Der Hinduismus - Darstellung einer 'fremden' Weltreligion


Hausarbeit, 2004
26 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsübersicht

I. Einleitung

II. Begriffliche Unklarheiten und grundsätzliche Unterschiede

III. Zur Entstehung der hinduistischen Glaubensfamilie
III.1. Die Indus- Kultur
III.2 Die Arier

IV. Das Weltbild
IV.1 Grundlagen
IV.2 Braman und Maya

V. Das Menschenbild
V.1 Atman und Samsara
V.2 Die Karma- Lehre und das Kastensystem

VI. Die Heilsvorstellung
VI.1 Moksha
VI.2 Die drei Wege zum Heil

VII. Das irdische Dasein – Die Lebensphasen

VIII. Die hinduistische Götterwelt
VIII.1 Die Gottesfigur im Hinduismus
VIII.2 Monotheismus im Polytheismus
VIII.3 Die Trimurti

IX. Parallelen zwischen den Kulturkreisen
IX.1 Die Gesellschaftsmodelle
IX.2 Das Gute und das Jenseits
IX.3 Dreifaltigkeit und Trimurti

X. Fazit

Literaturliste

I. Einleitung

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts stellt sich die Welt in vielerlei Hinsicht als von Ambivalenzen gekennzeichnet dar. Diese Ambivalenz erstreckt sich auch auf den Bereich der Religion beziehungsweise der Spiritualität. Während die „OECD- Welt“ eine zunehmende Säkularisierung erfährt und Religiosität insbesondere in den jungen Bevölkerungsschichten zunehmend als etwas Obskures, ja Belächelnswertes wahrgenommen wird, erlebt nicht nur die tiefempfundene Gläubigkeit der Massen, sondern auch der religiöse Fanatismus einen Aufschwung, der sich aus zunehmender Unzufriedenheiten mit den sozialen Realitäten speist. War die Religion in der Menschheitsgeschichte schon seit jeher bedeutsam, gewinnt die Kenntnis fremder Religionen mit fortschreitender Globalisierung, wodurch Entfernungen keine Rolle mehr spielen und die Nähe (und damit auch die Reibungsfläche) verschiedenster Kulturkreise und somit auch häufig Religionsgemeinschaften so groß ist wie kaum je in der bisherigen Geschichte, zunehmend an Gewicht. Ohne Berücksichtigung der religiös- kulturellen Hintergründe ist ein Handeln im internationalen Umfeld sowohl für Staaten als auch den berühmten „Geschäftsmann“ kaum mehr möglich.

Auch wenn der „Hinduismus“ im Jahre 2004 eine ungleich kleinere Aufmerksamkeit erfährt als der Islam, so ist es doch lohnend, ihn einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Immerhin steht das den Hinduismus verkörpernde Indien alle Jahre wieder am Rande einer (nuklearen?) Auseinandersetzung mit dem dezidiert islamischen Pakistan.

Es soll bei der Darstellung dieser äußerst komplexen Glaubensströmung jedoch auch auf einen Aspekt eingegangen werden: inwiefern die Ansichten des Hinduismus mit denen des griechisch- christlichen Abendlandes korrelieren, ja übereinstimmen. Insbesondere die griechischen Klassiker werden hierbei von Interesse sein.

Zur Vorgehensweise hierbei gilt es anzumerken, dass zunächst die Glaubenswelt der Hindus in ihren Grundzügen dargestellt werden soll, wobei angestrebt wird, die für „Outsider“ der hinduistischen Lebenswelt sich recht komplex darstellenden Glaubensinhalte auf eine große Linie herunterzubrechen.

Dies soll dadurch erreicht werden, dass weit verbreiteten beziehungsweise allge­mein­gültigen Ansichten und Glaubenssätzen der hinduistischen Vorstellungswelten der Vorrang vor den eventuell voneinander abweichenden konfessions­bedingten Überzeugungen in Einzelaspekten eingeräumt wird. Im Anschluss soll versucht werden, die (wie sich noch zeigen wird) recht groß scheinende Distanz zwischen „westlichen“ und „östlichen“ Religions- Grundsätzen durch eine Art „Synopse“ zu verkürzen, indem ausgewählte Aspekte der beiden Kulturkreise, welche sich durch eine zum Teil gravierende Ähnlichkeit auszeichnen, nebeneinander gestellt werden.

II. Begriffliche Unklarheiten und grundsätzliche Unterschiede

Eine beschreibende Darstellung des „Hinduismus“ trifft für den Europäer schon recht bald auf die ersten Probleme. Denn im Gegensatz zu den vertrauten so genannten „abrahamitischen“ (also auf den Ur- Vater Abraham bezogenen) Religionsgemeinschaften des Juden- und Christentum und auch des Islam, die mit einer Heiligen Schrift, einem Stifter und einem mehr oder minder verbindlichen Glaubensbekenntnis aufwarten können, fehlt eine derart „straffe“ Uniformität in der als Hinduismus bezeichneten Glaubensrichtung völlig. Schon die Endung „-ismus“, sonst eher für politische Weltanschauungen verwendet, deutet darauf hin, dass es sich um einen Sonderfall von Religion handelt. Tatsächlich waren es nicht die Anhänger des Hinduismus, die ihre Glaubensvorstellung so benannten. Es handelt sich bei diesem Begriff eher um einen Verwaltungsterminus, eingeführt von der britischen Kolonialverwaltung, um die recht vielfältigen Strömungen in einen Wort zusammenzufassen[1].

In der Tat umfasst der Begriff in dieser Bedeutung zum Teil gegensätzliche Ansichten und es besteht in der Literatur nicht einmal Einigkeit, ob es sich um eine Religion mit verschiedenen Konfessionen, um eine Vielzahl verschiedener Religionen ähnlich der Familie der „abrahamitischen“ oder um eine Religionsgemeinschaft mit einigen Sekten als Splittergruppen handelt.

Darüber ist festzustellen, wie noch weitergehend gezeigt werden wird, dass die Vorstellungen des Hinduismus bezüglich Pantheon, Schöpfung und auch religiösem „Alltag“ deutlich transzendenteller ausfallen als in den meisten anderen Weltreligionen.

Das Wort „Hindu“ selbst jedenfalls ist seit dem 13. Jahrhundert in Gebrauch, entstammt dem Persischen und bedeutet soviel wie „Inder“.

III. Zur Entstehung der hinduistischen Glaubensfamilie

III.1. Die Indus- Kultur

Die Wurzeln des Hinduismus reichen circa 5000 Jahre zurück. Zu dieser Zeit entwickelt sich am Flusse Indus die später so genannte „Induskultur“. Hierbei handelte es sich um die Ackerbau und Viehzucht betreibenden Ureinwohner des indischen Sub- Kontinents. Bis zum Jahre 1800 v. Chr. hatte sich eine Hochkultur entwickelt, die ein komplexes Schriftsystem (welches noch immer nur fragmentarisch übersetzt wurde) und eine nahezu modern anmutende Verwaltung aufbauten[2]. Daneben waren aber auch die religiösen Vorstellungen hoch entwickelt. Aus dieser Zeit strahlen bis heute wichtige Einflüsse in die hinduistische Vorstellungswelt hinein. Die aus dieser Kultur überkommenen Elemente sind, typisch für eine frühe Ackerbaukultur, matriarchalisch geprägt[3]. Ein Beispiel hierfür ist in der Göttin Kali zu finden, die häufig als über ihrem Mann stehend dargestellt wird. Aber auch andere wichtige Aspekte entstammen der Indus- Hochkultur: so wichtige Elemente des Yoga und viele der zahlreichen (in einigen Quellen unendlich vielen) Götter. Zusammenfassend lässt sich allerdings über diese frühe Hochkultur sagen, dass nur wenig gesicherte Erkenntnisse gewonnen werden konnten.

