Schulautonomie - Was ist im Norden anders?

Bildung und Erziehung in den nordischen Ländern


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1. Schulautonomie verstehen
1.1. Der Begriff „Schulautonomie“
1.2. Kurze historische Betrachtung

2. Aspekte der Schulautonomie
2.1. Pädagogische Aspekte
2.2. Politische und verwaltungstechnische Aspekte
2.3. Aspekte der Beteiligten
2.3.1. Schulautonomie aus Lehrersicht
2.3.2. Schulautonomie aus Sicht der Eltern

3. Schulautonomie in Deutschland – das hessische Schulmodel

4. Schulische Selbstverwaltung in Europa
4.1 Die Niederlande als historischer Vorreiter
4.2 Schweden
4.2.1 Das schwedische Schulsystem
4.2.2 Die Organisation schwedischer Schulen

5. Auswertung

Literatur

Einleitung

Schulautonomie ist wohl gegenwärtig einer der am häufigsten benutzten und wichtigsten Begriffe, die man in Diskussionen über Schule beziehungsweise die Reformierung des deutschen Schulsystems hören kann. Was sich jedoch hinter diesem Begriff verbirgt und wie dieser sich bei Umsetzung im konkreten Schulleben in einer Schule auswirken kann, ist vielen unklar. Eine Schulreform, die den Schülern und Schülerinnen von Nutzen ist? Eine Veränderung um die bürokratische Organisation der Schule zu vereinfachen? Oder gar eine Privatisierung der Schule?

Fragen zu dem Thema gibt es viele, doch nicht immer sind eindeutige Antworten zu finden. Hauptproblem ist sicher die Uneinigkeit über die Umsetzung von „Schulautonomie“. Zahlreiche Ideen und Theorien zur Schulautonomie sind schon vorhanden, nur die Einigkeit fehlt leider weitgehend.

Die Frage, wie andere Länder das Thema „Schulautonomie“ behandeln, wird als wichtiger und interessanter Punkt in dieser Arbeit untersucht. Die nordischen Länder, die im PISA–Schulvergleichtest hervorragende Ergebnisse erzielt haben, sollen daher neben den deutschen Konzepten betrachtet werden. Wie stehen sie zu diesem Thema und liegt in ihrem Blickwinkel vielleicht das Erfolgsrezept?

In dieser Hausarbeit soll daher versucht werden, erst einmal das Thema Schulautonomie genau zu verstehen (Kapitel 1) und gleich danach sollen Aspekte der Schulautonomie herausgearbeitet werden (Kapitel 2). Was für Vor- und Nachteile verbergen sich hinter diesem Begriff und seiner möglichen Umsetzung? Dabei soll hier die theoretische Grundlage geschaffen werden um dann im Folgenden die praktischen Beispiele (Kapitel 3 und 4) nachvollziehen zu können. Hierbei wird ein Versuchsprojekt in Deutschland (Hessen) dargestellt und untersucht, aber auch das nordische Land Schweden betrachtet und mit Deutschland verglichen.

Abschließend werden die Autorinnen in der Zusammenfassung ein Fazit ziehen.

Bei der verwendeten Literatur handelt es sich um verschiedene Aufsätze und Bücher, die vor allem Anfang und Ende der neunziger Jahre veröffentlicht wurden. Dadurch kann die Aktualität des Themas gesichert werden.

Es wird die neue deutsche Rechtschreibung verwendet.

1. Schulautonomie verstehen

1.1. Der Begriff „Schulautonomie“

Schlagworte wie Selbständigkeit, Profilbildung, Selbstorganisation oder Öffnung sind seit einiger Zeit immer stärker in den Diskussionen zur Reform der Schule zu hören. Möchte man einen Oberbegriff finden, der all diese Begriffe beinhaltet, so könnte dieser lauten: „Autonomie von Schule“. Doch was versteckt sich hinter dem Begriff „Autonomie“, der immer mehr zum Thema für die Betroffenen, aber auch für die Öffentlichkeit wird?

Von seiner griechischen Ableitung „autos nomos“ her bedeutet Autonomie: sich Gesetze selber geben zu dürfen. Durch Autonomie soll einem Subjekt die Möglichkeit gegeben werden sich, unabhängig und selbständig, bei Einhaltung von moralischen Grundregeln, zu verwirklichen und die Umwelt zu gestalten.[1] Betrachtet man diese Bedeutung hinsichtlich von Schulen, so ist dies für die einzelne Schule, sei es eine staatliche oder eine private, unausführbar, weil grundlegende Gemeinsamkeiten im Schulsystem vorhanden sein müssen, die einzelne Schule also nie völlig autonom handeln kann.

Dadurch entstanden Begriffe wie „erweiterte Autonomie“ oder „relative Autonomie“. Der Autor Hans-Günter Rolff bevorzugt beispielsweise den Begriff „Gestaltungsautonomie“. Grundsätzlich geht es bei allen Wortschöpfungen darum auszudrücken, dass der Rahmen von Schule und ihre Möglichkeiten erweitert werden.[2]

1.2. Kurze historische Betrachtung

Die Schulgesetzgebung der deutschen Länder hatte im Jahre 1969 ein Mitbestimmungsmodell im Schulwesen realisiert, das „eine Mitbestimmung der Lehrer, Eltern und Schüler ohne eine Autonomie der Schule vorsah“[3]. Obwohl vorher, aber auch nach 1969, Vorschläge zur Autonomie der Schule gemacht wurden, wurden diese aufgrund des Widerstands der Schulverwaltung und der zurückhaltenden Position der Lehrer und ihren Verbänden nicht umgesetzt.

