Der homo oeconomicus in Bezug auf verkehrspolitische Engpässe am Beispiel der 'Billig-Flüge' unter Berücksichtigung der Theorie Joseph Schumpeters


Hausarbeit, 2006
11 Seiten, Note: 1.7

Leseprobe

Inhalt

Vorwort/ Einleitung

Hauptteil

1. Eigennutzorientiertes Verhalten im Verkehr

2. Zur Geschichte des homo oeconomicus
2.1 Der Homo Oeconomicus in der klassischen Nationalökonomie – Adam Smith

3. Der homo oeconomicus aus Schumpeters Sicht
Schlussteil

4. Fazit

Vorwort/ Einleitung

Der allgemeine Glaube, dass der homo oeconomicus allein in der Wirtschaft zu Hause wäre, ist weit verbreitet. "Der homo oeconomicus ist eben der in der Wirtschaft tätige Mensch." Das Menschenbild des homo oeconomicus geht allerdings darüber hinaus. Es ist ein Erklärungsversuch für menschliches Verhalten, in dem es dem Menschen Rationalität und Egoismus unterstellt. Da es keinen vernünftigen Grund gibt anzunehmen, dass Menschen sich grundsätzlich anders verhalten, wenn sie beispielsweise soziale und politische Probleme lösen als wenn sie wirtschaftliche oder juristische Aufgaben angehen, gibt es auch keinen Grund, den homo oeconomicus aus den anderen Sozialwissenschaften auszugrenzen.

So gesehen tritt der homo oeconomicus in Kontakt mit der aktuellen Problematik des „Billigflug-Sektors“. Menschliche Egoismen und Handlungsweisen sind nicht nur in diesem Bereich anzufinden, doch gerade im „Billigflug-Sektor“ prägend. Jedermann bevorzugt einen günstigeren Flug im Vergleich zu einem teurerem, sofern die von ihm vorausgesetzten Wünsche und Leistungen dadurch ebenfalls erfüllt werden.

In diesem Essay möchte ich das eigennutzorientierte Verhalten im Verkehr darstellen, dieses auf den homo oeconomicus beziehen, um somit einen Bezug herstellen zu können. Zusätzlich werde ich die Historie des homo oeconomicus näher darlegen.

1. Eigennutzorientiertes Verhalten im Verkehr

Der Mensch ist ein Wesen, das allein bestrebt ist, seinen persönlichen Nutzen zu steigern, ohne sich von anderen Einflüssen - z.B. anderen Menschen - beeinträchtigen zu lassen. Seine Entscheidungen gelten dabei als rational in dem Sinne, dass er stets diejenige Handlungsalternative wählt, welche ihm den höchsten Nutzen verspricht. Diese Vorstellung des rationalen, eigennutzorientierten, sich individualistisch entscheidenden Wesens Mensch findet sich unter dem Namen homo oeconomicus wieder. Ausgehend von dieser Maxime ist zu erkennen, dass sie im verkehrspolitischen Rahmen besonders im Bereich des „Billigflug-Sektors“ wieder zu finden ist. Denn der Kollektivverkehr der Individuen ist besonders durch Eigennutz geprägt (homo oeconomicus).

Unternehmen wie „Ryanair“ zielen mit ihrem „Low-Cost-Geschäftsmodell“ darauf ab, ihre Flugkosten so gering zu halten, dass sie möglichst viele Passagiere so günstig wie möglich von Punkt A nach Punkt B fliegen können. Dabei ist zu beachten, dass das Prinzip vornehmlich bei Kurzstreckenflügen zu realisieren ist. Bei Betrachtung dieses Aspektes und unter Berücksichtigung der Maxime liegt auf der Hand, dass Menschen den günstigen Flug im Vergleich zu einem teurerem Flug bevorzugen, eben den Eigennutz auskosten. Jedoch stellt sich die Frage, ob und wodurch Unternehmen wie „Ryanair“ die Flugkosten so gering halten, damit sie einen günstigeren Flug anbieten können als andere Flugunternehmen und welche Einschränkungen dem Kunden dadurch widerfahren.

„Ryanair“ hat seinen kontinentalen Drehpunkt auf dem Festland des europäischen Kontinentes in Frankfurt/ Hahn und täglich werden dort über 10.000 Passagiere abgefertigt. Frankfurt/ Hahn ist ein ehemaliger US-Militärflughafen, der spärlich umgebaut wurde, um die Gegebenheiten eines Passagierflughafens herzustellen. Dabei wurde auf Komfort und teure Einrichtungen verzichtet, so dass hierbei schon Einsparungen im Vergleich zu herkömmlichen Flughäfen vorgenommen wurden. Zudem wird Service an Bord nur gegen Bezahlung angeboten und es werden keine Umsteige- oder Langstreckenflüge angeboten, die höhere Wartezeiten und kosten verursachen. Des Weiteren ist dieser Flughafen in keiner Großstadt anzufinden, sondern eher ländlich angesiedelt, so dass eine gewisse Infrastruktur vorhanden sein muss, um einen möglichen Kundenverkehr aus der Umgebung direkt nach Frankfurt/ Hahn gewährleisten zu können.

