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Die ersten Buchmessen der Nachkriegszeit in Leipzig und Frankfurt

Title: Die ersten Buchmessen der Nachkriegszeit in Leipzig und Frankfurt

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 28 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: M. A. Anja Gruber-Wiedemann (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Messetradition in Frankfurt und Leipzig blickt auf eine lange und ereignisreiche Geschichte zurück. Waren beide Städte seit jeher Konkurrenten auf dem Gebiet des Handels und der Messen, so verlief ihre Entwicklung nach dem Sturz Hitlers vollkommen unterschiedlich.
Zuvor hatte Leipzig das Messegeschehen in den deutschen Territorien fast zweieinhalb Jahrhunderte lang dominiert. Vor allem die Messen rund um das Buchwesen waren hierbei traditionsreich und weithin berühmt. Nach dem 2. Weltkrieg begann in Leipzig sehr früh ein Bestreben nach der Wiedererweckung des traditionellen Messewesens. Die Frankfurter ließen diesbezüglich etwas länger auf sich warten. Grundsätzlich abhängig waren diese Entwicklungen von den jeweiligen Besatzungsmächten. War die amerikanische Besatzungsmacht in Frankfurt zunächst vorrangig daran interessiert eine selbständige politische Ordnung wie auch die Grundversorgung der Bevölkerung wiederherzustellen, so trachtete die sowjetische Besatzungsmacht Leipzigs hauptsächlich nach Reparationen und verfolgte überwiegend eigene Interessen. Dies kam der Messeentwicklung im Osten des aufgeteilten deutschen Landes zwar zunächst zu Gute, hatte jedoch auf lange Sicht nicht den von den Messeinitiatoren erwünschten Effekt der Wiederbelebung gesamtdeutscher Aktivitäten. Anders verlief die Entwicklung im Westen des Landes, wo zwar erst später wieder Messeaktivitäten aufgenommen wurden, dafür jedoch eine wesentlich schnellere Internationalisierung zu verzeichnen war.
Die Frage danach, wie es zu den soeben dargelegten Entwicklungen kam und in welchen Zusammenhängen diese betrachtet werden können, ist Gegenstand dieser Arbeit. Sie gibt einen Einblick in die unterschiedlichen Wege der Buchmessen in Leipzig und Frankfurt in der Nachkriegszeit. Dabei wird aufgezeigt, welche regionalen Entwicklungen die unterschiedlichen Pfade in die Zukunft beeinflusst haben. Zudem wird fokussierte, wie wenig Einfluss das schwer angeschlagene und zu großen Teilen mit einer schwerwiegenden Schuld beladene Buchwesen Deutschlands auf diese Entwicklungen in Abhängigkeit von der jeweiligen Besatzungsmacht hatte. Es wird daneben der Frage nachgegangen, welche Unterschiede es zwischen Leipzig und Frankfurt gab und welche Entwicklungen in der direkten Folge des Krieges Grundsteine für die bis heute durchgeführten Messen gelegt haben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zwischen Trauma und Verarbeitung – erste Schritte im sowjetisch besetzten Leipzig

3. Die ersten deutschen Nachkriegsmessen in Leipzig

3.1 Die erste Buchmesse in Leipzig 1946 und die (Neu)Entwicklung des deutschen Buchhandels

3.2 Die Leipziger Buchmessen von 1947

4. Neuanfang und Wiederaufbau im amerikanisch besetzten Frankfurt

5. Die ersten Buchmessen im Frankfurt der Nachkriegszeit

5.1 Die „Friedens“-Mustermesse vom Herbst 1948

5.2 Das „neue Buchwesen“ und die ersten eigenständigen Buchmessen in Frankfurt ab 1949

6. Ausblick

7. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedlichen Entwicklungspfade der Buchmessen in Leipzig und Frankfurt in der unmittelbaren Nachkriegszeit (1945–1950) und analysiert, inwiefern politische Rahmenbedingungen durch die jeweiligen Besatzungsmächte diese Prozesse maßgeblich beeinflussten und den Grundstein für die heutige Messetradition legten.

  • Messetradition und historischer Kontext in Leipzig und Frankfurt
  • Einfluss der Besatzungspolitik auf die Wiederbelebung des Messewesens
  • Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Probleme des Neuanfangs
  • Strukturwandel und Internationalisierung des Buchhandels
  • Die Rolle des Börsenvereins im Prozess der Etablierung

Auszug aus dem Buch

Die Leipziger Buchmessen von 1947

Angetrieben durch die wieder aufgenommene Arbeit des Leipziger Börsenvereins, zeigten sich in der Planung der Leipziger Frühjahrsmesse vom 04. bis 09. März 1947 klare Bemühungen dazu, ein möglichst vollständiges Angebot aller deutschen Wirtschaftszweige in Verbrauchs- und Produktionsgütern zu zeigen, großzügigen Güteraustausch anzuregen, einen Beitrag zum Aufbau der deutschen Wirtschaft zu leisten und den Export verstärkt anzukurbeln. All diese Ziele waren natürlich auch von verfügbaren Kapazitäten abhängig. So war bspw. die Ausstattung von Messeräumlichkeiten mit Techniken und anderen Voraussetzungen von großer Bedeutung. Da allerdings nach wie vor große Mängel im Bereich der Transport- und Unterkünfte sowie an Rohstoffen vorhanden waren, blieb ein längerer Aufenthalt der Messebesucher in Leipzig weiterhin unmöglich.

Die hierin schwebende, bald eintretende Ernüchterung der großen Hoffnungen, die in die Messe gesetzt wurden, konnte zunächst weitgehend verdrängt werden. Die Berichterstattung des „Börsenblatts für den deutschen Buchhandel“ zeigt sich im Vorfeld der Messe geradezu enthusiastisch. Die Rede war hier von der Beseitigung trennender Schranken, von deutscher Wirtschaftseinheit, vom Antrieb der Gütererzeugung und des Güterumlaufes und von einer geistigen Brücke, die es zum Ausland zu schlagen gebe. Zudem wurde deutlich angestrebt, eine erheblich größere Ausstellerzahl als im Vorjahr zu erreichen, eine stärkere Vertretung der westlichen Zonen zu bewirken sowie die Interzonengeschäfte und den Güteraustausch mit dem Ausland zu erweitern. Das Börsenblatt regte darüber hinaus Maßnahmen an, um eventuell „behindernde“ Probleme mildern bzw. umgehen zu können. So war es z.B. vorgesehen, gleiche Angebote straff zusammenzufassen und die einzelnen Branchen scharf voneinander abzutrennen, um die relativ kurze Aufenthaltszeit der Besucher am Messeort so effektiv wie möglich zu gestalten. So sollte bspw. große Übersichtlichkeit geschaffen werden, um Verkaufsverhandlungen zu fördern und den Vergleich vieler ähnlicher Waren innerhalb eines kurzen Zeitraumes zu erleichtern. Darüber hinaus war vorgesehen, Informationspunkte über Bezugsstellen einzurichten.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die historische Messetradition von Leipzig und Frankfurt gegenüber und umreißt die Fragestellung nach der Abhängigkeit dieser Entwicklungen von den jeweiligen Besatzungsmächten.

2. Zwischen Trauma und Verarbeitung – erste Schritte im sowjetisch besetzten Leipzig: Das Kapitel beleuchtet den Einbruch der traditionsreichen Buchhandelsstadt Leipzig durch den Zweiten Weltkrieg und die ersten, durch die sowjetische Besatzungsmacht gelenkten Versuche zur Wiederbelebung der Messe.

3. Die ersten deutschen Nachkriegsmessen in Leipzig: Es wird die Dynamik der ersten Nachkriegsmessen 1946 und 1947 analysiert, wobei der Fokus auf den Herausforderungen des Wiederaufbaus und den politischen Zielen der sowjetischen Verwaltung liegt.

4. Neuanfang und Wiederaufbau im amerikanisch besetzten Frankfurt: Dieses Kapitel beschreibt den schnellen, demokratisch orientierten Wiederaufbau Frankfurts unter amerikanischer Besatzung und die strategische Neuausrichtung der Stadt als politisches und wirtschaftliches Zentrum.

5. Die ersten Buchmessen im Frankfurt der Nachkriegszeit: Der Autor dokumentiert den mühsamen Start der Frankfurter Messe 1948 und die anschließende Etablierung eigenständiger Buchmessen ab 1949 in der Paulskirche, was den Aufstieg zum Zentrum des westdeutschen Buchhandels einleitete.

6. Ausblick: Der Ausblick vergleicht die unterschiedlichen Wege beider Städte und stellt fest, dass während Frankfurt stetig wachsen konnte, Leipzig durch sozialistische Reglements und Zensur in seiner Entwicklung stark gehemmt wurde.

7. Resümee: Das Resümee bilanziert, dass die Besatzungspolitik die entscheidende Determinante für den Erfolg oder Misserfolg der Messeentwicklungen war und reflektiert die dauerhaften Konsequenzen für die deutsche Buchhandelslandschaft.

Schlüsselwörter

Nachkriegszeit, Buchmesse, Leipzig, Frankfurt, Besatzungsmächte, Sowjetische Militäradministration, US-Besatzung, Wiederaufbau, Börsenverein, Kalter Krieg, Buchhandel, Messetradition, Reparationen, Deutsche Einheit, Wirtschaftswachstum.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der vergleichenden Geschichte der ersten Buchmessen in Leipzig und Frankfurt am Main zwischen 1945 und 1950 im Kontext der politischen Nachkriegsordnung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen der Einfluss der unterschiedlichen Besatzungspolitiken auf das Messewesen, die organisatorischen Herausforderungen des Wiederaufbaus nach dem Krieg und die Etablierung des Börsenvereins als maßgebliche Akteure.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie unterschiedliche politische Ideologien der Besatzungsmächte die Wege der Messestädte Leipzig und Frankfurt in der Nachkriegszeit prägten und die Basis für deren spätere Entwicklung legten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit angewendet?

Die Autorin nutzt primär eine historische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung von Zeitzeugenberichten, archivalischen Dokumenten, wie dem Börsenblatt für den deutschen Buchhandel, und relevanter Fachliteratur basiert.

Welche Inhalte werden primär im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die ersten Schritte zur Wiederbelebung der Messen, die ökonomischen Rahmenbedingungen (wie Rohstoffmangel), die politischen Vorgaben und die schrittweise Institutionalisierung der Buchmessen in beiden Städten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die zentralen Schlagworte sind Nachkriegszeit, Buchmesse, Besatzungspolitik, Wiederaufbau, Börsenverein und die städtische Konkurrenz zwischen Leipzig und Frankfurt.

Welche Rolle spielte die Sowjetische Militäradministration (SMA) in Leipzig?

Die SMA war der maßgebliche Akteur, der die Messe zur Durchsetzung eigener wirtschaftlicher Reparationsinteressen und zur Förderung einer sozialistischen Ordnung steuerte, was die internationale Öffnung der Leipziger Messe stark behinderte.

Warum konnte sich Frankfurt in dieser Zeit zum neuen Zentrum des Buchhandels entwickeln?

Frankfurt profitierte von der aktiven Förderung durch die amerikanische Besatzungsmacht, einer schnelleren politischen Demokratisierung und dem gezielten Aufbau neuer institutioneller Strukturen, wie dem Börsenverein und der Deutschen Bibliothek.

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Details

Title
Die ersten Buchmessen der Nachkriegszeit in Leipzig und Frankfurt
College
University of Frankfurt (Main)  (Deutsche Sprache und Literatur II)
Course
Rundfunk und Literatur im Nachkriegsdeutschland (1945-1950)
Grade
sehr gut
Author
M. A. Anja Gruber-Wiedemann (Author)
Publication Year
2006
Pages
28
Catalog Number
V62521
ISBN (eBook)
9783638557443
ISBN (Book)
9783638668774
Language
German
Tags
Buchmessen Nachkriegszeit Leipzig Frankfurt Rundfunk Literatur Nachkriegsdeutschland
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M. A. Anja Gruber-Wiedemann (Author), 2006, Die ersten Buchmessen der Nachkriegszeit in Leipzig und Frankfurt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62521
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