III.2 Die Arier

Dies mag unter anderem auch daran liegen, dass eine andere Volksgruppe, die sich selbst als „Arier“ (die Edlen) bezeichnete, um das Jahr 1500 v. Chr. begann, sich im Bereich des sich im Niedergang befindlichen Indus- Reiches anzusiedeln. Bei dieser Volksgruppe handelte es sich um eine Gruppe verschiedener Stämme, die jedoch einen vergleichbaren Glauben aufwiesen. Darüber hinaus teilten sie ihre Lebensweise, welche der eines Hirten-, Jäger- und somit nomadisch lebenden Volkes entsprach. Diese Kulturform brachte verständlicherweise eine anders angelegte Götterwelt mit sich als die agrarisch geprägte Ur- Kultur am Indus.

Die arischen Götter waren im Gegensatz zu den oftmals in Bäumen wohnenden Göttern der Indus- Kultur ebenso wie ihre Anhänger frei beweglich[4] und darüber hinaus war ihr Pantheon eher patriarchalisch geprägt, was wiederum ihrem Hirten- Dasein entsprach.

Ein bis heute herausragendes „Überbleibsel“ der arischen Theologie ist die Einteilung der Gesamtgesellschaft in Kasten, denen man qua Geburt angehört. Da dieses System noch von hoher Wichtigkeit sein wird, soll hier kurz sein Ursprung erläutert werden. Der Schöpfungsmythos der Arier kannte ein Urwesen, welches mit der Gesellschaft gleichzusetzen war. Der Mund dieses Urwesen wurde durch die Priester, die Arme durch die Herrscher beziehungsweise Krieger repräsentiert. Die Beine entsprachen den Bauern und Händlern und die Füße den Arbeitern, Handwerkern und Hörigen. Diese vier Urkasten differenzierten sich aus, so dass es heute über 3000 verschiedenen Unterkasten[5], und somit eine eigene Kaste für nahezu jede in der Gesellschaft anfallende Aufgabe gibt. Auf das System der Kasten wird später noch genauer einzugehen sein. Aus den beiden Glaubenssystemen, welche zu dieser Zeit auf dem indischen Halbkontinent zusammentrafen, entwickelten sich die Religionsströmungen, die später unter dem Begriff „Hinduismus“ zusammengefasst werden sollten[6].

[...]


[1] Stietencron, Heinrich von: Der Hinduismus; München, C.H. Beck, 2001; S.7

[2] ebd. S.10f

[3] Göttner- Abendroth, Heide: Sind Matriarchate eine Alternative?; Vortrag vor dem Frauen- und Kommuni-kationszentrum des Renner- Instituts am 10.05.2001; S.7 www.renner-institut.at/download/texte/goettner.pdf (15.02.2004)

[4] Fassnacht, Dieter; Bickelmann, Eckehard: Hinduismus; Frankfurt/ M., Verlag Moritz Diesterweg und München, Kösel- Verlag, 1979; S.8

[5] Hammer, Raymond: Grundanschauungen des Hinduismus; Metz, Wulf (Hrsg.): Handbuch der Weltreligionen; Wuppertal, Brockhaus Verlag 2003; S.185- 192

[6] ebd

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Der Hinduismus - Darstellung einer 'fremden' Weltreligion
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg  (Institut für Theologie und Gesellschaft)
Veranstaltung
Grundlagen christlicher Ethik
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
26
Katalognummer
V63059
ISBN (eBook)
9783638561839
ISBN (Buch)
9783638669078
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hinduismus, Darstellung, Weltreligion, Grundlagen, Ethik
Arbeit zitieren
Thomas Eissing (Autor), 2004, Der Hinduismus - Darstellung einer 'fremden' Weltreligion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/63059

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