu kümmern. Denn für ihn stand fest, dass „der Arbeiter die Erfüllung seiner legitimen Interessen nur von der politischen Freiheit erwarten“ könne.

In diesem Zusammenhang erwähnte er auch die Frage nach der Möglichkeit des Interessensaustausches und der Vereinsbildung der Arbeiter, die nur durch Initiative der Arbeiterschaft zu erreichen sei. Nur indem sich die Arbeiterbewegung selbstständig politisch formiere, könne sie auch ihre eigenen politischen Zwecke verfolgen. Deshalb wandte sich Lassalle gegen die Ansicht, die Arbeiterbewegung „politisch nur als den Anhang der preußischen Fortschrittspartei zu betrachten.“ Nur eine eigenständige Partei der Arbeiterschaft hielt er für geeignet, freiheitliche Interessen voranzutreiben, während er die preußische Fortschrittspartei in dieser Frage für unfähig und einer entschlossenen Regierung gegenüber für ohnmächtig erklärte. Deshalb forderte er die „Vertretung des Arbeiterstandes in den gesetzgebenden Körpern Deutschlands“, wobei es durchaus die Aufgabe dieser neuen Partei sei, die Fortschrittspartei bei derartigen Themen zu unterstützen, die von gemeinschaftlichem Interesse gestaltet seien. Und dennoch habe sich diese Arbeiterpartei als eigenständige Partei zu verhalten, um einzig die Interessen der Arbeiterschaft vertreten zu können.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Das Kapitel führt in die Person Ferdinand Lassalle und den historischen Kontext seines „Offenen Antwortschreibens“ ein, welches als entscheidender Impuls für die Gründung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins gilt.

2. Ferdinand Lassalle: „Offenes Antwortschreiben“: Dieses Kapitel erläutert die zentralen politischen und sozialen Forderungen Lassalles, insbesondere die Parteibildung, die Rolle des Staates bei der Genossenschaftsförderung und die Bedeutung des allgemeinen Wahlrechts.

2.1 Zentrale Forderungen der Schrift: Hier werden die Kernpunkte von Lassalles Programmatik detailliert aufgeschlüsselt, inklusive seiner Theorien zur politischen Selbstorganisation und sozialen Absicherung.

2.1.1 Konstituierung des Arbeiterstandes als selbstständige politische Partei: Dieses Unterkapitel beschreibt Lassalles Ablehnung eines bloßen Anhängertums der Arbeiterbewegung zur Fortschrittspartei und seine Forderung nach eigener politischer Repräsentation.

2.1.2 Arbeiterassoziationen finanziert durch die Intervention des Staates: Der Fokus liegt hier auf Lassalles Kritik am „ehernen Lohngesetz“ und seiner Forderung, durch staatlich geförderte Produktivgenossenschaften die Arbeiter zu ihren eigenen Unternehmern zu machen.

2.1.3 Allgemeines, gleiches und direktes Wahlrecht als politisches und soziales Grundprinzip: Das Kapitel analysiert das Wahlrecht als notwendiges Mittel für den Arbeiterstand, um staatliche Interventionen zu erwirken und als politische Macht anerkannt zu werden.

2.2 Lasalles Werk im Vergleich mit anderen sich um den Arbeiterstand bemühenden politischen Richtungen: Hier wird Lassalles Positionierung innerhalb der zeitgenössischen politischen Landschaft, insbesondere gegenüber liberalen Strömungen und konkurrierenden sozialdemokratischen Gruppierungen, untersucht.

2.2.1 Abgrenzung von den Liberalen: Dieses Kapitel analysiert die Bruchlinien zwischen Lassalles Arbeiterbewegung und dem Liberalismus, besonders in Bezug auf die Fortschrittspartei und Schulze-Delitzsch.

2.2.1.1 Distanzierung von der Fortschrittspartei und ihrem Staatsverständnis: Es wird dargelegt, warum Lassalle eine klare Abgrenzung zur Fortschrittspartei forderte, da diese nur Klasseninteressen vertrete und den Obrigkeitsstaat nicht ausreichend herausfordere.