Diese Infrastruktur ist allerdings nur spärlich vorhanden, und wird nach und nach ausgebaut, kann jedoch dem Massenaufkommen zur Zeit nicht gerecht werden, so dass es dadurch zu Engpässen führt, die sich wiederum für den Kunden negativ auswirken. Lange Wartezeiten in Zügen, Bussen und PKW’s sind Bestandteil der Normalität und enden in Staus, da es an direkten Autobahnanbindungen fehlt und keine direkte Bahnverbindung vorhanden ist zum Kundenhaupteinzuggebiet Frankfurt. Die negativen Auswirkungen sind Zeitverlust, den man beim An- und Abflug von Frankfurt/ Hahn mit einkalkulieren muss. Hierbei gilt es für den Konsumenten abzuwägen, ob sich ein günstiger Flug von Frankfurt/ Hahn plus möglichen Zeitverlust im Vergleich zu einem herkömmlichen, aber teuerem Flug positiv oder negativ auswirkt. Studenten, Schüler, Arbeitslose etc. haben beispielsweise einen umgerechnet niedrigen Stundenlohn, während Geschäftsleute einen höheren Stundenlohn aufzuweisen haben. Dadurch könnte sich ein Flug von Frankfurt/ Hahn mit vorangegangenem Stau kontraproduktiv auswirken, da der Stundenlohn berücksichtigt werden muss bei der An- und Abfahrt und somit der Vorteil des günstigen „Billig-Fluges“ abhanden kommt. Das eigennutzorientierte Handeln ist somit abhängig von den Eigenarten des Konsumenten, d.h. wie viel Lohn er bezieht, ob er bereit ist einen längeren und aufwendigeren Anreiseweg in Kauf zu nehmen, ob Komfort und Ausstattung eine übergeordnete Rolle spielen und ob der Faktor Zeit eine überaus wichtige Komponente darstellt oder nicht.

2. Zur Geschichte des homo oeconomicus

Auf eine Geburtsstunde des Menschenbildes des homo oeconomicus, des rationalen Eingennutzmaximierers oder auch vernünftigen Egoisten, kann man sich schwerlich festlegen. Bereits Platon legte in seinen staatsphilosophischen Überlegungen ein per se eigennutzorientiertes bzw. egoistisches Menschenbild zugrunde. In seinem Werk "Der Staat", in dem er sich u.a. mit der Frage auseinandersetzt: "Wer soll herrschen?" bzw. "Wer soll regieren?" kommt er zu dem Schluss, dass es Könige sein sollten und die Könige zu Philosophen werden sollten, weil nur sie sich der Gerechtigkeit und dem Wohl der Gemeinschaft verpflichtet fühlen würden und nicht ihren Eigeninteressen.[1] Das egoistische Menschenbild als Grundelement des kapitalistischen Gesellschafts und Wirtschaftslebens wurde zum ersten Mal bei Thomas Hobbes notiert. Hobbes beschreibt den Menschen als "animal rationale", ein aus Leidenschaft und Vernunft zusammengesetztes Wesen. Seine Leidenschaft ist seine Lebensbegierde und daraus folgt sein Egoismus. Da die Menschen meist nach den gleichen Gütern streben, diese aber aufgrund ihres Egoismuses nicht zu teilen gedenken, ist für sie die vernünftigste Lösung die Vorbeugung, heißt, den Konkurrenzkampf bereits im Vorfeld zu verhindern, potentielle Konkurrenten - und das ist jeder Mensch - bereits vorher seiner eigenen Macht zu unterwerfen oder zu töten. So kommt es zum "bellum omnium contra omnes". Um des Überlebens willen schließen die Menschen einen Vertrag, in dem sie alle individuellen Rechte aufgeben und einer souveränen Gewalt übertragen.[2] Durch Hobbes inspiriert schrieb Mandeville 1714 die Fabel: "The Fable of the Bees or Private Vices Made Public Benefits". Darin stellt Mandeville dar, dass nur Egoismus den Bienenstock zusammenhält. In dem Augenblick, wo es ehrenhafte, ehrliche und vor allem altruistische Bienen gibt, steht das ganze Leben im Bienenstock still, und eine Katastrophe tritt ein.[3]

[...]


[1] vgl. Platon: Der Staat, S. 484.

[2] vgl. Fetcher, Iring (Hrsg.): Thomas Hobbes, Leviathan. Frankfurt am Main 1992.

[3] vgl. Bloch, Ernst: Vorlesungen zur Philosophie der Renaissance, in: Ders., Gesamtausgabe, Bd. 12, Frankfurt 1977, S. 296ff.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der homo oeconomicus in Bezug auf verkehrspolitische Engpässe am Beispiel der 'Billig-Flüge' unter Berücksichtigung der Theorie Joseph Schumpeters
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Steuerungs- und Demokratietheorien
Note
1.7
Autor
Jahr
2006
Seiten
11
Katalognummer
V62922
ISBN (eBook)
9783638560702
ISBN (Buch)
9783638753296
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bezug, Engpässe, Beispiel, Billig-Flüge, Berücksichtigung, Theorie, Joseph, Schumpeters, Steuerungs-, Demokratietheorien
Arbeit zitieren
Udo Wichmann (Autor), 2006, Der homo oeconomicus in Bezug auf verkehrspolitische Engpässe am Beispiel der 'Billig-Flüge' unter Berücksichtigung der Theorie Joseph Schumpeters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/62922

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