Diese Entscheidung stieß nicht bei allen auf Verständnis, da es schon damals als sinnvoll betrachtet wurde, dass die Schule mehr Selbständigkeit erhält. Auch in höheren Schulgremien teilte man diese Ansicht. So befürwortete der erste Deutsche Bildungsrat 1969/70 mit einer pädagogisch-wissenschaftlichen Begründung, dass die Schule beispielsweise in personellen und finanziellen Fragen selbständig werden sollte. Diese Befürwortung von Schulautonomie wurde vom zweiten Deutschen Bildungsrat 1974 mit einer gesellschaftlich-demokratischen Begründung ausgebaut. Auch im Jahr 1979/80 kam es durch die Schulrechtskommission des Deutschen Rechtstages zu einer positiven Bewertung des Themas Autonomie der Schule. Hier war die pädagogische Freiheit des Lehrers, was auch eine Autonomie der Schule mit einschloss, zentraler Punkt der Diskussion.[4]

Warum diese oder auch andere Vorschläge nie aufgegriffen wurden, ist nicht unmittelbar verständlich. Eines steht auf jeden Fall fest: seit den neunziger Jahren steht die Diskussion im deutschen Schulwesen konkret zur Debatte, wobei sie heute zahlreiche Aspekte, wie unter anderem pädagogische, verwaltungstechnische und politische beinhaltet.

Wo früher einzelne oder teilweise nur wenige Aspekte betrachtet wurden, beschäftigt man sich heute mit dem Themenkomplex aus verschiedenen Blickwinkeln zugleich.

2. Aspekte der Schulautonomie

2.1. Pädagogische Aspekte

Die Schule ist ein wichtiger Lebens- und Erfahrungsraum für Jugendliche. Dieser Grundgedanke sollte im Schulalltag nie vergessen werden. Dabei muss bedacht werden, dass die Schule auch auf Veränderungen in der Gesellschaft eingehen sollte, damit sie fester und akzeptierter Lebensschwerpunkt für die Schüler sein kann. Hierbei könnte Autonomie eine wichtige Rolle spielen.[5]

Der einfache Weg ist natürlich das Befolgen der Anordnungen von der Schulverwaltung. Im Gegensatz dazu ist das Neudenken der Schule schwierig, unbequem und sicher auch zeitaufwändig. Doch was könnten sich dadurch für Möglichkeiten ergeben? Es könnte beispielsweise die Rolle des Schülers in seinem Lebens- und Erfahrungsraum stärker beachtet werden. Wenn die Schule autonomer wäre, so könnte der Schüler seinen Lebensraum Schule aktiver mitgestalten.

Schüler sollen auf das Leben in einer demokratischen Gesellschaft vorbereitet werden. Dies kann natürlich am besten geschehen, wenn sie schon in jungen Jahren demokratische Verhältnisse hautnah erleben. Sind in der Schule demokratische Lebensformen vorhanden, wo sie selbst einen gewissen Raum für Mitentscheidungen haben, so werden sie am ehesten und auf ganz natürlichem Wege an diese staatliche Gesellschaftsform gewöhnt. Denn nicht das theoretische Wissen über Demokratie macht einen Schüler zum Demokraten, sondern das praktische Ausleben.[6] Wenn Schule für den Schüler „Lebenswelt“ wird, wird es für ihn wohl auch „Lernwelt“.[7]

[...]


[1] vgl. Schaub, Horst; Zenke, Karl: Wörterbuch Pädagogik, München 1999, S. 49.

[2] vgl. Rolff, Hans-Günter: Autonomie als Gestaltungsaufgabe, in: Daschner, Peter; Rolff, Hans-Günter; Stryck, Tom: Schulautonmoie – Chancen und Grenzen, München 1995, S. 31.

[3] Richter, Ingo: Theorien der Schulautonomie, in: Daschner, Peter; Rolff, Hans-Günter; Stryck, Tom: Schulautonmoie – Chancen und Grenzen, München 1995, S. 12.

[4] vgl. Richter, a.a.O., S. 12.

[5] vgl. Richter, a.a.O., S. 20.

[6] vgl. Richter,a.a.O., S.24 und Lange, Hermann: Schulautonomie und Personalentwicklung für Schulen, in: Daschner, Peter; Rolff, Hans-Günter; Stryck, Tom: Schulautonmoie – Chancen und Grenzen, München 1995, S. 207.

[7] vgl. Böttcher, Wolfgang: Autonomie aus Lehrersicht, in: Daschner, Peter; Rolff, Hans-Günter; Stryck, Tom: Schulautonmoie – Chancen und Grenzen, München 1995, S.73.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Schulautonomie - Was ist im Norden anders?
Untertitel
Bildung und Erziehung in den nordischen Ländern
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Pädagogik)
Veranstaltung
'Was ist im Norden anders? - Bildung und Erziehung in den nordischen Ländern'
Note
1,3
Autoren
Jahr
2004
Seiten
26
Katalognummer
V62618
ISBN (eBook)
9783638558297
ISBN (Buch)
9783656111603
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit beschäftigt sich mit Schulautonomie unter Einbeziehung des Schulsystems Schwedens.
Schlagworte
Schulautonomie, Norden, Bildung, Erziehung, Ländern“
Arbeit zitieren
Bettina Nolde (Autor)Claudia Schlaak (Autor), 2004, Schulautonomie - Was ist im Norden anders?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62618

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