2.2.1.2 Kritik an Schulze-Delitschschen Assoziationen: Das Kapitel behandelt Lassalles fundierte Kritik an den liberalen Vorschuss- und Konsumvereinen, denen er absprach, die soziale Lage des Proletariats nachhaltig verbessern zu können.

2.2.2 Unterschiede zur Position August Bebels und der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei: Diese Gegenüberstellung verdeutlicht die Differenzen zwischen Lassalles zentralistischer Strategie und der föderativ sowie internationalistisch orientierten Position von Bebel und Liebknecht.

3. Schluß: Die Zusammenfassung reflektiert die langfristige historische Bedeutung des Schreibens trotz anfänglicher geringer Mitgliederzahlen und betont Lassalles Rolle bei der Schaffung eines Klassenbewusstseins.

Schlüsselwörter

Ferdinand Lassalle, Offenes Antwortschreiben, Arbeiterbewegung, Sozialdemokratie, Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein, Allgemeines Wahlrecht, Ehernes Lohngesetz, Staatliche Intervention, Produktivgenossenschaften, Fortschrittspartei, Liberalismus, August Bebel, Klassenbewusstsein, Preußen, Sozialpolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das „Offene Antwortschreiben“ von Ferdinand Lassalle aus dem Jahr 1863 und dessen fundamentale Bedeutung für die Konstituierung der organisierten deutschen Arbeiterbewegung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen umfassen die Parteibildung des Arbeiterstandes, die Forderung nach dem allgemeinen Wahlrecht, das Konzept der staatlich finanzierten Produktionsgenossenschaften und die Abgrenzung zur liberalen Politik jener Zeit.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Ziel ist es, den programmatischen Gehalt der Schrift zu analysieren und zu zeigen, wie Lassalles Forderungen die Basis für eine eigenständige politische Organisation der Arbeiter schufen und wie sich dieser Entwurf von anderen Strömungen abhob.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine historisch-analytische Methode, indem sie die Primärquelle „Offenes Antwortschreiben“ in den Kontext der zeitgenössischen politischen Debatten und unter Einbeziehung relevanter wissenschaftlicher Sekundärliteratur untersucht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Darlegung der Lassalleschen Kernforderungen und einen komparativen Teil, der Lassalle sowohl von der liberalen Fortschrittspartei als auch von der späteren Eisenacher Richtung (Bebel/Liebknecht) abgrenzt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Arbeiterbewegung, Sozialdemokratie, Wahlrecht, Klassenkampf, Genossenschaftswesen und die Auseinandersetzung mit dem Liberalismus definieren.

Warum lehnte Lassalle die Schulze-Delitzschschen Vereine ab?

Lassalle argumentierte, dass diese Vereine lediglich kurzfristige Hilfe böten, das „eherne Lohngesetz“ jedoch nicht außer Kraft setzen könnten, da sie den Arbeiter weiterhin als Konsumenten und nicht als Produzenten betrachteten.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Lassalle im Vergleich zu August Bebel?

Die Arbeit stellt heraus, dass Lassalle trotz seines zentralistischen Stils und der spezifischen „cäsaristischen“ Führung als Identifikationsfigur und Wegbereiter für das Klassenbewusstsein fungierte, während die SDAP um Bebel stärker internationalistisch und föderal geprägt war.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Ferdinand Lassalles "Offenes Antwortschreiben". Die zentrale Forderung der Schrift
Hochschule
Universität Regensburg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Die Sozialdemokratie in der deutschen Geschichte
Note
1,7
Autor
Verena Stockmair (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2000
Seiten
14
Katalognummer
V62285
ISBN (eBook)
9783638555548
ISBN (Buch)
9783656785194
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ferdinand Lassalles Antwortschreiben Sozialdemokratie Geschichte
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Verena Stockmair (Autor:in), 2000, Ferdinand Lassalles "Offenes Antwortschreiben". Die zentrale Forderung der Schrift, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62285
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  14  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum